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Author: wz_admin

Mit realistischem Blick



Editorial

Mit realistischem Blick

Liebe Leserinnen und Leser,

offen, ehrlich und zukunfts­orientiert wollen wir sein. Was den ZWA und die AöR eint, ist der Blick auf unsere Bestandsanlagen. Damit sind kilometerlange Rohre und komplexe Technik gemeint, die jeden Tag in den Verbandsgebieten genutzt werden. Für uns alle und für zukünftige Generationen müssen wir den eingeschlagenen Weg der Sanierung konsequent weitergehen.

Dazu müssen wir den Blick auf die Finanzen lenken. Oberste Priorität hat die qualitativ und quantitativ sichere Ver- und Entsorgung, ohne dabei die Bezahlbarkeit aus dem Blick zu verlieren. Was uns außerdem eint: Das Geld, was wir einnehmen, fließt direkt in die Infrastruktur. Profit dürfen wir als kommunale Betriebe nicht erzielen. Um effektiver zu arbeiten, ist ein weiteres gemeinsames Ziel, die Verwaltung zu optimieren. Neue Softwaresysteme bieten dafür die Grundlage. Mit unserer Erfahrung, mit Bedacht, Zuversicht und Engagement für alle anstehenden Aufgaben gehen wir ins nächste Jahr.

Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit,
frohe Weihnachten und kommen Sie gut ins neue Jahr!

Ihr Franz-Xaver Kunert, Verbandsgeschäftsführer des ZWA Bad Dürrenberg

Foto: SFotoloft Erfurt

Ihr Mario Pöschmann, Vorstand der Abwasserbeseitigung Weißenfels – AöR

Foto: SPREE-PR/Wolf

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Wasserwirtschaft im europäischen Fokus



Wasserwirtschaft im europäischen Fokus

Am 15. und 16. September 2025 fand die diesjährige Jahrestagung der European Union of Water Management Associations, kurz EUWMA, in Hamburg statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Deutschen Bund der verbandlichen Wasserwirtschaft e. V. (DBVW).

Gemeinsam stark für eine zukunftsfähige europäische Wasserwirtschaft: Die Teilnehmer der EUWMA-Jahrestagung kamen u. a. aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, aus Portugal und Deutschland.

Foto: EUWMA

Mit der Übergabe der EUWMA-Präsidentschaft von Fenareg, einem öffentlich-rechtlichen Verband für Wassermanagement aus Portugal, an den DBVW-Präsidenten Franz-Xaver Kunert rücken nun für ein Jahr die Themen der deutschen Wasserwirtschaft in den Mittelpunkt.
Im Zentrum der Gespräche in Hamburg standen aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im europäischen Wassermanagement, darunter die anhaltende Trockenheit, der Gewässerschutz und damit die dringend benötigte Herstellerverantwortung. Aber auch Infrastrukturfragen und die europäische Förderpolitik wurden diskutiert.

Franz-Xaver Kunert übernahm die EUWMA-Präsidentschaft.

Foto: EUWMA

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Der ZWA rückt den Bestandserhalt des Trink- und Abwassernetzes in den Fokus



Für jetzt und für die Zukunft

Der ZWA rückt den Bestandserhalt des Trink- und Abwassernetzes in den Fokus

Wir alle nutzen tagtäglich die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung. Eine Selbstverständlichkeit. Erst, wenn etwas defekt ist, wird bemerkt, was dahintersteckt: ein komplexes Netz aus Leitungen, Aufbereitungsanlagen, Pumpstationen oder umfassender Kläranlagentechnik. Nicht nur oberirdisch, sondern vor allem im Erdreich liegen Millionenwerte.

Versorgungssicherheit: Im Juli 2025 gab es umfangreiche Baumaßnahmen am Trinkwassernetz nahe Friedensdorf. In Folge eines Bauprojektes der Deutschen Bahn kam es zu einer Havarie. Über 60 Jahre alte Leitungen wurden daraufhin vom ZWA erneuert.

Foto: ZWA/Kunert

Dieses System, das bereits seit Jahrzehnten vorhanden ist, muss nicht nur gepflegt, sondern auch saniert werden. Passiert dies nicht, bricht es irgendwann zusammen. Ein Szenario, das keiner will.

Franz-Xaver Kunert, der Verbandsgeschäftsführer des ZWA, bringt es auf den Punkt: „Wir haben viel geschaffen in den letzten Jahrzehnten. Jetzt müssen wir für den Bestands­erhalt Geld in die Hand nehmen.“ Dem ZWA geht es um den realistischen Blick auf das gesamte Trink- und Abwassernetz des Verbandsgebietes, denn dies soll auch für künftige Generationen erhalten werden. „Die Fördermittel sind rückläufig, wir sind immer mehr auf Eigenkapital angewiesen, um das gesamte Netz aufrechtzuerhalten“, so Kunert.

Rohre und Leitungen sind teilweise siebzig bis achtzig Jahre alt, dabei handelt es sich nicht um ein „Phänomen“ des ZWA, sondern dies betrifft alle Ver- und Entsorger in Deutschland, in kleinen sowie in großen Strukturen. Baumaßnahmen für den Erhalt werden immer teurer und das seit Jahren. „Wir müssen die Sanierung in den Fokus rücken. Wir können das nicht auf später verschieben. Diesen Spielraum haben wir nicht. Aktuelle Prognosen zeigen, dass die Gebühren bis 2050 um mindestens 350% steigen müssten, um die Infrastruktur enkel­gerecht zu erhalten. Darum müssen wir jetzt aktiv vorbauen, um unsere Bürger langfristig nicht zu überlasten“, so Franz-Xaver Kunert.

Geld für die Bestandssanierung bei gleichzeitig bezahlbarer Gebühr: „In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns und müssen dies in unseren Entscheidungen bewusst abwägen“, sagt er weiter. Um für die Zukunft vorzusorgen gibt es die Möglichkeit, das Anlagevermögen nach Wiederbeschaffungszeitwerten abzuschreiben. „Dies ermöglicht es dem Verband, bilanziell Rücklagen für künftige Investitionen zu bilden“, so Kunert. Bereits in der Gebührenkalkulationsperiode 2017–2019 wurde begonnen, die Abschreibung auf Wiederbeschaffungs­zeitwerte einzuführen. 2020 –2022 gab es ­einen Gebührensprung, der für Investitionen nötig war.

Extremer Sanierungsbedarf in 20-30 Jahren: Während in Westdeutschland die Sanierungswelle im Trinkwassernetz bereits rollt, verdeutlicht die Grafik, dass die Verbände in Ostdeutschland ab den 2040er Jahren erheblichen Erneuerungsbedarf in der Infrastruktur haben werden. Das betrifft Trinkwasserleitungen, die nach der Wende errichtet wurden.
Quelle: confideon Unternehmensberatung GmbH, am-tec switzerland ag; ZWA

Das Trinkwassernetz im Visier: Der ZWA versucht extremen Erneuerungsbedarf in den nächsten Jahrzehnten zu umgehen.

Foto: ZWA/Kunert

Jedes Jahr konnte aber bis zu eine Million Euro für die anteilige Finanzierung künftiger Erneuerungsprojekte zurückgestellt werden. „Da wir aber nur aller drei Jahre kalkulieren, holt uns jetzt mit der Gebührenkalkulation 2026-2028 die Abschreibung auf die Wiederbeschaffungszeitwerte ein. Jetzt schlagen die Preissteigerungen, die wir durch Corona und den Beginn des Ukraine-Krieges hatten, deutlich durch“, erläutert Kunert. Versucht wird, finanziell einen Mittelweg zu finden.

Bestimmte Finanzaufstellungen werden genutzt, um eine Dämpfung des Gebührenanstiegs zu schaffen. Ein Beispiel aus der zentralen Schmutzwasserbeseitigung: Derzeit beträgt diese 3,44€/m³. Theoretisch müsste die Gebühr auf 6,60€/m³ steigen, der Verband will in den kommenden Jahren jedoch nur 3,98€/m³ erheben. Diese bilanzielle Anpassung liegt derzeit zur Prüfung bei der Kommunalaufsicht und dem Rechnungsprüfungsamt des Burgenlandkreises.

Ein Abfedern der Gebühren soll vor allem der Generation entgegenkommen, die schon einmal einen Beitrag für ihre Schmutzwasserinfrastruktur, nämlich den Erschließungsbeitrag, bereits bezahlt hat. Der ZWA will grundsätzlich dennoch jedes Jahr einen festen Betrag für Erneuerungsmaßnahmen zurückstellen, doch einfach wird das nicht. „Unser Appell geht an die Politik. Wir brauchen nicht nur für die Neuerschließung oder für Energieeinsparungen im Trink- und Abwasserbereich Fördermittel, sondern auch für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur“, mahnt Kunert.

Vorläufiger Entwurf der Gebühren für die Kalkulationsperiode 2026-2028. Die vorletzte Tabellenspalte zeigt die Gebühr, die eigentlich veranschlagt werden müsste. Alle Werte benötigen noch die Zustimmung durch Kommunalaufsicht und Rechnungsprüfungsamt.
Quelle: ZWA

Der Verband hofft, dass Gelder aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes fließen. „Wir haben im Trinkwasserbereich eine Erneuerungsrate von 1–1,5 Prozent, Ziel wären eigentlich zwei bis drei Prozent. Zwei Prozent bedeutet, jede Leitung wird 50 Jahre alt, 1,5% bedeutet eben nur noch 75 Jahre und da wird’s schon schwierig. Allein die 1,5% sind ein enormer Kraftakt. Wir müssen alle gemeinsam auf dem Weg bleiben, mehr zu tun“, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Der ZWA hat die Bestandssanierung im Blick, damit in naher Zukunft die Region vor einer massiven Sanierungs- und Kostenwelle verschont bleibt.

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Unser Wasser – eine wahre Gemeinschaftsaufgabe

 



Brandenburg

Unser Wasser – eine wahre

Gemeinschafts­aufgabe

Im Fußball stehen elf Mann pro Team auf dem Feld. In den Unternehmen der kommunalen Wasserversorgung reichen die „Mannschaftsstärken“ von wenigen Dutzend bis mehreren Hundert Beschäftigten. Die zu bewältigenden Herausforderungen sind jedoch ausnahmslos für alle gleich. Gut, dass in der Branche Teamgeist herrscht! Das hymnenhafte „You’ll never walk alone“ (Du wirst niemals alleine gehen) aus dem Fußball gilt ebenso in der Wasserwirtschaft.

Montage/Foto: SPREE-PR

Fast 130 Unternehmen beteiligten sich im Juli an einer Umfrage ihres Branchenverbandes VKU. Unter dem Titel „Hitzesommer 2025“ wollte der Verband kommunaler Unternehmen in Erfahrung bringen, wie seine Mitglieder den wachsenden Herausforderungen für eine klimaresiliente Wasserversorgung trotzen. Eines der zentralen Ergebnisse: 53 % setzen auf mehr Kooperation mit benachbarten Versorgern. Dass es hierbei um keine wage Absichtserklärung, sondern gelebte Praxis geht, beweisen die Herausgeber dieser WASSERZEITUNG. Im Trinkwasserverbund Niederlausitz – gegründet für eine resiliente Wasserversorgung im Ballungsraum Cottbus – finden sich unter anderem die LWG Cottbus, der GWAZ Guben und der WAC Calau zusammen. Im sächsisch-brandenburgischen Trinkwasserverbund „Lausitzer Revier“ bringt der WAL Senftenberg seine Expertise ein.

Alles Engagement dient dem Ziel, die öffentliche Wasserversorgung vor Engpässen zu bewahren. Apropos. In der eingangs erwähnten Umfrage sehen 85 % es als vordringliche Aufgabe der Politik an, den Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung durchzusetzen.

Strategisch Not vermeiden

Die Wasserwirtschaft könne problemlos kooperieren, betont Felix von Streit im neuen Podcast „WASSER ZEITUNG“ (bei deezer, spotify uam.). Der Geschäftsführer der Mittelmärkischen Wasser und Abwasser GmbH (MWA) und Vizepräsident des Landeswasserverbandstages (LWT) Brandenburg verweist darauf, dass die Wasserwirtschaft in keiner Konkurrenzsituation stehe. Und Mutter Natur interessiert sich ohnehin wenig für Verwaltungsgrenzen. Insofern spricht Zusammenarbeit für einen klugen Weitblick. „Unsere Arbeitsperspektive reicht 30, 40, 50 Jahre in die Zukunft“, steckt Felix von Streit die Zeitachse ab. „Strategisch dorthin zu denken und sich frühzeitig mit den ‚Teilnehmern‘ am Wasserdargebot abzustimmen, um Notsituationen zu vermeiden, hat nur Vorteile!“ Die permanenten Abstimmungen auf Arbeitsebene in den verschiedenen Gremien liefen gut. „Und ich würde mich freuen, wenn sich die Politik daran ein Beispiel nimmt und ebenfalls mehr länderübergreifend zu Lösungen kommt.“

Ein starkes Wasser-Netzwerk

Ein besonders praktisch-orientiertes Gremium für die Betriebe der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung sind die drei regionalen KOWABs. Hinter der Abkürzung steckt Kooperation Wasser Abwasser Brandenburg. René Windzus, Geschäftsführer der Dahme-Nuthe Wasser-, Abwasserbetriebsgesellschaft mbH (DNWAB) in Königs Wusterhausen, spricht von einer Vermittlungsplattform, die Raum für einen Austausch auf Augenhöhe gibt. „Manch eine Herausforderung wurde schon durch einen Kollegen ‚gemeistert‘ und kann übertragen werden.“ Ergebnis: schnellere und kostengünstigere Lösungen für Ver- bzw. Entsorgungssicherheit. „Wir müssen nicht jeder einzeln das Rad neu erfinden, sondern projekt- und problembezogen übergreifend arbeiten und Ressourcen bündeln. Somit kommen wir am Ende des Tages alle schneller zum Erfolg.“ Und, so hebt René Windzus hervor, man gehöre mit dem wichtigsten Gut allen Lebens ja zur kritischen Infrastruktur. Dies erfordere ein starkes Netzwerk!

Ihre WASSERZEITUNG – auch ein Gemeinschafts­projekt

Klaus

Foto: SPREE-PR/Petsch

Von einer Pflichtübung spricht LWT-Vizepräsident Felix von Streit in unserem Podcast-Gespräch, wenn es um Öffentlichkeitsarbeit für das Lebensmittel Nr. 1 geht. Aus diesem Grund wurde vor 30 Jahren in Brandenburg die WASSERZEITUNG ins Leben gerufen. An Themen mangelte es der Redaktion seitdem nie – im Gegenteil. Denn Wasser ist Leben. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Wasser ist Heimat – als Teich im Dorf, als Flüsschen durch die Stadt, als See vor ihren Toren. Wasser ist Heilung. Wasser ist Erholung. Denn das sanfte Rauschen des Meeres in unseren Ohren weiß selbst die Wogen des Alltags zu besänftigen. Nur eines ist Wasser bester Qualität nicht: eine Selbstverständlichkeit!
Alle Herausgeber der WASSERZEITUNG – mittlerweile in sieben Bundesländern vertreten – sind sich einig: Das immer wertvollere Wissen über unsere Lebensgrundlage Wasser darf im medialen Dauerprasseln hektischer Schlagzeilen, politischer Paukenschläge und lärmenden Geplärres flüchtiger 15-Minuten-Berühmtheiten auf keinen Fall untergehen.


Klaus Arbeit,
Projektleiter WASSERZEITUNG

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EU-Kommunalabwasserrichtlinie: Meilenstein, Aufgabenpaket, Bürokratiemonster?

 



Sachsen-Anhalt

EU-Kommunal­abwasser­richtlinie: Meilenstein, Aufgabenpaket, Bürokratie­monster?

Die Novellierung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie, kurz EU-KARL, trat am 1. Januar 2025 in Kraft. Nun muss jedes Mitgliedsland die Inhalte bis Ende Juli 2027 in nationales Recht umwandeln. Werden die kommunalen Abwasserverbände die Vorgaben bewältigen? Was ist gut an der Richtlinie und was ist schwierig? Eine Einordnung von Dr.-Ing. Jürgen Wiese, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Hochschule Magdeburg/Stendal.

Neue EU-Standards für die Abwasserreinigung und den Energiebedarf: Die EU-KARL ist ein Großprojekt, für das es kräftige Finanzspritzen braucht.
Foto: SPREE-PR/Petsch

Im Gespräch mit der WASSERZEITUNG: Prof. Dr.-Ing. Jürgen Wiese.

Foto: SPREE-PR/Wolf

Herr Prof. Wiese, die DWA, die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. hat eine monatliche Online-Sprechstunde für Fragen zur EU-KARL eingerichtet. Auf zahlreichen Veranstaltungen ist die EU-KARL das Top-Thema. Aus Ihrer Sicht: Ist der Gesprächsbedarf hoch?

Ich habe zusammen mit Prof. Barjenbruch, dem Vorsitzenden des DWA-Landesverbandes Nord-Ost, am 1.10.2025 eine DWA-Online-Sprechstunde zum Thema „Energieneutralität“ durchgeführt, die mit ca. 80 Teilnehmenden stark frequentiert war. Die bereits im Vorfeld eingereichten Fragen zeigen deutlich einen hohen Gesprächsbedarf, vor allem aber auch die Unsicherheit der Akteure im Abwasserbereich.

Die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie ist ein rechtlicher Rahmen für die Erfassung, Behandlung und Entsorgung von Abwasser. Welchen Aspekt der neuen EU-KARL bewerten Sie positiv?

Grundsätzlich ist die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie ein Schritt in die richtige Richtung. Die starke Eutrophierung der europäischen Meere, u.a. der Ostsee, verdeutlicht, dass wir bezüglich der Stickstoff- und Phosphorelimination (Artikel 7) noch besser werden müssen. Auch die Forderung nach einer schrittweisen Energieneutralität der Kläranlagen (Artikel 11) halte ich prinzipiell für zielführend, zumal noch ein hohes ungenutztes Potential für die Energiegewinnung aus Abwasser besteht. Dies zeigt etwa die Nutzung der Abwasserwärme im Kläranlagenablauf durch Großwärmepumpen, wie dies zum Beispiel in Dänemark bereits zur Fernwärmeversorgung gemacht wird und auf einzelnen deutschen Großklärwerken geplant ist. Die Elimination anthropogener Schadstoffe (4. Reinigungsstufe) primär für Großklärwerke mit über 150.000 Einwohnerwerten (Artikel 8) zu fordern, ist folgerichtig, zumal in diesen wenigen hundert Kläranlagen mehr als die Hälfe des deutschen Abwassers gereinigt wird.

Was sehen Sie als kritisch an?

Kritisch sehe ich, dass die EU-KARL in weiten Teilen unpräzise formuliert wurde, was Tür und Tor für Spekulationen öffnet und meiner Ansicht nach der Hauptgrund für die starke Verunsicherung der Akteure ist. Weiterhin fürchte ich, dass die erweiterte Herstellerverantwortung (Artikel 9 und 10), die zur Finanzierung der 4. Reinigungsstufe beitragen soll, zwar gut gemeint, aber ein Bürokratiemonster werden wird, zumal erste Klagen der Industrie bereits anhängig sind. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die Hersteller von Arznei- und Kosmetikmitteln die dafür anfallenden Kosten nicht an die Endverbraucher weitergeben werden.

In der Abwasserbranche von Sachsen-Anhalt wird die novellierte EU-KARL stark diskutiert – was technische Anforderungen und vor allem was die Investitionen betrifft. Die Verbände sehen sich vor einem enormen Aufgabenpaket.

Die Diskussionen entstammen vor allem der Unsicherheit bei der Interpretation der EU-KARL. Hier wird es erst Klarheit geben, wenn die EU-KARL bis zum 31. Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt wird. Generell bin ich aber für die Betreiber von Kläranlagen unter 150.000 Einwohnerwerte in Sachsen-Anhalt verhältnismäßig optimistisch. Wir haben Kontakt zu zahlreichen dieser Kläranlagen in Sachsen-Anhalt und viele Anlagen halten bereits heute die EU-KARL-Anforderungen bezüglich der weitergehenden Stickstoff- und Phosphorelimination ein; auf den anderen Anlagen dürften sich die Ziele der 3. Behandlung zudem durch den Einsatz moderner Mess- und Automationstechnik mit relativ geringen Investitionen lösen lassen. Im Idealfall kann ein optimierter Anlagenbetrieb sogar zu sinkenden Energie- und Fällmittelkosten führen; auch dies zeigen Praxisbeispiele. Weiterhin produzieren viele Kläranlagen schon heute einen Teil ihres Energiebedarfs durch Erneuerbare Energien. Mit der Kläranlage Stendal gibt es eine erste Energie-Plus-Kläranlage in Sachsen-Anhalt, die mehr Energie produziert als sie verbraucht. Andere Betreiber folgen dieser Idee und nehmen dazu die Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene in Anspruch. Eine echte Herausforderung wird sicherlich auf die Kläranlagenbetreiber zukommen, die eine 4. Reinigungsstufe bauen müssen, weil dies tatsächlich mit erheblichen Investitions- und Betriebskosten verbunden sein wird.

Jede Kläranlage hat spezifische Rahmenbedingungen, wie Technologie, Belastung des Abwassers durch Industriestandorte oder die finanzielle Situation. Für große Kläranlagen ab 150.000 EW) wird eine 4. Reinigungsstufe gefordert, in besonders sensiblen Gebieten bereits ab 10.000 EW. Was halten Sie von diesen Anforderungen?

Es ist bekannt, dass einzelne anthropogene Spurenstoffe bereits in geringen Konzentrationen negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben können. Viele Wasserwerke setzen daher bereits heute Aktivkohlefilter zur Entfernung dieser Spurenstoffe aus dem Trinkwasser ein. Auf Dauer ist es daher sinnvoll, diese Spurenstoffe erst gar nicht in unsere Gewässer einzuleiten. Wie bei jeder Umweltschutzmaßnahme muss aber immer Aufwand und Nutzen im Augen behalten werden: Eine 4. Reinigungsstufe wird immer mit erheblichen Investitions- und Betriebskosten verbunden sein, zumal es sich auch meist um technisch komplexe Systeme handelt, die entsprechend qualifiziertes Betriebspersonal erfordern. Es ist daher richtig, diese Systeme zunächst einmal nur für Kläranlagen über 150.000 Einwohnerwerte zu fordern, da diese mehr als die Hälfte des deutschen Abwasseranfalls behandeln. Im Übrigen gibt es Bundesländer, z. B. Baden-Württemberg, bei denen die 4. Reinigungsstufe auf Großklärwerken bereits Standard sind. Eine Notwendigkeit, die 4. Reinigungsstufe auch auf Kläranlagen ab 10.000 EW einzusetzen sehe ich hingegen eher selten.

Der Umbau von Kläranlagen für eine intensivere Abwasserbehandlung und zur Spurenstoffeliminierung wird teuer. Welche Verfahren und Innovationen machen Ihren Forschungen zufolge Sinn, wären Alternativen, die auch bezahlbar wären?

Im Moment dominieren Verfahren auf Basis von Pulveraktivkohle und granulierter Aktivkohle die Spurenstoffelimination; hier liegt der Schwerpunkt in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. In Nordrhein-Westfalen sind aber auch oxidative Verfahren – im Wesentlichen durch Ozonung – im Einsatz; einzelne Kläranlagen sind auch mit einer Kombination von Ozonierung und Aktivkohlefilterung ausgestattet. Wir an der Hochschule Magdeburg-Stendal forschen auch an modifizierten Membranen, die die Spurenstoffe mit geringem Energieaufwand zurückhalten sollen. Wir werden diese Technik ab 2026 auf einem Großklärwerk im halbtechnischen Maßstab testen. Diese Membranen sollen aber auch an der Quelle der Verunreinigung eingesetzt werden, hier haben wir ein Forschungsprojekt mit der Martin-Luther-Universität in Halle, bei dem wir diese Technik in der Uniklinik Halle testen wollen. Schließlich arbeiten wir an modifizierten Bodenfilteranlagen, um Spurenstoffe mit möglichst geringem Aufwand auf mittelgroßen Kläranlagen zu entfernen.Hier beginnen demnächst halbtechnische Versuche auf der Kläranlage Gardelegen.

Die EU-KARL muss bis 2027 in nationales Recht umgesetzt werden. Wird es für jedes Bundesland Extra-Lösungen geben? Was braucht es für Konzepte vom Bund und Land zur Unterstützung der kommunalen Abwasserverbände?

Der Bund wird den nationalen Rechtsrahmen für die Umsetzung der EU-KARL vorgeben. Deutschland ist aber ein föderaler Staat, sodass es den einzelnen Bundesländern freisteht, eigene Wege zu gehen, die aber mindestens den Anforderungen des Bundes genügen müssen. Faktisch gibt es bereits heute einzelne Bundesländer, die deutlich strengere Anforderungen an die Reinigungsleistung stellen als die EU-KARL perspektivisch fordert. Die aktuellen Anforderungen in Hessen bezüglich der Phosphorelimination gehen zum Beispiel bereits seit 2018 weit über die EU-KARL-Vorgaben hinaus. Die 4. Reinigungsstufe ist auf Großklärwerken in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ebenfalls bereits oft im Einsatz. Zur Umsetzung der Fördermaßnahmen sind Förderprogramme sicherlich hilfreich, zur Steigerung der Energieeffizienz gibt es schon lange solche Programme. Bei kleineren Maßnahmen zur Optimierung der Nährstoffelimination können viele Betreiber zudem noch die Möglichkeiten der Rückverrechnung der Abwasserabgabe ausschöpfen; dies wird leider vielfach übersehen.

Sie kennen in Sachsen-Anhalt so gut wie jede Kläranlage. Wieviel Prozent der Kläranlagen werden die Energieneutralität nur unwirtschaftlichen umsetzen können – die Verbände mehr Ausgaben als Einsparungen haben?

Ich kenne in Sachsen-Anhalt ca. 100 Kläranlagen, was etwa der Hälfte der Gesamtzahl entspricht. Die Kläranlagen, die über eine Schlammfaulung verfügen, haben gute Chancen die Energieneutralität zu erreichen, wenn sie die Energieeffizienz deutlich erhöhen. Hierfür gibt es interessante Förderprogramme, die leider nicht im vollen Umfang abgerufen werden. Die Praxis zeigt, dass viele Kläranlagenbetreiber noch viel Energie einsparen könnten, ohne dass dies zu einer Verschlechterung der Abwasserreinigung führen würde. Viele alte Gasmotoren sollten zudem durch neuere, energieeffizientere Motoren ausgetauscht werden, um die Eigenstromproduktion zu erhöhen. Der Einsatz von Photovoltaik-Anlagen zur Eigenstromerzeugung ist bereits heute wirtschaftlich, was man auch daran erkennen kann, dass viele Betreiber bereits seit Jahren massiv in Freiflächen-PV-Anlagen investieren. Es ist aber klar, dass kleinere und mittlere Kläranlagen ohne Schlammfaulung alleine mit PV-Anlagen keine Energieneutralität erreichen werden. Im Übrigen gehen die aktuellen Diskussionen in die Richtung, dass die Energieneutralität nicht für jede Kläranlage nachgewiesen werden muss, sondern eher aggregiert auf Bundes- oder Landesebene. Das heißt, ein Großklärwerk, das durch verschiedene Maßnahmen wie Co-Vergärung, PV- und Windenergie mehr Energie produziert als es verbraucht, wird voraussichtlich bilanziell die Defizite andere Kläranlagen ausgleichen können, auch wenn sie zu einem anderen Verband gehören.

Die Filterung von Schadstoffen und Mikroplastik: Um welche Stoffe handelt es sich da konkret und welche Stoffe sind langfristig gefährlich für Flüsse und Meere?

Bereits mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie aus 2000 hat die Europäische Union eine Liste von anthropogenen Schadstoffen definiert, die analysiert werden müssen. Die Praxis zeigt aber, dass diese Liste alle paar Jahre den veränderten Randbedingungen angepasst wird bzw. einzelne Stoffe ausgetauscht werden. In der aktuellen Liste finden sich überwiegend Arzneimittelrückstände aus den verschiedensten medizinischen Bereichen, z. B. Schmerzmittel oder Bluthochdruckmedikamente), aber auch Industriechemikalien wie beispielsweise Korrosionsschutzmittel.

Welche Rolle könnten digitale Überwachungssysteme in Zukunft spielen?

Moderne Mess- und Automationstechnik ist geeignet, um die Stickstoff- und Phosphoremissionen zu reduzieren und gleichzeitig Strom und Fällmittel einzusparen. Einzelne Spurenstoffe lassen sich hingegen mit Echtzeitmessverfahren noch nicht zuverlässig ermitteln. Dies ist aus meiner Sicht aber auch nicht notwendig, da es einfach messbare Summenparameter gibt, die indirekt einen Rückschluss auf die Spurenstoffelimination zulassen.

Hersteller und Inverkehrbringer von Arzneimitteln und Kosmetik, auch außerhalb der EU, werden verpflichtet, 80 Prozent der Investitions- und Betriebskosten für eine zusätzliche Reinigungsstufe zu tragen, um Schadstoffe aus dem Abwasser zu filtern. Wie soll diese Beteiligung EU-weit ablaufen? Werden Verträge und Zahlungen dafür Jahre dauern – Stichwort Bürokratie?

Als Ingenieur traue ich mir hier keine belastbare Antwort zu, da dies die Politik und Gerichte entscheiden müssen. Ich fürchte aber, dass diese Regelung zu einem Bürokratiemonster führen wird und die Hersteller die Kosten am Ende wieder auf uns Bürgerinnen und Bürger abwälzen werden.

Die Abwasserverbände kritisieren, es werden seitens des Gesetzgebers immer schärfere Forderungen gestellt, aber gezielte Vorgaben, wie was umzusetzen ist, bleiben aus. Lässt die EU die Mitgliedsstaaten mit der Richtlinie allein?

In der Tat ist die EU-KARL an vielen Stellen schwammig formuliert, was die eigentliche Ursache für die berechtigte Kritik der Abwasserverbände ist, weil sie vielen Spekulationen Tür und Tor öffnet. Aus meiner Sicht ist es daher wichtig, dass die Bundesregierung den Prozess der Umsetzung in nationales Recht möglichst transparent gestaltet und die wesentlichen Eckpunkte möglichst schnell kommuniziert. Ich denke, dass dies die Verunsicherung der Verbände reduzieren und die Akzeptanz der EU-KARL steigern wird.

Wissen Sie, welche Sanktionen drohen, wenn die Vorgaben der EU-KARL nicht erfüllt werden?

Generell hat die EU die Möglichkeit, bei Nichteinhaltung von EU-Richtlinien Bußgelder gegenüber der Bundesrepublik Deutschland zu verhängen. Vor ca. 10 Jahren haben die hohen Bußgelddrohungen an Deutschland bezüglich der Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtlinie bekanntlich zu einer Verschärfung des deutschen Düngerechts geführt.

Energiekonzept, Niederschlagswasserbeseitigungskonzept, Schmutzwasserbeseitigungskonzept, Havariekonzept, EU-KARL, Klärschlammverordnung und vieles mehr… All diese Vorgaben sind ein riesiges Pflichtenheft. Wie sollte sich also die Wasserwirtschaft in Zukunft aufstellen?

Viele Verbände haben bereits derartige Konzepte erarbeitet oder zumindest Vorarbeiten hierfür geleistet, das heißt, die Verbände müssen nicht bei Null anfangen, sondern ihre Konzepte fortschreiben und ergänzen. Ich empfehle, dass man die Fortschreibungen zügig angeht und vor allem untereinander abstimmt, um Synergieeffekte zu nutzen. Beispielsweise empfehle ich, die Optimierung der Nährstoffelimination immer in Kombination mit dem Energiekonzept zu denken, weil eine geschickte Prozessführung sowohl Emissionen einsparen als auch Betriebskosten senken kann. Das Vorurteil „Energieeinsparung führt zu erhöhten Emissionen“ ist einfach falsch! Im Übrigen empfehle ich den steten Austausch mit Hochschulen, denn wir haben bereits Antworten auf viele Herausforderungen und unsere Studierenden sind an den Themen der EU-KARL interessiert, sodass die Vorarbeiten zur KARL-Umsetzung auch im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten erarbeitet werden können.

Was glauben Sie, welche Gesamtkosten kommen auf die Verbände zu, um die EU-KARL umzusetzen?

Das kann ich nicht beantworten, da wesentliche Teile der Umsetzung in nationales Recht noch ungeklärt sind.

Wissen Sie, ob es Förderprogramme der EU oder nationaler Stellen bei der Umsetzung der EU-KARL geben wird?

Sowohl auf Bundes- als auch Landesebene gibt es viele Fördermittel, vor allem bezüglich der Energiethematik. Manche dieser Förderprogramme werden zudem mit EU-Mitteln finanziert. In Sachsen-Anhalt gibt es z. B. ein Förderprogramm zur Verbesserung der Energieeffizienz von wasserwirtschaftlichen Anlagen mit einer attraktiven Förderquote von 50 %. Leider werden diese Fördermittel aber von den Verbänden oft nicht in Anspruch genommen.Im aktuellen Fördertopf stehen noch viele Millionen Euro zur Verfügung.

Die Pläne der EU-KARL werden vor allem den Gebührenzahler belasten. Von 3-5 Prozent Gebührenerhöhung ist die Rede. Wie lässt sich ein fairer Ausgleich zwischen Umweltzielen und den wirtschaftlichen Belastungen für Bürger und Kommunen schaffen?

Ich bin Ingenieur und kann diese Frage nicht beantworten. Letztendlich ist dies die Aufgabe der Politik und in letzter Konsequenz der Gerichte, denn es wird sicherlich Klagen geben. Die Pharmaindustrie beklagt bereits die EU-KARL bezüglich der erweiterten Herstellerverantwortung.

Die Branche hat ein Personalproblem, aber auch Ingenieurbüros und Handwerksbetriebe verschwinden vom Markt oder sind ausgelastet. Quantitativ und qualitativ wird es schwierig, alles zu bewältigen.
Wie kann da die Hochschule unterstützen?

Wir haben bereits Lösungen für viele Herausforderungen der EU-KARL. Wir empfehlen daher den Verbänden, sich regelmäßig mit uns auszutauschen. Viele Teilaspekte der EU-KARL können im Rahmen studentischer Arbeiten bearbeitet werden. Wir haben zudem viele Werksstudierende, die von Abwasserverbänden finanziert werden und sich im Rahmen ihres Studiums mit EU-KARL-Fragestellungen beschäftigen können.

Gibt es wieder mehr junge Menschen, die sich für die Wasserwirtschaft interessieren?

Wir können seit der Corona-Zeit wieder einen leichten Anstieg der Studierendenzahl beobachten. Dies reicht aber nicht, um den Bedarf der Wasserwirtschaft zu decken. Immer mehr Verbände entsenden daher Werksstudierende an unsere Hochschule, um den Personalbedarf perspektivisch decken zu können. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber, dass es für die Akteure, die dies nicht tun, immer schwieriger werden wird, geeignete Nachwuchskräfte zu finden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Jedes Brötchen ist Handarbeit

 



Brandenburg

Jedes Brötchen ist Handarbeit

Die Bäckerei Dorn in Wahrenbrück (Elbe-Elster) pflegt alte Traditionen und neue Ideen. Und so kann der mehr als hundert Jahre alte Familienbetrieb nicht nur mit ausgefallenen Brotsorten, sondern auch mit dem ersten Brotsommelier Brandenburgs aufwarten.

Brot in den Geschmacksrichtungen Birne-Gorgonzola, Rotkohl-Walnuss, Grünkohl mit Knacker – ganz normal für Brotsommelier Paul Müller (re.) und Bäckermeister Stefan Dorn.
Fotos (2): SPREE-PR/Petsch

Paul Müller hat einen kräftigen Händedruck. Der Enddreißiger sprüht vor Energie, redet schnell und man merkt ihm nicht an, dass er seit 2 Uhr auf den Beinen ist. Jetzt, gegen halb elf, ist die Backstube schon wieder sauber und bereit für die Schicht am nächsten Morgen. Zeit also für einen Kaffee. Der Bäckermeister stammt aus dem nahen Finsterwalde, nach Lehre und Gesellenjahr wechselt er in eine Großbäckerei mit vielen Filialen in der Region, landet in der Abteilung Brot. Daraus erwächst seine große Leidenschaft. „Aber irgendwann hat mir das keinen Spaß mehr gemacht, ich wollte zurück in eine kleine Bäckerei, wo alles, jedes Brötchen, noch in Handarbeit gemacht wird“, erinnert er sich. Genau das findet Müller bei der Bäckerei von Stefan Dorn.

Seit gut zehn Jahren arbeiten die beiden zusammen und haben vor allem die Kunst des Brotbackens auf ein neues Niveau gehoben. Denn Paul Müller ist umtriebig: „Ich habe in einer Fachzeitschrift von der Ausbildung zum Brot-Sommelier an der Bundesakademie des Deutschen Bäckerhandwerkes Weinheim (Baden-Württemberg) gelesen und mich sofort beworben.“ Sein Chef unterstützt sein Vorhaben, stellt ihn für die Zeit der Seminare frei. Nach zehn Monaten darf sich Paul Müller Brot-Sommelier nennen – er ist der erste von inzwischen drei Brandenburger Bäckermeistern, die diesen Titel ganz offiziell und zertifiziert tragen. Inzwischen haben mehr als 250 Absolventen aus 14 Ländern diese weltweit einmalige Ausbildung absolviert, wobei Deutschland eindeutig der Hotspot ist. Kein Wunder bei mehr als 3.200 Brotsorten, die von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurden und denen mit dem 5. Mai sogar ein eigener Feiertag gewidmet ist.

Bei solch einer Vielfalt hält man Neuerungen kaum noch für möglich – aber weit gefehlt. B(r)otschafter Paul Müller gehen die Ideen nicht aus. An jedem Freitag gibt es eine besondere Kreation in Geschmacksrichtungen wie Birne-Gorgonzola, Rotkohl-Walnuss, Grünkohl mit Knacker. „Wir probieren immer wieder etwas Neues aus. Dieses Jahr gab es zu Himmelfahrt ein deftiges Matjes-Gurke-Zwiebel-Brot für den Tag danach“, schmunzelt Müller. Er arbeitet bei diesen Experimenten an seinen sensorischen Fähigkeiten: riechen, schmecken, tasten, sehen. Die müssen immer wieder trainiert werden, auch, um Wettbewerbe zu gewinnen. So wie den „Pro Agro Marketingpreis“ 2025, mit dem „Elbe-Elster-Apfelkorn“, einem Sauerteigbrot mit Apfelstücken.

Paul Müller ist aber nicht nur ein exzellenter Handwerksmeister und kreativer Geist, sondern auch selbstbewusst. 2022 klopft er im höchsten Haus des Staates an, im Bundespräsidialamt. Und präsentiert dem Küchenchef seine beeindruckende Palette an Brot und Brötchen. Seitdem beliefert die Bäckerei Dorn den Bundespräsidenten und dessen Gäste aus aller Welt mit immer neuen Überraschungen, die großen Anklang finden. Müller genießt die Anerkennung, aber er ruht sich nicht darauf aus. Im Moment denkt er über ein neues Projekt nach: „Ich würde gern Wasser auf sein Mineralgehalt hin überprüfen und dessen Auswirkungen auf Sauerteig.“

Eigentlich müsste er mit all diesen Aktivitäten ausgelastet sein. Aber weit gefehlt: Nachts zieht es den passionierten Jäger auf den Hochsitz oder die Alarmsirene ruft den Zugführer der örtlichen freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz. „Letzten Sommer war es schlimm, da habe ich in einer Woche grade mal 20 Stunden geschlafen“, erzählt Müller, bevor er sich zum wohlverdienten Mittagsschlaf verabschiedet. Müde wirkt er dabei allerdings nicht.

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Schwestern im Einsatz für den Hochwasserschutz

 



Brandenburg

Schwestern im Einsatz für den Hochwasserschutz

Im September 2024 sorgten die Schwestern Linda und Josy aus Podelzig mit hunderten anderen ehrenamtlichen Helfern dafür, dass die Deiche in ihrer Region dem Hochwasser trotzten. Und sie würden es wieder tun.

Foto: SPREE-PR/Krone

Hochwasseralarm im Landkreis Märkisch-Oderland. Tagelang hat das Mittelmeertief „Anett“ über Polen und Tschechien unaufhörlich Regenmassen abgeladen. Flüsse treten über die Ufer, ganze Landstriche stehen unter Wasser – und die Flut rollt weiter Richtung Deutschland. Brandenburg bereitet sich auf das Schlimmste vor. Und so klingeln am 21. September bei den Schwestern Linda und Josy Bredow die Handys. „Wir brauchen Deichläufer. Seid ihr dabei?“, fragt eine Mitarbeiterin des Amtes Lebus. Ohne zu zögern antworten sie: „Natürlich!“

Eine wiederkehrende Gefahr

Was auf dem Spiel steht, wissen die beiden genau. Sie sind in Podelzig aufgewachsen, leben noch immer mit der ganzen Familie in dem Haus, das ihr Großvater vor 35 Jahren im Unterdorf gebaut hat. Seit Friedrich der Große das Oderbruch im 18. Jahrhundert trockenlegen und besiedeln ließ, sind die Siedlungen immer wieder von Hochwassern bedroht. Beim dramatischen Oderhochwassers von 1997 kämpfte ihr Vater – Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Podelzig – mit vielen anderen gegen die Wassermassen. „Seit zehn Jahren sind wir auch aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr“, erzählen Josy und Linda. „Wir helfen gern unseren Nachbarn, wenn sie in Not sind.“

Größte Gefahr für Deiche: Biberlöcher

Am nächsten Abend nehmen sie mit mehr als 60 anderen ehrenamtlichen Helfern an einer dreistündigen Schulung der Unteren Katastrophenschutzbehörde des Landkreises MOL teil. Dort lernen sie, worauf es bei der Arbeit eines Deichläufers ankommt. Am Morgen des 24. September beginnt ihre erste 12-Stunden-Schicht am Deichkilometer 5. „Die Oder hatte sich in ein gewaltiges Meer verwandelt. Nur noch ein Drittel des Deichs ragte aus dem Wasser“, erinnert sich Linda. „Wir kontrollierten einen 2,5 Kilometer langen Abschnitt auf Löcher, Schäden, Scharrstellen durch Treibgut oder Schaumkronen auf der Landseite.“ Das größte Problem: Biber. Werden ihre Bauten vom Wasser überspült, graben sich die Tiere in die Deiche. Durch die offenen Stellen kann Wasser eindringen, den Deich unterspülen und im schlimmsten Fall brechen lassen. „Jedes entdeckte Loch haben wir sofort an das Umweltamt gemeldet. Es wurde dann mit einer Plane abgedeckt und mit Sandsäcken gesichert.“

Laufen für den Deichschutz

Innerhalb von zwölf Stunden laufen sie den Deich sechs Mal ab, legen in vier Tagen mehr als 120 Kilometer zurück. Als die Gefahr vorüber ist, geben sie Schutzkleidung, Funkgerät und Fähnchen an die Einsatzleitung zurück. Ob sie bei der nächsten Hochwassergefahr wieder dabei sind? „Die Deiche haben gehalten. Dafür würden wir wieder laufen“, sagen sie einstimmig.

Deiche in Brandenburg

  • Länge der Deiche: 1.300 Kilometer
  • Sanierungsgrad: 90 Prozent
  • Hochwasser seit 1997:

2002 und 2006 an der Elbe
2010 an Oder, Neiße, Spree, Schwarze Elster, Havel und Elbe
2011 in nahezu allen Brandenburger Wasserläufen
2013 an der Elbe

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