Von historischen Mauern, grünen Bode-Ufern, und einem Mathematiker, der sich ordentlich vertan hatte
Schönes Sachsen-Anhalt
Von historischen Mauern, grünen Bode-Ufern, und einem Mathematiker, der sich ordentlich vertan hatte
Sachsen-Anhalt – deine Schätze, so heißt unsere Serie, in der wir beeindruckende Bauwerke, spannende Geschichten und erholsame Natur aus Sachsen-Anhalt vorstellen. Der WAZV „Bode-Wipper“ mit Sitz in Staßfurt lädt zu einer Tour von Hecklingen nach Hohenerxleben ein. Aus dem Verbandsgebiet des WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ berichten wir von einer kuriosen Begebenheit zwischen Glaube und Arithmetik, die einst das Städtchen Annaburg und die Region im 16. Jahrhundert ins Chaos stürzte.
Kultur und Natur im Sucher: Fotograf Holger Petsch auf Entdeckungstour rund um Staßfurt
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Hermann-Danz-Straße 64
in Hecklingen
Nur vier Kilometer südöstlich von Staßfurt erwartet Reisende ein echtes Kulturhighlight: die romanische Basilika St. Georg und St. Pancratius. Die zwischen 1150 und 1176 erbaute Klosterkirche gilt als eine der am besten erhaltenen Anlagen der Vorharzregion und ist Teil der „Straße der Romanik“. Besonders empfehlenswert: die wertvolle Stuckdecke mit 14 Stuckengeln. -

Bodewehr Staßfurt
Am Schütz und Bodebrücke im Zentrum von Staßfurt, Prinzenberg-Lehrter Straße
Hier fließt das Wasser stetig und kraftvoll: Das Bodewehr ist eine der wichtigsten wasserbaulichen Anlagen an der unteren Bode im Salzlandkreis. Es erfüllt Aufgaben im Hochwasserschutz, dient der regionalen Industrie und gewinnt an Bedeutung für den Tourismus. Am Wehr wurden Kanuanlegestellen errichtet, um Freizeitsportlern das Umtragen ihrer Boote zu erleichtern. Die 48 Meter lange Bodebrücke ist eine der zentralen Verkehrsachsen im Herzen von Staßfurt. Das heutige Bauwerk ist ein Ersatzneubau, der im August 2014 für den Verkehr freigegeben wurde. Im Sommer 2024 wurde das 10-jährige Jubiläum des Bauwerkes mit einem Brücken-Picknick gefeiert.
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Bodewehr Staßfurt
Am Schütz und Bodebrücke im Zentrum von Staßfurt, Prinzenberg-Lehrter Straße
Hier fließt das Wasser stetig und kraftvoll: Das Bodewehr ist eine der wichtigsten wasserbaulichen Anlagen an der unteren Bode im Salzlandkreis. Es erfüllt Aufgaben im Hochwasserschutz, dient der regionalen Industrie und gewinnt an Bedeutung für den Tourismus. Am Wehr wurden Kanuanlegestellen errichtet, um Freizeitsportlern das Umtragen ihrer Boote zu erleichtern. Die 48 Meter lange Bodebrücke ist eine der zentralen Verkehrsachsen im Herzen von Staßfurt. Das heutige Bauwerk ist ein Ersatzneubau, der im August 2014 für den Verkehr freigegeben wurde. Im Sommer 2024 wurde das 10-jährige Jubiläum des Bauwerkes mit einem Brücken-Picknick gefeiert.
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Wehrturm und Rondell
in der Gollnowstraße
Spannender Einblick in die Stadtgeschichte: Der Wehrturm gehört zu den gut erhaltenen Zeugnissen der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Staßfurt. Zusammen mit der Stadtmauer und dem Rondell schützte dieser einst Staßfurt vor Angriffen. -

Viaduktbrücke und Schloss Hohenerxleben
Die Viaduktbrücke bei Hohenerxleben prägt bis heute das Landschaftsbild der Region und erinnert an die Bedeutung des Eisenbahnverkehrs für die wirtschaftliche Entwicklung des Umlands. Nicht weit entfernt, in der Friedensallee 27, befindet sich das Schloss Hohenerxleben. Anfang des 16. Jahrhunderts erwarb die Familie von Krosigk die bestehende Burganlage und erweiterte diese 1560 um ein Geschoss und ließ Renaissance-Giebel errichten. Heute befindet sich dort ein Hotel mit Restaurant und Tagungsräumen. Außerdem gibt es Kulturveranstaltungen. -

Viaduktbrücke und Schloss Hohenerxleben
Die Viaduktbrücke bei Hohenerxleben prägt bis heute das Landschaftsbild der Region und erinnert an die Bedeutung des Eisenbahnverkehrs für die wirtschaftliche Entwicklung des Umlands. Nicht weit entfernt, in der Friedensallee 27, befindet sich das Schloss Hohenerxleben. Anfang des 16. Jahrhunderts erwarb die Familie von Krosigk die bestehende Burganlage und erweiterte diese 1560 um ein Geschoss und ließ Renaissance-Giebel errichten. Heute befindet sich dort ein Hotel mit Restaurant und Tagungsräumen. Außerdem gibt es Kulturveranstaltungen.
Redakteur Sven Gückel erklärt, womit Pfarrer Michael Stifel in Annaburg, einst Lochau, für Aufregung sorgte
Die Geschichte beweist, dass Genie und Wahn mitunter eng beieinander liegen. Viele kennen Persönlichkeiten wie Mozart, Ludwig der XIV. oder Friedrich Nietzsche. Weniger bekannt hingegen ist Pfarrer Michael Stifel, der von 1487 bis 1567 lebte. Zeit seines Wirkens für die Kirche stand Michael Stifel unter der schützenden Hand Martin Luthers. So sorgte der Reformator unter anderem dafür, dass Stifel der erste evangelische Prediger in Österreich wurde. Später vermittelte er ihm eine Stelle als Pfarrer in Lochau, das seit 1571 Annaburg heißt. Was Luther seinem Schützling allerdings nicht versagen konnte, war dessen Liebe zur Mathematik.
Historie weitergeben: Die vierte Annaburger Rosenprinzessin Nane Noa erzählt den Kindern Lea und Linnea die Geschichte vom Pfarrer Stifel. Foto: SPREE-PR/Gückel
Grundsätzlich sprach nichts gegen das Rechnen – Stifel jedoch reichte das nicht. Er war ein Verfechter der Apokalypse samt der Wiederkehr Christi. Von diesem Gedanken angetrieben, bestimmte er den 19. Oktober 1533 um acht Uhr morgens als den Tag des Weltuntergangs – trotz eindringlicher Mahnung Luthers, davon abzulassen. Anders als manche historischen Quellen behaupten, beruhte dieses Datum jedoch nicht auf einer Berechnung „anhand der Bibel“, sondern auf einer von ihm erlebten Eingebung. Stifels christliche Gemeindemitglieder nahmen dessen Wort natürlich ernst. Sie verkauften Hab und Gut, gaben dem Schankwirt ihr letztes Erspartes und warteten, versammelt auf dem Marktplatz des Ortes, auf die Dinge, die da kommen sollten. Was allerdings geschah – war nichts. Um Stifel vor dem nun wütenden Mob zu schützen, ließ Luther ihn in Schutzhaft nehmen und nach Wittenberg bringen. Als sich die Wogen wieder geglättet hatten, schickte Martin Luther Stifel nach Holzdorf, einem Dorf unweit des heutigen Annaburgs, um die dortige Pfarrstelle zu besetzen.
Das Bild zeigt den Marktplatz und die Kirche Annaburgs, wo die Menschen am 19. Oktober 1533 auf den „Weltuntergang“ warteten. Foto: SPREE-PR/Gückel
Manch’ Geschichte würde hier enden. Die des Michael Stifel bietet aber noch reichlich Raum zur Wiedergutmachung seines verbreiteten Irrglaubens. Denn mittlerweile hatten sich seine durchaus wahren Fähigkeiten als Mathematiker herumgesprochen, was ihm den Ruf nach Jena einbrachte, wo er 1559 der erste Professor für Mathematik an der hiesigen Universität wurde. Fortan widmete sich der Rechenkünstler wirklich wichtigen Aufgaben. Unter anderem sorgte er mit zahlreichen von ihm verfassten Schriften für die Verbreitung der Plus- und Minuszeichen sowie des Wurzelzeichens. Darüber hinaus machte er das algebraisch-algorithmische Rechnen in Deutschland populär, legte den Grundstein für das logarithmische Rechnen, untersuchte irrationale Zahlen und nahm sich des Berechnens von Wurzeln höheren Grades an. Letztendlich ist Michael Stifel zwar einmal kurz gestolpert, sein Gesamtwirken aber hat der Welt viel Gutes hinterlassen. Ihm zu Ehren sind deshalb heute das Zentrum für Daten- und Simulationswissenschaften der Uni Jena sowie seit 2017 die Grundschule in Annaburg nach ihm benannt.

























