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Von historischen Mauern, grünen Bode-Ufern, und einem Mathematiker, der sich ordentlich vertan hatte

 



Schönes Sachsen-Anhalt

Von historischen Mauern, grünen Bode-Ufern, und einem Mathematiker, der sich ordentlich vertan hatte

Sachsen-Anhalt – deine Schätze, so heißt unsere Serie, in der wir beeindruckende Bauwerke, spannende Geschichten und erholsame Natur aus Sachsen-Anhalt vorstellen. Der WAZV „Bode-Wipper“ mit Sitz in Staßfurt lädt zu einer Tour von Hecklingen nach Hohenerxleben ein. Aus dem Verbandsgebiet des WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ berichten wir von einer kuriosen Begebenheit zwischen Glaube und Arithmetik, die einst das Städtchen Annaburg und die Region im 16. Jahrhundert ins Chaos stürzte.

Kultur und Natur im Sucher: Fotograf Holger Petsch auf Entdeckungstour rund um Staßfurt

  • Hermann-Danz-Straße 64

    in Hecklingen

    Nur vier Kilometer südöstlich von Staßfurt erwartet Reisende ein echtes Kulturhighlight: die romanische Basilika St. Georg und St. Pancratius. Die zwischen 1150 und 1176 erbaute Klosterkirche gilt als eine der am besten erhaltenen Anlagen der Vorharzregion und ist Teil der „Straße der Romanik“. Besonders empfehlenswert: die wertvolle Stuckdecke mit 14 Stuckengeln.
  • Bodewehr Staßfurt

    Am Schütz und Bodebrücke im Zentrum von Staßfurt, Prinzenberg-Lehrter Straße

    Hier fließt das Wasser stetig und kraftvoll: Das Bodewehr ist eine der wichtigsten wasserbaulichen Anlagen an der unteren Bode im Salzlandkreis. Es erfüllt Aufgaben im Hochwasserschutz, dient der regionalen Industrie und gewinnt an Bedeutung für den Tourismus. Am Wehr wurden Kanuanlegestellen errichtet, um Freizeitsportlern das Umtragen ihrer Boote zu erleichtern. Die 48 Meter lange Bodebrücke ist eine der zentralen Verkehrsachsen im Herzen von Staßfurt. Das heutige Bauwerk ist ein Ersatzneubau, der im August 2014 für den Verkehr freigegeben wurde. Im Sommer 2024 wurde das 10-jährige Jubiläum des Bauwerkes mit einem Brücken-Picknick gefeiert.

  • Bodewehr Staßfurt

    Am Schütz und Bodebrücke im Zentrum von Staßfurt, Prinzenberg-Lehrter Straße

    Hier fließt das Wasser stetig und kraftvoll: Das Bodewehr ist eine der wichtigsten wasserbaulichen Anlagen an der unteren Bode im Salzlandkreis. Es erfüllt Aufgaben im Hochwasserschutz, dient der regionalen Industrie und gewinnt an Bedeutung für den Tourismus. Am Wehr wurden Kanuanlegestellen errichtet, um Freizeitsportlern das Umtragen ihrer Boote zu erleichtern. Die 48 Meter lange Bodebrücke ist eine der zentralen Verkehrsachsen im Herzen von Staßfurt. Das heutige Bauwerk ist ein Ersatzneubau, der im August 2014 für den Verkehr freigegeben wurde. Im Sommer 2024 wurde das 10-jährige Jubiläum des Bauwerkes mit einem Brücken-Picknick gefeiert.

  • Wehrturm und Rondell

    in der Gollnowstraße

    Spannender Einblick in die Stadtgeschichte: Der Wehrturm gehört zu den gut erhaltenen Zeugnissen der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Staßfurt. Zusammen mit der Stadtmauer und dem Rondell schützte dieser einst Staßfurt vor Angriffen.
  • Viaduktbrücke und Schloss Hohenerxleben

    Die Viaduktbrücke bei Hohenerxleben prägt bis heute das Landschaftsbild der Region und erinnert an die Bedeutung des Eisenbahnverkehrs für die wirtschaftliche Entwicklung des Umlands. Nicht weit entfernt, in der Friedensallee 27, befindet sich das Schloss Hohenerxleben. Anfang des 16. Jahrhunderts erwarb die Familie von Krosigk die bestehende Burganlage und erweiterte diese 1560 um ein Geschoss und ließ Renaissance-Giebel errichten. Heute befindet sich dort ein Hotel mit Restaurant und Tagungsräumen. Außerdem gibt es Kulturveranstaltungen.
  • Viaduktbrücke und Schloss Hohenerxleben

    Die Viaduktbrücke bei Hohenerxleben prägt bis heute das Landschaftsbild der Region und erinnert an die Bedeutung des Eisenbahnverkehrs für die wirtschaftliche Entwicklung des Umlands. Nicht weit entfernt, in der Friedensallee 27, befindet sich das Schloss Hohenerxleben. Anfang des 16. Jahrhunderts erwarb die Familie von Krosigk die bestehende Burganlage und erweiterte diese 1560 um ein Geschoss und ließ Renaissance-Giebel errichten. Heute befindet sich dort ein Hotel mit Restaurant und Tagungsräumen. Außerdem gibt es Kulturveranstaltungen.
Fotos (6): SPREE-PR/Petsch

Redakteur Sven Gückel erklärt, womit Pfarrer Michael Stifel in Annaburg, einst Lochau, für Aufregung sorgte

Die Geschichte beweist, dass Genie und Wahn mitunter eng beieinander liegen. Viele kennen Persönlichkeiten wie Mozart, Ludwig der XIV. oder Friedrich Nietzsche. Weniger bekannt hingegen ist Pfarrer Michael Stifel, der von 1487 bis 1567 lebte. Zeit seines Wirkens für die Kirche stand Michael Stifel unter der schützenden Hand Martin Luthers. So sorgte der Reformator unter anderem dafür, dass Stifel der erste evangelische Prediger in Österreich wurde. Später vermittelte er ihm eine Stelle als Pfarrer in Lochau, das seit 1571 Annaburg heißt. Was Luther seinem Schützling allerdings nicht versagen konnte, war dessen Liebe zur Mathematik.

Historie weitergeben: Die vierte Annaburger Rosenprinzessin Nane Noa erzählt den Kindern Lea und Linnea die Geschichte vom Pfarrer Stifel. Foto: SPREE-PR/Gückel

Grundsätzlich sprach nichts gegen das Rechnen – Stifel jedoch reichte das nicht. Er war ein Verfechter der Apokalypse samt der Wiederkehr Christi. Von diesem Gedanken angetrieben, bestimmte er den 19. Oktober 1533 um acht Uhr morgens als den Tag des Weltuntergangs – trotz eindringlicher Mahnung Luthers, davon abzulassen. Anders als manche historischen Quellen behaupten, beruhte dieses Datum jedoch nicht auf einer Berechnung „anhand der Bibel“, sondern auf einer von ihm erlebten Eingebung. Stifels christliche Gemeindemitglieder nahmen dessen Wort natürlich ernst. Sie verkauften Hab und Gut, gaben dem Schankwirt ihr letztes Erspartes und warteten, versammelt auf dem Marktplatz des Ortes, auf die Dinge, die da kommen sollten. Was allerdings geschah – war nichts. Um Stifel vor dem nun wütenden Mob zu schützen, ließ Luther ihn in Schutzhaft nehmen und nach Wittenberg bringen. Als sich die Wogen wieder geglättet hatten, schickte Martin Luther Stifel nach Holzdorf, einem Dorf unweit des heutigen Annaburgs, um die dortige Pfarrstelle zu besetzen.

Das Bild zeigt den Marktplatz und die Kirche Annaburgs, wo die Menschen am 19. Oktober 1533 auf den „Weltuntergang“ warteten. Foto: SPREE-PR/Gückel

Manch’ Geschichte würde hier enden. Die des Michael Stifel bietet aber noch reichlich Raum zur Wiedergutmachung seines verbreiteten Irrglaubens. Denn mittlerweile hatten sich seine durchaus wahren Fähigkeiten als Mathematiker herumgesprochen, was ihm den Ruf nach Jena einbrachte, wo er 1559 der erste Professor für Mathematik an der hiesigen Universität wurde. Fortan widmete sich der Rechenkünstler wirklich wichtigen Aufgaben. Unter anderem sorgte er mit zahlreichen von ihm verfassten Schriften für die Verbreitung der Plus- und Minuszeichen sowie des Wurzelzeichens. Darüber hinaus machte er das algebraisch-algorithmische Rechnen in Deutschland populär, legte den Grundstein für das logarithmische Rechnen, untersuchte irrationale Zahlen und nahm sich des Berechnens von Wurzeln höheren Grades an. Letztendlich ist Michael Stifel zwar einmal kurz gestolpert, sein Gesamtwirken aber hat der Welt viel Gutes hinterlassen. Ihm zu Ehren sind deshalb heute das Zentrum für Daten- und Simulationswissenschaften der Uni Jena sowie seit 2017 die Grundschule in Annaburg nach ihm benannt.

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So ein Früchtchen!

 



Cooler Sommer

So ein Früchtchen!

Kühl bleiben, bitte! Bei sommer­licher Hitze sind ausreichend Flüssigkeit und Abkühlung das A und O. Wie das gelingt, zeigt die WASSERZEITUNG mit einigen erfrischenden Rezepten für Smoo­thies, kalte Suppen, Wassereis und saisonaler Marmelade. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Ob gelb, grün, pink oder lila: Bunte Smoothies sorgen für geschmackliche und farbliche Abwechslung. Besonders praktisch: Ausgewaschene Marmeladengläser sind ein ideales Gefäß für unterwegs – auslaufsicher, nachhaltig und günstig.

Foto: magnific/wahuy_t

Himbeer-Smoothie

Auch ­Gemüse-Smoothies erfrischen und sind richtig lecker.

Foto: magnific/fabrikasimf

Himbeer-Smoothie (für 1 Glas)

Inzwischen ein echter Klassiker unter den Fruchterfrischungen: der Smoothie. Im Unterschied zu Milchshakes stecken hier deutlich mehr Früchte oder Gemüse drin und weniger Milchprodukte.

Zutaten

  • 120 g Himbeeren (frisch oder Tiefkühl-Ware)
  • 100 ml Milch
  • 75 g Naturjoghurt
  • 1 TL Vanillezucker

Zubereitung

Alle Zutaten in ein hohes Gefäß geben und mit dem Stabmixer sämig pürieren. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Mit Heidelbeeren, Banane oder einem Schuss Zitronensaft – Smoothies können beliebig verfeinert werden.

Orangen-Wassereis

Foto: freepik

Orangen-Wassereis (für 3-4 Eis am Stiel)

Kein Sommer ohne Eis! Mit nur drei Zutaten ist dieses Wassereis im Nu vorbereitet und das Gefrierfach macht den Rest.

Zutaten

  • 250 ml Orangensaft aus etwa 4 Orangen
  • 10 g (Vanille-)Zucker
  • Etwa 1 EL Zitronensaft je nach Geschmack

Zubereitung

Zucker, Zitronensaft und 100 ml Orangensaft in einen Topf geben und unter Rühren erhitzen, bis sich der Zucker auflöst. Topf vom Herd nehmen, den restlichen Saft einrühren und die Mischung in Eisförmchen füllen und ab ins Gefrierfach. Nach ca. 1-2 Stunden, wenn das Eis leicht angefroren ist, einen Stiel reinstecken und über Nacht durchfrieren lassen.

Tipp: Wer es weniger süß mag, lässt den Zucker einfach weg – dann können alle Zutaten direkt kalt vermengt und ins Eisfach gegeben werden.

Kalte Gurkensuppe

Foto: magnific/timolina

Kalte Gurkensuppe (für 4 Portionen)

Heiß draußen und keine Lust zu kochen? Diese Gurkensuppe ist schnell gemacht und bietet herzhafte Abkühlung.

Zutaten

  • 6 Minigurken
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Handvoll frische Kräuter (z.B. Dill, Petersilie, Minze)
  • 200 ml Gemüsebrühe
  • 300 g Naturjoghurt
  • Salz und Pfeffer
  • Paprikapulver edelsüß

Zubereitung

Gurken waschen und grob schneiden. Knoblauch kleinhacken und die Kräuterblätter von den Stielen zupfen. Die drei Zutaten mit der ­Gemüsebrühe in eine Schüssel geben und mit einem leistungsstarken Pürierstab oder Standmixer pürieren. Mit Joghurt unterheben und mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen.

Tipp: Die Suppe bis zum Verzehr kaltstellen. Mit Gurkenraspeln und frischen Kräutern servieren.

Brombeermarmelade

Foto: magnific

Brombeermarmelade (für 4 Gläser)

Süßlich-säuerlich im Geschmack und im Spätsommer reif für die Ernte: Brombeeren. Mit diesem einfachen Rezept gelingt die Marmelade garantiert.

Zutaten

  • 1 Bio-Zitrone, davon 1 TL Zitronenabrieb
  • 1 kg Brombeeren
  • 500g Gelierzucker (Verhältnis 2:1)

Zubereitung

Zitrone heiß abwaschen, Schale abreiben und Saft auspressen. Gläser (ca. 300 ml Fassungsvolumen/Glas) mit kochendem Wasser ausspülen und auf sauberem Geschirrtuch trocknen lassen. Brombeeren waschen, abtropfen lassen und in einen hohen Topf geben. Mit einer Gabel andrücken, Gelierzucker und Zitronensaft zugeben, aufkochen und 3-4 Minuten köcheln lassen. Das Ganze mit dem Pürierstab mixen und nach Wunsch durch ein Sieb streichen. Mit Zitronenabrieb würzen, heiß in die Gläser füllen, gut verschließen und auf dem Kopf gedreht auskühlen lassen. Kühl und dunkel lagern.

Noch mehr Lust auf Erfrischung?

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„Ich will, wenn ­möglich, alles wissen“

 



Gesichter der Wasserwirtschaft

„Ich will, wenn möglich, alles wissen“

Jens U. Schmidt ist Experte für Wassertürme und hat zu tausenden Bauwerken intensiv recherchiert und Bücher veröffentlicht. Ein Gespräch über den Beginn der regionalen Wasserversorgung und was wäre, wenn Wassertürme sprechen könnten.

Jens U. Schmidt bewahrt die Geschichte der Wassertürme Deutschlands.

Foto: SEM Schmidt

Herr Schmidt, wann begann Ihre Begeisterung für Wassertürme?

Als Jugendlicher hatte mich die Astronomie fasziniert und in Hamburg-Winterhude gab es damals schon einen Wasserturm, der gleichzeitig Planetarium ist. Einmal im Monat wurden Vorträge angeboten – ich war immer dabei. So rückten die Wassertürme bereits während meiner Schulzeit in mein Bewusstsein. Bis heute interessieren mich diese Bauwerke und es lohnt sich, ihre Geschichte, die Technik, die Architektur, die damalige und heutige Nutzung näher zu betrachten.

Was verrät ein Wasserturm über die ­Geschichte einer Stadt oder Region?

Er markiert den Beginn der zentralen und hygienisch sauberen Wasserversorgung einer Region und wie groß der Wasserbedarf zur damaligen Zeit war. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts fing man in Deutschland an, Wasserwerke und damit auch Wassertürme zu bauen. Ein wichtiger Schritt, denn die Städte wurden größer und die Bewohner rückten enger zusammen. Zuvor wurde Wasser aus Brunnen genutzt und alle Menschen haben sich gewundert, dass sie an Typhus und Cholera erkrankten. Die Toilettenhäuschen waren meist nur ein paar Meter von der Wasserquelle entfernt. Damals wusste man noch nicht, dass Bakterien und Viren für eine Vielzahl von Krankheiten verantwortlich sind. Die Größe des errichteten Wasserturms war immer dem Bedarf angepasst, in Kleinstädten waren es 200-500 Kubikmeter, in Großstädten 2000-3000 Kubikmeter. Der Wasserturmbau zeigte auch, ob eine Region viel Geld hatte oder nicht. Übrigens, in Zittau in Sachsen steht einer der ältesten Wassertürme Deutschlands, er wurde 1863 im klassizistischen Stil erbaut und ist bis heute noch in Betrieb.

Rücken auch die Wassertürme von Sachsen-Anhalt in Ihren Fokus?

Auf jeden Fall und es drängt ein wenig die Zeit. Während einer Exkursion mit der Deutsch Internationalen Wasserturmgesellschaft waren wir im Wasserturm von Bobbau, einem Ortsteil von Bitterfeld-Wolfen. Der Bürgermeister fragte nach, ob es zum 100-jährigen Turmjubiläum im September 2027 ein Buch über die Wassertürme von Sachsen-Anhalt gäbe. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit meinen Co-Autoren Andreas Rudolph, Matthias Röthke und Jens Jeschke über alle Wassertürme in den einzelnen Bundesländern zu schreiben. Es fehlen noch sechs Bücher.

Welcher Turm von Sachsen-Anhalt ist ­Ihnen bereits besonders aufgefallen?

Den Wasserturm von Merseburg habe ich vor einiger Zeit sozusagen im Vorbeifahren entdeckt. Der Turm ist auf den Ruinen der Kirche Sankt Sixti gebaut. Diese wurde im 30-jährigen Krieg und immer wieder durch Blitzschlag zerstört. Einer der prächtigsten Türme von Sachsen-Anhalt ist für mich allerdings der Wasserturm von Halle an der Saale.

Der Wasserturm von Merseburg, Egeln und von Halle (Saale) sowie eine Veröffentlichung von Jens U. Schmidt (v. li.nach re.).

Fotos: Jens U. Schmidt

Welche Entdeckung hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten überrascht?

Wassertürme wurden nicht nur unmittelbar für die Versorgung der Bürger gebaut. Sie entstanden auch außerhalb der Städte, nämlich für Einrichtungen, die man nicht in der Stadt haben wollte, wie zum Beispiel Militäranlagen, Psychatrien, Krankenhäuser, Gefängnisse, geruchsintensive Industriebetriebe oder Schlachthöfe. Auch Löschwasser wurde für Textilbetriebe gebraucht, denn Baumwolle ist bei maschineller Verarbeitung leicht entzündlich und es gab Brände. Wassertürme entstanden auch bei Eisenbahnanlagen. In dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ sieht man einen der typischen frühen amerikanischen Wasser-Holzhochbehälter für die Versorgung von Dampflokomotiven.

Warum sollte man sich für den Erhalt von Wassertürmen mehr einsetzen?

Das ist eine immer wiederkehrende Diskussion. Viele Türme verfallen oder werden abgerissen, weil die Sanierung so teuer ist. Bahnwassertürme beispielsweise stehen oft nicht unter Denkmalschutz. Zum Glück gibt es viele Vereine, wie zum Beispiel in Dessau, die sich um den Erhalt kümmern. Es sind die Einheimischen, die mit dem Wasserturm des Ortes verbunden sind, es erinnert an die Vergangenheit, es ist ein Stück Identität. Aber man muss auch sagen: Für alle Wasserversorger ist der Erhalt eines Wasserturms ein hoher Kostenfaktor.

Wenn Wassertürme sprechen könnten – was würden sie uns erzählen?

Sie würden sicher sagen, dass sie beachtliche Veränderungen miterlebt haben: Von archaischer hin zu moderner Technik in ihrem Inneren. In den Städten, auf die sie herunterschauen, fuhren einst Pferdekutschen und nun rauschen Autos vorbei. Dass die Städte extrem schnell wachsen. Sie haben die Kriege erlebt und überlebt, eine lange Zeit des Friedens und jetzt besteht wieder die Gefahr, dass es in ihrer und unserer Nähe wieder mehr Kriege geben könnte.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Da ist das Sachsen-Anhalt-Buch zu nennen, das ich vorantreiben möchte. Ich ahne, dass die Sammlung für Nordrhein-Westfalen ein Mammutprojekt wird. Auch Bücher über Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hessen sind geplant. Sie sehen, es gibt noch viel zu tun. Und am liebsten würde ich, wenn möglich, alles über Wassertürme wissen.

Vita Jens U. Schmidt

  • Geboren 1952 in Leipzig, wuchs in ­Pinneberg auf, verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn
  • Studium der Psychologie in Berlin, ­Abschluss als Diplom-Psychologe
  • Referent für Bildung und Forschung und ­später Regierungsdirektor beim Bundespresseamt
  • Lebt seit 2012 in Fürstenwalde
  • Seit mehr als fünf Jahrzehnten ­Erforschung und Dokumentation von Wassertürmen
  • 2008 erste Veröffentlichung „Wassertürme in Schleswig-­Holstein“
  • Alle Buchprojekte werden privat ­finanziert
  • Seit 2023 Vorsitzender der Deutsch Internationalen Wasserturm ­Gesellschaft 2002 e.V. (DIWTG) www.watertowers.de
  • Archiv deutscher Wassertürme: private Datenbank zu über 2.500 Wassertürmen in Deutschland. Bezug der Bücher über:www.wassertuerme.com und wassertuerme@email.de

Die Formfamilie der Wassertürme

Historisch (1880–1914): Backsteinturm, ­Burgturm, Fachwerkturm, Ei-/Intze-Turm
Modern (1920–heute): ­Zylinderturm, Kegelturm, Pilzturm, ­Kugelturm (Aqua­globus), ­Schaftturm, Hyperboloidturm

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Eine gute Wahl gegen den Durst

 



Trinkwasser von Ihrem Wasserverband:

Eine gute Wahl gegen den Durst

Es liefert dem Körper wichtige Flüssigkeit, ist kalorienfrei und enthält, je nach Region, wertvolle Mineralstoffe: unser Leitungswasser ist ein hochwertiges Lebensmittel, das in Deutschland strengen Kontrollen unterliegt und regelmäßig auf seine Qualität geprüft wird.

Viel Wasser trinken heißt es auch in diesem Sommer, Leitungswasser ist eine gesunde Erfrischung. Im Unterschied zu Brunnenwasser wird das Wasser aus dem Hahn sorgfältig überprüft und muss vor der Nutzung viele Grenzwerte einhalten.

Foto: SPREE-PR/Wolf

Frisches Leitungswasser ist deutlich günstiger als Mineralwasser. Ein Liter Leitungswasser kostet mit Grundgebühren circa einen Cent während ein Liter Mineralwasser je nach Marke und Angebot meist zwischen 30 Cent und
einen Euro kostet. Damit ist Mineralwasser wesentlich teurer als Leitungswasser.
Trinkwasser aus der Leitung ist umweltfreundlich, da keine Plastikflaschen benötigt und lange Transportwege vermieden werden. Dann gibt es aber noch das Brunnenwasser. Dieses wird manchmal in privaten Haushalten zum Gießen, für die Toilettenspülung und zum Wäschewaschen genutzt. In der Landwirtschaft und in Gartenbaubetrieben kommt es beim Bewässern zum Einsatz. In einigen Fällen dient es aber auch zur Trinkwasserversorgung. Doch hier lauert die Gefahr, denn Brunnenwasser ist nicht automatisch Trinkwasser. Wir zeigen Ihnen die Unterschiede und die Experten kommen zu Wort.

Trinkwasser im Vergleich zu Brunnenwasser – Wo liegen die Unterschiede?

  • Fakten zum Trinkwasser

    Trinkwasser ist Wasser, das die Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung erfüllt. Es darf keine gesundheitsschädlichen Stoffe oder Keime in bedenklichen Mengen enthalten. Trinkwasser kann stammen aus: Grundwasser, Quellen, Uferfiltrat, Talsperren, aufbereitetem Oberflächenwasser. Es wird von Ihrem Wasserversorger aufbereitet und überwacht.
  • Fakten zum Brunnenwasser

    Brunnenwasser ist Grundwasser, das über einen künstlichen Schacht oder Bohrungen an die Oberfläche gefördert wird. Es wird oft nicht regelmäßig kontrolliert und ist nicht automatisch Trinkwasser. Erst wenn das Brunnenwasser die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt, gilt es rechtlich als Trinkwasser. Brunnenwasser kann Belastungen enthalten, z. B.: Bakterien (u. a. durch Tierkot), Nitrat aus Landwirtschaft, ­Eisen oder Mangan, Pestizid­rückstände oder andere Schadstoffe. Ob Brunnenwasser als Trinkwasser geeignet ist, lässt sich nur durch eine Laboranalyse feststellen.

Trinkwasser wird streng kontrolliert. Das sagt der Laborexperte:

„Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV)…

…gibt vor, in einem Versorgungsgebiet zwischen 90 und ca. 130 Parameter mit Grenzwertbewertung in einem mit dem Gesundheitsamt abgestimmten Rhythmus und in einer definierten Anzahl pro Jahr zu untersuchen. Die Spannweite ist abhängig von der Anzahl untersuchter Pflanzenschutzmittel sowie deren Metabolite bzw. Abbauprodukte in einem Wasserversorgungsgebiet. Für die Öffentlichkeit interessante Parameter sind seit vielen Jahren Coliforme Bakterien, Blei, Legionellen; gegenwärtig die neue Parametergruppe PFAS (künstliche Industriechemikalien mit extremer Langlebigkeit). Mit der Novellierung der TrinkwV im Jahr 2023 sind neue Qualitätsparameter wie z. B. Chlorit, Chlorat, Halogenessigsäuren, Bisphenol A, PFAS, somatische Coliphagen und Microcystin-LR verpflichtend zu untersuchen. Es kam zu einer Verschärfung bei den Grenzwerten für Blei, Chrom und Arsen. Die Einführung der Risikobewertung und des Risikomanagements für die komplette Versorgungskette vom Einzugsgebiet bis zur Übergabestelle an den Verbraucher muss bis 2029 abgeschlossen sein und mit den Wasserbehörden und Gesundheitsämtern abgestimmt werden. Je nach Parameterauswahl kann eine Analyse von der reinen Analytik, über die Auswertung bis zum Endergebnis einschließlich aller Qualitätssicherungsmaßnahmen von einem Tag für einige wenige mikrobiologische Parameter bis zu 14 Tage für einen vollständigen Parametersatz nach TrinkwV an Arbeitszeit beanspruchen.“

Dr. René Frömmichen

Dr. René Frömmichen,
Leiter Trinkwasser­labor der Trinkwasserversorgung ­Magde­burg GmbH/zugelassene Trinkwasseruntersuchungsstelle ­Sachsen-Anhalt
Foto: privat


Das sagen die kommunalen ­Wasserversorger:

„Der WAZV ‚Bode-Wipper‘ bezieht durchschnittlich 2,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr von der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH aus der Colbitz-Letzlinger Heide. Rund 15.900 Haushalte werden von uns beliefert. Beim Thema Brunnenwasser ist es ein offenes Geheimnis, dass es Grundstückseigentümer gibt, die Eigenversorgungsanlagen haben und nutzen. Werden damit aber abwasserrelevante Einrichtungen genutzt, z. B. WC-Spülung, Dusche oder Waschmaschine, sind diese Mengen separat zu erfassen und Gebühren zu entrichten. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um eine Abgabenhinterziehung und Gebühren müssen nachberechnet werden.“

Andreas Beyer

Andreas Beyer,­
Verbands­geschäftsführer des WAZV „Bode-Wipper“
Foto: WAZV

„Der WAZV ‚Elbe-Elster-Jessen‘ gewinnt das Trinkwasser für rund 9.500 Haushalte aus Grundwasser. Dieses wird in den drei Wasserwerken des Verbandes in Jessen, Groß Naundorf und Mark Zwuschen aufbereitet. Leider gab es im Jahr 2025 Irritationen bei den Bürgern nach Pressemeldungen zur Analyse von Brunnenwasser bei Grundstücksbesitzern in der Region: Eine bundesweit agierende unabhängige Gewässerschutz-Initiative hatte Brunnenwasser auf Rückstände untersucht. Hier wurden leider falsche Rückschlüsse auf die Qualität von Grundwasser gezogen und Menschen verunsichert. Trinkwasser von uns regionalen Versorgern hat immer beste Qualität.“

Thomas Giffey

Thomas Giffey,
Verbandsgeschäftsführer des WAZV ­„Elbe-Elster Jessen“
Foto: SPREE-PR/Petsch

Für die Bereitstellung von frischem Trinkwasser arbeiten alle kommunalen Wasserversorger tagtäglich unter anderem mit diesen Vorschriften: Trinkwasser­verordnung, EU-Trinkwasserrichtlinie, Infektionsschutzgesetz, Landeswassergesetz, außerdem mit einer Reihe von DIN-Normen, z. B.: DIN EN ISO 5667

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Wein aus dem Herzen Mecklenburgs

 



Ein Ortsbesuch bei Familie Dähn zwischen 2.600 Reben

Wein aus dem Herzen Mecklenburgs

Sieben Prozent Steigung zeigt das Straßenschild am Ortsausgang von Dorf Mecklenburg. Hier ist’s also hügelig. Perfekt für einen Weinberg dachten sich Juliane und Wolfgang Dähn und pflanzten 2019 die ersten Reben an diesem Ort zwischen Ostsee und Schwerin. Wein aus dem Herzen Mecklenburgs gibt es seit 2022. Die WASSERZEITUNG besuchte das mutige junge Paar.

Juliane und Wolfgang Dähn mit Hofhund Dackeldame Frieda. Die zweifachen Eltern sind echte und begeisterte Mecklenburger Weinbauern.

Foto: SPREE-PR/Galda

Idyllisch ist es hier bei Dorf Mecklenburg. Insekten surren durch die Reben, Rosen blühen farbenfroh am Reihenende. Bergrunter sind die Flügel der Mühle im Ort zu sehen. Wein also. In Mecklenburg. Klingt verrückt? Ist aber durchaus eine Erfolgsgeschichte. Weiß, Rosé, Rot. Hier gepflanzt, gepflegt, gewachsen, geerntet, produziert, in Flaschen gefüllt. Alles lokal. „Wenn der Wein vom Hof rollt, tritt er seine erste Reise an“, lacht Wolfgang Dähn. Zu kaufen gibt es ihn direkt auf dem Berg in Dorf Mecklenburg, in einigen Hofläden und Gastronomiebetrieben in der Region. Auf der Mole in Hohen Wieschendorf (Wismarer Bucht) sind sie regelmäßig zu Besuch mit Weinverkostungen.

Die helle Solaris-Traube. Foto: privat

Kleiner Weinberg bringt guten Ertrag

„Bis zu 6.000 Flaschen im Jahr füllen wir ab“, erzählen sie. Damit sind sie ein kleiner Player im Weinland MV. „16 Betriebe gibt es, auf etwa 70 Hektar“, weiß Wolfgang Dähn. Das mit Abstand größte Weingut befindet sich in Rattey, dort wachsen auf 35 Hektar 175.000 Reben. In ihrer Heimat Dorf Mecklenburg, hier sind beide schon zur Schule gegangen, bewirtschaften die Dähns 0,6 Hektar. Und das kam so: Vor etwa zehn Jahren reifte bei dem jungen Paar der Gedanke, was Eigenes zu machen. Er, Wolfgang, ist gelernter und studierter Landwirt. Sie, Juliane, hat Soziale Arbeit studiert. Beide arbeiten hauptberuflich in ihren Fächern, die Landwirtschaft ist ein Nebenerwerb. 2018 gründeten die damals Endzwanziger ihren Betrieb, pachteten das Land und legten 2019 mit dem Pflanzen der ersten 2.000 von heute 2.600 Reben los. „Ausrichtung am Hang südwestlich, mit Bedacht gewählt“, betont Juliane Dähn.

Kontakt und weitere Infos			Weinberg Dähn GbR Feldweg 5a 23972 Dorf Mecklenburg https://www.wein-mv.de

Wein bedeutet Handarbeit, hier die Lese der Cabernet-Cortis-Traube.Foto: privat

Kleine Weinkunde Der Saft der Früchte ist farblos. Weißwein entsteht aus Mostgärung der weißen Trauben, Rosé aus roten. Rotwein erhält man aus der mehrere Wochen dauernden Maischegärung, bei der Alkohol die Farbstoffe aus der Schaale löst.

Nordisches Klima passt

Wieso Wein? „Wir wollten was Neues machen, Diversität in die Landwirtschaft bringen. Wein war eine gute Option.“ Passt das ins nordische Klima? „Hier wird‘s etwas später warm, rund um Eisheiligen Mitte Mai sind unsere Pflanzen noch nicht so weit ausgetrieben und darum nicht so gefährdet“, erklären sie. „Und wir haben tolle pilzwiderständige Neuzüchtungen gewählt für unseren Standort. Die Reben müssen zwar trotzdem vor Pilzbefall geschützt werden, aber wir arbeiten ohne Herbizide und Insektizide. Nachhaltig, bodenschonend und mit möglichst geringem Einfluss auf unsere Umwelt.“

Die Ressource Wasser setzen sie ebenfalls schonend ein. Einen Wasseranschluss hatte der lokale Zweckverband schnell gesetzt. Die Tröpfchenbewässerung ist aber hauptsächlich in den ersten drei Jahren für die Jungpflanzen eine Unterstützung. Später holen die Pfahlwurzler ihren Bedarf aus der Erde. „In der Kellerei muss für die Reinigung der Gerätschaften Wasser in Trinkwasserqualität vorhanden sein.“ Im Herbst geht es hier mit der Lese des 2026er-Weins und dessen Verarbeitung wieder hoch her.

Übrigens: Wer Lust hat, bei der Weinlese in Mecklenburg, die von Anfang September bis Ende Oktober läuft, mitzuhelfen, kann sich gern melden. „Wein ist Handarbeit“, unterstreichen die auch deshalb begeisterten Weinbauern.

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Ostseestrände mit Führungen neu entdecken

 



Reizvolle Führungen an der Küste

Ostseestrand einmal anders

Wer an den Strand denkt, hat meistens Urlaub, Sonne, Badespaß im Kopf. Doch wer mit Biologin Pauline Damer vom BUND MV eine Strandführung macht, entdeckt eine geheimnisvolle Welt mit cleveren Überlebenskünstlern, spannenden Naturgeschichten und unterschätzten Klimaschützern.

  • Einfach nur Sand? Von wegen! Bei Strandführungen erklären Experten, welche Überlebenskünstler es dort gibt.
  • Ein spannendes Projekt des BUND: Strandinseln geben heimischen Pflanzen und Tieren die Chance, sich zu entwickeln. Meersenf siedelt sich als erstes an.

  • Pauline Damer (links) erklärt einer Teilnehmerin die Muscheln.
Fotos (3): SPREE-PR/Krone; OSTSEESTIFTUNG

„Das ist eine Braunalge!“ – Pauline Damer zeigt den sechs Teilnehmenden der Strandführung in Zingst einen Blasentang. „Es gibt aber auch rote und grüne Algen“, erklärt sie weiter. „Warum haben sie verschiedene Farben?“, fragt eine Teilnehmerin. Die Antwort ist einfach: „Algen haben sich an die unterschiedlichen Lichtverhältnisse und Tiefen im Wasser angepasst. Die Grünalgen im flachen Wasser können noch das volle Licht für die Photosynthese nutzen. Je tiefer im Wasser, desto weniger Lichtfarben kommen dort an. Daran sind Braun- und vor allem Rotalgen mit zusätzlichen Farbstoffen angepasst.“ Ein unscheinbares Büschel Tang wird zu einem kleinen Wunder der Evolution.

Die Strandexpertin

Pauline Damer kennt sich aus mit den Tieren und Pflanzen, die im puren Strandsand überleben können. Sie hat Biowissenschaften und Meeresbiologie an der Universität Rostock studiert, ist seit Mai 2022 Projektmitarbeiterin beim BUND Mecklenburg-Vorpommern im Verbundprojekt „Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste“. „Wir haben so eine wunderschöne Küste“, schwärmt sie. „Hier wachsen spezialisierte Pflanzen, rasten Tiere, greifen Wind, Wasser und Vegetation ineinander.“ Da sind die Miesmuscheln, die sich mit Proteinfäden an Buhnen kletten und literweise Wasser filtern. Seegras stabilisiert den Meeresboden, produziert Sauerstoff, nimmt CO₂ auf und bietet Tieren Schutz.

Kleine Inseln mit großer Wirkung

„Der größte Feind dieser herrlichen Strandwelt sind paradoxerweise wir selbst“, erklärt sie. „Wir räumen auf, harken den Strand, betreten ihn ständig. Da kann sich nur wenig Natur entwickeln.“

An diesem Punkt kommen Strandinseln ins Spiel. In den vergangenen sechs Jahren wurden an sechs Orten wie Zingst, Graal-Müritz und Ahrenshoop immer wieder kleine Strandbereiche eingezäunt. Auf diesen Inseln konnten sich Meersenf, Kalisalzkraut und Stranddistel ungestört entwickeln.

Mitten im touristischen Trubel beweisen diese Strandinseln, dass Artenschutz am Badestrand funktionieren kann. Die Inseln wurden als „Vernetzte Vielfalt an der Ostseeküste“ angelegt. Seit 2020 wurden so Lebensräume geschützt und besser miteinander verbunden.

Erleben auch Sie den Strand mit neuen Augen: nicht nur als Urlaubsort, sondern als lebendigen und schützenswerten Naturraum. Nehmen Sie an einer Führung teil!

Mehr Infos: www.schatzküste.com

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Wenn Wasser sprechen könnte

 



Theaterprojekt

Wenn Wasser eine Stimme bekommt

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn Dinge eine Stimme hätten? Das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin hat dieser Idee eine Bühne gegeben. Und sich dazu auch das Wasserwerk der Zukunft an die Seite geholt. Hereinspaziert ins „Parlament der Dinge“.

Schauspielerin Julia Keiling führte die Kinder und Jugendlichen durch das Parlament der Dinge. An ihrer Seite: Wichtige „Dinge“ des Lebens wie das Wasser (r.) und das Moor. Foto: Silke Winkler

„Was wir jetzt wohl machen?“ Sascha, Ben, Sarah, Fine und 14 andere Kinder folgen David Schacht neugierig über den Flur der M*Halle. Er führt die Fünft- und Sechstklässler in einen Raum abseits der Bühne. Auf dem Boden liegt ein Wassertropfen aus Papier. Darauf stehen Becher. „Trinkt erst mal einen Schluck“, sagt David Schacht.

Ein Schluck, viele Fragen

David Schacht kommt vom Verein „Wasserwerk der Zukunft“ in Malchin und leitet den WasserZweckVerband Malchin Stavenhagen. An diesem Morgen begleitet er als Wasserexperte das „Parlament der Dinge“. 

Als die Becher leer sind, fragt er die Schüler, wofür sie Wasser nutzen. Trinken, Hände waschen, Duschen, Blumen gießen … Die Antworten sprudeln. Schnell wird klar: Wasser ist überall im Alltag. Doch woher kommt es eigentlich? „Aus dem Wasserwerk“, antwortet ein Junge. „Und wo bekommt das Wasserwerk das Wasser her?“ Kurzes Nachdenken. „Aus der Erde?!?“ David Schacht nickt. „Bei uns aus 50 bis 60 Metern Tiefe!“ Er erzählt, dass das Wasser über Brunnen gefördert und in vielen Schritten aufbereitet wird. Als er erklärt, wie streng Trinkwasser kontrolliert wird, sind die Kinder überrascht.

Über die Fachausschüsse wirkten die Jugendlichen aktiv – und kreativ – am Parlament der Dinge mit. Hier eine Schülergruppe aus einer älteren Besuchergruppe. Foto: Silke Winkler

Experiment der Gedanken

Vor allem ein Wort bleibt hängen: Nitrat. Ein Stoff, der nur in winzigen Mengen im Wasser sein darf, aber zum Beispiel über die Landwirtschaft mehr und mehr ins Grundwasser gelangt. Die Kinder fragen: Können Wasserwerke das nicht herausfiltern? „Theoretisch ja“, sagt David Schacht. „Das ist aber sehr aufwendig und braucht besondere Technik. Das würde Trinkwasser dann sehr viel teurer machen. Wäre es nicht besser, unser Grundwasser vorbeugend zu schützen?“, fragt er zurück. Die Kinder schauen sich an. Bis vor wenigen Minuten war Wasser für sie noch etwas, das einfach aus dem Hahn kommt. Nun sind da so viele Zusammenhänge. Was würde das Wasser wohl antworten, wenn es eine Stimme hätte?

Genau darum geht es im „Parlament der Dinge“. Regisseurin Nina Gühlstorff hat es als Gedankenexperiment für Jugendliche auf die Bühne gebracht. Was die Schüler erwartet? Zunächst einmal Aufkleber mit Symbolen. Ein Abstimmungsgerät. Und die Aufgabe, einen Platz zu finden, der zum Aufkleber passt. An diesem Vormittag füllen sich die Sitze mit 100 Schülern aus Crivitz. Eine Glocke läutet. Die Debatte beginnt. 

Die „Dinge“ sind nicht einfach

Julia Keiling betritt die Bühne. Die Schauspielerin führt als Parlamentspräsidentin durch das Stück. Flankiert von Moor. Wald. Energie. Tieren. Wasser. Was denken Jugendliche über Themen wie diese? Julia Keiling fragt, die Schüler stimmen ab. Zunächst einfach so, aus dem Bauch heraus. Das Ergebnis fürs Wasser: 21 Prozent finden, MV hat genug Trinkwasser. 27 Prozent meinen: Felder müssen gedüngt werden. 45 Prozent sagen: Die Gifte auf den Feldern müssen reduziert werden. Verändern sich Meinungen, wenn man mehr über ein Thema weiß? Auf geht’s in die Ausschüsse. Hier sollen – wie in einem echten Parlament – die Themen vertieft werden. In jeden Ausschuss hat Nina Gühlstorff Experten aus der Praxis eingeladen. So wie David Schacht. Die Aufkleber vom Eingang bestimmen, welche Kinder in seinem Ausschuss sitzen. 

Im Parlament der Dinge bekam auch das Wasser eine Bühne.  Foto: Silke Winkler

Dort haben Sascha, Ben, Fine und die anderen inzwischen ihre Argumente ausgetauscht. Und die wichtigsten auf Plakate geschrieben. Dann ruft die Glocke alle zurück ins Parlament. Hier gibt nun jeder Ausschuss seinem „Ding“ eine Stimme: Den Tieren. Der Energie. Dem Wald. Dem Moor. Und dem Wasser. Dann wird noch einmal abgestimmt. Alle Zahlen verändern sich. Auch beim Wasser. Jetzt finden 10 Prozent: MV hat genug Trinkwasser. 13 Prozent meinen: Felder müssen gedüngt werden. 65 Prozent sagen: Die Gifte auf den Feldern müssen reduziert werden. 

Für David Schacht kommt das nicht überraschend. Nach zwei Jahren im „Parlament der Dinge“ ist der Kern für ihn nicht die Frage, ob Wasser eine Stimme haben sollte. Sondern was passiert, wenn Menschen sich informieren und einander zuhören. „Wer versteht, woher sauberes Wasser kommt, erkennt auch, warum sein Schutz eine wichtige und gemeinsame Aufgabe ist.“

Das „Parlament der Dinge“ ist ein Projekt zur demokratischen Teilhabe von Jugendlichen nach einer Idee des französischen Soziologen Bruno Latour. Regisseurin Nina Gühlstorff hat es zusammen mit Ausstatterin Marouscha Levy, Theaterpädagogen, Schauspielern und Schülern für die Schweriner Bühne entwickelt. Der Anspruch: Theater, Politik, wichtige Themen unserer Zeit und Teilhabe miteinander verbinden – jugendgerecht und ohne Zeigefinger. Das Mitmachen habe jeder Vorstellung einen eigenen Charakter gegeben. „Und immer wieder deutlich gemacht, wie vielschichtig Entscheidungen sein können.“ Premiere war im Herbst 2024. Im Sommer endet das Projekt.

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Ein zuverlässiger Partner

 



Ausbildung

Hier startet die Zukunft

Fachkräfte – sie werden auch in der Wasserwirtschaft händeringend gesucht. Viele Zweckverbände bilden deshalb selbst Nachwuchs aus. Ein wichtiger Partner dabei ist das Bildungsinstitut für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg e. V.

Am liebsten arbeitet Lowis Lindemann im Bereich Rohrnetz. „Die Arbeit an den Anlagen – so wie hier, an einem Hydranten – macht mir großen Spaß.“ Wenn er seine Prüfung besteht, wird er das Team des Zweckverbands dort als Fachkraft verstärken. Foto: SPREE PR/Kuska

Ein Mittwochmorgen, Anfang Juni beim Zweckverband der Insel Usedom. Die erste Aufgabe des Tages führt Lowis Lindemann in eine Seitenstraße von Ückeritz. Seine Arbeit wartet hinter einer rot-weißen Absperrung. „Hier muss der Unterflurhydrant zurückgebaut werden.“ Den Schacht haben er und sein Kollege Felix Modaleck schon am Tag zuvor ausgehoben. Nun löst Lowis Lindemann die Verbindungen. Dann entfernt er den Hydranten. Felix Modaleck reicht ihm von oben die nötigen Werkzeuge an.

Lowis Lindemann ist 20 Jahre alt und macht beim Zweckverband eine Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. Das Rüstzeug dafür lernt er an der Berufsschule in Ribnitz-Damgarten, beim Zweckverband und am Bildungsinstitut für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg, kurz: BUW. „Das BUW ist unser überbetriebliches Ausbildungszentrum“, sagt Verbandschef Mirko Saathoff. „Hier verzahnen sich Theorie und Praxis auf besondere Weise.“

Individuelle Stundenpläne

Grundlage jeder Ausbildung sind Verordnungen. Sie regeln, wie die Ausbildung aufgebaut ist, welche Kenntnisse und Fertigkeiten Auszubildende erwerben müssen und welche Anforderungen für Prüfungen gelten. Nicht jeder Zweckverband hat aber zum Beispiel ein eigenes Labor oder alle technischen Voraussetzungen, die die Jugendlichen für ihre praktische Ausbildung und die Prüfung brauchen. „An dieser Stelle setzen wir an“, sagt BUW-Geschäftsführerin Antje Grundmann. „Wir begleiten die Jugendlichen vom ersten Lehrjahr bis zur Abschlussprüfung.“ Ein Angebot, auf das viele Verbände und Unternehmen in MV, Brandenburg und Berlin zurückgreifen. 

Die Verbundausbildung im Bereich Wasserwirtschaft gehört seit 1992 zum Angebot des BUW und findet in Neubrandenburg statt. Foto: BUW

Die Schwerpunkte in der Wasserwirtschaft liegen auf den Bereichen Elektrotechnik, Metalltechnik und Analytik/Labor. Die Module und ihr zeitlicher Umfang richten sich nach den Anforderungen der Verbände. „Jeder Ausbildungsplan wird individuell auf einen Verband und seine Azubis abgestimmt. Damit stellen wir sicher, dass Inhalte zielgerichtet vermittelt werden“, erläutert Antje Grundmann. Ein Ansatz, den Lowis Lindemann vor allem in den vergangenen Wochen besonders schätzte. Seine Ausbildung endet im Sommer. „Das BUW hat uns in vielen praktischen Übungen intensiv auf die Prüfungen vorbereitet.“

Ausbildung im Wandel

Das Besondere an seinem Abschlussjahrgang: Nach ihm werden keine Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik oder Abwassertechnik mehr ausgebildet. Grund: 2024 wurde der Ausbildungsberuf neu geordnet. Das brachte zum einen neue Berufsbezeichnungen mit sich: Aus den Fachkräften für Wasserversorgungstechnik bzw. Abwassertechnik wurden Umwelttechnologen für Wasserversorgung bzw. Abwasserbewirtschaftung. Zum anderen verschoben sich auch inhaltliche Schwerpunkte. „Neue Berufsbildpositionen – wie Digitalisierung, Elektrotechnik, Klima und Nachhaltigkeit – spielen auch in der Wasserwirtschaft eine immer stärkere Rolle. Ihnen mehr Raum als bisher zu geben, hat die Ausbildung moderner und praxisorientierter gemacht“, resümiert Antje Grundmann. 

Von 24 auf 220

Seine Wurzeln hat das BUW in der Betriebsschule Erwin Hoernle des VEB WAB Neubrandenburg, der größten zentralen Bildungseinrichtung der Wasserwirtschaft in der DDR. Im September 1991 erwuchs daraus der Bildungsverein für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg e. V. Die ersten 24 Azubis im Bereich Wasserwirtschaft kamen 1992. Inzwischen kooperiert das BUW mit vielen Verbänden in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. 

„Aktuell haben wir 220 Auszubildende in den Bereichen Umwelttechnologe/in für Wasserversorgung, für Abwasserbewirtschaftung, für Kreislauf- und Abfallwirtschaft sowie für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen“, sagt BUW-Leiterin Antje Grundmann. Darüber hinaus bietet das BUW, verteilt auf die Standorte Neubrandenburg, Demmin und Neustrelitz, noch acht weitere Ausbildungen sowie diverse Fort- und Weiterbildungen an.  

Alles bestanden!

Bei den Prüfungsergebnissen für MV sind die Auszubildenden überdurchschnittlich gut! „Bei den Fachkräften für Wasserversorgungstechnik und Abwassertechnik liegt die Bestehensquote bei 100 Prozent“, sagt Antje Grundmann. Zum Vergleich: „Der Bundesdurchschnitt liegt bei 91 Prozent.“

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Wird das „Leitbild Siedlungswasserwirtschaft“ zum Leid-Bild?

 



Quo vadis, Brandenburger Siedlungswasserwirtschaft!

Wird das Leitbild zum Leid-Bild?

Die Wasserwirtschaft sei „das vergessene Kind der Infrastruktur“ in Deutschland – so formulierte ein WASSERZEITUNGs-Herausgeber seine Sorge zum diesjährigen Weltwassertag. Weil die Anforderungen an eine robuste Ver- und Entsorgung stiegen, wachse der Investitionsbedarf enorm. – Doch Halt! Gab es für Brandenburg nicht mal ein „Leitbild zukunftsfähige Siedlungswasserwirtschaft“? Mehr als elf Jahre ist es her, dass der Abschlussbericht an die Landespolitik übergeben wurde – mit klaren Erwartungen. Doch passiert ist nicht genug, findet zumindest die Branche.

Wie positionieren sich Wasserwirtschaft und Landespolitik heute zu den Notwendigkeiten einer langfristig zuverlässigen Daseinsvorsorge im Bereich Wasser/Abwasser? Wir haben zwei Vertreter um Antworten gebeten.

Die Siedlungswasserwirtschaft ist eine zentrale Voraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse im ländlichen Raum – das bestätigte die parlamentarische Enquete-Kommission 6/1, der Wolfgang Roick vorstand. Gegenüber der WASSERZEITUNG spricht der Landtagsabgeordnete von einem Austausch mit der Branche, der sich „verstetigt und fachlich verdichtet“ habe – zwischen Land, Parlament, kommunalen Aufgabenträgern, Fachverbänden und wasserwirtschaftlichen Akteuren. „Der Landtagsbeschluss zur Stärkung der Siedlungswasserwirtschaft und die spätere Befassung mit konkreten Umsetzungsaufträgen haben dazu beigetragen, dass Fragen wie Gebührenstabilität, Investitionsdruck, Kooperation, Fachkräftesicherung und Resilienz regelmäßig politisch aufgegriffen wurden.“

Der Austausch sei substanzieller geworden, jedoch müssten daraus noch stärker verbindliche regionale Entscheidungen und belastbare Finanzierungsinstrumente entstehen. „Genau an dieser Stelle wird sich entscheiden, ob der Leitbildprozess seine praktische Wirkung vollständig entfaltet.“

Die praktische Umsetzung sieht Wolfgang Roick weiterhin vor Ort bei den zuständigen Zweckverbänden, Kommunen und Fachverwaltungen. „Ihnen gegenüber hat das Umweltministerium keine Durchsetzungsgewalt“, unterstreicht er.

Wolfgang Roick stammt aus Großräschen und sitzt seit 2014 für die SPD im Brandenburger Landtag. Er war der Vorsitzende der parlamentarischen Enquete-Kommission 6/1 zur Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Foto: Wolfgang Roick

Und dann gebe es da eben eine klaffende Finanzierungslücke: „Die Investitionsbedarfe in der Siedlungswasserwirtschaft sind erheblich. Besonders kleinere und mittlere Aufgabenträger geraten unter Druck, wenn die Sanierung, neue Umweltstandards, Klimaanpassung und mögliche sinkende Gebühreneinnahmen zusammenkommen.“

Fazit des Landespolitikers: Das Leitbild wird weiterentwickelt, aber noch nicht konsequent genug. „Die Richtung stimmt, die Geschwindigkeit und die Verbindlichkeit reichen noch nicht aus.“ Auch sei die Bedeutung der Resilienz zur Aufrechterhaltung der täglichen Aufgaben noch nicht bei allen ausreichend angekommen.

Als positive Ausnahme nennt Wolfgang Roick den „Trinkwasserverbund Lausitzer Revier“, an dem WASSERZEITUNGs-Herausgeber WAL Senftenberg beteiligt ist.

Christian Becker leitet seit 2021 die Geschäftsführung der Osthavelländischen Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung GmbH in Falkensee (OWA). Der studierte Bau- und Wirtschaftsingenieur fungiert zudem als Sprecher der Initiative Trinkwasserversorgung Metropolregion (ITM). Foto: SPREE-PR/Petsch

In einer Umfrage unter den Herausgebern der WASSERZEITUNG gibt eine Mehrheit an, der Leitbildprozess Siedlungswasserwirtschaft habe nur teilweise zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Einige sehen gar keine Resultate. Für Christian Becker von der OWA Falkensee ist das wenig überraschend. Er berichtet im Podcast „WZ – das Gespräch“ (deezer/spotify uam.): „Wir sind nach wie vor bei exorbitant langen Genehmigungsverfahren – für die Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten oder die Bewilligung von Grundwasserentnahmen.“ Und die Zeit drängt: Von den gegenwärtig 330 ausgewiesenen Schutzgebieten in Brandenburg müssen 235 in den nächsten Jahren erneuert werden. „In dem Tempo, in dem gegenwärtig daran gearbeitet wird, wird das nicht funktionieren.“ Die Mitarbeiter in den zuständigen Ämtern bräuchten für ihre Abwägungsverfahren verlässliche Entscheidungshilfen – mit einer Priorisierung für die öffentliche Wasserversorgung. Der OWA-Chef verweist auf ein Beispiel, das ihn in seinem Verbandsgebiet getroffen hat: „Nach dem Brandenburger Forstgesetz kann eine Wiese von mehreren Hektar Fläche mit 50 Bäumen drauf als Wald ausgewiesen werden. Für uns hieße das bei Interesse, einen langwierigen Prozess der ‚Waldumwandlung‘ beginnen zu müssen. Für eine praktisch leere Fläche!“ Gerade Umweltverträglichkeitsprüfungen – bei mehr als 2 km Leitungsneubau vorgeschrieben – bremsen notwendige Investitionen erheblich aus. Bei anderen Medienträgern, etwa Telekommunikationsleitungen, ginge es häufig deutlich schneller zu Werke.

Das Problem? Die Wasserwirtschaft wird öffentlich kaum wahrgenommen. Bzw. erst dann, wenn Ver- und Entsorgung mal nicht in gewohnter Weise funktionieren – bei Rohrbrüchen zum Beispiel oder wenn die Kosten steigen. Christian Becker erinnert daran, dass allein die Metropolregion inklusive Berlin ein Bevölkerungswachstum um weitere 600.000 Menschen bis 2050 erwartet. Die Aufgaben müssen daher endlich angepackt werden. 

Sein Fazit: „Die Politik denkt leider in Zeitperioden bis zur nächsten Wahl. Das reicht für die Wasserver- und Abwasserentsorgung nicht!“

Kommentar

So darf es nicht laufen!

Ihre besten Zeiten erreichen Marathonläufer, wenn die Strecke von 42,195 km über plattes Land verläuft. Am besten bei Windstille und milden 18 Grad. Nachvollziehbar. Nun stellen Sie sich vor, die Strecke führe schnurstracks die Zugspitze hinauf. Ein Knochenjob. Sisyphos lässt grüßen. Die Wasserwirtschaft steht vor einer ähnlich gelagerten Herausforderung: dieselben Ziele erreichen – jederzeit einwandfreies Trinkwasser und umweltgerechte Abwasserreinigung – unter immer schwierigeren Rahmenbedingungen. Gestresste Grundwasserpegel aufgrund der Klimakrise und Rekordverbräuche in immer häufigeren Dürrephasen belasten die Trinkwasserproduktion. Aber es läuft ja …

Mit Phosphor-Recycling, Mikroplastik-Belastung, PFAS, wachsenden Arzneimittelrückständen, einer vierten Reinigungsstufe zur Eliminierung u. a. von Mikroschadstoffen muss sich die Abwasserbehandlung rumschlagen. Aber es läuft ja …

Die Wasserwirtschaft ist und bleibt der „Reparaturbetrieb der Gesellschaft”. Dabei vermisst sie eine klare Priorisierung des Trinkwassers als Lebensmittel – über wohlfeile Sonntagsreden hinaus. Die Wasserwirtschaft vermisst das konsequente Tragen von Verantwortung gemäß dem Verursacherprinzip, also das Vermeiden schadhafter Einträge an der Quelle. Sie vermisst straffe Genehmigungsprozesse, die Entscheidungen in angemessener Zeit hervorbringen.

So darf es nicht laufen!

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„Vom Wasser aus bekommt man einen anderen Blick“

 



„Vom Wasser aus bekommt man einen anderen Blick“

Olympiasieger Ronald Rauhe empfiehlt: Kanufahren

Es sei eine ursprüngliche Art, mit dem Element Wasser in Kontakt zu treten und die Natur weniger flüchtig zu erleben. Das empfindet der fünffache olympische Medaillengewinner (2 ✕ Gold, 1 ✕ Silber, 2 ✕ Bronze) Ronald Rauhe. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere zog es ihn ins Havelland. Hier traf ihn WASSERZEITUNGs-Redakteur Gunnar Leue zum Interview.

Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe ist mit dem Element Wasser aufs Engste und Erfolgreichste verbunden. Er findet, dass man die Natur vom Boot aus auf sehr spezielle Weise hautnah erlebt. Foto: Ronald Rauhe

Herr Rauhe, wie erklären Sie einem unsportlichen Menschen den Reiz des Kanufahrens?

Auf Havel, Spree oder den zahlreichen Seen erlebt man Wasser nicht nur als Oberfläche, sondern als verbindendes Element zwischen Landschaft, Stadt und Natur. Selbst in stadtnahen Bereichen verändert sich der Blick vom Wasser aus auf die Umgebung. Er ist konzentrierter, nicht so flüchtig. Die Natur erschließt sich einem quasi ganz nebenbei und auf eine sehr ursprüngliche Art. Schon deshalb lohnt es sich, mit dem Kanu unterwegs zu sein.

Sie sind viele Jahre in Brandenburg gepaddelt, auch leistungsorientiert. Ist diese Nähe zum Wasser geblieben?

Ja, unbedingt. Auch im Leistungssport verliert Wasser für mich nie seine beruhigende Wirkung. Im Gegenteil: Gerade lange Trainingsfahrten haben mir gezeigt, wie gleichmäßig, verlässlich und zugleich sensibel dieses Element ist. Das spürt man im Kanu sehr direkt. Brandenburg bietet dafür ideale Bedingungen, weil die Gewässer überwiegend ruhig sind und Raum lassen – für Technik ebenso wie für Wahrnehmung.

Oft wird Kanufahren als Sport für Aktive gesehen. Trifft das Ihrer Erfahrung nach zu?

Nur teilweise. Natürlich kann man Kanusport leistungsorientiert betreiben. Aber das Entscheidende ist: Man muss es nicht. Für nahezu jede Voraussetzung gibt es geeignetes Material. Stabile Tourenboote ermöglichen auch Menschen ohne sportlichen Hintergrund einen sicheren Zugang. Gerade auf Brandenburger Gewässern, die wenig Strömung und große Wasserflächen bieten, steht nicht Geschwindigkeit, sondern das Erleben im Vordergrund.

Welche Rolle spielt dabei die Infrastruktur in Brandenburg?

Eine sehr große. Das Netz an Verleihstationen entlang von Flüssen und Seen ist gut ausgebaut. Man kann niedrigschwellig anfangen, ohne eigenes Boot, ohne logistischen Aufwand. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor. Wer tiefer einsteigen möchte, findet zudem zahlreiche Vereine, die nicht nur Material, sondern auch Wissen über Gewässer, Befahrungsregeln und Naturschutz vermitteln.

Stichwort Material: Wie stehen Sie zu aufblasbaren Kanus, sind die als Einstieg ausreichend?

Absolut. Moderne aufblasbare Kanus sind deutlich besser als ihr Ruf. Sie eignen sich nicht nur für Einsteiger, sondern werden teilweise sogar von fortgeschrittenen Paddlern genutzt, etwa auf Reisen. Entscheidend ist nicht, ob ein Material „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern ob es zu den eigenen Plänen und Fähigkeiten passt.

Ist die gute Wasserqualität der Gewässer in Brandenburg oder Mecklenburg ein zusätzlicher Pluspunkt fürs Kanufahren?

Unsere Seen und Flüsse sind sehr sauber, teilweise kann man meterweit ins Wasser schauen. Gerade im Sommer schafft das zusätzlich ein gutes Gefühl, ohne Bedenken auf dem Wasser zu sein. Wer regelmäßig paddelt, merkt sehr schnell, wie wichtig sauberes Wasser für die eigene Wahrnehmung und das Vertrauen in einem intakten Naturraum ist.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen Flüssen und Seen, die man beachten sollte?

Grundsätzlich ja, vor allem in Bezug auf Strömung, Wind und Orientierung. In Brandenburg sind die meisten Gewässer jedoch so moderat, dass auch Anfänger sicher unterwegs sein können. Das macht die Region besonders geeignet für längere Touren, auch mehrtägig – etwa von Zeltplatz zu Zeltplatz.

Wie lang sollten erste Fahrten sein?

Eine Stunde ist ein guter Richtwert. Das hängt aber stark vom Einzelnen ab, da manche Anfänger körperlich sehr fit sind, andere weniger. Viele Tourenboote sind sehr komfortabel, sodass man sich langsam steigern kann. Mit entsprechender Vorbereitung lassen sich problemlos ganze Tage auf dem Wasser verbringen.

Eine Frage, die sich Paare vielleicht stellen: Lieber allein paddeln oder zu zweit im Boot?

Das ist reine Geschmackssache. Zwei Einer bieten mehr Stauraum, ein Zweier ist schneller. Wichtig ist die Frage: Was habe ich vor und warum gehe ich aufs Wasser? Am besten probiert man einfach beides aus.

Und wie stehen Sie zu Gruppenfahrten?

Die gehören zum Vereinsleben dazu und sind etwas Schönes. Kanuten sind in der Regel naturbewusste, rücksichtsvolle Menschen. Auch in größeren Gruppen bleibt es respektvoll gegenüber Natur und Mitmenschen.

Wie oft sind Sie selbst noch auf dem Wasser?

Im Sommer ein- bis zweimal pro Woche. In ganz unterschiedlichen Booten: im Rennboot, aber auch beim Kanu-Polo, einer leider wenig bekannten, aber sehr spannenden Kanusportart.

Vielen Dank für das Interview – und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

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