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Raus aus dem Klassenzimmer – ran an die Kläranlage

 



Wasser & Bildung

Raus aus dem Klassenzimmer – ran an die Kläranlage

„Woher kommt das Trinkwasser?“ und „Wie wird das Abwasser wieder sauber?“ Solchen und anderen spannenden Fragen gehen Kinder heute nicht mehr nur im Klassenzimmer nach, sondern direkt vor Ort, gemeinsam mit den regionalen Trink- und Abwasserzweckverbänden. Diese haben längst erkannt, wie wichtig es ist, schon die Jüngsten für das Thema Wasser zu begeistern und machen Wissen hautnah erlebbar. Wie das gelingt, zeigen viele unserer Herausgeber der WASSERZEITUNG mit ihren Projekten für junge Entdecker.

  • Abwasserbeseitigung Weißenfels-AöR

    Foto: Abwasserbeseitigung Weißenfels AöR

    Seit vielen Jahren bieten wir Klassen Führungen über unsere Anlagen an – die Nachfrage wächst stetig. Der Leiter Betrieb Kläranlage und Kanalnetz ist unser Experte für Kinderfragen. Mit ihm wird die Kläranlage zum Klassenzimmer und so manches Rätsel gelüftet: Was steckt in einer Kläranlage? Wie funktioniert ein Kanalnetz? Auch beim Girls- und Boys-Day sind wir dabei. Unsere Mitarbeiter nehmen sich viel Zeit und zeigen, wie ein Arbeitsalltag bei uns aussieht und was die Branche so spannend macht. Kontakt: info@abwasser-wsf.de oder 03443 337450.

  • ZWA Bad Dürrenberg

    Foto: ZWA Bad Dürrenberg

    Gemeinsam mit dem Elsterfloßgrabenverein gestalten wir jedes Jahr einen Projekttag für die Dritt- und Viertklässler in Großgörschen. Dabei vermitteln wir altersgerecht, woher Trinkwasser kommt, was mit Abwasser passiert und welche Rolle der Elsterfloßgraben spielt. Denn wer früh versteht, wie wertvoll Wasser ist, geht später bewusster damit um. Außerdem öffnen wir regelmäßig unsere Kläranlagen in Großgörschen und Bad Dürrenberg für Schulklassen aus dem Verbandsgebiet. Kontakt: info@zwa-badduerrenberg.de oder 03462 54250.

  • WAZV Saalkreis

    Foto: WAZV Saalkreis

    Unser Schulpraktikant Elias Bieler hat einen Blick hinter unsere Kulissen geworfen – ein Auszug aus seinen Worten: „Die Woche hat mir sehr gefallen, weil mir gezeigt wurde, wie das Abwasser transportiert wird und wohin. Mir wurden die Abwasserpumpwerke gezeigt und wie sie funktionieren. Ich habe geholfen, Kanäle mit einer Nebelmaschine zu suchen – wir waren erfolgreich. Mir gefällt es hier sehr, weil alle lustig und nett sind.“ Neben Führungen durch unsere Kläranlage bieten wir auch Schulpraktika an. Kontakt: info@wazv-saalkreis.de oder 034606-3600.

  • Der Praktikumsbericht fällt durchweg positiv aus.
    Foto: WAZV Saalkreis

WAZV „Bode-Wipper“

Foto: WAZV „Bode-Wipper“

Zum 111. Jahrestag unseres Wasserturms in Groß Börnecke feierten wir 2024 ein großes Wasserfest mit Führungen für Groß und Klein. Dabei sammelten wir Spenden für einen Trinkbrunnen der Kita „Sonnenschein“, der im Dezember 2024 eingeweiht wurde und die Kinder noch heute begeistert. Darüber hinaus bieten wir Besichtigungen unserer Kläranlage an und öffnen unsere Tore auch zum Girls- und Boys-Day. Wir möchten jungen Menschen das Thema Wasser und uns als attraktiven Arbeitgeber näherbringen. Kontakt: info@bode-wipper.de oder 03925 92570.

  • VKWA Salzwedel

    Foto: freepik/aleksandarlittlewolf

    Mit den umliegenden Schulen stehen wir regelmäßig in Kontakt und öffnen unsere Tore für Führungen auf der Kläranlage Salzwedel. Anschaulich und altersgerecht erklären wir die Technologie der Abwasserbehandlung – denn wir möchten alle Kinder gleichermaßen abholen. Manchmal folgt auf eine Führung sogar eine Anfrage für ein Schulpraktikum oder eine Azubi-Bewerbung, das freut uns natürlich besonders! Auch unser Wasserwerk lässt sich besichtigen. Kontakt: info@vkwa-salzwedel.de oder 03901 844333.

  • AZV Wipper-Schlenze

    Foto: AZV Wipper-Schlenze

    Von der Grundschule bis zur weiterführenden Schule – bei uns sind alle willkommen. Regelmäßig besuchen Schulklassen unsere Kläranlage und erfahren, wie die vielen Rädchen des Wasserkreislaufs ineinandergreifen. Wir versammeln die Klasse im Konferenzraum und klären gemeinsam den Weg des Abwassers vom Entstehungsort bis zur Kläranlage – was passiert dort mechanisch, chemisch und biologisch? Im Anschluss geht es mit unserem Abwassermeister auf eine Führung über die Kläranlage. Kontakt: info@azv-wipper-schlenze.de oder 03476 800990.

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Sondervermögen: Regionale Trink- und Abwasserzweckverbände schlagen Alarm: „Wir bekommen keinen Cent!“

 



Daseinsvorsorge

Sondervermögen: Zweckverbände schlagen Alarm!

Unverzichtbar für die Versorgung – unsichtbar im Sondervermögen: die regionalen Trink- und Abwasserzweckverbände.

Fotos: SPREE-PR/Petsch (li.); Gückel (re.), WAZV „Bode-Wipper“ (mi.)

Es ist das größte Investitionspaket, das die Bundesregierung bisher geschnürt hat: Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Es umfasst eine Kreditermächtigung von 500 Milliarden Euro. Davon gehen 100 Milliarden Euro an die Länder und ihre Kommunen, Sachsen-Anhalt erhält einen Anteil von 2,61 Milliarden Euro. Ein Investitionsschwerpunkt soll auf Wasserversorgung und Klimaanpassung liegen.

Und die regionalen Trink- und Abwasserzweckverbände? Sie gehen offenbar leer aus, obwohl sanierungsbedürftige Leitungen, Netzausbau und verschärfte Reinigungsvorschriften des Abwassers große Finanzierungen verlangen. Was die Zweckverbände konkret fordern – die WASSERZEITUNG hat nachgefragt.

Das Stimmungsbild ist eindeutig: Die befragten Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der Trink- und Abwasserzweckverbände in Sachsen-Anhalt blicken mit Sorge auf eine wachsende Reinvestitionslücke. Mario Pöschmann, Vorstand der Abwasserbeseitigung Weißenfels-AöR, fasst die Erwartungen an das Bundesvorhaben ernüchtert zusammen: „Das Ziel, mit dem Sondervermögen den Investitionsstau in vielen Infrastrukturbereichen zu beseitigen, sieht auf dem Papier gut aus. Große Projekte werden davon auch profitieren. Wir ‚kleinen‘ Verbände haben jedoch keinen Einfluss und gehen leer aus.“

Was das konkret bedeutet, erklärt Andreas Beyer, Geschäftsführer des WAZV „Bode-Wipper“: „Von den 2,61 Milliarden Euro, die an das Land Sachsen-Anhalt ausgeschüttet werden, erhalten wir regionalen Aufgabenträger keinen Cent.“

Dabei ist der Investitionsstau in der Wasserinfrastruktur längst keine abstrakte Zahl mehr.

Veraltete Leitungen zwingen Verbände zu teuren Erneuerungen.
Foto: WAZV „Bode-Wipper“


„Leider kommt die Infrastruktur, die keiner sieht, weil sie im Erdreich liegt, immer viel zu kurz.”

Bianka Wittenbecher
WAZV Saalkreis

Allein der WAZV Saalkreis beziffert seinen Bedarf an Investitionen im dreistelligen Millionenbereich: „Wir verfügen über ein Versorgungskonzept, das Trinkwassersicherheit, Resilienz und Energieoptimierung langfristig sichern soll. Doch ohne zusätzliche Mittel ist dieses Generationsprojekt nicht finanzierbar”, sagt Bianka Wittenbecher, Geschäftsführerin des WAZV Saalkreis.

Auch die Abwasserbranche steht unter Druck: Gesetzliche Vorgaben wie die EU-Kommunalabwasserrichtlinie, kurz KARL, verpflichtet die Versorgungsunternehmen zur energetischen Optimierung ihrer Kläranlagen – Ausgaben, die zwingend anstehen.

Mittel fließen an den Verbänden vorbei

Eine bittere Pille – und dennoch zeigen die Ver- und Entsorger auch Verständnis. Dass sie leer ausgehen, liege nicht am mangelnden Willen der Gemeinden, erklärt Franz-Xaver Kunert, Geschäftsführer des ZWA Bad Dürrenberg, und analysiert das Dilemma nüchtern: „Das liegt nicht an Böswilligkeit der Kommunen, sondern daran, dass sie die Gelder schlicht für ihre eigene Infrastruktur benötigen.“ Tatsächlich kämpfen viele Mitgliedskommunen selbst mit leeren Kassen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das Stephan Sterzik, Verbandsgeschäftsführer des AZV Wipper-Schlenze benennt: „Da ein Verband mehrere Kommunen versorgt, wäre eine faire Lösung nur möglich, wenn alle Mitgliedsgemeinden ihrem Verband gemeinsam Mittel bereitstellen würden.“ Dass dies geschieht, hält er für unrealistisch, da die Kommunen sonst selbst kaum Investitionen tätigen könnten.

Fehlende Zuschüsse erhöhen Kostendruck

Dabei wäre der Nutzen für die Bevölkerung unmittelbar spürbar. Denn neue Investitionen bedeuten häufig neue Kredite und die schlagen sich direkt in den Gebühren nieder. Mit Sondermitteln hingegen könnten Verbände Kredite abbauen, neue Verschuldung vermeiden und trotzdem gezielt in die Infrastruktur investieren. Stephan Sterzik vom AZV Wipper-Schlenze betont: „Jede Maßnahme zur Verwendung solcher Mittel würde sich gebührenmindernd auswirken und käme damit allen Bürgern im Verbandsgebiet gleichermaßen zugute.” Mit anderen Worten: Jeder Euro, der bei den regionalen Verbänden ankommt, kommt letztlich bei den Bürgerinnen und Bürgern an.

Laut und sichtbar bleiben

Die Ver- und Entsorger geben sich nicht geschlagen. Franz-Xaver Kunert vom ZWA Bad Dürrenberg formuliert die gemeinsame Haltung klar: „Unsere Aufgabe wird sein, gegenüber dem Land laut zu bleiben. Hier müssen die Mittel auch an uns fließen – bestenfalls genauso unbürokratisch wie über die Kommunen.” Andere Trink- und Abwasserzweckverbände bleiben skeptisch: „Es ist zu befürchten, dass nach der Förderung von Maßnahmen im Landesinteresse – etwa der Reaktivierung des Wasserwerks Beesen in Halle (Saale) – kaum noch Mittel für die Zweckverbände übrigbleiben“, sagt Bianka Wittenbecher vom WAZV Saalkreis.

„Unser Versorgungsnetz gehört zum nachhaltigsten Anlagevermögen in Deutschland – es darf nicht vergessen werden.”

Franz-Xaver Kunert
ZWA Bad Dürrenberg


Das Sondervermögen auf einen Blick

  • 500 Mrd. Euro Gesamtvolumen, verteilt auf 12 Jahre
  • davon 100 Mrd. Euro an Länder und Kommunen
  • Die Verteilung regelt das Länder- und Kommunal-Infrastruktur­finanzierungs­gesetz (LuKIFG)
  • Berechnungsgrundlage: Steueraufkommen und Einwohnerzahl pro Bundesland
  • Sachsen-Anhalts Anteil: 2,61 Mrd. Euro
  • 1,6 Mrd. Euro direkt an die Kommunen
  • 1 Mrd. Euro verwaltet das Land – verteilt auf die Ministerien
  • Ein Investitionsschwerpunkt: Wasserversorgung und Klimaanpassung

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„Ich kann vom Wasser nicht genug bekommen“

 



Sachsen-Anhalt

„Ich kann vom Wasser nicht genug bekommen“

Rainer Mellies ist echter Ostfriese und der neue Präsident des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachen und Sachsen-Anhalt. Ein Gespräch über viele Termine, die Kraft des Wassers und den Ostfriesentee. Und über die Biotonne.

Rainer Mellies ist seit Oktober 2025 neuer Präsident des Wasserverbandstages e. V. Bremen,

Niedersachsen, Sachsen-Anhalt.
Foto: WVT

Herr Mellies, Wasserwirtschaftler aus Sachsen-Anhalt sagten mir, mit Ihnen wäre ein lockeres Interview möglich.

Das wollen wir mal sehen. Aber ich glaube, das bekommen wir schon hin. Ehrlich gesagt habe ich noch nicht so viele Interviews gegeben. Ich gebe mein Bestes.

Meine erste Frage lautet: Sind Sie ein echter Ostfriese?

Ja, ich bin ein echter Ostfriese. Ich bin im Landkreis Aurich geboren und aufgewachsen. Ich trinke liebend gern den ganzen Tag lang meinen Ostfriesentee, der darf ruhig stark sein und länger auf dem Stövchen stehen. Soviel Schwarztee, aber der Körper arrangiert sich damit. Nur von Kaffee nach sechzehn Uhr kann ich nicht schlafen.

Sie haben in Paderborn Technischen Umweltschutz studiert und bevor Sie zur Wasserwirtschaft kamen, ging es 1997nach Berlin. War das Ihre Idee?

Nach dem Studium 1996 habe ich vier Jahre lang in einem Ingenieurbüro in Kassel gearbeitet. Ich war damals der jüngste, unverheiratete Ingenieur. Und wenn es um Projekte, die weit weg waren ging, schauten immer alle auf mich. Und so ging ich für fast zwei Jahre nach Berlin. Wir hatten 1995 das Konzept zur Einführung der Biotonne in Berlin erarbeitet. Nun ging es um die Öffentlichkeitsarbeit. Es war eine sehr spannende Aufgabe und auch sehr emotional.

Rainer Mellies am Deich in Ostfriesland.
Foto: DSA

Ihr Projekt hatte auch mit der Wiedervereinigung zu tun.

Für die Öffentlichkeitsarbeit für die Berliner Stadtreinigung hatten wir damals mehr als 120 Mitarbeiter gesucht, die an den Haustüren klingeln und den Bewohnern erklären, wie die Biotonne funktioniert. Ein riesiges Projekt. Insgesamt waren es 1,2 Millionen Hausbesuche. Wir konnten Mitarbeiter über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gewinnen und bei uns bewarben sich viele Menschen, die es nach der Wende schwer hatten, die sogenannten Wendeverlierer. Ich erfuhr damals viel über die persönlichen Schicksale, über Sorgen und Nöte der Ostdeutschen. Das hat mich sehr bewegt.

Später sind Sie wieder zurück in Ihre Heimat, nach Ostfriesland. Seit vielen Jahren sind Sie in der Siedlungswasserwirtschaft tätig. Sie sind Oberdeich- und Obersielrichter bei der Deich- und Sielacht Norderland, einem kommunalen Verband in der Stadt Norden. Für was sind Sie verantwortlich?

Hier oben an der Nordsee herrscht Ebbe und Flut. Im schlimmsten Falle gibt es Sturmfluten. Einfach gesagt: Wir behalten von früh bis spät das Wasser im Blick. Wir, damit meine ich insgesamt 14 Verbandsmitarbeiter. Die Binnenwasserstände werden übers sogenannte Sielen, über kontrollierte Entwässerung, geregelt. Das Wasser wird in einem großen Speicherbecken zwischengespeichert und von da aus wieder ins Meer abgelassen. Dieses Sielen ist normerweise zweimal pro Tag möglich, immer dann, wenn der Wasserstand in der Nordsee niedriger ist als unser Binnenwasserstand. Wenn das Sielen nicht möglich ist, pumpen wir das Wasser mit unseren Pumpen Richtung Nordsee.

In diesem Zusammenhang werden Sie auch manchmal „der Deichgraf“ genannt. Mögen Sie diesen Titel?

Hier im Norden haben wir die Bezeichnung Oberdeichrichter und so stelle ich mich den Leuten auch vor. Ich halte ab und zu Vorträge und da fällt dann schon mal das Wort Deichgraf. Ich mag die Bezeichnung, wenn sie am Rande kommt und mit einem Lächeln gesagt wird.

Wir gehen noch mal ein Stück zurück in ihrer Biografie. Zu Ihrer Kindheit und Jugend. Wie sind Sie eigentlich zum Thema Wasser gekommen?

Ganz wesentlich daran beteiligt war mein Vater. Wir hatten immer Landwirtschaft, unser Hof ist in Leybuchtpolder, es ist geologisch gesehen das jüngste Dorf Deutschlands, das letzte eingedeichte Stück Land, was besiedelt wurde. Die Ortschaft wurde 1954 gegründet, man hatte damals Mitarbeiter für den Deichbau und später Siedler gesucht. Mein Vater und mein Opa, vertrieben aus Ostpreußen, suchten ein neues Zuhause und so haben sie sich für die Deicharbeiten gemeldet und später auf die Siedlerstelle beworben, Glück gehabt und diese per Losverfahren bekommen. Somit entstand in unserer Familie der Bezug zum Deich, zur Landwirtschaft und zum Wasser. Unser Stück Land ist dem Wasser abgerungen geworden. Alles wirtschaften ging natürlich nur mit ordentlicher Entwässerung. Alles, was stattfand, hatte mit Wasser zu tun: der neue Deich, der Schutz vor Hochwasser, die Sturmfluten und der ertragreiche Marschboden. Ich war der dritte von vier Söhnen. Mein Vater kam irgendwann auf die Idee, dass ich doch mal ein Praktikum auf der Kläranlage in unserer Region machen könnte. Also ging es direkt nach meinem Abitur dorthin. Ich wollte erst Landwirtschaft mit Schwerpunkt Umweltschutz studieren, doch dann bin ich an die Technische Universität Paderborn gegangen, an den Standort Höxter und studierte mit Schwerpunkt Siedlungswasserwirtschaft.

Sie sind seit vielen Jahren in der Verbandsarbeit. Können Sie das Wort Wasser noch hören?

Da hab ich nie genug davon! Beruflich wie privat. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, fragt meine Frau immer: Soll ich fahren? Weil ich meistens nach rechts und links in die Gräben schaue, ob da alles in Ordnung ist mit dem Wasserstand. Wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, führt der Weg immer erstmal zum Deich. Das Wasser ist immer präsent, genau wie der Blick auf Wetter. Die Fragen lauten täglich: Funktioniert die Entwässerung? Sind wir gut aufgestellt, wenn das Wasser kommt? Was ich besonders toll finde an dieser Arbeit hier oben im Norden: Man denkt nicht in kurzen Zeitsegmenten, alles ist auf Generationen angelegt. Wahlperioden spielen hier oben keine Rolle. Leben findet hier nur statt, wenn die Entwässerung funktioniert und wenn der Deich hält. Der Klimawandel zeigt auch hier oben sein Gesicht: Wir haben immer mehr Wasser im Winter und immer weniger im Sommer.

Sie sind neuer Präsident des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Was bedeutet Ihnen das?

Es ist eine Mischung aus sehr vielen verschiedenen Emotionen. Ich habe die Nachfolge von Heiko Albers angetreten. Er ist leider viel zu früh verstorben und hinterlässt eine riesige Lücke. Ich kannte ihn gut und habe ihn sehr geschätzt. Er hatte sich unglaublich stark gemacht für die Wasserwirtschaft. Wenn man sich neuen Aufgaben stellt, kommt eine Menge auf einen zu. Die Breite an Themen und die Fläche des Wasserverbandstages sind enorm. Es ist eine große Herausforderung und ich wachse in die Aufgaben hinein. Die Präsidentschaft ist eine ehrenamtliche Aufgabe mit vielen Treffen und Veranstaltungen, zum Beispiel neulich im Ministerium in Sachsen-Anhalt. Ohne das Team des Wasserverbandstages würde es nicht gehen. Wir haben ein Büro in Magdeburg mit dem Geschäftsstellenleiter Frank Hellmann und der Büroleiterin Doreen Markau. Auch in Hannover haben wir einen Sitz und außerdem noch eine Prüfstelle mit insgesamt neun Mitarbeitern.

Was hat Sie motiviert, das Amt zu übernehmen?

Die Verbandsarbeit macht mir nach all meinen Dienstjahren immer noch jeden Tag viel Freude. Das ist meine Lebensaufgabe. Mit dem Wasserverbandstag können wir Interessen bündeln und Signale Richtung Politik senden, immer wieder, gebetsmühlenartig. Wir haben die Möglichkeit, Entwicklungen anzuschieben und richtungsweisend zu sein. Ich sehe auch, mit welcher Energie und Ausdauer die Verbände überall ihren Job machen. Ich treffe beim Wasserverbandstag viele Überzeugungstäter. Wir können etwas bewegen, für jetzt und für künftige Generationen, das ist mein Antrieb. Wir müssen unsere Forderungen immer wieder an den richtigen Stellen platzieren. Es geht um gute Öffentlichkeitsarbeit. Wir brauchen vor allem finanzielle Unterstützung und Fördergelder beim Bestandserhalt des Trink- und Abwassernetzes. Bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind wir hinter der Zeit, wir haben zu geringe Erneuerungsraten von durchschnittlich 0,7 Prozent. Wir können nicht nur schauen, dass die Beiträge stabil bleiben, sondern wir brauchen auch Investitionsstrategien für Erneuerung. Als Präsident bin ich immer wieder Ansprechpartner für Politik und für Interessenverbände.

Wenn Sie drei Wünsche für die Wasserwirtschaft frei hätten, welche wären das?

Erstens: Wir brauchen Fördermittel sowie vergünstigte oder zinslose Darlehn für Investitionen ins Leitungsnetz. Wir können nicht darauf warten, dass unsere Kinder alle Aufgaben übernehmen. Das Zweite ist, auch im Hinblick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wir brauchen stabile politische Verhältnisse. Nach Wahlen wechseln Ansprechpartner in den Ämtern und wieder dauert dann alles länger. Mein dritter Wunsch: Das immer mehr Menschen feststellen, dass Wasser ein kostbares Gut ist. Da habe ich aber keine Sorge, denn ich sehe bei den Bürgern immer mehr ein positives Umdenken.

Was wollen Sie für Sachsen-Anhalt erreichen?

Es ist einmal das Vorankommen bei der Investitionsstrategie für den Leitungserhalt im Trink- und Abwasser. In der Trinkwasserversorgung drängt sogar noch mehr die Zeit als beim Abwasser. Wir müssen langfristig in eine Erneuerungsrate von zwei Prozent pro Jahr kommen. Klingt wenig, ist aber ein enormer Kraftakt. Man könnte jetzt sagen, ja aber Rohre und Leitungen halten doch über sechzig Jahre. Ich sage: es ist falsch, erst nach 60 Jahren zu sanieren. Wir müssen früher ins Rollen kommen, nach etwa 35 Jahren, denn Planungen und Baumaßnahmen brauchen Zeit und: Geld. Weiterhin möchte ich das Thema Klimawandel im Blick haben: Es geht vor allem um die Wasserrückhaltung in der Fläche und die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung und den Schutz des Grundwassers. Was ich in Sachsen-Anhalt großartig finde: Im neuen Wassergesetz wurde der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung vor anderen Nutzungen verankert. Ich habe auch den Demografiewandel in den ländlichen Regionen im Blick. Wenn sich die Einwohnerzahlen verringern, was bedeutet das dann für die Beitrage und Gebühren, was bedeutet das für die Versorgungslage? Bei allen angesprochenen Themen haben die Verbände sehr gute Vorschläge und Konzepte parat.

Von der Stadt Norden bis nach Magdeburg sind es über 400 Kilometer. Welche Kontakte entstehen gerade nach Sachsen-Anhalt?

Der Tag der Wasserwirtschaft in Magdeburg 2025 war ein guter Auftakttermin für mich. Ich hatte auch einen sehr guten Austausch mit Staatssekretär Dr. Steffen Eichner im Ministerium und viele weitere Gespräche mit Politikern und Verbänden. Mein Stellvertreter, Achim Grossmann sowie Franz-Xaver Kunert vom Vorstand des Wasserverbandstages und Mario Pöschmann von der Abwasserbeseitigung Weißenfels AöR unterstützen mich sehr.

Das Gebiet des Wasserverbandstages ist mit Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt riesig. Sie sind seit Oktober 2025 im Amt. Was konnten Sie von Sachsen-Anhalt schon kennenlernen?

Ich bin ganz ehrlich. Aktuell ist es für mich so: Anreise, Abreise, Termine und weiter. Ich denke, dies wird mit der Zeit anders und ich freue mich darauf, Sachsen-Anhalt und seine Menschen sowie viele Wasserverbände näher kennenzulernen. In diesem Jahr haben wir die zweitätige Vorstandsitzung in Quedlinburg, da möchte ich vor und nach der Tagung auf jeden Fall rechts und links schauen. Aber ich kenne zum Beispiel Wernigerode gut.

Für den Wasserverbandstag sind sie viel unterwegs, wenn Sie wieder nach Hause, nach Ostfriesland kommen, was tut Ihnen dann gut?

Wenn ich mit dem Rad am Deich entlangfahre oder zu den Feldern, gemeinsam mit meiner Frau. Und dann sind da noch die Spaziergänge mit unserer Labradorhündin Funny. Jeden Abend zur gleichen Zeit steht sie da und fordert ihre Runde ein. Sie ist schon dreizehn Jahre alt, die Strecken mit ihr werden kürzer, aber den Weg bis zum Deich, den schafft sie noch!

Vielen Dank, Herr Mellies, für das Interview.

Das Gespräch führte WASSERZEITUNGs-Redakteurin Ulrike Wolf.

Steckbrief Rainer Mellies
„Kein Deich, kein Land, kein Leben“
  • 57 Jahre alt, lebt im Landkreis Aurich, ist verheiratet und hat drei Söhne
  • Studium an der TU Paderborn, Standort Höxter und Abschluss als Dipl. Ing. FH Technischer Umweltschutz, Schwerpunkt: Siedlungswasserwirtschaft und Abfallwirtschaft
  • 4 Jahre Ingenieurbüro IGW Witzenhausen, Abfallwirtschaftskonzepte und Einführung der Biotonne
  • Berater für die Landwirtschaft Ostfriesland: Schwerpunkt Nährstoffmanagement und Biogasanlagen
  • Ab 2010 Sielrichter, Vorstand und Verbandsvorsteher im Entwässerungsverband Norden
  • Ab 2021 im Ausschuss und Prüfungsausschuss des Wasserverbandstages e. V.
  • Seit 2025 Oberdeich- und Obersielrichter, nach Fusion Entwässerungsverband Norden und Deichacht Norden zur Deich- und Sielacht Norderland
  • Seit 10.10.2025 Präsident des WVT e.V. Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt

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Was wächst denn da …?

 



Frische Ernte aus Gemüseresten ganz leicht

Was wächst denn da …?

Eben noch schnell etwas knackigen Salat und Kräuter zum Abendessen ernten? Genau das Richtige in der kalten Jahreszeit! Dafür nur kurz zur Fensterbank gehen und die vitaminreichen Blätter pflücken … Moment. Salaternten im Frühjahr auf einer Fensterbank? Genau! Denn wer Lust auf etwas eigenes Gemüse hat, muss nicht bis zum Sommer warten.

Ob Wohnung, Balkon oder Garten: Nachwachsende Gemüsereste gedeihen mit Licht und Wärme überall.

Foto: SPREE-PR/Swoboda

Regrow (wörtlich übersetzt: wieder nachwachsen) verspricht neue Ernte aus Gemüseresten. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Beim Kochen entstehen ohnehin Bioabfälle. Statt sie wegzuwerfen, können viele Gemüsereste wiederverwertet und angebaut werden – und dass zu jeder Jahreszeit. So vermeiden Sie Biomüll und haben immer frische Zutaten parat. Regrow ist für jedermann, für Alt und Jung geeignet. Besonders für Kinder ist das Anbauprojekt spannend. Sie lernen, woher ihr Essen kommt, und können sich ins Thema Pflanzenkunde einfuchsen. Der Ertrag ist bei vielen Sorten bereits nach wenigen Tagen sichtbar, da macht Gemüseessen doch gleich doppelt Spaß!

Salat & Co. für Einsteiger

Eigentlich können Sie gleich loslegen, denn für den Anfang hat man das meiste in der Regel schon im Haus: Kleine Schüsseln, Deckelgläser in unterschiedlichen Größen und ein sauberes, scharfes Messer werden benötigt. Wichtig ist ein Platz zum Gedeihen mit viel Licht und Wärme, wie eben eine Fensterbank. Wir von der WASSERZEITUNG haben uns in die Gartenarbeit gestürzt und führen Sie in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung für Frühlingszwiebeln und Salat durch das Projekt.


Auch Joghurtbecher eignen sich hervorragend als Blumentöpfe.

Foto: SPREE-PR/Swoboda

Triebe eintopfen steigert Ernte

Los geht’s: die Frühlingszwiebel etwa zwei Zentimeter über der Wurzel abschneiden und in ein mit Wasser gefülltes Glas stellen. Das Wasser alle drei Tage austauschen. Nach wenigen Tagen sprießen aus den abgeschnittenen Stängeln hellgrüne Spitzen.

Das Glas mit Wasser nur so hoch befüllen, dass die Triebe nicht bedeckt sind.
Foto: SPREE-PR/Swoboda


Das sind bereits die nachwachsenden Triebe, die Sie ernten können, je nachdem wie hoch die Keimlinge wachsen sollen. Auch nachdem etwas abgeschnitten wurde, kann der Trieb weiter genutzt werden. Dafür einfach wie gehabt Wasser regelmäßig auswechseln oder gegebenenfalls in einen Topf mit frischer Aufzuchterde setzen. Das Gleiche funktioniert auch mit dem Strunk eines Salatkopfs. Etwa zwei Zentimeter darüber abschneiden und in ein Wasserglas stellen. Am besten die äußeren Blätter entfernen, sodass nur noch das „Herz“ im Nass steht. Nach wenigen Tagen treiben erste Blättchen in der Mitte aus. Diese können bereits geerntet oder nach zwei Wochen im Topf mit Anzuchterde eingepflanzt werden. Nur mäßig gießen, sonst verdirbt die Pflanzenpracht. Selbstverständlich wächst so kein komplett neues Gemüse nach, sondern nur die Triebe. Aus Möhren werden keine neuen wachsen, aber die sprießenden, grünen Blätter sind ebenfalls schmackhaft und gesund und eine leckere Zutat für Suppen und Salate.

Auch sind die Ernteerträge aus einem Gewächs überschaubar. Es bietet sich an, gleich mehrere Ableger anzusetzen. Für Regrow eignen sich außerdem noch Gemüsesorten wie Porree, Stangen- und Knollensellerie, Fenchel, Wurzelpetersilie oder Rote Bete.

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Besser durch enge Zusammenarbeit

 



15 Jahre KOWA SH – eine Erfolgsgeschichte

Besser durch enge Zusammenarbeit

Am 11. November 2011 kamen Vertreter aus zehn kommunalen Wasserverbänden zusammen, um eine neue Arbeitsgemeinschaft zu gründen: die Kooperationsgemeinschaft kommunaler Wasser- und Abwasserverbände Schleswig-Holstein, kurz: KOWA SH. Aus Anlass des Jubiläumsjahres sprachen wir mit Michael Schoop, Geschäftsführer des Wasserverbandes Norderdithmarschen. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Eine Herzensangelegenheit – die kommunalen Wasserunternehmen setzen sich für das Wohl des Lebenselixiers gemeinsam ein.
Fotos: SPREE-PR/Galda, Petsch

WASSERZEITUNG: Wofür ist die KOWA SH angetreten?

Michael Schoop: Wir wollen der kommunalen Wasserwirtschaft eine Stimme geben, und das ganz regional für Schleswig-Holstein.

Wofür steht die KOWA SH ein?

Wir stehen für eine stabile und qualitativ hochwertige Wasserver- und Abwasserentsorgung ein. Damit das so bleibt, sind wir im Kontakt mit Gremien, Behörden, Ministerien, Entscheidungsträgern und machen uns stark für das Wasser und Abwasser. Uns ist es wichtig, einen rechtlichen, wirtschaftlichen und langfristig berechenbaren Rahmen für unsere Arbeit zu schaffen.

Was bedeutet das konkret?

Es geht um den Wissens-, Ideen- und Erfahrungsaustausch zu allen Themen der Wasserver- und Abwasserentsorgung. Darüber hinaus vertreten wir unsere politischen Interessen im Rahmen gemeinsamer Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben insbesondere auf Landesebene. Ein gemeinsamer Einkauf, die Organisation von Fortbildungsveranstaltungen sowie ein Benchmarking (Branchenvergleich/Kennzahlenvergleich) bilden den Fokus unserer Gemeinschaft.

Welche Tragweite hat die KOWA SH?

Heute besteht die KOWA aus zwölf Mitgliedsverbänden, die 40 Prozent aller Gemeinden in Schleswig-Holstein mit Trinkwasser versorgen und in 13 Prozent der Gemeinden für die Abwasserbeseitigung zuständig sind. Wir liefern 34 Millionen Kubikmeter frisches Trinkwasser zu den Menschen in der Region und entsorgen dabei jedes Jahr 7 Millionen Kubikmeter Abwasser.

Das „KO“ in Ihrem Kürzel ist ein wichtiger Fingerzeig …

Auf jeden Fall! Kommunal. Wir sind überzeugt davon, dass das Wasser nur dort richtig aufgehoben ist, in den Händen der Städte und Gemeinden, die wiederum eigens dafür Wasserverbände gegründet haben. Es sollte bei Wasser nicht um Profit gehen, sondern so wie wir das tun, um nachhaltiges Arbeiten nach dem Kostendeckungsprinzip. Die Einnahmen und Ausgaben müssen sich die Waage halten, es geht ausdrücklich nicht um kurzfristige Rendite.

Foto: SPREE-PR/Galda



Die Kommunikation nach außen scheint klar. Wie sieht es mit der Kommunikation nach innen aus?

Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte! „Wir treffen uns mehrfach im Jahr persönlich. Da erfolgt ein Austausch auf Augenhöhe, von dem alle profitieren. Der persönliche Kontakt „wie macht ihr dies oder das“, „wo habt ihr Schwierigkeiten?“, „welche Lösungsansätze gibt es?“, „was kann man gemeinsam umsetzen?“ – dieser regelmäßige Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer ist sehr bereichernd und bringt alle Mitglieder im Land voran. Und wenn es schnell gehen muss, bringt eine schnelle E-mail alle auf den gleichen Stand.

Wo soll die Reise hingehen?

Unser gemeinsames Bestreben ist immer darauf ausgerichtet, die Wasserwirtschaft zu stärken und dabei nachhaltige Ressourcennutzung und Umweltschutz unter einen Hut zu bekommen.

Was haben die Kunden von diesem Engagement?

Starke Partner vor Ort, die kostendeckend handeln und ihre Arbeit immer weiter optimieren. Wir wollen die Qualität sichern und das Preis-Leistungs-Verhältnis stabil halten – und das nicht zum Selbstzweck, sondern natürlich im Sinne aller Kundinnen und Kunden!

Vielen Dank für das Gespräch!

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Ab ans Wasser!

 



Sachsen-Anhalt

Ab ans Wasser!

Mit den Tipps vom Blauen Band Sachsen-Anhalt lassen sich Frühling und Sommer bestens genießen.

Die Elbe ist Deutschlands zweitlängster Fluss und durchfließt Sachsen-Anhalt auf einerLänge von knapp 300 Kilometern. Viel Natur und Geschichte lassen sich an Ufern und in den Städten entdecken.

Foto: Blaues Band Sachsen-Anhalt

Sie paddeln oder radeln gern? Sie möchten mit der Familie eine gemütliche Schifffahrt machen oder lieber ganz sportlich per Wasserski maximalen Fahrspaß erleben? Per Rad entspannt den Fluss entlang? Da haben wir was für Sie…

Das Gewässernetz von Sachsen-Anhalt verbindet Mitteldeutschland mit Berlin/Brandenburg, Prag, Polen und der Nord- und Ostsee. Seit der Gründung des Blauen Bandes Sachsen-Anhalt im Jahre 2002 bietet der Verein auf seinen Webseiten www.blaues-band.de und www.blauesband.de zahlreiche Tipps, Landschaft und Wasser zu genießen. Kerngebiet ist die Elbe mit ihren wichtigsten Nebenflüssen Saale und Unstrut sowie der Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal. Aber auch Angebote an vielen weiteren Flüssen wie der Bode und Mulde oder an den Seen, wie dem Arendsee, dem Geiseltalsee oder dem Löderburger See gehören dazu. Sachsen-Anhalt hat wunderschöne und einzigartige Wasserwege und es gibt für Groß und Klein jede Menge zu entdecken.

Das Blaue Band gibt zahlreiche Tipps für Paddeltouren, Verleihstationen, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten. Auch Literaturtipps finden sich auf den Internetseiten.
Quelle: Blaues Band Sachsen-Anhalt

Flüsse aktiv genießen: Die Karte zeigt Freizeit- und Sportmöglichkeiten.
Quelle: Blaues Band Sachsen-Anhalt

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Wasserwissen: Geysire, Frösche und ein schwebender Vorhang

 



Schleswig-Holstein | Mecklenburg-Vorpommern

Wasserwissen: Geysire, Frösche und ein schwebender Vorhang

„Wow“ und „oh“ – diese Ausrufe begleiten dieses alle drei bis vier Minuten stattfindende Naturereignis auf Island. Wenn das heiße Wasser des Strokkur-Geysirs gut 15 bis 20 Meter in die Höhe schießt, ist die Begeisterung der jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher groß. Wie entstehen diese beeindruckenden Fontänen?

Vielerorts auf Island brodelt es. Oberflächennahes Magma erhitzt das Grundwasser. Das führt zu Dampf- und Gasaustritten, deren Wolken in der Landschaft gut sichtbar sind. Bei Geysiren erfolgt der Spannungsabbau besonders eindrucksvoll.

Foto/Montage: canva; SPREE-PR

Voraussetzung für das Entstehen von Geysiren ist ein genau abgestimmtes Zusammenspiel von physikalischen Gesetzen und geologischen Bedingungen. In vulkanischen Gebieten sorgt das Aufeinandertreffen von Wasser und den heißen Schichten für ein Thermalsystem.
Damit sich ein Geysir entwickelt, muss das heiße Reservoir auf eine geologische Besonderheit stoßen: ein verengter Schacht. In diesem steigt die Hitze des Wassers durch die Wärme des Magmas an und zwar deutlich über die 100 Grad, an dem das Element normalerweise vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht. Der Siedepunkt wird hier mit mehr als 120 Grad deutlich überschritten. Dann fängt es allerdings auch an zu blubbern, die Kettenreaktion wird losgetreten.

Der Druck in dem engen Schacht nimmt zu, die einzelnen Dampfblasen steigen auf, drücken damit einen Teil des Wassers nach oben. Das führt unten zu einem schlagartigen Druckabfall und dazu, dass das heiße Wasser gasförmig wird. Nun gibt es nur einen Weg zum Entweichen: durch die Öffnung an der Erdoberfläche. Der Wasserdampf drückt nach oben und mit ihm das angestaute Wasser. Während oben noch „wow“ und „oh“ ertönen, beginnt unten alles von vorn und das Spiel wiederholt sich.

Nicht nur auf Island lassen sich diese Naturphänomene beobachten. Es gibt sie auch in den USA, Chile oder Neuseeland. Künstlich geht es hingegen in Deutschland zu. Der Geysir Andernach in Rheinland-Pfalz auf einer Halbinsel im Rhein rühmt sich, der höchste Kaltwassergeysir der Welt zu sein. Hier sorgt das Kohlenstoffdioxid im Untergrund in einem vom Menschen gebohrten künstlichen Aufstiegskanal für die alle 15 Minuten entstehende, bis zu 60 Meter hohe Fontäne.

Kleine Hüpfer – große Leistung

Nicht viele Menschen bekommen ihn zu sehen, den nur drei bis fünf Zentimeter großen und unter sechs Gramm schweren Europäischen Laubfrosch (Hyla arborea). Er ist die kleinste heimische Froschart, der gut getarnte grüne Geselle kann von den meisten unbemerkt Hecken und Bäume hochklettern – und zwar bis zu 20 Meter hoch! Der BUND Baden-Württemberg und der BUND Hessen rücken ihn mit ihrer Wahl zum „Heimlichtuer des Jahres 2026“ in den Fokus. Sie machen damit aufmerksam auf den durch Klimawandel gefährdeten Lebensraum, in den der Mensch darüber hinaus durch das Zerschneiden von Landschaften, intensive Forst- und Landwirtschaft eingreift.

Das Sehvermögen der zu den Amphibien zählenden Tiere untersuchten schwedische Wissenschaftler. Bekannt: Sie können mit ihren großen, runden, seitlich am Kopf sitzenden Augen nach vorn, seitlich und nach hinten sehen. Die neue Erkenntnis: Frösche können extrem gut gucken und scheinen anderen Tieren weit überlegen. Nicht nur könnten sie in extremer Dunkelheit gut sehen, sondern in diesen erschwerten Bedingungen sogar Farben erkennen. Mit Froschperspektive jedoch hat das nichts zu tun. Dieser Begriff beschreibt einen Blickwinkel von unten nach oben – eben als kleiner Froschlurch steil hoch. In der Fotografie (und vielleicht auch aus der Perspektive des Frosches?) erscheinen Motive damit größer und mächtiger.

Physik aus dem 18. Jahrhundert: Der schwebende Vorhang

Duschvorhänge haben ein Eigenleben. In einem Moment hängen sie dekorativ und das restliche Bad vor Spritzwasser sowie den Duschenden vor neugierigen Blicken schützend an ihren Haken. Sobald aber das warme Wasser aus dem Brausenkopf an der Wand oder Decke fließt, geht er auf Wanderschaft – und zwar in Richtung des nassen Körpers. Des Rätsels Lösung: der Bernoulli-Effekt, benannt nach dem Schweizer Mathematiker und Physiker, der im 18. Jahrhundert auch den Unterdruck erforschte. Daniel Bernoulli stellte einen Zusammenhang zwischen zunehmender Strömung und abnehmendem Druck her. Demnach üben schnell strömende Flüssigkeiten einen geringeren Druck auf ihre Umgebung aus, als Ausgleich fließt Luft aus den nicht-bewegten Regionen nach.

In der Dusche bringt das herabfallende Wasser die Luft darunter in Schwung – der Druck im vom Vorhang abgegrenzten Bereich sinkt. Von außen wirkt der „normale“ Luftdruck, sodass sich der Vorhang Richtung Strahl bewegt. Verstärkend kommt die Thermik hinzu, warme Luft strömt nach oben und kalte rückt nach. Außerdem erzeugen die auf dem Wannenrand zerplatzenden Wassertropfen Wirbel und erhöhen damit den Unterdruck weiter.

Wer am Körper klebende Duschvorhänge nicht mag, stellt sich möglichst weit von ihnen weg. Abhilfe schaffen aber auch kleine Gewichte am Vorhang; oder diesen etwas geöffnet zu lassen.

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Felix Bujak und der ewige Kampf gegen die Kraft des Wassers

 



Mecklenburg-Vorpommern

Felix Bujak und der ewige Kampf gegen die Kraft des Wassers

Felix Bujak schaut an einem eisigen Januartag von der Brücke in Dömitz hinunter auf die Elbe. Er beobachtet, wie sich Eisschollen auf dem Fluss zusammenschieben. Was für Spaziergänger ein romantisches Naturschauspiel ist, ist für den Wasserbauingenieur eine Gleichung mit gefährlichen Unbekannten.

Immer wieder steigt der Pegel der Elbe – wie im Winter 2009 – bedrohlich an. Kleines Bild: Felix Bujak.
Fotos (2): privat.

„Gestern ist hier innerhalb von sechs Stunden der Pegel um anderthalb Meter gestiegen“, erklärt er mit der Ruhe eines Mannes, der gelernt hat, in Kubikmetern pro Sekunde zu denken. Felix ­Bujak arbeitet seit 2011 beim Staat­lichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU WM), zuständig für den Hochwasserschutz. Er ist in der Nähe von ­Dömitz aufgewachsen. Dass Felix Bujak heute den Schutz seiner Heimat vor dem Wasser verantwortet, ist einem Zufall geschuldet. „Nach dem Abitur wusste ich nicht weiter“, erinnert er sich. Der Rat eines Bekannten: „Studiere doch Wasserwirtschaft in Suderburg!“. Es wird seine Lebensaufgabe.

Die Feuertaufe im Jahr 2013

Sein Berufsleben beginnt mit einem Paukenschlag, das Sommerhochwasser im Juni 2013. Während die Menschen in der Region die Sonne bei 30 Grad genießen, rollt aus Tschechien und Sachsen eine Gefahr heran. Grimma und Dresden stehen schon unter Wasser. „Für unsere Region wurde ein Höchstpegel von acht Metern am Pegel Dömitz berechnet, unsere Deichkronen sind aber nur 7,80 Meter hoch“, erinnert sich Felix Bujak. Die drohende Gefahr treibt den Wassermenschen an. Bis zu 20 Stunden am Tag schuftet er, koordiniert Ingenieure, berät den Katastrophenschutz, schreibt Lageberichte für das Ministerium. Anwohner füllen Millionen Sandsäcke, um die Deiche künstlich zu erhöhen. Mit rund 4.200 Kubikmetern Wasser pro Sekunde rollt die Elbe unaufhaltsam heran, schiebt eine Flut von ungefähr 30.000 Badewannen vor sich her. Die gefürchtete Katastrophe erwischt Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Dort bricht der Deich. „Das Unglück hat uns gerettet“, sagt der hiesige Fachmann. Das Wasser blieb zehn ­Zentimeter unter der Deichkrone stehen.

Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser

In den Behörden wird ausgewertet, was lief, was nicht. Die Erfahrungen von 2013 sind Motor für seine Arbeit. Felix Bujak ist für ungefähr 100 Kilometer Deiche an Elbe und den Nebenflüssen verantwortlich. Mancherorts müssen die Anlagen erhöht, andernorts modernisiert werden. „Gleichzeitig versuchen wir, dem Fluss Raum zurückzugeben. Flächen, die man im Alltag nutzt, im Hochwasserfall aber opfert.“ Sein aktuelles Mammutprojekt: In Boizenburg wird der Deich zurückverlegt und gleichzeitig ein neues Sperrwerk zum Schutz der Anwohner an der Sude, einem Nebenfluss der Elbe, errichtet. Kosten: rund 40 Millionen Euro. „Wir planen seit 2017 und fangen dieses Jahr an zu bauen“, erzählt er. „Wasserbau ist ein Geduldsspiel zwischen Klimamodellen, Ingenieursplänen, Eigentümerbefind­lichkeiten, Gesprächen mit Landwirten und Naturschützern sowie Ausschreibungen.“

Ein Auge auf dem Fluss, das Ohr am Deich

Viermal im Jahr begibt sich der Ingenieur auf offizielle „Deichschau“ – gemeinsam mit Mitarbeitenden der Ämter, Feuerwehr und des THW werden die Schutzanlagen besucht. „Kontaktpflege für den Ernstfall.“ Trotz der enormen Verantwortung wirkt Felix Bujak gelassen. Was Ingenieurskunst und Planung ermöglichen, hat er getan. „Aber Natur lässt sich nicht endgültig zähmen“, sagt er. Das zeigten die Hochwasser an der Elbe 2002, 2006, 2011 und 2013. Er schaut auf die Eisschollen in der Elbe, sucht Schwachstellen im System, bevor die Natur sie findet. „Keine Gefahr, der Pegel der Elbe ist niedrig, sie reicht nicht bis an die Deiche. Wir sollten der Elbe wieder Raum geben: Polder, Rückverlegungen, Flächen, die man im Notfall überfluten lässt.“ Die nächste Flut wird kommen. Das weiß auch Felix Bujak.

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Neues GIS: zentral entwickelt – gemeinsam nutzbar

 



Mecklenburg-Vorpommern

Neues GIS: zentral entwickelt – gemeinsam nutzbar

Fünf Zweckverbände in MV leisteten Pionierarbeit. Der ZV Grevesmühlen war federführend in einem Projekt zur Schaffung eines zentralen Geografischen Informationssystems (GIS). Ziel war es, dieses auf Basis einer frei verfügbaren Software so zu gestalten, dass es zukünftig von vielen Kollegen und Partnern flexibel und möglichst kostengünstig genutzt werden kann. Durch die Gemeinschaft, die zudem digitale Souveränität vom internationalen Markt erlangt, ist jeder Einzelne effizienter als zuvor.

Grevesmühlens Verbandsvorsteherin Sandra Boldt konnte sich auf die Entwicklungsarbeit ihrer
GIS-Spezialisten Ronald Henneberg (r.) und Uwe Wendorf verlassen.
Foto:ZVG

Der Zweckverband Grevesmühlen begann bereits vor 25 Jahren mit dem Aufbau eines GIS, seit 2008 ist dies nach der Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung die dritte Verbandsaufgabe. „Wir wollten das zentrale GIS mit neuer Technologie in die Breite bringen“, sagt Verbandsvorsteherin Sandra Boldt.
Roland Grösch von der Koordinierungsstelle E-Government MV erklärt die Bedeutung eines GIS: „Durch die Darstellung von Straßen, Beleuchtungen, Abflüssen, Parkbänken oder dem Versorgungssystem auf digitalen Karten können Maßnahmen zur Unterhaltung, Reinigung, Reparatur und Neubeschaffung effizienter organisiert und durchgeführt werden. Sie sind damit ein Grundstein für eine moderne Verwaltung.“

In Wasserunternehmen liegt der Fokus auf präzisen, schnell verfügbaren und aktualisierbaren Informationen zu Leitungen und Anlagen. Kommerzielle Software wird zunehmend unberechenbar und teuer, weshalb sich der ZV Grevesmühlen mit Open-Source-Alternativen (also frei verfügbarer Software) befasste. Jedes der mehr als 30 Wasserunternehmen der KOWA (Kooperationsgemeinschaft Wasser und Abwasser MV e. V.) stand vor ähnlichen Herausforderungen. Sandra Boldt sagt darum: „Es ist wirtschaftlich unsinnig, wenn jeder für sich kämpft.“ Roland Grösch ergänzt: „Der Zweckverband Grevesmühlen hat es geschafft, sich als Kompetenzträger zu etablieren.“ Gute Voraussetzungen für ein Projekt, das somit in Schwerin Gehör fand.

Freie Software,gute Grundlage

Koordinator Roland Grösch erklärt die Entscheidung des Lenkungsausschusses E-Government für das Vorhaben: „Der Zweckverband Grevesmühlen führt seit Jahren das Anlagevermögen seiner Mitgliedskommunen in einem georeferenzierten Datenbestand. Die aufgebaute Open-Source-Infrastruktur und das Know-how eignen sich besonders zur Nachnutzung in anderen Verwaltungen.“ Auch Aspekte digitaler Souveränität sowie erfolgreich umgesetzte Digitalisierungsprojekte überzeugten. „Zudem ist der Verband ein tatkräftiger Akteur im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung in MV mit einem funktionierenden Netzwerk. Dazu gehört unter anderem die langjährige Kooperation mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg im Geoinformationsbereich.“

Im Juli 2024 startete das Projekt mit dem Zweckverband Grevesmühlen als Vertragspartner, dem ZV KÜHLUNG in Bad Doberan als Entwicklungspartner und den Verbänden mit Sitz in Wismar, Ludwigslust und Stavenhagen als Projektpartner. Sandra Boldt zeigt sich zuversichtlich: „Wir werden das System pünktlich zum Juni 2026 fertig umgesetzt haben. Dann steht eine zentrale Lösung und kann mit eigenen Daten gefüllt werden.“ Bereits jetzt gebe es Interessenten außerhalb des Projektes, unter anderem das Amt Neukloster-Warin signalisierte Bedarf.

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Vom „lost place“ zum lebendigen Denkmal

 



Brandenburg

Vom „lost place“ zum lebendigen Denkmal

Zwischen alten Bäumen dreht sich am Tegeler Fließ in Mühlenbeck das Rad der Geschichte wieder: Die Historische Mönchmühle gilt als älteste Wassermühle Brandenburgs – und ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement.

Foto & Logo: Mönchmühle Mühlenbeck

Um 1234 von den Zisterziensermönchen des Klosters Lehnin erbaut, diente die Mühle jahrhundertelang dem Mahlen von Getreide. Die Mönche nutzten das Tegeler Fließ als Energiequelle, stauten Teiche und errichteten einen Damm, um das Wasserrad ihrer Roggenmühle zu betreiben – eine technische Pionierleistung des Mittelalters. Geblieben ist aus dieser Zeit der Geist der Gemeinschaft: Denn ohne engagierte Bürger gäbe es die Mönchmühle heute wohl nicht mehr.

Mit Pinsel und Skalpell

Nach fast 800 Jahren wurde die Mönchmühle 1973 – zuletzt volkseigener DDR-Betrieb – stillgelegt und nur die ehemalige Müllerwohnung weiterhin als Wohnraum genutzt. Vieles wurde in dieser Zeit zerstört, umgebaut, zweckentfremdet. Von der ursprünglichen Wassermühle blieb kaum etwas übrig. Nach 1990 verkaufte die Treuhand das Gebäude an eine Investorin, die das technische Denkmal erhalten und rekonstruieren sollte, sich damit aber völlig übernahm und Insolvenz anmeldete. Einwohner von Mühlenbeck-Mönchmühle wollten den weiteren Verfall ihres Wahrzeichens nicht hinnehmen und gründeten eine Bürgerinitiative zur Rettung der Mühle, aus dem 2004 der „Förderverein Historische Mönchmühle e. V.“ hervorging.

Initiiert von Ingenieur Reinhard Wittig und Jürgen Busch, der als Vertriebsleiter in der Aufzugsbranche sowohl technisches als auch kaufmännisches Know-how mitbrachte. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit, technischer Kompetenz und Fördermitteln wurde das Gebäude denkmalgerecht Schritt für Schritt saniert. „Wir hatten dabei natürlich immer den Kostenfaktor im Hinterkopf“, erinnert sich Jürgen Busch, „aber heute sind wir dankbar für die Konsequenz des Denkmalschutzes.“ Mit Pinsel und Skalpell hatten sich Mitarbeiter Schicht um Schicht zu den Originalfarben von 1820 durchgearbeitet. In diesem Jahr war die Mühle das letzte Mal in ihrer wechselvollen Geschichte durch einen Brand fast zerstört und wieder neu aufgebaut worden. „Deshalb sind die Räume jetzt, nach Beendigung der Sanierungsarbeiten, so schön farbenfroh. Wir hätten wahrscheinlich sonst alles grau gestrichen“, gibt Busch unumwunden zu.

Ein reges Förderteam

Finanziert wurde das Projekt durch Fördermittel von Gemeinde, Land, Bund und EU – insgesamt rund zwei Millionen Euro in anderthalb Jahrzehnten. „Spenden sind natürlich immer willkommen und hilfreich, aber entscheidend war da eher die bürokratische Kleinarbeit bei den Förderanträgen“, betont Busch. Heute zeugt die Mühle nicht nur von der Handwerkskunst vergangener Jahrhunderte, sondern auch vom sozialen Zusammenhalt eines ganzen Ortes. Etwa 140 Mitglieder zählt der Verein, rund 40 engagieren sich aktiv, viele seit Jahren. Jeden Dienstag treffen sie sich, um neue Projekte zu planen, Führungen zu organisieren oder Veranstaltungen vorzubereiten. Und die Vereinsmitglieder haben große Pläne. Neben einer Ausstellung zur Mühlentechnik, die es schon seit geraumer Zeit Besuchern ermöglicht, die beeindruckende, mittelalterliche Technik zu bestaunen, soll jetzt noch ein zweites Museum entstehen, das die Geschichte des Mühlenbecker Landes dokumentiert. Die Mönchmühle verbindet dann Vergangenheit und Gegenwart miteinander. „Wir sehen die Mühle nicht nur als Denkmal, sondern auch als lebendigen Treffpunkt für alle“, sagt Busch.

Neue Ära, alte Leidenschaft

Nach Jahren des Wiederaufbaus beginnt 2026 endlich eine neue Phase, ohne Baustellen und Gerüste. Sowohl innen als auch außen erstrahlt die Mühle wortwörtlich in historisch-neuem Glanz. Und nicht nur das. Beim Jahresempfang des Museumsverbands Brandenburg in Potsdam war die Mönchmühle in diesem Jahr erstmals offiziell als Teil der brandenburgischen Museumslandschaft vertreten. Zudem konnte sich der Verein auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren, im Rahmen des „Forums Ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg“.

Im Sommer ist die Mühle zurzeit sonntags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Perspektivisch hofft der Verein auf einen gastronomischen Betreiber, der die Öffnungszeiten erweitert. Im Winter sind Führungen nach Vereinbarung möglich – auf ehrenamtlicher Basis. „Wir haben gezeigt, dass Engagement Geschichte lebendig machen kann“, sagt Busch und verweist auf die Möglichkeit, am Pfingstmontag – dem Deutschen Mühlentag – ein vielfältiges Programm in der Mönchmühle zu genießen. Ganz im Sinne des alten Müllergrußes: „Glück zu!“.

Infos: www.historischemoenchmuehle.de

Es klappern die Mühlen …

Rund 170 Mühlen werden sich auch 2026 in Brandenburg am „Deutschen Mühlentag“ beteiligen. Am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026, locken Wind-, Wasser- und Motormühlen neugierige Besucher in ihre historischen Anlagen. Oftmals sind die Besichtigungstouren mit Sonderprogrammen ergänzt.

Übersichtskarte aller Brandenburger Mühlen und Infos zum Mühlentag

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