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Author: wz_admin

Wo Mozart in Stechau Hölderlin besucht

 



Brandenburg

Wo Mozart in Stechau Hölderlin besucht

Wenn die Brandenburgischen Sommerkonzerte ab Mai wieder zur musikalischen Landpartie einladen, geht der Genuss über die Qualität von Stimmen und Klangkörpern weit hinaus. So mancher Veranstaltungsort selbst trägt Star-Qualitäten, wie das Rittergut Stechau bei Schlieben.

Dr. Bardia Khadjavi-Gontard und seine Ehefrau Verena Khadjavi-Gontard sehen dem Sommerkonzert anlässlich des 35-jährigen Festival-Jubiläums in Stechau freudig entgegen.


Fotos (2): Rittergut Stechau/privat

„Die Kunst ist der Übergang aus der Natur zur Bildung und aus der Bildung zur Natur“. So formulierte einst der bedeutende deutsche Lyriker Friedrich Hölderlin. Ihn mit Bezug auf das Rittergut Stechau zu zitieren, kommt nicht von ungefähr. Denn der geniale Poet stand einst als Hauslehrer in Diensten der Hugenottenfamilie Gontard. Deren Nachfahre Dr. Bardia Khadjavi-Gontard ist Eigentümer des spätbarocken Ensembles, das bereits seinen Urgroßeltern von 1899 bis zur Bodenreform in der DDR gehörte. Den prägenden Einfluss Hölderlins auf die Familie hält eine Stele auf dem idyllischen Anwesen wach. Doch der Reihe nach.

Gleich doppelt gewonnen

Das Rittergut in Stechau kennt Bardia Khadjavi-Gontard lange nur vom Hörensagen. Als die Mauer fällt, reist der Münchner Anwalt erstmals ins Schliebener Land – begleitet von seiner Mutter, denn es ist schließlich ihr Großelternhaus! „Sie drehte sich um und sagte, es nie wiedersehen zu wollen!“ Das sei eine „Müllkippe mit Fußballplatz“, sind sich beide einig. Dennoch will Bardia Khadjavi-Gontard die verheerenden Zustände auf den 600 Hektar Land unbedingt in Ordnung bringen. „Das war meine Rache an der SED“, schmunzelt er. Um den Kauf des Geländes bewirbt er sich zweimal – und gewinnt die Ausschreibung zweimal. Doch der Gemeinde als Rechtsträgerin widerstrebt es zunächst, das Geschäft mit den Vorbesitzern in trockene Tücher zu bringen. 1992 gibt sie den Widerstand auf und verkauft.

Ein Zuhause für die Musik

Es folgen Jahre immenser Kraftanstrengungen, um Park und Barock-Schloss (erbaut 1757) zu gebührendem Glanz zu verhelfen. Dem mit denkmalgeschützten Ensembles bestens vertrauten Architekten Tino Walz musste Khadjavi-Gontard versprechen, hier „etwas Schönes“ zu errichten. Dies schließt für die Hausherren, im festen Bewusstsein von Tradition und familiären Wurzeln, Kunst und Kultur ein. Die Hölderlin-Stele am Parkteich war dazu 1993 der symbolische Auftakt. „Nachdem wir 1995 endlich ins Haupthaus einzogen, gab es schnell Interesse an Konzerten im Park. Da traten etwa der Schliebener Posaunenchor oder der örtliche Gesangsverein auf.“ Als der Hausherr im benachbarten Lebusa die Leitung der jungen Brandenburgischen Sommerkonzerte kennenlernt, zögert er nicht, sie nach Stechau einzuladen. Ein Lockruf mit großem und langjährigem Erfolg!

Jetzt schnell alle ins Haus!

Das erste Brandenburgische Sommerkonzert findet 1998 noch in der kleinen Stechauer Kirche statt. Ein Jahr später ist Premiere auf dem Rittergut. Im Laufe der Zeit begrüßt Familie Khadjavi-Gontard große Namen.In besonderer Erinnerung bleibt die Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ mit mehr als 200 Sängern und Instrumentalisten. Oder der Auftritt des polnischen Nationalorchesters, denn: „Während des Konzertes zog eine dicke schwarze Wolke auf. Die Musiker konnten nicht im Gewitter weiterspielen. Spontan zogen Orchester und rund 400 Zuhörer ins Haus um und genossen das Konzert weiter – meist im Stehen!“ Seitdem zeigt sich der Wettergott bei den Stechauer Open-Air-Konzerten von seiner besten Seite. Und so kann Bardia Khadjavi-Gontard hoffentlich auch am 22. August dieses Jahres (siehe unten) zur Begrüßung wieder scherzen: „Ich bin hier nur fürs Wetter verantwortlich!“

Ein Parkfest für alle: „Eine Kleine Nachtmusik“

Foto: Rittergut Stechau

Die Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg präsentiert Werke von Mozart, Schubert u. a. m. Dazu gesellen sich: die Weltklasse-Solisten Äneas Humm (Bariton), Agnes Selma Weiland (Sopranistin), Julia Rebekka Adler (Viola), Brandenburger Nachwuchs-Preisträger des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ sowie Schülerinnen und Schüler der Kreismusik- und Kunstschule Gebrüder Graun, Elbe-Elster. Abschluss mit Höhenfeuerwerk oder Lasershow – je nach Wetter. Abgesagt würde der Abend nur bei amtlichen Unwetterwarnungen.

Der Eintritt ist frei, eine Vorab-Registrierung allerdings notwendig. 

Rittergut Stechau
Dorfstraße 47
04936 Fichtwald/OT Stechau
Sonnabend, 22. August 2026
19:30 – 22:30 Uhr

Alle Infos

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Von Salz und Reben

 



Von Salz und Reben

Zwei Orte in den Verbands­gebieten zeigen, wie sie ihr historisches Kulturgut noch heute bewahren

Ob der Dom in Magdeburg, das Weltkulturerbe Quedlinburg oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz – Sachsen-Anhalt ist reich an kulturellen Schätzen und zieht zahlreiche Besucher an. Das Ergebnis sind oft überfüllte Plätze und lange Warteschlangen. Wer den Trubel lieber meidet, findet auch abseits der bekannten Routen spannende Orte. Die WASSERZEITUNG stellt zwei davon im Verbandsgebiet der Herausgeber, des WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und des WAZV „Bode-Wipper“, vor.

Für Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums Staßfurt, ist sein Museum ein Ort, der lokale Geschichte, zeitgenössische Kreativität und regionales Engagement miteinander verknüpft.


Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Salzstadt Staßfurt

Die Stadt an der Bode gilt als Geburtsort des weltweiten Kaliberg­baus und blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit dem 1. Januar 2026 trägt die Stadt den Beinamen „Salzstadt“, der auf ihre historische Verbindung zu Salz- und Bergbau verweist. Bereits 1852 wurden hier die ersten Kalischächte der Welt erschlossen und damit der Grundstein für die moderne Kaliindustrie gelegt. Das ­Kaliumchlorid, unter Tage gewonnen, wurde vor allem als Dünger genutzt und prägte die Landwirtschaft nachhaltig. Heute erinnern rund 20 Hinweisschilder an Staßfurts bergbauliche Vergangenheit und führen auf einem ausgewiesenem Stadtrundgang zu den einzelnen historischen Stationen. Wer tiefer in die Geschichte Staßfurts eintauchen möchte, wird im Stadt- und Bergbaumuseum fündig. Besucherinnen und Besucher erfahren hier alles über Salzgewinnung, Kalibergbau und deren Folgen für die Stadt. Die Sammlung umfasst unter anderem verschiedene Salzkristalle und Gesteine.  „Als Museum mit diesem Schwerpunkt verstehen wir uns als Gedächtnis der Stadt“, erklärt Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums.  „Staßfurt ist die Wiege des Kalibergbaus und ohne Salz nicht denkbar.“ Neben der spannenden Dauerausstellung zur Kalivergangenheit zeigt das Museum regelmäßig Sonderausstellungen. „Wir möchten unsere Gäste bewusst immer wieder mit neuen Präsentationen überraschen, die unterschiedliche Themen, Generationen und Perspektiven zusammenbringen“, sagt Michael Scholl.

In der Dauerausstellung erhalten Besucher tiefe Einblicke in den Salzbergbau Staßfurts.
Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Stadt- und Bergbaumuseum

Pestalozzistr. 6, 39418 Staßfurt

Eintritt Dauerausstellung: 2 €/ Erwachsene, 1 € ermäßigt.

Es können Klassen- und Gruppenführungen gebucht werden.

www.salzgrafenhaus.de

Ob Frühling, Sommer oder Herbst – die Weinberge in Jessen bieten einen atemberaubenden Anblick.
Foto: Weingut Hanke

Weinbautradition in Jessen

Auch wenn es draußen noch winterlich ist, lohnt sich schon jetzt ein Blick auf die sommerliche Jahreszeit. Wie wäre es mit sonnenbeschienenen Hügeln, einer weiten Aussicht und historischen Weinbergen, die seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägen? Dafür brauchen Sie nicht bis in die Toskana zu fahren, denn auch rund um Jessen blickt der Weinbau auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter wurden an den sonnigen Hängen rund um Jessen Weinreben angebaut, insbesondere am Gorrenberg, der als bedeutende historische Weinlage gilt. Das eher kühle Klima sowie sandig-lehmige Böden prägen den Charakter der Weine, die überwiegend als Landwein ausgebaut werden, vor allem als Weißweine.

Lage und Wetter in Jessen sorgen für die spritzige Note der regionalen Weine.


Foto: David Ludley Fotografie

Eine gute Möglichkeit, körperliche Aktivität mit malerischen Ausblicken zu verbinden und dabei Einblicke in die regionale Winzerei zu gewinnen, bietet eine Wanderung durch die Jessener Weinanlagen. In diesem Jahr findet zum ersten Mal der Weinwandertag in ­Jessen statt, ausgerichtet von den beiden regionalen Weingütern Zwicker und Hanke. Geplant ist ein Rundwanderweg, sodass Besucher und Weinwanderer an verschiedenen Punkten starten können. „Der Weg führt durch unsere Weingüter und an unseren persönlichen Lieblingsplätzen vorbei“, sagt Winzer Frank Hanke. „Es sind fünf bis sechs Stopps vorgesehen – jeweils bei den Weingütern und mitten hinein in die Weinberge, mit tollem Blick über das Elstertal.“ Johannes Zwicker von der Weinmanufaktur Zwicker ergänzt: „Wir möchten Touristen und Interessierten den Wein als regionales Kulturgut näherbringen. Dafür arbeiten wir Hand in Hand, denn wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Bewahrer eines gemeinsamen Erbes.“ Mit Blick auf den Weinwandertag fügt er noch hinzu:  „Wir freuen uns darauf und hoffen, viele Besucher an dem Tag begrüßen zu dürfen.“ 

Weinwandertag in Jessen

25.04.2026

Mehr Infos gibt es demnächst unter: www.zwicker-wein.de, www.weingut-hanke.de

Weitere Infos zur Weinregion Jessen: www.jessen.de > Tourismus und Freizeit

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Lasst uns Lebensräume schützen!

 



Mit der Natur des Jahres 2026 rücken bedrohte Tier- und Pflanzenarten ins Rampenlicht

Lasst uns Lebensräume schützen!

Die Liste des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ist auch in diesem Jahr lang. Egal ob Vogel, Fisch, Wildtier, Baum oder Alge: Insgesamt werden 29 Arten gelistet, die besonderen Schutzbedarf haben, denn durch Umwelteinflüsse ist ihr Lebensraum nicht mehr intakt.

Mit der „Natur des Jahres 2026“ möchte der NABU das Bewusstsein für konkrete Naturschutzthemen schärfen und Menschen zum Mitmachen bewegen. In den Medien, in der Politik, bei Bürgern, in Schulen und bei Veranstaltungen soll auf die zu schützenden Arten aufmerksam gemacht und der Naturschutz langfristig verbessert werden. Es geht vor allem um das Verständnis für unsere Natur, um die Rücksichtnahme bei den Entscheidern – zum Beispiel in Landwirtschaft und Umweltpolitik. Welche Tiere und Pflanzen dieses Jahr im Fokus stehen, verrät Ihnen unser kleiner Überblick.
  • Blume des Jahres: Der Feldrittersporn

    Graziler Farbtupfer sucht Lebensraum

    Foto: Hermann Timmann

    Er ist eine wahre Zierde, hat einen charakteristischen Sporn und leuchtende blau-violette Blüten: Der Feldrittersporn (lat.: Consolida regalis) war einst Ackerwildkraut, erstrahlte früher oft zwischen Getreidehalmen und bot Wildbienen und Schmetterlingen von Mai bis in den September hinein Nahrung. Doch durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln ist die Pflanze bundesweit selten geworden. Auf wilden, schonend genutzten Wiesen soll sich nun der Feldrittersporn wieder ansiedeln. Die einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse bevorzugt sonnige und kalkhaltige Böden und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Der Feldrittersporn steht 2026 stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Landwirtschaft stark zurückgedrängt worden sind.

  • Wildtier des Jahres: Der Rothirsch

    Imposanter König des Waldes

    Zeichnung: SPREE-PR/Petsch

    Der Rothirsch (lat.: Cervus elaphus) ist das größte heimische Wildtier. Männliche Tiere beeindrucken durch ihr imposantes Geweih. Rothirsche ernähren sich von Gräsern, Blättern und Rinde und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Obwohl er als „König des Waldes“ bekannt ist, leidet er stark unter Lebensraumverlust und der Zerschneidung seiner Wanderwege durch Straßen, Siedlungen und intensive Landnutzung. Diese Zerschneidung verhindert freie Bewegung und gefährdet den genetischen Austausch, es droht langfristig genetische Verarmung. Der Rothirsch braucht wieder mehr zusammenhängende Lebensräume, Wildtierkorridore und ein naturnahes Wildtiermanagement.

  • Baum des Jahres: Die Zitterpappel

    Grüner Tänzer im Wind

    Foto (Baum): R. Fenner

    In lichten Wäldern, auf Kahlschlägen oder in offenen Landschaften findet man die Zitterpappel (lat.: Populus tremula), die zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen gehört und bis zu 25 Meter hoch werden kann. Schon ein leichter Wind lässt ihre Blätter tanzen. In der Forstwirtschaft spielt die Zitterpappel, auch Espe genannt, eine wichtige Rolle, weil sie karge oder geschädigte Flächen schnell begrünt und den Boden verbessert. Singvögel finden hier ihre Nahrung, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz. Markant ist die leuchtend gelbe Herbstfärbung der Zitterpappel. Mit ihrer Wahl zum Baum des Jahres 2026 steht eine Baumart im Mittelpunkt, die uns daran erinnert, dass Bäume mehr sind als bloße Landschaftselemente – sie sind ein wichtiger Teil der Natur, den es zu bewahren gilt.

    Weitere Infos

  • Vogel des Jahres: Das Rebhuhn

    Kleiner Feldbewohner mit markanter Stimme


    Foto: NABU/Jan Piecha

    Mit seinem grau-braunen Tarngefieder führt das Rebhuhn (lat.: Perdix perdix) ein bodenständiges Leben, liebt Sand- und Staubbäder. Doch auch sein Zuhause ist durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden immer mehr in Gefahr. Seit 1980 ist der Bestand an Rebhühnern in Deutschland um 87 Prozent zurückgegangen. Was das Rebhuhn nun braucht? Mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft, vor allem aber mehr Offenland, also ungenutzte, große Flächen wie wilde Wiesen und Weiden. Das Rebhuhn gehört zur Familie der Hühnervögel und wird den Fasanenartigen zugeordnet. Seine Ernährung ist überwiegend vegetarisch – mit Vorliebe für Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide. Doch die Küken brauchen mehr: In den ersten Lebenswochen stehen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere ganz oben auf dem Speiseplan. Die Weibchen legen bis zu 20 Eier in gut versteckte Bodennester, während die Hähne in den frühen Morgen- und späten Abendstunden ihre raue Stimme erklingen lassen.

  • Fisch des Jahres: Der Europäische Wels

    Faszinierendes Schwergewicht und Räuber

    Foto: DAFV / Marcel Panne

    Im Sommer 2025 war der Wels (lat.: Silurus glanis) in den Schlagzeilen: In einem bayrischen See hatte der Raubfisch während seiner Brutzeit mehrfach Badegäste angegriffen. In den Medien wurde er daraufhin als gefährlicher Räuber dargestellt. Zugegeben, er schaut schon sehr grimmig und furchteinflößend aus, grundsätzlich ist der Waller, wie man ihn in Bayern nennt, aber ein ruhiger, nachtaktiver Zeitgenosse. Der mächtige Süßwasserfisch kann bis zu drei Meter lang und bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Er hat im Ökosystem von Flüssen und Seen eine wichtige Aufgabe, da er die Fischbestände reguliert und durch das Fressen von Aas und kranken Fischen zur Gewässergesundheit beiträgt. Er gilt als ungefährdet und als „Gewinner“ des Klimawandels. Die wärmeliebende Fischart profitiert vom Temperaturanstieg der Gewässer und vermehrt sich stärker. Der Wels steht stellvertretend für die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme.


Natur des Jahres – Wer entscheidet das?

Jedes Jahr wählen verschiedene Naturschutzorganisationen und Umweltverbände die Vertreter der Tier- und Pflanzenkategorien aus. Dazu zählen zum Beispiel: NABU, Deutsche Wildtier Stiftung, Deutscher Angelfischerverband e. V., Arbeitskreis Wildbienen-Kataster, Loki Schmidt Stiftung, Deutsche Gesellschaft für Mykologie, Stiftung Baum des Jahres.

Weitere Arten und Lebensräume 2026
Heilpflanze Gemeine Nachtkerze
Giftpflanze Gartenbohne
Moos Mecklenburgisches Schnabeldeckelmoos
Pilz Igelstachelbart
Wildbiene Glockenblumenschmalbiene
Schmetterling Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Lurch Alpensalamander
Insekt Warzenbeißer
Die komplette Liste der „Jahreswesen“ 2026 finden Sie unter: www.nabu.de/naturdesjahres

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„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

 



Über Kooperation und Austausch als Schlüssel für eine sichere Trinkwasserversorgung

„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

Unsere neue Interviewreihe „Gesichter der Wasserwirtschaft“ stellt Menschen vor, die sich besonders für die Branche engagieren. Den Auftakt macht Jörg Schulze. Der gebürtige Hallenser leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und versteht sich als Koordinator komplexer Prozesse, die in der Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalts ineinandergreifen.

Unter der Leitung von Jörg Schulze bietet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen, um gemeinsam Strategien für eine nachhaltige Wasserversorgung zu entwickeln.


Foto: Markus Scholz

Herr Schulze, Sie haben eine beeindruckende Berufslaufbahn. Wie sind Sie zur Wasserwirtschaft gekommen?

Ursprünglich komme ich aus der Kreislaufwirtschaft. Beim Bau und Betrieb ­einer abfallbasierten Biogasanlage mit einer Verarbeitungskapazität von 120.000 Tonnen jährlich habe ich viel mit Hydraulik, Pumpen und biologischen Prozessen gearbeitet. Sowohl in der Wasser- und Abwasserwirtschaft als auch in der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Abläufe zu steuern. Gemeinsamkeiten, die mich umfassend auf die Wasserwirtschaft vorbereitet haben. Der Arbeitsbereich ist vielseitig: Verfahrenstechnik,  Energieoptimierung und rechtliche Vorgaben sind nur ein Teil der Aufgaben. Wir entwickeln Prozesse kontinuierlich weiter, um effizienter zu ­arbeiten und unser wichtigstes Lebensmittel zu schützen. Das ist für mich ein großer Ansporn.

Welche aktuellen Entwicklungen setzen die Wasser­wirtschaft besonders unter Druck?

Der Strukturwandelprozess in unserem Land einerseits und Klimaveränderungen sowie neue gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung des Umweltschutzes andererseits stellen die Wasserwirtschaft aus meiner Sicht vor fünf große Herausforderungen. Erstens müssen Schadstoffeinträge im Abwasser reduziert werden. Sie entstehen insbesondere durch ­höhere ­Medikamentenabgabe infolge der älter werdenden Bevölkerung, durch intensivere Bodenbewirtschaftung mit entsprechender Düngung sowie durch weitere Spurenstoffe und müssen mithilfe innovativer Verfahren und Technologien wirkungsvoll verringert werden. Nur so können wir die hohe Trinkwasserqualität sicherstellen. Zweitens: Wasserwirtschaftsprozesse sind energieintensiv. Die Energieeffizienz  wasserwirtschaftlicher  Anlagen muss unter Wahrung eines umweltökonomischen Ansatzes weiter optimiert werden, um zu erreichen, dass Energie- und Kosteneinsparungen miteinander verbunden werden. Drittens: Durch ein zielgerichtetes Niederschlagswassermanagement und eine wassersensible Stadt­entwicklung ist zu erreichen, dass eine ­signifikante Reduzierung der Einleitung des Niederschlagswassers in das Kanalnetz gesichert wird. Zwischengespeichertes Niederschlagswasser soll für die Stadtbegrünung und die Klimaverbesserung genutzt werden. Viertens sind wirkungsvolle technische und ­finanzielle Konzepte für den Erhalt und die Entwicklung unseres sehr wertintensiven Anlagevermögens zu erarbeiten. Und zuletzt stehen wir auch bei der Trinkwasserversorgung vor einem grundlegenden Umbruch, um die Bereitstellung vom Wasser den künftigen industriellen und gewerblichen Anforderungen sowie den in den letzten Jahren drastisch zugenommenen Spitzenlasten anzupassen.

„Die Wasserwirtschaft verändert sich ständig. Wenn wir innovative Lösungen entwickeln wollen, müssen wir uns über unsere Branche hinaus austauschen.”

Jörg Schulze

Hierzu müssen wir zurückblicken…

Nach 1990 führte der Wegzug vieler Menschen aus der ehemaligen DDR – verstärkt durch den Rückgang der Industrie – zu sinkendem Trinkwasserverbrauch, sodass Leitungen verkleinert werden mussten. Im Zeitraum 2012 bis 2022 haben wir einen Anstieg des Trinkwasserverbrauchs, insbesondere aus Industrie- und Gewerbeentwicklungen, um 9 Mio. Kubikmeter bei Reduzierung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um 50.000 Einwohner zu verzeichnen. Der Transformations- und Strukturwandel mit neuen, über viele Landkreise verteilten Gewerbegebieten und zusätzlichem Bedarf an neuen Standorten ist dabei noch nicht berücksichtigt. Da die Wasserwirtschaft langfristig plant, braucht es hierfür eine strategische Versorgungskonzeption und einen vernetzten Ansatz aller Beteiligten, die an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mitwirken. Aus diesem Grund wurde 2023 das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft gegründet.

„Wir brauchen neue Konzepte, um den Trinkwasserbedarf heute und morgen zu sichern.“

Jörg Schulze

Welche Bedeutung hat das im Dezember 2025 vorgestellte Wasserversorgungskonzept?

Das Konzept für Sachsen-Anhalt wurde mit Unterstützung der zuständigen Landes­institutionen erarbeitet. Sämtliche Daten, die zur Beurteilung der Wasserversorgung dienen, wurden einbezogen. Um das Konzept praxisnah zu gestalten, wurden die vom Kompetenzzentrum erstellten Daten mit den 18 größten Wasserversorgungsunternehmen von Sachsen-Anhalt, die 93 % der Gesamtwasserversorgung repräsentieren, abgestimmt. Auf der Grundlage von Daten des Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und in Abstimmung mit den Wasserversorgungsunternehmen wurden nicht nur die Kapazitäten, sondern auch die Dargebote ermittelt. Statistisch wurden die Bedarfe, insbesondere aus industrieller und gewerblicher Entwicklung, für die nächsten 10 bis 20 Jahre bestimmt. Aus der Gegenüberstellung von Dargebot, Kapazität und Bedarf wurden 17 Maßnahmen der Entwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastruktur vorgeschlagen. Um den Wasserbedarf von Sachsen-Anhalt, der in den kommenden Jahren erheblich steigen wird, sicherzustellen, stellt das Land ca. 116 Mio. Euro Förderung bereit. Spitzen- und Grundlastkapazitäten sowie Speicher müssen erweitert oder neu gebaut werden.

Wie werden Wasser- und Abwasserverbände im ländlichen Raum in das Konzept mit eingebunden?

Damit kommen wir zum zweiten Schritt des Konzepts, an dem wir gerade arbeiten: die Verteilungsnetze. Natürlich gibt es auch eigenständige, regional arbeitende Wasserversorger, aber etwa 75 Prozent der Versorgung in Sachsen-Anhalt laufen über Fernwassernetze. Die Verbände übernehmen die lokale Verteilung. Aktuell prüfen wir gemeinsam mit ihnen, wie die Netze zukünftig dimensioniert werden müssen. Ich lade alle kommunalen Versorger ein, sich gerne an uns zu wenden und in unserem Netzwerk mitzuwirken – ein Netzwerk lebt vom Austausch. Gerade kleinere Zweckverbände können bei schwierigen Fragestellungen von unserer Zusammenarbeit mit Hochschulen, Universitäten und Ingenieurbüros profitieren. Je mehr Input wir erhalten, desto praxisnäher und wirksamer können unsere Konzepte sein. Denn unser Ziel ist klar: Wir dienen der Wasserwirtschaft, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Steckbrief Jörg Schulze

Foto: Markus Scholz

Jörg Schulze, 1957 in Halle geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er studierte Betriebswirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Über 10 Jahre war er Geschäftsführer der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH, bevor er 2022 in den Ruhestand ging. Im selben Jahr wurde er Botschafter der Umweltallianz Sachsen-Anhalt. Seit 2023 arbeitet er bei der Stadtwerke Halle GmbH, leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und engagiert sich in mehreren Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsgremien.

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Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

 



Welche Bauprojekte für den WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und den WAZV „Bode-Wipper“ für 2026 anstehen

Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

Während das Jahr vielerorts noch langsam Fahrt aufnimmt, arbeiten unsere Herausgeber, die Wasser- und Abwasserzweckverbände „Bode-Wipper“ und „Elbe-Elster-Jessen“, bereits intensiv an neuen Vorhaben. In der ersten Ausgabe der WASSERZEITUNG stellen sie ihre Großprojekte im Bereich Trinkwasser für 2026 vor.

Bald rollt der Bagger an: Im Mai soll die komplexeste Baumaßnahme in Jessen starten.

Foto: SPREE-PR/ Gückel

Gleich vier Großprojekte plant der WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ für das Jahr 2026. Das umfangreichste davon ist der Neubau einer zentralen Trinkwasserleitung zum Hochbehälter in Jessen. „Das ist die mit Abstand komplexeste Baumaßnahme, die wir in diesem Jahr umsetzen werden“, sagt WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey. Die neue Hauptleitung wird in insgesamt sieben Bauabschnitten verlegt. Der erste Abschnitt ist für den Zeitraum von Mai bis Ende November 2026 vorgesehen. „Das ist ein echter Kraftakt, der eine sehr sorgfältige Planung erfordert“, betont Thomas Giffey. „Unser Ziel ist es, die weiteren Bauabschnitte möglichst zügig umzusetzen, damit sich die Bauzeiten nicht unnötig in die Länge ziehen.“ Nach der Verlegung und Inbetriebnahme der neuen Trinkwasserleitung wird die bestehende Altleitung außer Betrieb genommen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Auch in der Weinbergsiedlung stehen Arbeiten an: Dort werden die Trinkwasserleitungen erneuert. „Für die Bauarbeiten ist vor allem der enge Bauraum auf dem Mittelweg eine Herausforderung“, erklärt der Verbandsgeschäftsführer. Zusätzlich werden im Ortsteil Leipa rund 525 Meter Trinkwasserleitung sowie 28 Hausanschlüsse neu verlegt.

Mit der Verlegung einer neuen Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin wird die Versorgungssicherheit erhöht.
Foto: SPREE-PR/ Gückel

Versorgungssicherheit stärken

Darüber hinaus ist der Neubau einer Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin geplant, insgesamt  3.900 Meter. Einschränkungen für Anwohner sind hier nicht zu erwarten. „Mit dieser Maßnahme erhöhen wir gezielt die Versorgungssicherheit“, erklärt Giffey. Denn im Falle eines Leitungsschadens können wir so schneller reagieren und die Trinkwasserversorgung stabil halten.“ Alle geplanten Baumaßnahmen dienen der langfristigen Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur. „Unser Ziel ist es, eine zuverlässige und sichere Wasserversorgung auch für die kommenden Jahre zu gewährleisten“, fasst WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey zusammen.

Für den WAZV „Bode-Wipper“ ist es ein Mammutprojekt, das bereits im vorherigen Jahr gestartet ist: die Baumaßnahme an der Ortsdurchfahrt L 72 in Neundorf. Die WASSERZEITUNG berichtete darüber in der Februar-Ausgabe 2025. Nach elf Monaten zieht WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer eine Zwischenbilanz.

Die Gemeinschaftsmaßnahme zwischen dem WAZV, der Stadt Staßfurt und der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) umfasst unter anderem die Verlegung von 2.570 Meter Trinkwasserleitungen und die Installation von rund 90 Hausanschlüssen. „Es handelt sich um eines der größten zusammenhängenden Bauprojekte der vergangenen Jahre für unseren Verband“, sagt Andreas Beyer. Eine große Herausforderung ist der eng getaktete Zeitplan.
Eine unerwartete Schwierigkeit trat im Bauabschnitt zwischen Ortseingang Neundorf und der Rathmannsdorfer Straße auf. Dort wurden beim Neubau der Straßenentwässerung mehr Straßeneinläufe realisiert als ursprünglich vorhanden waren. Dadurch würde mehr Regenwasser in den Mischwasserkanal gelangen, der für diese Wassermengen nicht ausreichend dimensioniert wäre. In der Folge mussten vier Haltungen des Kanals ausgetauscht werden. Die Kosten übernimmt der LSBB. Dadurch entstand ein Zeitverzug von rund vier Wochen. Um die Erreichbarkeit für Anwohner und Gewerbetreibende zu verbessern, wurde der aktuelle Bauabschnitt nochmals unterteilt. „Wir befinden uns hier etwa bei der Hälfte des Abschnitts“, so Beyer.

Bauprojekt erfordert Flexibilität

Trotz dieser Herausforderung fällt das Gesamtfazit positiv aus. „Gemeinschaftsmaßnahmen erfordern immer Kompromisse, aber insgesamt verlief und verläuft die Zusammenarbeit mit der LSBB wie auch mit dem Ingenieurbüro und der Baufirma sehr gut“, betont Andreas Beyer. Finanziell ist das Bauprojekt bisher wesentlich günstiger als die Kalkulation ergeben hat. „Das wirkt sich für uns leider nicht nur positiv aus“, sagt Beyer und erklärt: „Aufgrund des günstigeren Ausschreibungsergebnisses dürfen wir rund 400.000 Euro an Fördermitteln nicht abrufen. Umso unverständlicher ist es für uns, dass eine andere, bereits zugesagte Maßnahme vom Land mit dem Hinweis auf fehlende Mittel nicht gefördert wird.“

Trotz unerwarteter Schwierigkeiten konnte der WAZV den ersten Bauabschnitt in Neundorf erfolgreich abschließen.
Foto: WAZV „Bode-Wipper”

Aufgrund der Baumaßnahmen ist die Ortsdurchfahrt Neundorf weiterhin gesperrt.
Foto: SPREE-PR/Wolf

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KI? Nur im Dienst des Wassers!

 



Brandenburg

KI? Nur im Dienst des Wassers!

Dass jederzeit bestes Trinkwasser aus dem Wasserhahn gezapft werden kann, gehört zu den großen Errungenschaften der Daseinsvorsorge. Doch dieses hohe Gut wird herausgefordert – durch Klimakrise, Fachkräftemangel, demografischen Wandel und steigende Qualitätsanforderungen. Um Kosten und Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen, gewinnt Künstliche Intelligenz (KI) auch in der Wasserwirtschaft rasant an Bedeutung.


Fotomontage: canva/SPREE-PR

„Ich würde fast behaupten, wir kommen zur Bewältigung unserer Herausforderungen nicht um die Nutzung von KI herum“, so Prof. Dr. Katharina Teuber, Professorin für Siedlungswasserwirtschaft an der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth im aktuellen Podcast „WASSER ZEITUNG“ (u. a. bei spotify, deezer). Zunehmende Urbanisierung, alternde Infrastruktur, Sanierungsdruck – damit müsse man umgehen. „Digitalisierung kann da wirklich ein Hebel zur Lösung sein!“ Das hätten Forschungsprojekte eindeutig festgestellt.

Eine Frage mangelnder Zeit

Eine schnelle Umfrage unter den Herausgebern dieser WASSERZEITUNG bestätigt großes Interesse an KI – und konkreten Einsatzgebieten! Diese reichen von Prognosen des Trinkwasserbedarfes aufgrund von Wetterdaten über schnelleres Reagieren auf mögliche Verunreinigungen bis hin zu einer genaueren Zustandserfassung von Aggregaten. „Vor zehn Jahren habe ich bei den Berliner Wasserbetrieben selbst noch erlebt, wie die Befahrung von Kanälen händisch ausgewertet werden musste. Wer hat dafür heute noch Zeit?!“ Ein KI-Modell könnte mit einem umfangreichen Datensatz trainiert werden und definierte Zustände (Risse oder Brüche) erkennen – und Entscheidungen für Sanierungen treffen.

Vorsicht: „Prompt Hacking!“

Spätestens seit der Einführung von ChatGPT ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. Sie durchdringt mittlerweile alle Bereiche unseres Lebens, manche sprechen sogar von einer „rasanten Revolution“. Diese hat das Potenzial, sich in den zentralen wirtschaftlichen Antrieb des 21. Jahrhunderts zu verwandeln. „Dafür brauchen wir natürlich die entsprechenden Fachkräfte“, verweist Katharina Teuber auf eine unabdingbare Voraussetzung für effiziente KI-Anwendungen. Mit der EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz (KI-VO) sind Unternehmen seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet, ihre Mitarbeitenden auf den sicheren und effizienten Einsatz von KI vorzubereiten. Denn es gibt Risiken – Stichwort „Prompt Hacking“! „In einer E-Mail könnte ‚weißer Text‘ Kommandos an das KI-Tool zur Freigabe bestimmter Informationen enthalten.“ Gefahr im Verzug!

Das Kerngeschäft im Blick

Und noch etwas sorgt für einen bitteren Beigeschmack beim Thema Künstliche Intelligenz: die unvermeidlichen, gigantischen Rechenzentren mit ihrem Wasserbedarf. Die Böll-Stiftung berichtete kürzlich von einer Untersuchung aus Chile, wonach ein Rechenzentrum allein für die Kühlungsprozesse mitunter bis zu 169 Liter Trinkwasser benötigt – pro Sekunde. „Ja, ich muss mir darüber bewusst sein, dass die Tools einen ökologischen Fußabdruck haben“, führt Professor Teuber zu der Frage, ob und wann der KI-Einsatz gerechtfertigt ist. „Es gibt ein Forschungsprojekt ‚Blue2035‘ – im Kern eine Strategieversion für die digitalisierte Wasserwirtschaft. Hier finden wir die schöne Aussage: KI nicht um der KI willen.“ Soll heißen, die Anwendung muss einen Mehrwert sicherstellen, um sie mit einem guten Gewissen einzusetzen. Am Ende hat jede Investition dem „Kerngeschäft“ zu dienen: der zuverlässigen Trinkwasserver- und umweltgerechten Abwasserentsorgung.


Foto: SPREE-PR/Petsch

KI bei uns? Viele Chancen, aber auch Risiken!

Um unseren Aufgaben der Trinkwasserver- und Schmutzwasserentsorgung gerecht zu werden, betreibt der WAV „Dosse“ aus Neustadt (Dosse) eine komplexe Infrastruktur: 16 Wasserwerke, 7 Kläranlagen und 425 Abwasserpumpstationen. Dieses technische Gesamtsystem muss zuverlässig, wirtschaftlich und nachhaltig betrieben werden. Gerade bei einigen der größten Ärgernisse schafft uns KI neue Möglichkeiten – bei der Früherkennung von Leckagen und Rohrbrüchen. Durch die Analyse von Durchfluss-, Druck- oder Geräuschdaten aus dem Leitungsnetz können Auffälligkeiten erkannt werden, noch bevor es zu einem Schaden kommt. Zu begrüßenden geringeren Wasserverlusten gesellten sich weniger Straßenschäden und ein gezielterer Einsatz von Personal und Arbeitszeit als klares Plus. Dazu muss jedoch ein kritischer Blick auf IT- und Cybersicherheit gelegt werden. Wir brauchen ebenso die Akzeptanz für diese Technologie beim Personal. Und ein weiterer, oft übersehener Aspekt, ist der Ressourcenbedarf der KI selbst! Rechenzentren benötigen große Mengen an Energie und Wasser, insbesondere für die Kühlung. Mein Fazit: Künstliche Intelligenz bietet für Trink- und Abwasserverbände große Chancen, um Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit zu steigern. Entscheidend ist am Ende eine verantwortungsvolle Nutzung, damit die unbestrittenen Vorteile unserer zuverlässigen Daseinsvorsorge langfristig dienen.

Peter Tilger,
Technischer Leiter WAV „Dosse“ (Neustadt/D.)

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Trinkwasser wird 2026 günstiger

 




MAWV kündigt Gebührensenkung an

Trinkwasser wird 2026 günstiger

Der Märkische Abwasser- und Wasserzweckverband (MAWV) senkt zum 1. Januar 2026 die Trinkwassergebühren in seinem Verbandsgebiet. Hintergrund der Entscheidung sind Kostenüberdeckungen aus der Gebührenkalkulation, die der Verband gemäß dem Kommunalabgabengesetz des Landes Brandenburg an die Kundinnen und Kunden zurückgeben muss. Die Gebührensenkung wurde am 4. Dezember von der Verbandsversammlung einstimmig beschlossen. Sie ist das Ergebnis einer Nachberechnung früherer Planansätze. Kommunale Zweckverbände sind gesetzlich verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten – weder dürfen sie Gewinne erzielen, noch dürfen dauerhaft Mehreinnahmen einbehalten werden.
Planungsunsicherheiten führten zu Kostenüberdeckungen

Die nun wirksam werdenden Entlastungen gehen auf Planungsunsicherheiten im Jahr 2023 zurück, die die Kalkulation für das Jahr 2024 erschwerten. Insbesondere die schwer vorhersehbaren Entwicklungen infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges – etwa bei Energie- und Betriebskosten – machten vorsichtige Ansätze notwendig. Im Ergebnis fielen die tatsächlichen Kosten niedriger aus als prognostiziert, wodurch Kostenüberdeckungen entstanden.

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Verbandsvorsteherin Susanne Bley erläutert: „Unsere Gebühren beruhen auf Plandaten. In den vergangenen Jahren waren verlässliche Prognosen nur eingeschränkt möglich. Wenn sich im Nachhinein zeigt, dass zu viel kalkuliert wurde, sind wir verpflichtet, dies auszugleichen.“

Deutliche Senkung im Kerngebiet

Im Kerngebiet des MAWV sinkt der Trinkwasserpreis von derzeit 2,05 Euro auf 1,73 Euro pro Kubikmeter. Das entspricht einer Reduzierung um 32 Cent beziehungsweise gut 15 Prozent. Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 90 Kubikmetern spart dadurch etwa 30 Euro pro Jahr.

Rietzneuendorf-Staakow: Beitragseffekte wirken zusätzlich

Auch im Versorgungsgebiet Rietzneuendorf-Staakow/Waldow werden die Trinkwasserpreise ab 2026 gesenkt – von 5,34 Euro auf 4,94 Euro pro Kubikmeter. In diesem Bereich ist die Entwicklung zusätzlich durch die Trinkwasserbeitragserhebung erklärbar. Die von den Kundinnen und Kunden gezahlten Beiträge zur zentralen Trinkwasseranlage wirken sich entlastend auf die Gebührenkalkulation aus. Parallel dazu werden die monatlichen Grundgebühren moderat reduziert, etwa bei Wasserzählern mit kleiner Nenndurchflussleistung von 7,50 Euro auf 6,50 Euro.

Gebühren folgen Kosten – nicht umgekehrt

Der MAWV versorgt ein großes Gebiet vom Raum Schönefeld über Königs Wusterhausen bis in den Spreewald. Für das Jahr 2026 rechnet der Verband mit einer Wasserförderung von rund 6,2 Millionen Kubikmetern und gebührenrelevanten Kosten von knapp zehn Millionen Euro. Die beschlossene Gebührensenkung ist Ausdruck eines zentralen Prinzips kommunaler Gebührenhaushalte: Wenn sich im Nachhinein zeigt, dass mehr eingenommen wurde als notwendig, wird dieser Betrag an die Kundinnen und Kunden zurückgegeben. Die aktuellen Anpassungen stehen damit für eine transparente Gebührenpolitik – und für den Grundsatz, dass Trinkwasserpreise den tatsächlichen Kosten folgen müssen.

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Das letzte Kapitel Ihrer Märkischen WASSERZEITUNG

 




Foto: SPREE-PR/Petsch

DAS ENDE EINER ÄRA

Abschied von der Märkischen WASSERZEITUNG

Liebe Leserinnen und Leser,

die Medienlandschaft verändert sich stetig – und damit auch die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen. Die Ansprüche an Aktualität, Flexibilität und einfachen Zugang steigen kontinuierlich. Über viele, viele Jahre haben wir Sie mit der Zeitung und seit Kurzem auch mit der elektronischen Ausgabe über die Arbeit Ihres Zweckverbandes und anderer Ver- und Entsorger mit Betriebsführerin DNWAB informiert. Für das Interesse an der Arbeit Ihres Wasserver- und Abwasserentsorgers danke ich Ihnen herzlich.

In den vergangenen Jahren stiegen die Druck- und Verteilungskosten für die Zeitung enorm an, die Nutzung der Onlinemedien nahm zu. Vor diesem Hintergrund erscheint mit dieser E-Paper-Ausgabe die letzte Märkische WASSERZEITUNG.

Hinweise zu Spülterminen und zur Wasserbeschaffenheit finden Sie zukünftig auf der Internetseite des Zweckverbandes. Die Wasserbeschaffenheit – also die Qualität von Geschmack und Härte über Mineralstoffe bis hin zu Keimen und Schadstoffen – erhalten Sie bzw. der Grundstückseigentümer nun mit den Gebührenbescheiden. Die Werte können Sie gern auch beim WARL telefonisch erfragen.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, erholsame Feiertage und einen guten Start in ein gesundes Jahr 2026.

Ihr Christian Gibmeier
WARL-Verbandsvorsteher

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Zähler schon warm eingepackt?

 




SERVICE

Vor dem Winter unbedingt Zähler warm einpacken!

Von O bis O – die bekannte Eselsbrücke für die Sommerreifen – gilt auch für den Frostschutz aller Zähler, die sich in unbeheizten Räumen oder Außenbereichen befinden. Denn von Oktober bis Ostern sollten sie gut eingepackt sein, damit Minusgrade keinen Schaden anrichten können.

Fotoquelle: KI-generiert

Gute Isolierungen halten den Zähler fit

Am besten schützen Sie die Messinstrumente und Leitungen mit speziellen Rohrisolierungen oder Schaumstoffhüllen. Die gibt es im Baumarkt in verschiedenen Größen. Umhüllen Sie besonders alle Leitungsabschnitte, Armaturen und Zähler, die kalter Luft ausgesetzt sind.

Auch einfache Maßnahmen helfen

  • Fenster und Türen schließen oder abdichten, damit keine Zugluft entsteht
  • Schachtdeckel oder Mauerdurchführungen dämmen, z. B. mit Styroporplatten oder alten Decken – aber so, dass bei Bedarf der Zugang möglich bleibt
  • ACHTUNG: Bitte keine Materialien verwenden, die eine Funkauslesung unmöglich machen – wie Alufolie oder Ähnliches
  • In nicht beheizten Räumen wie Garagen, Nebengebäuden, Wochenend- oder Ferienhäusern, die längere Zeit nicht genutzt werden, Wasser abstellen und Leitungen entleeren.

Warum sich der Aufwand lohnt

Kleiner Ausflug in die Physik: Wenn Wasser gefriert, dehnt es sich aus. Das kann den Zähler und/oder die Leitung sprengen. Und ein Frostschaden kann teuer werden, denn für den Schutz des Zählers sind die Grundstückseigentümer verantwortlich. Muss ein beschädigter Zähler ersetzt werden, gehen deshalb die Kosten zu seinen Lasten.

Was, wenn der Zähler eingefroren ist?

Sollte der Wasserzähler trotz aller Vorsicht einfrieren – das Eis nicht mit Gewalt oder Hitze entfernen! Verwenden Sie also keine offenen Flammen oder Heißluftgeräte. Lassen Sie den Zähler stattdessen langsam bei Raumtemperatur auftauen. Sollte das Wasser weiterhin nicht fließen oder der Zähler undicht sein, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Zweckverband.

Unsere Tipps auf einen Blick

  • Von Oktober bis Ostern: Zähler und Leitungen vor Frost schützen
  • Unbeheizte Räume dämmen oder Fenster schließen
  • Zähler mit Isolierungen oder Schaumstoffhüllen einpacken
  • Schachtdeckel mit Dämmmaterial abdecken
  • Wasser abstellen und Leitungen entleeren, wenn das Gebäude nicht genutzt wird
  • Keine offenen Flammen zum Auftauen benutzen
  • Bei Schäden oder Problemen: Versorger informieren

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Trinkwasser-Offensive für Ludwigsfelde

 




NEUE AUFBEREITUNGSANLAGE SCHAFFT RESERVEN

Trinkwasser-Offensive für Ludwigsfelde

Der WARL Ludwigsfelde dreht an der Trinkwasser-Zukunftsschraube. Seit Anfang der 2000er Jahre steigt der Wasserbedarf stetig an. Extrem spürbar war das in den trockenen Sommern von 2018 bis 2022, als hoher Verbrauch und die wachsende Einwohnerzahl zusammenfielen. Folge: Die Sicherheitsreserven im Wasserwerk wurden knapper. „Deshalb haben wir rechtzeitig mit dem Ausbau der Trinkwasserinfrastruktur begonnen“, berichtet Verbandsvorsteher Christian Gibmeier.

Das Wasserwerksgelände Ludwigsfelde kennen viele von Ihnen vor allem vom fröhlichen, lehrreichen und gutbesuchten Kinderwassertag. Der wird 2026 – trotz Bauarbeiten an der neuen Trinkwasseraufbereitungshalle am Rand des Geländes – stattfinden, nämlich am 5. Juni.

Fotos (2): SPREE-PR/Petsch

So sollen drei neue Brunnen bei Großbeuthen, eine Rohwassertransportleitung zum Wasserwerk Ludwigsfelde und dort eine neue Trinkwasseraufbereitungsanlage entstehen. „Die Leitung liegt bereits im Boden, die Förderbrunnen werden derzeit gebohrt“, informiert der Verbandsvorsteher über den Stand der Dinge. „Künftig ist jeder der drei neuen Brunnen in der Lage, stündlich zwischen 40 bis 80 Kubikmeter Rohwasser zu fördern. Die maximal zulässige Tagesfördermenge beträgt 1.999 Kubikmeter. Damit können wir rund ein Viertel mehr Trinkwasser zur Verfügung stellen.“

Anpassungsfähige Aufbereitungsanlage

In Ludwigsfelde schließlich bekommt das Wasserwerk Zuwachs: Hier wird eine neue Aufbereitungshalle mit einer Leistung von 500 Kubikmetern pro Stunde gebaut. Nach ihrer Fertigstellung kann das Rohwasser flexibel sowohl in das bestehende Werk als auch in die neue Anlage eingespeist und zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser aufbereitet werden. „Im ersten Quartal 2026 wollen wir loslegen, für zwei Jahre später ist die Inbetriebnahme der Halle geplant“, steckt Christian Gibmeier den zeitlichen Rahmen für das Projekt ab.

Mit diesen Maßnahmen schafft der WARL gute Voraussetzungen für eine zuverlässige Versorgungssicherheit und gewährleistet, dass Ludwigsfelde auch bei weiter wachsender Bevölkerung und heißen Sommern eines garantiert nie ausgeht: frisches Trinkwasser. Einschränkungen bei der Trinkwasserversorgung sind während der Bauarbeiten übrigens nicht zu erwarten.

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