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Author: wz_admin

35 Jahre WAV – das feiern wir gemeinsam

 




Editorial

35 Jahre WAV – das feiern wir gemeinsam

Liebe Leserinnen und Leser,

seit 35 Jahren erfüllen wir vom Wasser- und Abwasserverband Rathenow eine Aufgabe, die Ihnen selbstverständlich erscheint und uns täglich gute Arbeit abverlangt: Wir sorgen dafür, dass jederzeit sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht und Abwasser zuverlässig gereinigt wird. Hinter dieser Selbstverständlichkeit stehen engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen – im Netzbetrieb, in unseren Anlagen oder in der Kundenberatung. Ein weiterer Punkt sind die vorausschauende Planung und die kontinuierliche Investition in die technischen Anlagen des Verbandes.

Ihr Björn Jelinski,
Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserverbandes Rathenow
Foto: WAV Rathenow

Freuen Sie sich auf einen inspirierenden Nachmittag mit Einblicken in unsere Arbeit. Wir möchten zeigen, was hinter den Kulissen geschieht, Fragen beantworten und mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kurz gesagt: Wir organisieren einen Tag der Begegnung – für Familien, Nachbarinnen und Nachbarn, Vereine, Unternehmen und alle, die sich für das Thema Wasser in unserer Region interessieren. Vielleicht entdecken Sie dabei die eine oder andere neue Facette unserer täglichen Arbeit.

Mein besonderer Dank gilt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Vertreterinnen und Vertretern der Verbandsmitglieder, unseren Partnern – und nicht zuletzt Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, für Ihr Vertrauen in den vergangenen 35 Jahren.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Das Jubiläum möchten wir gemeinsam mit Ihnen feiern. Am Freitag, 8. Mai 2026, ab 14 Uhr laden wir Sie herzlich in den Mühleninnenhof, Schwedendamm 1 in 14712 Rathenow ein.

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Wie Rathenow endlich ans Trinkwasser kam

 




Wassergeschichte

Wie Rathenow endlich ans Trinkwasser kam

Alles begann ganz unspektakulär mit einer Postkarte. Am 16. März 1895 warf der Rathenower Ratsbote eine solche an den Berliner Ingenieur Smreker in den Briefkasten und gab damit den Startschuss für die städtische Wasserversorgung von Rathenow.

Die Große Burgstraße in Rathenow um 1900.

Foto: WAV Rathenow

Der angeschriebene Ingenieur aus der Hauptstadt bedankte sich artig beim „hochwohlgeborenen“ Bürgermeister Lange und kündigte seinen Besuch an. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis er einen Vertrag in der Tasche hatte. Der Kontrakt wurde erst im September 1900 abgeschlossen, aber er ließ dem Ingenieur immerhin fast freie Hand. Nur mit dem Stadtbaumeister sollte er sich bitte nicht anlegen. So beschreibt der Heimatchronist Erich Schauerhammer im Jahr 1959 den Beginn des epochalen Ereignisses für die brandenburgische Kleinstadt in einem Bericht.

Die Firma Smreker, die für die Durchführung der Probearbeiten, Planung und Bauaufsicht 30.000 Mark in Rechnung stellte, nahm ihre Aufgabe sehr ernst. Bevor auch nur ein Rohr verlegt wurde, bohrte sie gewissenhaft im Boden, um herauszufinden, wo und wie das Grundwasser floss.

Fachkräftemangel anno 1901

Ganz nebenbei mischte sich der Berliner Firmenchef auch in Personalfragen, inklusive Entlohnung, ein. Er schlug dem Rat der Stadt vor, dass das Baubüro u. a. Zeichner und einen Buchhalter einstellen solle, letzteren zum Monatsgehalt von mindestens 150 Mark, „weil unter dem keine zuverlässige Kraft zu gewinnen“ sei. Fachkräfte waren schon 1901 nicht billig zu haben.

Während geplant und gerechnet wurde, verfolgten Rathenows Handwerker das Geschehen mit wachsamen Augen, denn der Stadtrat neigte dazu, Aufträge lieber an auswärtige Firmen zu vergeben. Als schließlich eine Anleihe über stolze 675.000 Mark genehmigt wurde, begann das große Ringen um Aufträge.

Das Wasserwerk in Rathenow um 1900.
Foto: WAV Rathenow

Ein Zeitungsbericht von 1901 machte auf öligen Geschmack im Leitungswasser eines anderen Versorgers aufmerksam. Ursache war falsch behandeltes Dichtmaterial. Da dieselbe Firma auch in Rathenow tätig war, ließ die Stadt sofort prüfen, ob dort ebenfalls Probleme bestehen könnten. Die Untersuchungen brachten jedoch rasch Entwarnung: In Rathenow wurde vorschriftsgemäß und mit einwandfreiem Material gearbeitet.

1902 war es dann so weit. Die Wasserleitung ging in Betrieb, die parallel geschaffene Stadtentwässerung funktionierte auch, und die Bürger freuten sich. Auch weil das Leitungswasser zunächst sogar kostenlos blieb. Erst ab Oktober musste bezahlt werden, ein cleverer Anreiz zum Anschließen. Dennoch blieben viele Bürger zurückhaltend, denn Brunnenwasser kostete ja weiterhin nichts, anders als das Leitungswasser. Die Pumpen zur damaligen Zeit wurden mit Dampfmaschinen betrieben. So liefen sie im Wasserwerk Rathenow nur stundenweise. Nachts herrschte Ruhe. Die höchste Tagesförderung betrug 579 Kubikmeter, die Monatsförderung 6.587 Kubikmeter bei einem Kohlenverbrauch von 4.388 Kilogramm.

Mit der Stadt wuchs auch der Wasserbedarf. So stieg die monatliche Förderung im Jahr 1928 auf 64.520 Kubikmeter. Daraufhin mussten neue Verbund-Dampfmaschinen eingesetzt, Brunnen neu gebohrt und Leitungen erweitert werden. Große Umbauten scheiterten jedoch an Geldmangel; erst in der Weimarer Republik, dann im „Dritten Reich“, wo Mittel lieber in die Kriegsvorbereitung flossen. Der Krieg machte schließlich alle Pläne zunichte.

Improvisation gefragt

Dass die Wasserversorgung dennoch funktionierte, war der Improvisationskunst der Beschäftigten zu verdanken. Nach 1945 begann eine neue Ära der lokalen Wasserversorgung – mit elektrisch betriebenen Pumpen, steigendem Verbrauch und Rekordfördermengen. Und immer wieder zeigte sich, wie weitsichtig der Ingenieur Smreker einst geplant hatte. Standort, Größe und der Umfang des Rohrnetzes waren so klug gewählt, dass das Wasserwerk bis weit ins 20. Jahrhundert hinein arbeitsfähig blieb. In der DDR machte man sich Anfang der 1960er Jahre an die Modernisierung des Wasserwerks, dessen Geschichte einst mit einer kleinen Postkarte begann, die von Rathenow nach Berlin ging.

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Von der Werkzeugtasche zur digitalen Zukunft

 




Jubiläum

Von der Werkzeugtasche zur digitalen Zukunft

In 35 Jahren hat sich die Arbeit beim WAV extrem verändert, das lässt vor allem erfahrene Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen staunen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wasser- und Abwasserverbandes Rathenow bilden ein großes Kollektiv, das selten so komplett versammelt ist.

Foto: SPREE-PR/Gückel

„Viele von uns waren damals noch nicht dabei, aber die Geschichten der früheren Kolleginnen und Kollegen sind uns gegenwärtig“, sagt Michaela Döbbelin (Leiterin Bereich Anschlusswesen/GIS). Sie kennt die Geschichten, als die Region Schritt für Schritt an die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung angeschlossen wurde.

„Damals waren die Mitarbeiter oft mit dem Fahrrad unterwegs, Werkzeugtasche im Gepäck. Absprachen liefen ohne Handy, man vertraute auf Erfahrung und eingespielte Abläufe“, so Christian Kolrep (Leiter Bereich Abwasserentsorgung), der zusammen mit Michaela Döbbelin erfahrenste Mitarbeiter in der Runde der WAV-Kollegen, die sich über 35 Jahre WAV austauschte.

Heute unterstützen Mobilfunk, Leckortung und digitale Prozessleittechnik den Rohrnetzbetrieb, und dank Havarielager lassen sich Störungen schneller beheben. Auch die Arbeit in den Kanälen war eine andere. Einst arbeiteten sogenannte „Windenkapitäne“ mit Passbürsten, Winden oder Blitzbohrgeräten in den Kanälen. Heute sorgen Spülfahrzeuge, moderne Rechenanlagen und automatisierte Systeme für mehr Sicherheit und Effizienz. Während auf den Dörfern früher Dreikammer-Sickergruben üblich waren, sorgen heute moderne, dichte Kunststoffsammelgruben für wesentlich besseren Umwelt- und Grundwasserschutz. Die Fäkalienabfuhr, die erst 1994 teilweise übernommen wurde, wird seit 2026 zu rund 90 Prozent vom WAV selbst realisiert. Das sei ein weiterer Schritt in Richtung serviceorientierter, zuverlässiger Entsorgung, sagt Christian Kolrep.

Haben was zu erzählen: die Bereichsleiter Christian Kolrep, Nico Wedding, Felix Püschel (hinten v. l.), sowie Michaela Döbbelin und Victoria Engler.
Foto: WAV Rathenow/M. Bené

Auch in den Wasserwerken war früher vieles Handarbeit. Rund um die Uhr musste jemand vor Ort sein, Schicht für Schicht. Heute laufen die Anlagen energieeffizient und digital gesteuert innerhalb regulärer Arbeitszeiten, wie Felix Püschel (Leiter Bereich Trinkwasserversorgung) betont. Die Technik hat sich erheblich weiterentwickelt. Dank moderner Prozessleittechnik können Fehler frühzeitig erkannt werden, ergänzt Nico Wedding (Leiter Bereich EMSR/IT).

Wenn die erfahrenen Kollegen die Geschichten „von früher“ erzählen, merkt man, wie radikal sich die Arbeit für alle verändert hat. Auch in der Verwaltung. Früher hätten sich Karteikarten und handgeschriebene Zählerlisten auf den Schreibtischen gestapelt, erinnert sich Victoria Engler (Leiterin Bereich Finanzen und Rechnungswesen). Heute würde man mit verschiedenen Softwarelösungen die digitalen Abläufe steuern.

Und bald könnte ein Kundenportal vieles noch einfacher machen. Wenn man diese Geschichten hört, wird deutlich, dass sich im WAV einiges geändert hat. Geblieben sind der leidenschaftliche Einsatz und die Verbundenheit der Kollegen mit ihrer Region.

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35 Jahre WAV – ein Tischgespräch

 




Jubiläum

35 Jahre WAV – ein Tischgespräch

Drei Geschäftsführer, drei Jahrzehnte – und eine gemeinsame Geschichte. Beim Jubiläum des Wasser- und Abwasserverbandes Rathenow blicken der erste technische Geschäftsführer Jürgen Wandke, sein Nachfolger Roland Lange und der heutige Geschäftsführer Björn Jelinski auf die Anfänge und die Entwicklung des WAV Rathenow zurück.

Reger Austausch der WAV-Geschäftsführer: (v. l.) Roland Lange, Jürgen Wandke, Björn Jelinski.

Foto: Spree-PR/Gückel

Herr Wandke, wie war die Lage 1991, als Sie begonnen haben?

Jürgen Wandke: Ehrlich gesagt: schwierig. Von 47 Gemeinden hatten 45 keine öffentliche Abwasserentsorgung, 25 keine zentrale Trinkwasserversorgung. Außer in Rathenow und Premnitz war da kaum etwas. Und selbst dort existierte nur eine mechanische Abwasserreinigung. Wir mussten fast bei null anfangen.

Gleichzeitig gab es große Pläne.

Jürgen Wandke: Ja, ein Entwicklungskonzept mit einer neuen Kläranlage auf der grünen Wiese war ursprünglich der Plan. Das klang gut, wäre aber in der geplanten Anlage viel zu teuer geworden aufgrund der Ausbaugröße. Wir haben die Planung gekippt und stattdessen die alte Kläranlage Rathenow-Nord saniert und erweitert, im laufenden Betrieb. Vorher lief das Abwasser nach mechanischer Behandlung im Wesentlichen in die Havel. Wir haben zunächst eine provisorische biologische Stufe eingebaut, um die Abwasserabgabe schnell zu senken. Das hat uns Zeit und Geld verschafft.

Björn Jelinski: Und Schulden vermieden. Wenn man bedenkt, wie sich die Region entwickelt hat, war das goldrichtig.

Jürgen Wandke: Absolut. Der wirtschaftliche Aufschwung blieb aus, die Bevölkerung nahm ab. Wir hätten die Kapazitäten einer riesigen Neuanlage nie gebraucht. 1994 war die Kommunalisierung abgeschlossen, 1995 hatten wir die öffentliche Abwasserentsorgung flächendeckend gesichert, 1996 die letzte Gemeinde ans Trinkwassernetz angeschlossen. Das waren echte Meilensteine.

Herr Jelinski, Sie sprechen die Entwicklung der Region an. Welche Rolle spielte der Abzug der Sowjetarmee?

Björn Jelinski: Eine große. Bis 1992/93 ging enorm viel Wasser in ihre Liegenschaften, teilweise 10.000 bis 12.000 Kubikmeter täglich. Mit dem Truppenabzug brach der Verbrauch massiv ein. Gleichzeitig hinterließen die Standorte Altlasten, die das Grundwasser belasteten. Das war ein Risiko für das Wasserwerk Rathenow.

Jürgen Wandke: Und es hat Kraft gekostet, das in den Griff zu bekommen. Wichtig war auch, dass wir das Personal des früheren VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung übernommen haben. So blieb das Know-how im Haus. Wir konnten selbst planen und betreiben, unabhängig von Dritten.

Herr Lange, 2004 haben Sie als Geschäftsführer übernommen. Was war Ihre größte Aufgabe?

Roland Lange: Stabilität. Die großen Aufbauleistungen waren erbracht. Aber wir verloren jedes Jahr über 1.000 Einwohner. Weniger Wasserverkauf heißt weniger Einnahmen, bei fast gleichen Fixkosten. Trotzdem wollten wir Beiträge und Gebühren konstant halten.

Wie ist das gelungen?

Roland Lange: Wir haben Anlagen überprüft, fünf Wasserwerke und mehrere Übergangskläranlagen stillgelegt, effizientere Technik eingesetzt, Tourenpläne optimiert. Ich musste Personal reduzieren, von 74 auf 62 Stellen.

Und wir haben jede Ausgabe hinterfragt. Selbst die Mehrwertsteuererhöhung haben wir abgefedert. Große Projekte wie die Landesgartenschau 2006 und die BUGA 2015 erforderten zusätzliche Investitionen, brachten uns dank intensiver Gespräche aber auch Fördermittel.

Björn Jelinski: Das Thema Altanschließer fiel auch in Ihre Zeit.

Roland Lange: Oh ja, das war nervenaufreibend. Viele Verbände haben Beiträge erhoben, doch später erklärte das Bundesverfassungsgericht sie für verfassungswidrig. Wir sind nicht vorgeprescht. Ich hatte kein gutes Bauchgefühl. Andere Verbände mussten am Ende zurückzahlen, wir nicht.

Björn Jelinski: Das war eine sehr gute Entscheidung. Sonst würden wir uns heute noch damit beschäftigen.

Es ging auch um Vertrauen?

Jürgen Wandke: Auf jeden Fall. Nach der Wende mussten wir erklären, warum Wasser nicht mehr 25 DDR-Pfennig kostet, sondern kostendeckend kalkuliert wird.

Roland Lange: Wir sind in Einwohnerversammlungen gegangen, oft mit 200 Leuten im Saal. Und wir haben immer alle gleichbehandelt und gleiche Beiträge bei gleicher Grundstücksgröße erhoben – egal ob in Rathenow oder im kleinsten Ortsteil. Das hat Akzeptanz geschaffen.

Es soll sogar mal eine Delegation aus China gekommen sein, um von Ihnen zu lernen?

Roland Lange: Ja, 2006. Die Chinesen wollten wissen, wie kommunale Wasserwirtschaft funktioniert, öffentlich oder privat organisiert. Sie waren beeindruckt von unseren Anlagen, wie sauber und modern alles ist. Nach den Vorträgen waren wir in einem chinesischen Restaurant essen. Hinterher sagten sie schmunzelnd: „Das ist aber kein chinesisches Essen.“

Herr Jelinski, was waren seit Ihrer Zeit die größten Herausforderungen für den WAV?

Björn Jelinski: Der Generationswechsel war mein erstes großes Thema. Vier Bereichsleiter gingen innerhalb kürzester Zeit in Ruhestand. Wir haben in den letzten fünf Jahren aufgrund der Altersstruktur rund 25 neue Mitarbeiter eingestellt und das vorhandene Wissen systematisch dokumentiert, um es dann den neuen Mitarbeitern so gut es ging zur Verfügung zu stellen.

Digitalisierung ist ebenfalls wichtig, da sind wir auch vorangekommen, von der Betriebsführungssoftware bis zu digitalen Serviceangeboten. Gleichzeitig steigen Energiepreise, Personalkosten und Anforderungen an die Sicherheit kritischer Infrastruktur.

Und wie gestalten Sie die Gebühren für Ihre Kund:innen?

Björn Jelinski: Wir kalkulieren alle zwei Jahre neu. Manchmal müssen wir anpassen, manchmal können wir auch senken – wie zuletzt bei der leitungsgebundenen Schmutzwassergebühr. Unser Ziel bleibt: Wirtschaftlich handeln und die Belastung für die Bürger so moderat wie möglich halten.

Wenn Sie alle auf 35 Jahre zurückblicken, was macht den Verband aus?

Jürgen Wandke: Mut zu eigenen Entscheidungen zu haben.

Roland Lange: Augenmaß, Fachkenntnis und Weitblick bei Investitionen in die Zukunft.
Björn Jelinski: Verantwortung für die nächste Generation.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Schnittstelle zwischen Kunden, Technik und Planung

 




Einblick

Schnittstelle zwischen Kunden, Technik und Planung

Ob Hausanschluss oder Umbauarbeiten an Trink- und Abwasseranschlüssen – die Abteilung Anschlusswesen/GIS des WAV sorgt dafür, dass Anträge, Genehmigungen und Leitungsdaten reibungslos zusammenfinden.

Die Abteilungskollegen (v. l.): Max Reinefeldt, Sylvia Damerau und Michaela Döbbelin.

Foto: WAV Rathenow

Wer einen Neubau plant, umbaut oder einen Hausanschluss benötigt, kommt meist früh mit dem Wasser- und Abwasserverband in Kontakt, genauer mit der Abteilung Anschlusswesen/GIS. Sie ist erster Ansprechpartner und zentraler Knotenpunkt im Unternehmen, nicht nur für Privatpersonen und gewerbliche Kunden. „Aufgrund der großen Bandbreite unserer Aufgaben ist auch der enge Kontakt zu Ämtern, Kommunen und Gemeinden besonders wichtig“, betont Michaela Döbbelin, Leiterin der Abteilung.

In ihrer heutigen Form ist die Abteilung noch vergleichsweise jung. Erst vor rund drei Jahren wurden zuvor getrennte Aufgabenbereiche – Hausanschlusswesen, Leitungsdokumentation und Leitungsauskunft – organisatorisch zusammengeführt. Dadurch wurden Zuständigkeiten klarer und Abläufe effizienter.

Zu den Aufgaben gehören die Beurteilung der Erschließbarkeit von Grundstücken, Stellungnahmen zu Bauanträgen sowie zu Bebauungs- und Flächennutzungsplänen. Außerdem erteilt die Abteilung Anschlussgenehmigungen für Trink-, Schmutz- und Regenwasser, begleitet Hausanschlüsse bis zur Rechnungs- oder Bescheidlegung und wirkt bei Fragen zu Sammelgruben oder Kleinkläranlagen mit. Auch Grundstücksangelegenheiten des Verbandes, etwa die Sicherung von Leitungsrechten in Grundbüchern, werden hier bearbeitet.

Ein reibungsloser Ablauf hängt wesentlich vom frühen Kundenkontakt ab. Wichtig ist, dass Anträge vollständig und rechtzeitig eingereicht werden. Sie können per Post oder E-Mail übermittelt werden, benötigen jedoch immer eine Originalunterschrift. Für vollständig eingereichte Unterlagen kann die Bearbeitung bis zur Anschlussgenehmigung bis zu drei Monate dauern. Vor-Ort-Termine sind unverzichtbar, um technische Details, Leitungsführungen und Abläufe abzustimmen.

Mit drei Kollegen ist die Abteilung personell überschaubar, im WAV jedoch gut vernetzt. Sie arbeitet eng mit allen Fachbereichen zusammen – von der Vermessung des Leitungsbestandes bis zur Koordinierung der Verlegearbeiten.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Dokumentation der Trink-, Abwasser- und E-Netze des WAV Rathenow. Seit Einführung des Geoinformationssystems (GIS) im Jahr 2009 werden alle Leitungen kontinuierlich digital erfasst und aktualisiert. Der Datenbestand umfasst rund 121.000 Elemente und bildet die Grundlage für Planung, Instandhaltung und Störungsbehebung. Auch die Leitungsauskunft profitiert davon: Rund 600 Anfragen werden jährlich deutlich schneller bearbeitet als früher.

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Was nicht ins WC gehört!

 




Was nicht ins WC gehört!

Auch wenn es sich simpel und für viele Menschen banal anhört, aber aus leidlicher Erfahrung eben doch betont werden muss: In die Toilette gehören ausschließlich menschliche Ausscheidungen und Toilettenpapier. Alles andere hat dort nichts verloren – auch wenn es auf den ersten Blick harmlos erscheint oder bequem entsorgt werden kann.

Illustration: WAV Rathenow

Ein kommunales Abwassersystem ist kein Mülleimer und auch kein „Loch“, in dem Dinge einfach verschwinden. Weil einige Menschen ein WC jedoch anscheinend für genau das halten, werden diese WC-Nutzer beim WAV intern manchmal auch als Anhänger der „Lochtheorie“ bezeichnet. Was oft vergessen wird: Hinter dem WC beginnt ein komplexes technisches System aus Kanälen, Pumpwerken und Kläranlagen, das nur dann zuverlässig funktioniert, wenn es richtig genutzt wird.

In das Abwassersystem gehören:

 menschliche Ausscheidungen    
✓  Toilettenpapier    
✓  Wasser aus Körperhygiene (Duschen, Waschen)    
  Wasser aus Haushalts- und Textilreinigung

Nicht hinein gehören dagegen jegliche Fremdstoffe. Dazu zählen:

  Hygieneartikel    

  Abfälle    

  Verpackungen    

  Essensreste    

  Kleidung    

  andere Gegenstände, egal ob kleine, weiche oder vermeintlich „auflösbare“ wie Feuchttücher

Feuchttücher verursachen besondere Probleme, denn entgegen vieler Herstellerangaben lösen sie sich im Abwasser nicht ausreichend auf. Stattdessen bleiben sie im Leitungsnetz hängen, verklumpen und führen zu Verstopfungen in Kanälen und Pumpwerken. Der technische Aufwand steigt, Störungen nehmen zu. Letztlich entstehen erhöhte Kosten, die vermeidbar wären.

Auch Fettreste gehören nicht ins Abwasser. Sie stammen meist aus Essensabfällen und verfestigen sich beim Abkühlen in den Leitungen. Dort lagern sie sich an, beeinträchtigen den Abfluss und stören die Prozesse in allen Bereichen des Abwassersystems. Der Wartungsaufwand steigt erheblich. Speisereste locken zudem Ungeziefer an, die Krankheitserreger transportieren und Leitungen beschädigen können, zum Beispiel durch den Bau von Nestern. Ein funktionierendes Abwassersystem beginnt also bei jedem Einzelnen. Wer richtig entsorgt, schützt nicht nur Technik und Umwelt, sondern trägt auch dazu bei, die Gebühren für alle stabil zu halten.

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Kontinuität für Kundinnen und Kunden gesichert

 




Mobile Entsorgung in eigener Hand

Kontinuität für Kundinnen und Kunden gesichert

Der Wasser- und Abwasserverband Rathenow hat die mobile Entsorgung wesentlich erweitert in die eigene Verantwortung übernommen. Ziel dieser Umstellung war es, Leistungen künftig noch stärker aus einer Hand anzubieten. Für die Kunden ändert sich dabei im Alltag kaum etwas, die Abläufe bleiben vertraut und zuverlässig.

Mit modernen Fahrzeugen die mobile Entsorgung sichern.

Foto: WAV Rathenow

Mit der Erweiterung der Eigenleistungen wurden auch die bisherigen Mitarbeiter des Subunternehmens in den WAV Rathenow integriert. „Die Übernahme der ehemaligen Mitarbeiter ist aus meiner Sicht insgesamt gut verlaufen“, resümiert Lucas Kibbert, Meisterbereich Abwasser im kommunalen Verband. Entscheidend dafür war eine sorgfältige Vorbereitung, bei der sämtliche organisatorischen und logistischen Schritte frühzeitig eingeleitet wurden.

Kontinuität gesichert

Der Arbeitsalltag der neuen Kollegen hat sich nur wenig verändert. Viele sind weiterhin auf denselben Fahrzeugen unterwegs und betreuen dieselben Kunden wie zuvor. Auch die Fahrzeuge selbst wurden durch den Verband übernommen. Neu sind vor allem interne Abläufe, etwa bei der digitalen Auftragsbearbeitung, der Disposition und der Einsatzplanung, die nun direkt über den WAV gesteuert werden.

Durchmischte Teams

Die Eingewöhnung ist auch deshalb unkompliziert verlaufen, weil sich viele Mitarbeiter bereits kannten. Über Jahre hinweg hatte man an denselben Annahmestationen der mobilen Entsorgung zusammengearbeitet. Heute sind die Teams bewusst durchmischt. An beiden Startpunkten für die täglichen Einsätze arbeiten langjährige WAV-Beschäftigte und neue Kollegen gemeinsam. Das fördert den fachlichen Austausch und sorgt für einen reibungslosen Ablauf.

Mitarbeiter erfolgreich integriert

Ein wesentlicher Teil der Umstellung fand im Hintergrund statt. Abfuhrdaten, Kundeninformationen und Touren mussten übernommen und neu organisiert werden. Dabei unterstützte das bisherige Subunternehmen den Prozess aktiv. So konnten rund 3.500 WAV-Kunden in die bestehende Abfuhrstruktur des Unternehmens integriert werden.

Mehr Service aus einer Hand

Mit der Übernahme der mobilen Entsorgung stärkt der WAV seine Eigenleistungen und setzt zugleich auf Kontinuität. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das vor allem eines: Verlässliche Leistungen und klare Zuständigkeiten. Ein Service, der so funktioniert, wie man ihn kennt, war das Ziel und das wurde erreicht.

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Investitionen 2026: Infrastruktur im Fokus

 




Für höchste Ver- und Entsorgungssicherheit

Investitionen 2026: Infrastruktur im Fokus

Auch im Jahr 2026 investiert der Wasser- und Abwasserverband Rathenow gezielt in die Zukunft. Damit sauberes Trinkwasser zuverlässig bereitgestellt und Abwasser sicher gereinigt werden kann, fließen erhebliche finanzielle Mittel in die Unterhaltung und den Ausbau der technischen Anlagen und Leitungsnetze.

Einige Investitionsmaßnahmen des WAV, die 2026 beginnen, werden sich über mehrere Jahre erstrecken. So machen verschärfte Trinkwasservorgaben einen Neubau des Wasserwerks Premnitz erforderlich.

Montage: canva; Karte: SPREE-PR/Schulze; Fotos (3): WAV Rathenow

Im Bereich Trinkwasser sind Einzelmaßnahmen im Umfang von insgesamt rund 3,4 Millionen Euro geplant. Unter anderem werden für 180.000 Euro in der Ortsdurchfahrt in Milow die Netzanlagen erneuert und für 100.000 Euro die Überlandleitung zwischen Großwudicke und Buckow. Außerdem ist in Rhinow für 120.000 Euro eine umfassende Innensanierung des Hochbehälters vorgesehen. In Premnitz wird in diesem Jahr für 20.000 Euro eine Außen- und Innensanierung des Hochbehälters weitergeführt. Im Bereich Abwasser fließen zur Verbesserung der Entsorgungssicherheit insgesamt rund 5,8 Millionen Euro. Allein für die Baumaßnahmen im Abwasserbereich in der Ortsdurchfahrt Milow wurden 555.000 Euro veranschlagt. Für die Erschließung von Schmutzwasserleitungen in Premnitz sind 280.000 Euro eingeplant. Zusätzlich wird das Pumpwerk in Premnitz mit 180.000 Euro ertüchtigt. In Rathenow werden in Waldemarstraße sowie Kleiner Waldemarstraße 220.000 Euro in den Ersatzneubau eines Teilstücks der Schmutz- und Regenwasseranlagen investiert. Die Kläranlage Heidefeld soll einen Neubau bekommen sowie beim Abwassertransportsystem technisch auf den neuesten Stand gebracht werden, wofür 250.000 Euro vorgesehen sind. Zudem werden im Zuge der Fuhrparkerneuerung 250.000 Euro in die Ersatzbeschaffung eines Lkw zur Fäkalienentsorgung investiert.

Neubau Wasserwerk Premnitz

Ein zentraler Schwerpunkt ist das Wasserwerk in Premnitz. Der bauliche Zustand der bestehenden Anlage sowie verschärfte Vorgaben der Trinkwasserverordnung machen einen Neubau erforderlich. Um vorher abschätzen zu können, ob es ein Neubau oder eine Sanierung wird, wurde eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchgeführt. Für das Projekt sind Gesamtkosten von rund 5 Millionen Euro eingeplant. Die Investitionen werden über einen Zeitraum von etwa vier bis fünf Jahren gestaffelt.

Versorgung bleibt gesichert

Für die Bürgerinnen und Bürger in Premnitz ändert sich während der Bauzeit nichts: Die Trinkwasserversorgung bleibt uneingeschränkt gewährleistet. Das bestehende Wasserwerk wird bis zur Inbetriebnahme des Neubaus weiter betrieben. Als erster Schritt starten die Planungen für das neue Wasserwerk sowie für ein ergänzendes Photovoltaik-Feld.

Gleichzeitig werden Probebohrungen durchgeführt, um zu klären, in welchem Bereich neue Brunnen errichtet werden können. Anschließend werden die einzelnen Bauabschnitte – darunter Hochbau, Tiefbau und Elektrotechnik – separat ausgeschrieben.

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Schnelle Antworten rund um die Uhr

 




WAV digital

Schnelle Antworten rund um die Uhr

Der Wasserverband bekommt digitale Unterstützung: Ein neuer Service-Bot ergänzt ab sofort den Kundenservice. Die Idee dahinter ist einfach: Der Kontakt zu Kundinnen und Kunden soll schneller, unkomplizierter und zeitgemäßer werden. Gleichzeitig entlastet der Bot das Serviceteam, indem er häufige Standardfragen beantwortet und einfache Anliegen direkt klärt.

Der WAV hat einen neuen „digitalen Mitarbeiter“. Ein Service-Bot macht den Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden schneller und unkomplizierter.

Foto: WAV Rathenow/KI

Die Entwicklung des Service-Bots war ein aufwändiger Prozess. Viele Informationen aus unterschiedlichen Fachbereichen mussten gesammelt, geprüft und verständlich formuliert werden. Denn nur wenn die Inhalte stimmen, kann der Bot verlässliche und einheitliche Antworten geben. Diese gründliche Vorbereitung sorgt dafür, dass der neue digitale Helfer nicht nur flott reagiert, sondern auch fachlich auf sicheren Beinen steht. Künftig ist der Service-Bot rund um die Uhr erreichbar. Er beantwortet typische Fragen zu Themen der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, unterstützt bei alltäglichen Anliegen und hilft dabei, sich auf der Internetseite des Verbandes besser zurechtzufinden. So lassen sich in vielen Fällen Wartezeiten am Telefon vermeiden, gerade bei einfachen Auskünften ein echter Vorteil.

Wichtig ist für Sie und uns: Der persönliche Kontakt bleibt selbstverständlich bestehen. Der Bot ist eine Ergänzung, kein Ersatz. Bei komplexeren Fragen oder individuellen Anliegen stehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin zur Verfügung. Mit diesem Schritt geht der WAV Rathenow bewusst in Richtung digitale Weiterentwicklung. Ziel ist es, Servicequalität und Erreichbarkeit weiter zu verbessern und moderne Technik so einzusetzen, dass sie den Alltag für unsere Kundinnen und Kunden spürbar erleichtert.

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„Ich kann vom Wasser nicht genug bekommen“

 



Sachsen-Anhalt

„Ich kann vom Wasser nicht genug bekommen“

Rainer Mellies ist echter Ostfriese und der neue Präsident des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachen und Sachsen-Anhalt. Ein Gespräch über viele Termine, die Kraft des Wassers und den Ostfriesentee. Und über die Biotonne.

Rainer Mellies ist seit Oktober 2025 neuer Präsident des Wasserverbandstages e. V. Bremen,

Niedersachsen, Sachsen-Anhalt.
Foto: WVT

Herr Mellies, Wasserwirtschaftler aus Sachsen-Anhalt sagten mir, mit Ihnen wäre ein lockeres Interview möglich.

Das wollen wir mal sehen. Aber ich glaube, das bekommen wir schon hin. Ehrlich gesagt habe ich noch nicht so viele Interviews gegeben. Ich gebe mein Bestes.

Meine erste Frage lautet: Sind Sie ein echter Ostfriese?

Ja, ich bin ein echter Ostfriese. Ich bin im Landkreis Aurich geboren und aufgewachsen. Ich trinke liebend gern den ganzen Tag lang meinen Ostfriesentee, der darf ruhig stark sein und länger auf dem Stövchen stehen. Soviel Schwarztee, aber der Körper arrangiert sich damit. Nur von Kaffee nach sechzehn Uhr kann ich nicht schlafen.

Sie haben in Paderborn Technischen Umweltschutz studiert und bevor Sie zur Wasserwirtschaft kamen, ging es 1997nach Berlin. War das Ihre Idee?

Nach dem Studium 1996 habe ich vier Jahre lang in einem Ingenieurbüro in Kassel gearbeitet. Ich war damals der jüngste, unverheiratete Ingenieur. Und wenn es um Projekte, die weit weg waren ging, schauten immer alle auf mich. Und so ging ich für fast zwei Jahre nach Berlin. Wir hatten 1995 das Konzept zur Einführung der Biotonne in Berlin erarbeitet. Nun ging es um die Öffentlichkeitsarbeit. Es war eine sehr spannende Aufgabe und auch sehr emotional.

Rainer Mellies am Deich in Ostfriesland.
Foto: DSA

Ihr Projekt hatte auch mit der Wiedervereinigung zu tun.

Für die Öffentlichkeitsarbeit für die Berliner Stadtreinigung hatten wir damals mehr als 120 Mitarbeiter gesucht, die an den Haustüren klingeln und den Bewohnern erklären, wie die Biotonne funktioniert. Ein riesiges Projekt. Insgesamt waren es 1,2 Millionen Hausbesuche. Wir konnten Mitarbeiter über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gewinnen und bei uns bewarben sich viele Menschen, die es nach der Wende schwer hatten, die sogenannten Wendeverlierer. Ich erfuhr damals viel über die persönlichen Schicksale, über Sorgen und Nöte der Ostdeutschen. Das hat mich sehr bewegt.

Später sind Sie wieder zurück in Ihre Heimat, nach Ostfriesland. Seit vielen Jahren sind Sie in der Siedlungswasserwirtschaft tätig. Sie sind Oberdeich- und Obersielrichter bei der Deich- und Sielacht Norderland, einem kommunalen Verband in der Stadt Norden. Für was sind Sie verantwortlich?

Hier oben an der Nordsee herrscht Ebbe und Flut. Im schlimmsten Falle gibt es Sturmfluten. Einfach gesagt: Wir behalten von früh bis spät das Wasser im Blick. Wir, damit meine ich insgesamt 14 Verbandsmitarbeiter. Die Binnenwasserstände werden übers sogenannte Sielen, über kontrollierte Entwässerung, geregelt. Das Wasser wird in einem großen Speicherbecken zwischengespeichert und von da aus wieder ins Meer abgelassen. Dieses Sielen ist normerweise zweimal pro Tag möglich, immer dann, wenn der Wasserstand in der Nordsee niedriger ist als unser Binnenwasserstand. Wenn das Sielen nicht möglich ist, pumpen wir das Wasser mit unseren Pumpen Richtung Nordsee.

In diesem Zusammenhang werden Sie auch manchmal „der Deichgraf“ genannt. Mögen Sie diesen Titel?

Hier im Norden haben wir die Bezeichnung Oberdeichrichter und so stelle ich mich den Leuten auch vor. Ich halte ab und zu Vorträge und da fällt dann schon mal das Wort Deichgraf. Ich mag die Bezeichnung, wenn sie am Rande kommt und mit einem Lächeln gesagt wird.

Wir gehen noch mal ein Stück zurück in ihrer Biografie. Zu Ihrer Kindheit und Jugend. Wie sind Sie eigentlich zum Thema Wasser gekommen?

Ganz wesentlich daran beteiligt war mein Vater. Wir hatten immer Landwirtschaft, unser Hof ist in Leybuchtpolder, es ist geologisch gesehen das jüngste Dorf Deutschlands, das letzte eingedeichte Stück Land, was besiedelt wurde. Die Ortschaft wurde 1954 gegründet, man hatte damals Mitarbeiter für den Deichbau und später Siedler gesucht. Mein Vater und mein Opa, vertrieben aus Ostpreußen, suchten ein neues Zuhause und so haben sie sich für die Deicharbeiten gemeldet und später auf die Siedlerstelle beworben, Glück gehabt und diese per Losverfahren bekommen. Somit entstand in unserer Familie der Bezug zum Deich, zur Landwirtschaft und zum Wasser. Unser Stück Land ist dem Wasser abgerungen geworden. Alles wirtschaften ging natürlich nur mit ordentlicher Entwässerung. Alles, was stattfand, hatte mit Wasser zu tun: der neue Deich, der Schutz vor Hochwasser, die Sturmfluten und der ertragreiche Marschboden. Ich war der dritte von vier Söhnen. Mein Vater kam irgendwann auf die Idee, dass ich doch mal ein Praktikum auf der Kläranlage in unserer Region machen könnte. Also ging es direkt nach meinem Abitur dorthin. Ich wollte erst Landwirtschaft mit Schwerpunkt Umweltschutz studieren, doch dann bin ich an die Technische Universität Paderborn gegangen, an den Standort Höxter und studierte mit Schwerpunkt Siedlungswasserwirtschaft.

Sie sind seit vielen Jahren in der Verbandsarbeit. Können Sie das Wort Wasser noch hören?

Da hab ich nie genug davon! Beruflich wie privat. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, fragt meine Frau immer: Soll ich fahren? Weil ich meistens nach rechts und links in die Gräben schaue, ob da alles in Ordnung ist mit dem Wasserstand. Wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, führt der Weg immer erstmal zum Deich. Das Wasser ist immer präsent, genau wie der Blick auf Wetter. Die Fragen lauten täglich: Funktioniert die Entwässerung? Sind wir gut aufgestellt, wenn das Wasser kommt? Was ich besonders toll finde an dieser Arbeit hier oben im Norden: Man denkt nicht in kurzen Zeitsegmenten, alles ist auf Generationen angelegt. Wahlperioden spielen hier oben keine Rolle. Leben findet hier nur statt, wenn die Entwässerung funktioniert und wenn der Deich hält. Der Klimawandel zeigt auch hier oben sein Gesicht: Wir haben immer mehr Wasser im Winter und immer weniger im Sommer.

Sie sind neuer Präsident des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Was bedeutet Ihnen das?

Es ist eine Mischung aus sehr vielen verschiedenen Emotionen. Ich habe die Nachfolge von Heiko Albers angetreten. Er ist leider viel zu früh verstorben und hinterlässt eine riesige Lücke. Ich kannte ihn gut und habe ihn sehr geschätzt. Er hatte sich unglaublich stark gemacht für die Wasserwirtschaft. Wenn man sich neuen Aufgaben stellt, kommt eine Menge auf einen zu. Die Breite an Themen und die Fläche des Wasserverbandstages sind enorm. Es ist eine große Herausforderung und ich wachse in die Aufgaben hinein. Die Präsidentschaft ist eine ehrenamtliche Aufgabe mit vielen Treffen und Veranstaltungen, zum Beispiel neulich im Ministerium in Sachsen-Anhalt. Ohne das Team des Wasserverbandstages würde es nicht gehen. Wir haben ein Büro in Magdeburg mit dem Geschäftsstellenleiter Frank Hellmann und der Büroleiterin Doreen Markau. Auch in Hannover haben wir einen Sitz und außerdem noch eine Prüfstelle mit insgesamt neun Mitarbeitern.

Was hat Sie motiviert, das Amt zu übernehmen?

Die Verbandsarbeit macht mir nach all meinen Dienstjahren immer noch jeden Tag viel Freude. Das ist meine Lebensaufgabe. Mit dem Wasserverbandstag können wir Interessen bündeln und Signale Richtung Politik senden, immer wieder, gebetsmühlenartig. Wir haben die Möglichkeit, Entwicklungen anzuschieben und richtungsweisend zu sein. Ich sehe auch, mit welcher Energie und Ausdauer die Verbände überall ihren Job machen. Ich treffe beim Wasserverbandstag viele Überzeugungstäter. Wir können etwas bewegen, für jetzt und für künftige Generationen, das ist mein Antrieb. Wir müssen unsere Forderungen immer wieder an den richtigen Stellen platzieren. Es geht um gute Öffentlichkeitsarbeit. Wir brauchen vor allem finanzielle Unterstützung und Fördergelder beim Bestandserhalt des Trink- und Abwassernetzes. Bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind wir hinter der Zeit, wir haben zu geringe Erneuerungsraten von durchschnittlich 0,7 Prozent. Wir können nicht nur schauen, dass die Beiträge stabil bleiben, sondern wir brauchen auch Investitionsstrategien für Erneuerung. Als Präsident bin ich immer wieder Ansprechpartner für Politik und für Interessenverbände.

Wenn Sie drei Wünsche für die Wasserwirtschaft frei hätten, welche wären das?

Erstens: Wir brauchen Fördermittel sowie vergünstigte oder zinslose Darlehn für Investitionen ins Leitungsnetz. Wir können nicht darauf warten, dass unsere Kinder alle Aufgaben übernehmen. Das Zweite ist, auch im Hinblick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wir brauchen stabile politische Verhältnisse. Nach Wahlen wechseln Ansprechpartner in den Ämtern und wieder dauert dann alles länger. Mein dritter Wunsch: Das immer mehr Menschen feststellen, dass Wasser ein kostbares Gut ist. Da habe ich aber keine Sorge, denn ich sehe bei den Bürgern immer mehr ein positives Umdenken.

Was wollen Sie für Sachsen-Anhalt erreichen?

Es ist einmal das Vorankommen bei der Investitionsstrategie für den Leitungserhalt im Trink- und Abwasser. In der Trinkwasserversorgung drängt sogar noch mehr die Zeit als beim Abwasser. Wir müssen langfristig in eine Erneuerungsrate von zwei Prozent pro Jahr kommen. Klingt wenig, ist aber ein enormer Kraftakt. Man könnte jetzt sagen, ja aber Rohre und Leitungen halten doch über sechzig Jahre. Ich sage: es ist falsch, erst nach 60 Jahren zu sanieren. Wir müssen früher ins Rollen kommen, nach etwa 35 Jahren, denn Planungen und Baumaßnahmen brauchen Zeit und: Geld. Weiterhin möchte ich das Thema Klimawandel im Blick haben: Es geht vor allem um die Wasserrückhaltung in der Fläche und die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung und den Schutz des Grundwassers. Was ich in Sachsen-Anhalt großartig finde: Im neuen Wassergesetz wurde der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung vor anderen Nutzungen verankert. Ich habe auch den Demografiewandel in den ländlichen Regionen im Blick. Wenn sich die Einwohnerzahlen verringern, was bedeutet das dann für die Beitrage und Gebühren, was bedeutet das für die Versorgungslage? Bei allen angesprochenen Themen haben die Verbände sehr gute Vorschläge und Konzepte parat.

Von der Stadt Norden bis nach Magdeburg sind es über 400 Kilometer. Welche Kontakte entstehen gerade nach Sachsen-Anhalt?

Der Tag der Wasserwirtschaft in Magdeburg 2025 war ein guter Auftakttermin für mich. Ich hatte auch einen sehr guten Austausch mit Staatssekretär Dr. Steffen Eichner im Ministerium und viele weitere Gespräche mit Politikern und Verbänden. Mein Stellvertreter, Achim Grossmann sowie Franz-Xaver Kunert vom Vorstand des Wasserverbandstages und Mario Pöschmann von der Abwasserbeseitigung Weißenfels AöR unterstützen mich sehr.

Das Gebiet des Wasserverbandstages ist mit Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt riesig. Sie sind seit Oktober 2025 im Amt. Was konnten Sie von Sachsen-Anhalt schon kennenlernen?

Ich bin ganz ehrlich. Aktuell ist es für mich so: Anreise, Abreise, Termine und weiter. Ich denke, dies wird mit der Zeit anders und ich freue mich darauf, Sachsen-Anhalt und seine Menschen sowie viele Wasserverbände näher kennenzulernen. In diesem Jahr haben wir die zweitätige Vorstandsitzung in Quedlinburg, da möchte ich vor und nach der Tagung auf jeden Fall rechts und links schauen. Aber ich kenne zum Beispiel Wernigerode gut.

Für den Wasserverbandstag sind sie viel unterwegs, wenn Sie wieder nach Hause, nach Ostfriesland kommen, was tut Ihnen dann gut?

Wenn ich mit dem Rad am Deich entlangfahre oder zu den Feldern, gemeinsam mit meiner Frau. Und dann sind da noch die Spaziergänge mit unserer Labradorhündin Funny. Jeden Abend zur gleichen Zeit steht sie da und fordert ihre Runde ein. Sie ist schon dreizehn Jahre alt, die Strecken mit ihr werden kürzer, aber den Weg bis zum Deich, den schafft sie noch!

Vielen Dank, Herr Mellies, für das Interview.

Das Gespräch führte WASSERZEITUNGs-Redakteurin Ulrike Wolf.

Steckbrief Rainer Mellies
„Kein Deich, kein Land, kein Leben“
  • 57 Jahre alt, lebt im Landkreis Aurich, ist verheiratet und hat drei Söhne
  • Studium an der TU Paderborn, Standort Höxter und Abschluss als Dipl. Ing. FH Technischer Umweltschutz, Schwerpunkt: Siedlungswasserwirtschaft und Abfallwirtschaft
  • 4 Jahre Ingenieurbüro IGW Witzenhausen, Abfallwirtschaftskonzepte und Einführung der Biotonne
  • Berater für die Landwirtschaft Ostfriesland: Schwerpunkt Nährstoffmanagement und Biogasanlagen
  • Ab 2010 Sielrichter, Vorstand und Verbandsvorsteher im Entwässerungsverband Norden
  • Ab 2021 im Ausschuss und Prüfungsausschuss des Wasserverbandstages e. V.
  • Seit 2025 Oberdeich- und Obersielrichter, nach Fusion Entwässerungsverband Norden und Deichacht Norden zur Deich- und Sielacht Norderland
  • Seit 10.10.2025 Präsident des WVT e.V. Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt

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