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Wasserwissen: Geysire, Frösche und ein schwebender Vorhang

 



Mecklenburg-Vorpommern

Wasserwissen: Geysire, Frösche und ein schwebender Vorhang

„Wow“ und „oh“ – diese Ausrufe begleiten dieses alle drei bis vier Minuten stattfindende Naturereignis auf Island. Wenn das heiße Wasser des Strokkur-Geysirs gut 15 bis 20 Meter in die Höhe schießt, ist die Begeisterung der jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher groß. Wie entstehen diese beeindruckenden Fontänen?

Vielerorts auf Island brodelt es. Oberflächennahes Magma erhitzt das Grundwasser. Das führt zu Dampf- und Gasaustritten, deren Wolken in der Landschaft gut sichtbar sind. Bei Geysiren erfolgt der Spannungsabbau besonders eindrucksvoll.

Foto/Montage: canva; SPREE-PR

Voraussetzung für das Entstehen von Geysiren ist ein genau abgestimmtes Zusammenspiel von physikalischen Gesetzen und geologischen Bedingungen. In vulkanischen Gebieten sorgt das Aufeinandertreffen von Wasser und den heißen Schichten für ein Thermalsystem.
Damit sich ein Geysir entwickelt, muss das heiße Reservoir auf eine geologische Besonderheit stoßen: ein verengter Schacht. In diesem steigt die Hitze des Wassers durch die Wärme des Magmas an und zwar deutlich über die 100 Grad, an dem das Element normalerweise vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht. Der Siedepunkt wird hier mit mehr als 120 Grad deutlich überschritten. Dann fängt es allerdings auch an zu blubbern, die Kettenreaktion wird losgetreten.

Der Druck in dem engen Schacht nimmt zu, die einzelnen Dampfblasen steigen auf, drücken damit einen Teil des Wassers nach oben. Das führt unten zu einem schlagartigen Druckabfall und dazu, dass das heiße Wasser gasförmig wird. Nun gibt es nur einen Weg zum Entweichen: durch die Öffnung an der Erdoberfläche. Der Wasserdampf drückt nach oben und mit ihm das angestaute Wasser. Während oben noch „wow“ und „oh“ ertönen, beginnt unten alles von vorn und das Spiel wiederholt sich.

Nicht nur auf Island lassen sich diese Naturphänomene beobachten. Es gibt sie auch in den USA, Chile oder Neuseeland. Künstlich geht es hingegen in Deutschland zu. Der Geysir Andernach in Rheinland-Pfalz auf einer Halbinsel im Rhein rühmt sich, der höchste Kaltwassergeysir der Welt zu sein. Hier sorgt das Kohlenstoffdioxid im Untergrund in einem vom Menschen gebohrten künstlichen Aufstiegskanal für die alle 15 Minuten entstehende, bis zu 60 Meter hohe Fontäne.

Kleine Hüpfer – große Leistung

Nicht viele Menschen bekommen ihn zu sehen, den nur drei bis fünf Zentimeter großen und unter sechs Gramm schweren Europäischen Laubfrosch (Hyla arborea). Er ist die kleinste heimische Froschart, der gut getarnte grüne Geselle kann von den meisten unbemerkt Hecken und Bäume hochklettern – und zwar bis zu 20 Meter hoch! Der BUND Baden-Württemberg und der BUND Hessen rücken ihn mit ihrer Wahl zum „Heimlichtuer des Jahres 2026“ in den Fokus. Sie machen damit aufmerksam auf den durch Klimawandel gefährdeten Lebensraum, in den der Mensch darüber hinaus durch das Zerschneiden von Landschaften, intensive Forst- und Landwirtschaft eingreift.

Das Sehvermögen der zu den Amphibien zählenden Tiere untersuchten schwedische Wissenschaftler. Bekannt: Sie können mit ihren großen, runden, seitlich am Kopf sitzenden Augen nach vorn, seitlich und nach hinten sehen. Die neue Erkenntnis: Frösche können extrem gut gucken und scheinen anderen Tieren weit überlegen. Nicht nur könnten sie in extremer Dunkelheit gut sehen, sondern in diesen erschwerten Bedingungen sogar Farben erkennen. Mit Froschperspektive jedoch hat das nichts zu tun. Dieser Begriff beschreibt einen Blickwinkel von unten nach oben – eben als kleiner Froschlurch steil hoch. In der Fotografie (und vielleicht auch aus der Perspektive des Frosches?) erscheinen Motive damit größer und mächtiger.

Physik aus dem 18. Jahrhundert: Der schwebende Vorhang

Duschvorhänge haben ein Eigenleben. In einem Moment hängen sie dekorativ und das restliche Bad vor Spritzwasser sowie den Duschenden vor neugierigen Blicken schützend an ihren Haken. Sobald aber das warme Wasser aus dem Brausenkopf an der Wand oder Decke fließt, geht er auf Wanderschaft – und zwar in Richtung des nassen Körpers. Des Rätsels Lösung: der Bernoulli-Effekt, benannt nach dem Schweizer Mathematiker und Physiker, der im 18. Jahrhundert auch den Unterdruck erforschte. Daniel Bernoulli stellte einen Zusammenhang zwischen zunehmender Strömung und abnehmendem Druck her. Demnach üben schnell strömende Flüssigkeiten einen geringeren Druck auf ihre Umgebung aus, als Ausgleich fließt Luft aus den nicht-bewegten Regionen nach.

In der Dusche bringt das herabfallende Wasser die Luft darunter in Schwung – der Druck im vom Vorhang abgegrenzten Bereich sinkt. Von außen wirkt der „normale“ Luftdruck, sodass sich der Vorhang Richtung Strahl bewegt. Verstärkend kommt die Thermik hinzu, warme Luft strömt nach oben und kalte rückt nach. Außerdem erzeugen die auf dem Wannenrand zerplatzenden Wassertropfen Wirbel und erhöhen damit den Unterdruck weiter.

Wer am Körper klebende Duschvorhänge nicht mag, stellt sich möglichst weit von ihnen weg. Abhilfe schaffen aber auch kleine Gewichte am Vorhang; oder diesen etwas geöffnet zu lassen.

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Felix Bujak und der ewige Kampf gegen die Kraft des Wassers

 



Mecklenburg-Vorpommern

Felix Bujak und der ewige Kampf gegen die Kraft des Wassers

Felix Bujak schaut an einem eisigen Januartag von der Brücke in Dömitz hinunter auf die Elbe. Er beobachtet, wie sich Eisschollen auf dem Fluss zusammenschieben. Was für Spaziergänger ein romantisches Naturschauspiel ist, ist für den Wasserbauingenieur eine Gleichung mit gefährlichen Unbekannten.

Immer wieder steigt der Pegel der Elbe – wie im Winter 2009 – bedrohlich an. Kleines Bild: Felix Bujak.
Fotos (2): privat.

„Gestern ist hier innerhalb von sechs Stunden der Pegel um anderthalb Meter gestiegen“, erklärt er mit der Ruhe eines Mannes, der gelernt hat, in Kubikmetern pro Sekunde zu denken. Felix ­Bujak arbeitet seit 2011 beim Staat­lichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU WM), zuständig für den Hochwasserschutz. Er ist in der Nähe von ­Dömitz aufgewachsen. Dass Felix Bujak heute den Schutz seiner Heimat vor dem Wasser verantwortet, ist einem Zufall geschuldet. „Nach dem Abitur wusste ich nicht weiter“, erinnert er sich. Der Rat eines Bekannten: „Studiere doch Wasserwirtschaft in Suderburg!“. Es wird seine Lebensaufgabe.

Die Feuertaufe im Jahr 2013

Sein Berufsleben beginnt mit einem Paukenschlag, das Sommerhochwasser im Juni 2013. Während die Menschen in der Region die Sonne bei 30 Grad genießen, rollt aus Tschechien und Sachsen eine Gefahr heran. Grimma und Dresden stehen schon unter Wasser. „Für unsere Region wurde ein Höchstpegel von acht Metern am Pegel Dömitz berechnet, unsere Deichkronen sind aber nur 7,80 Meter hoch“, erinnert sich Felix Bujak. Die drohende Gefahr treibt den Wassermenschen an. Bis zu 20 Stunden am Tag schuftet er, koordiniert Ingenieure, berät den Katastrophenschutz, schreibt Lageberichte für das Ministerium. Anwohner füllen Millionen Sandsäcke, um die Deiche künstlich zu erhöhen. Mit rund 4.200 Kubikmetern Wasser pro Sekunde rollt die Elbe unaufhaltsam heran, schiebt eine Flut von ungefähr 30.000 Badewannen vor sich her. Die gefürchtete Katastrophe erwischt Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Dort bricht der Deich. „Das Unglück hat uns gerettet“, sagt der hiesige Fachmann. Das Wasser blieb zehn ­Zentimeter unter der Deichkrone stehen.

Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser

In den Behörden wird ausgewertet, was lief, was nicht. Die Erfahrungen von 2013 sind Motor für seine Arbeit. Felix Bujak ist für ungefähr 100 Kilometer Deiche an Elbe und den Nebenflüssen verantwortlich. Mancherorts müssen die Anlagen erhöht, andernorts modernisiert werden. „Gleichzeitig versuchen wir, dem Fluss Raum zurückzugeben. Flächen, die man im Alltag nutzt, im Hochwasserfall aber opfert.“ Sein aktuelles Mammutprojekt: In Boizenburg wird der Deich zurückverlegt und gleichzeitig ein neues Sperrwerk zum Schutz der Anwohner an der Sude, einem Nebenfluss der Elbe, errichtet. Kosten: rund 40 Millionen Euro. „Wir planen seit 2017 und fangen dieses Jahr an zu bauen“, erzählt er. „Wasserbau ist ein Geduldsspiel zwischen Klimamodellen, Ingenieursplänen, Eigentümerbefind­lichkeiten, Gesprächen mit Landwirten und Naturschützern sowie Ausschreibungen.“

Ein Auge auf dem Fluss, das Ohr am Deich

Viermal im Jahr begibt sich der Ingenieur auf offizielle „Deichschau“ – gemeinsam mit Mitarbeitenden der Ämter, Feuerwehr und des THW werden die Schutzanlagen besucht. „Kontaktpflege für den Ernstfall.“ Trotz der enormen Verantwortung wirkt Felix Bujak gelassen. Was Ingenieurskunst und Planung ermöglichen, hat er getan. „Aber Natur lässt sich nicht endgültig zähmen“, sagt er. Das zeigten die Hochwasser an der Elbe 2002, 2006, 2011 und 2013. Er schaut auf die Eisschollen in der Elbe, sucht Schwachstellen im System, bevor die Natur sie findet. „Keine Gefahr, der Pegel der Elbe ist niedrig, sie reicht nicht bis an die Deiche. Wir sollten der Elbe wieder Raum geben: Polder, Rückverlegungen, Flächen, die man im Notfall überfluten lässt.“ Die nächste Flut wird kommen. Das weiß auch Felix Bujak.

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Neues GIS: zentral entwickelt – gemeinsam nutzbar

 



Mecklenburg-Vorpommern

Neues GIS: zentral entwickelt – gemeinsam nutzbar

Fünf Zweckverbände in MV leisteten Pionierarbeit. Der ZV Grevesmühlen war federführend in einem Projekt zur Schaffung eines zentralen Geografischen Informationssystems (GIS). Ziel war es, dieses auf Basis einer frei verfügbaren Software so zu gestalten, dass es zukünftig von vielen Kollegen und Partnern flexibel und möglichst kostengünstig genutzt werden kann. Durch die Gemeinschaft, die zudem digitale Souveränität vom internationalen Markt erlangt, ist jeder Einzelne effizienter als zuvor.

Grevesmühlens Verbandsvorsteherin Sandra Boldt konnte sich auf die Entwicklungsarbeit ihrer
GIS-Spezialisten Ronald Henneberg (r.) und Uwe Wendorf verlassen.
Foto:ZVG

Der Zweckverband Grevesmühlen begann bereits vor 25 Jahren mit dem Aufbau eines GIS, seit 2008 ist dies nach der Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung die dritte Verbandsaufgabe. „Wir wollten das zentrale GIS mit neuer Technologie in die Breite bringen“, sagt Verbandsvorsteherin Sandra Boldt.
Roland Grösch von der Koordinierungsstelle E-Government MV erklärt die Bedeutung eines GIS: „Durch die Darstellung von Straßen, Beleuchtungen, Abflüssen, Parkbänken oder dem Versorgungssystem auf digitalen Karten können Maßnahmen zur Unterhaltung, Reinigung, Reparatur und Neubeschaffung effizienter organisiert und durchgeführt werden. Sie sind damit ein Grundstein für eine moderne Verwaltung.“

In Wasserunternehmen liegt der Fokus auf präzisen, schnell verfügbaren und aktualisierbaren Informationen zu Leitungen und Anlagen. Kommerzielle Software wird zunehmend unberechenbar und teuer, weshalb sich der ZV Grevesmühlen mit Open-Source-Alternativen (also frei verfügbarer Software) befasste. Jedes der mehr als 30 Wasserunternehmen der KOWA (Kooperationsgemeinschaft Wasser und Abwasser MV e. V.) stand vor ähnlichen Herausforderungen. Sandra Boldt sagt darum: „Es ist wirtschaftlich unsinnig, wenn jeder für sich kämpft.“ Roland Grösch ergänzt: „Der Zweckverband Grevesmühlen hat es geschafft, sich als Kompetenzträger zu etablieren.“ Gute Voraussetzungen für ein Projekt, das somit in Schwerin Gehör fand.

Freie Software,gute Grundlage

Koordinator Roland Grösch erklärt die Entscheidung des Lenkungsausschusses E-Government für das Vorhaben: „Der Zweckverband Grevesmühlen führt seit Jahren das Anlagevermögen seiner Mitgliedskommunen in einem georeferenzierten Datenbestand. Die aufgebaute Open-Source-Infrastruktur und das Know-how eignen sich besonders zur Nachnutzung in anderen Verwaltungen.“ Auch Aspekte digitaler Souveränität sowie erfolgreich umgesetzte Digitalisierungsprojekte überzeugten. „Zudem ist der Verband ein tatkräftiger Akteur im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung in MV mit einem funktionierenden Netzwerk. Dazu gehört unter anderem die langjährige Kooperation mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg im Geoinformationsbereich.“

Im Juli 2024 startete das Projekt mit dem Zweckverband Grevesmühlen als Vertragspartner, dem ZV KÜHLUNG in Bad Doberan als Entwicklungspartner und den Verbänden mit Sitz in Wismar, Ludwigslust und Stavenhagen als Projektpartner. Sandra Boldt zeigt sich zuversichtlich: „Wir werden das System pünktlich zum Juni 2026 fertig umgesetzt haben. Dann steht eine zentrale Lösung und kann mit eigenen Daten gefüllt werden.“ Bereits jetzt gebe es Interessenten außerhalb des Projektes, unter anderem das Amt Neukloster-Warin signalisierte Bedarf.

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Vom „lost place“ zum lebendigen Denkmal

 



Brandenburg

Vom „lost place“ zum lebendigen Denkmal

Zwischen alten Bäumen dreht sich am Tegeler Fließ in Mühlenbeck das Rad der Geschichte wieder: Die Historische Mönchmühle gilt als älteste Wassermühle Brandenburgs – und ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement.

Foto & Logo: Mönchmühle Mühlenbeck

Um 1234 von den Zisterziensermönchen des Klosters Lehnin erbaut, diente die Mühle jahrhundertelang dem Mahlen von Getreide. Die Mönche nutzten das Tegeler Fließ als Energiequelle, stauten Teiche und errichteten einen Damm, um das Wasserrad ihrer Roggenmühle zu betreiben – eine technische Pionierleistung des Mittelalters. Geblieben ist aus dieser Zeit der Geist der Gemeinschaft: Denn ohne engagierte Bürger gäbe es die Mönchmühle heute wohl nicht mehr.

Mit Pinsel und Skalpell

Nach fast 800 Jahren wurde die Mönchmühle 1973 – zuletzt volkseigener DDR-Betrieb – stillgelegt und nur die ehemalige Müllerwohnung weiterhin als Wohnraum genutzt. Vieles wurde in dieser Zeit zerstört, umgebaut, zweckentfremdet. Von der ursprünglichen Wassermühle blieb kaum etwas übrig. Nach 1990 verkaufte die Treuhand das Gebäude an eine Investorin, die das technische Denkmal erhalten und rekonstruieren sollte, sich damit aber völlig übernahm und Insolvenz anmeldete. Einwohner von Mühlenbeck-Mönchmühle wollten den weiteren Verfall ihres Wahrzeichens nicht hinnehmen und gründeten eine Bürgerinitiative zur Rettung der Mühle, aus dem 2004 der „Förderverein Historische Mönchmühle e. V.“ hervorging.

Initiiert von Ingenieur Reinhard Wittig und Jürgen Busch, der als Vertriebsleiter in der Aufzugsbranche sowohl technisches als auch kaufmännisches Know-how mitbrachte. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit, technischer Kompetenz und Fördermitteln wurde das Gebäude denkmalgerecht Schritt für Schritt saniert. „Wir hatten dabei natürlich immer den Kostenfaktor im Hinterkopf“, erinnert sich Jürgen Busch, „aber heute sind wir dankbar für die Konsequenz des Denkmalschutzes.“ Mit Pinsel und Skalpell hatten sich Mitarbeiter Schicht um Schicht zu den Originalfarben von 1820 durchgearbeitet. In diesem Jahr war die Mühle das letzte Mal in ihrer wechselvollen Geschichte durch einen Brand fast zerstört und wieder neu aufgebaut worden. „Deshalb sind die Räume jetzt, nach Beendigung der Sanierungsarbeiten, so schön farbenfroh. Wir hätten wahrscheinlich sonst alles grau gestrichen“, gibt Busch unumwunden zu.

Ein reges Förderteam

Finanziert wurde das Projekt durch Fördermittel von Gemeinde, Land, Bund und EU – insgesamt rund zwei Millionen Euro in anderthalb Jahrzehnten. „Spenden sind natürlich immer willkommen und hilfreich, aber entscheidend war da eher die bürokratische Kleinarbeit bei den Förderanträgen“, betont Busch. Heute zeugt die Mühle nicht nur von der Handwerkskunst vergangener Jahrhunderte, sondern auch vom sozialen Zusammenhalt eines ganzen Ortes. Etwa 140 Mitglieder zählt der Verein, rund 40 engagieren sich aktiv, viele seit Jahren. Jeden Dienstag treffen sie sich, um neue Projekte zu planen, Führungen zu organisieren oder Veranstaltungen vorzubereiten. Und die Vereinsmitglieder haben große Pläne. Neben einer Ausstellung zur Mühlentechnik, die es schon seit geraumer Zeit Besuchern ermöglicht, die beeindruckende, mittelalterliche Technik zu bestaunen, soll jetzt noch ein zweites Museum entstehen, das die Geschichte des Mühlenbecker Landes dokumentiert. Die Mönchmühle verbindet dann Vergangenheit und Gegenwart miteinander. „Wir sehen die Mühle nicht nur als Denkmal, sondern auch als lebendigen Treffpunkt für alle“, sagt Busch.

Neue Ära, alte Leidenschaft

Nach Jahren des Wiederaufbaus beginnt 2026 endlich eine neue Phase, ohne Baustellen und Gerüste. Sowohl innen als auch außen erstrahlt die Mühle wortwörtlich in historisch-neuem Glanz. Und nicht nur das. Beim Jahresempfang des Museumsverbands Brandenburg in Potsdam war die Mönchmühle in diesem Jahr erstmals offiziell als Teil der brandenburgischen Museumslandschaft vertreten. Zudem konnte sich der Verein auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren, im Rahmen des „Forums Ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg“.

Im Sommer ist die Mühle zurzeit sonntags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Perspektivisch hofft der Verein auf einen gastronomischen Betreiber, der die Öffnungszeiten erweitert. Im Winter sind Führungen nach Vereinbarung möglich – auf ehrenamtlicher Basis. „Wir haben gezeigt, dass Engagement Geschichte lebendig machen kann“, sagt Busch und verweist auf die Möglichkeit, am Pfingstmontag – dem Deutschen Mühlentag – ein vielfältiges Programm in der Mönchmühle zu genießen. Ganz im Sinne des alten Müllergrußes: „Glück zu!“.

Infos: www.historischemoenchmuehle.de

Es klappern die Mühlen …

Rund 170 Mühlen werden sich auch 2026 in Brandenburg am „Deutschen Mühlentag“ beteiligen. Am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026, locken Wind-, Wasser- und Motormühlen neugierige Besucher in ihre historischen Anlagen. Oftmals sind die Besichtigungstouren mit Sonderprogrammen ergänzt.

Übersichtskarte aller Brandenburger Mühlen und Infos zum Mühlentag

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Damit Goldalge & Co. keine Chance haben

 



Brandenburg

Damit Goldalge & Co. keine Chance haben

Bis zum Start der Badesaison müssen sich Wasserratten noch gedulden. Dass sie in einwandfreie Gewässer tauchen können, kontrollieren die Gesundheitsämter gewohnt regelmäßig. Doch das behördliche „Wasser-Monitoring“ geht weiter über deren Tests hinaus.

Bild/Grafik: Landesamt für Umwelt

Als „Meilenstein für den Gewässerschutz“ gilt die vor mittlerweile 25 Jahren verabschiedete EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sämtliche Gewässer Europas – Flüsse, Seen und Grundwasser – sollen bis spätestens Ende 2027 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen. Aus Sicht der Wasserwirtschaft ein unverzichtbares Ziel: Gesunde Oberflächengewässer sichern schließlich (direkt wie indirekt) unsere Trinkwasserversorgung.

Die Flüsse im Blick

„Zwar haben der Ausbau und die Qualitätssteigerung der Kläranlagen zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität in den Fließgewässern in den vergangenen drei Jahrzehnten geführt. Doch die zunehmenden und bisweilen extremen Niedrigwasserverhältnisse können zu einer Konzentration von Stoffen führen, die sich negativ auf die Gewässerqualität auswirkt“, so Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt (LfU) in Potsdam. Für sein Gewässer-Monitoring greift das LfU auf ein eigenes Wassergütemessnetz (WGMN) mit festen automatischen Stationen zurück. Diese sind unter anderem an der Oder, Spree, Neiße, Havel, Elbe und am Teltowkanal installiert.

Sensible Gewässer

Die Messstationen sind Bestandteil langfristiger Untersuchungsprogramme. Auswirkungen von Störfällen, z. B. in Industriebetrieben oder bei Schiffsunglücken, fallen schneller auf. Die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen kann besser verfolgt werden. Aber auch bei kleineren Verunreinigungen, etwa durch illegal entsorgtes Altöl, schlagen die Messstationen schnell Alarm. Denn die erhobenen Daten sind stundenaktuell. „2023 wurde in der ersten deutschen Automatischen Messstation an der Oder nach Grenzübertritt in Frankfurt (Oder) ein zusätzliches Daphnientoximeter* in Betrieb genommen“, berichtet Thomas Frey von einer Maßnahme nach dem Fischsterben 2022. „Durch das zusätzliche Gerät können toxische Stoffe im Fließgewässer bereits in Frankfurt (Oder) unmittelbar erkannt werden. Seitdem sind sensible Gewässer im Oderbruch und im Nationalpark Unteres Odertal im Ernstfall früher und somit effizienter geschützt.“

Wo gibt’s Auskunft?

Verursacher des Fischsterbens war die Goldalge, Prymnesium parvum. Das Gewässer-Monitoring wurde derart verfeinert und um ein Warnsystem ergänzt, dass ihr Vorkommen an neun ausgesuchten Messstellen in der Oder sowie einigen Nebengewässern nun direkt bewertet werden kann. Steigt die Konzentration der Goldalge, wird die Probennahme verschärft.

Wer sich über Qualität und Quantität der märkischen Fließgewässer informieren möchte, findet hier die Daten.

Ein noch umfangreicheres Daten-Angebot für Gewässer vor der Haustür genauso wie das Grundwasser unterhalb der Haustür präsentiert die „Auskunftsplattform Wasser“. Aus Kapazitätsgründen werden hier jedoch nicht alle 3.000 Brandenburger Seen, sondern nur diejenigen mit einer Fläche von mehr als 50 Hektar berücksichtigt. Dank der engen Vernetzung mit dem LfU sowie den Fischereibehörden und den Wasser- und Bodenverbänden können die Unteren Wasserbehörden zu kleineren Gewässern Auskunft geben: https://apw.brandenburg.de (Hinweis – auf Zoom-Button klicken)

* Gerät, das auf Basis des Verhaltens von Wasserflöhen (Daphnien) arbeitet, um die Giftigkeit (Toxizität) von Wasserproben zu messen.

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Wo Mozart in Stechau Hölderlin besucht

 



Brandenburg

Wo Mozart in Stechau Hölderlin besucht

Wenn die Brandenburgischen Sommerkonzerte ab Mai wieder zur musikalischen Landpartie einladen, geht der Genuss über die Qualität von Stimmen und Klangkörpern weit hinaus. So mancher Veranstaltungsort selbst trägt Star-Qualitäten, wie das Rittergut Stechau bei Schlieben.

Dr. Bardia Khadjavi-Gontard und seine Ehefrau Verena Khadjavi-Gontard sehen dem Sommerkonzert anlässlich des 35-jährigen Festival-Jubiläums in Stechau freudig entgegen.


Fotos (2): Rittergut Stechau/privat

„Die Kunst ist der Übergang aus der Natur zur Bildung und aus der Bildung zur Natur“. So formulierte einst der bedeutende deutsche Lyriker Friedrich Hölderlin. Ihn mit Bezug auf das Rittergut Stechau zu zitieren, kommt nicht von ungefähr. Denn der geniale Poet stand einst als Hauslehrer in Diensten der Hugenottenfamilie Gontard. Deren Nachfahre Dr. Bardia Khadjavi-Gontard ist Eigentümer des spätbarocken Ensembles, das bereits seinen Urgroßeltern von 1899 bis zur Bodenreform in der DDR gehörte. Den prägenden Einfluss Hölderlins auf die Familie hält eine Stele auf dem idyllischen Anwesen wach. Doch der Reihe nach.

Gleich doppelt gewonnen

Das Rittergut in Stechau kennt Bardia Khadjavi-Gontard lange nur vom Hörensagen. Als die Mauer fällt, reist der Münchner Anwalt erstmals ins Schliebener Land – begleitet von seiner Mutter, denn es ist schließlich ihr Großelternhaus! „Sie drehte sich um und sagte, es nie wiedersehen zu wollen!“ Das sei eine „Müllkippe mit Fußballplatz“, sind sich beide einig. Dennoch will Bardia Khadjavi-Gontard die verheerenden Zustände auf den 600 Hektar Land unbedingt in Ordnung bringen. „Das war meine Rache an der SED“, schmunzelt er. Um den Kauf des Geländes bewirbt er sich zweimal – und gewinnt die Ausschreibung zweimal. Doch der Gemeinde als Rechtsträgerin widerstrebt es zunächst, das Geschäft mit den Vorbesitzern in trockene Tücher zu bringen. 1992 gibt sie den Widerstand auf und verkauft.

Ein Zuhause für die Musik

Es folgen Jahre immenser Kraftanstrengungen, um Park und Barock-Schloss (erbaut 1757) zu gebührendem Glanz zu verhelfen. Dem mit denkmalgeschützten Ensembles bestens vertrauten Architekten Tino Walz musste Khadjavi-Gontard versprechen, hier „etwas Schönes“ zu errichten. Dies schließt für die Hausherren, im festen Bewusstsein von Tradition und familiären Wurzeln, Kunst und Kultur ein. Die Hölderlin-Stele am Parkteich war dazu 1993 der symbolische Auftakt. „Nachdem wir 1995 endlich ins Haupthaus einzogen, gab es schnell Interesse an Konzerten im Park. Da traten etwa der Schliebener Posaunenchor oder der örtliche Gesangsverein auf.“ Als der Hausherr im benachbarten Lebusa die Leitung der jungen Brandenburgischen Sommerkonzerte kennenlernt, zögert er nicht, sie nach Stechau einzuladen. Ein Lockruf mit großem und langjährigem Erfolg!

Jetzt schnell alle ins Haus!

Das erste Brandenburgische Sommerkonzert findet 1998 noch in der kleinen Stechauer Kirche statt. Ein Jahr später ist Premiere auf dem Rittergut. Im Laufe der Zeit begrüßt Familie Khadjavi-Gontard große Namen.In besonderer Erinnerung bleibt die Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ mit mehr als 200 Sängern und Instrumentalisten. Oder der Auftritt des polnischen Nationalorchesters, denn: „Während des Konzertes zog eine dicke schwarze Wolke auf. Die Musiker konnten nicht im Gewitter weiterspielen. Spontan zogen Orchester und rund 400 Zuhörer ins Haus um und genossen das Konzert weiter – meist im Stehen!“ Seitdem zeigt sich der Wettergott bei den Stechauer Open-Air-Konzerten von seiner besten Seite. Und so kann Bardia Khadjavi-Gontard hoffentlich auch am 22. August dieses Jahres (siehe unten) zur Begrüßung wieder scherzen: „Ich bin hier nur fürs Wetter verantwortlich!“

Ein Parkfest für alle: „Eine Kleine Nachtmusik“

Foto: Rittergut Stechau

Die Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg präsentiert Werke von Mozart, Schubert u. a. m. Dazu gesellen sich: die Weltklasse-Solisten Äneas Humm (Bariton), Agnes Selma Weiland (Sopranistin), Julia Rebekka Adler (Viola), Brandenburger Nachwuchs-Preisträger des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ sowie Schülerinnen und Schüler der Kreismusik- und Kunstschule Gebrüder Graun, Elbe-Elster. Abschluss mit Höhenfeuerwerk oder Lasershow – je nach Wetter. Abgesagt würde der Abend nur bei amtlichen Unwetterwarnungen.

Der Eintritt ist frei, eine Vorab-Registrierung allerdings notwendig. 

Rittergut Stechau
Dorfstraße 47
04936 Fichtwald/OT Stechau
Sonnabend, 22. August 2026
19:30 – 22:30 Uhr

Alle Infos

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Von Salz und Reben

 



Von Salz und Reben

Zwei Orte in den Verbands­gebieten zeigen, wie sie ihr historisches Kulturgut noch heute bewahren

Ob der Dom in Magdeburg, das Weltkulturerbe Quedlinburg oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz – Sachsen-Anhalt ist reich an kulturellen Schätzen und zieht zahlreiche Besucher an. Das Ergebnis sind oft überfüllte Plätze und lange Warteschlangen. Wer den Trubel lieber meidet, findet auch abseits der bekannten Routen spannende Orte. Die WASSERZEITUNG stellt zwei davon im Verbandsgebiet der Herausgeber, des WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und des WAZV „Bode-Wipper“, vor.

Für Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums Staßfurt, ist sein Museum ein Ort, der lokale Geschichte, zeitgenössische Kreativität und regionales Engagement miteinander verknüpft.


Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Salzstadt Staßfurt

Die Stadt an der Bode gilt als Geburtsort des weltweiten Kaliberg­baus und blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit dem 1. Januar 2026 trägt die Stadt den Beinamen „Salzstadt“, der auf ihre historische Verbindung zu Salz- und Bergbau verweist. Bereits 1852 wurden hier die ersten Kalischächte der Welt erschlossen und damit der Grundstein für die moderne Kaliindustrie gelegt. Das ­Kaliumchlorid, unter Tage gewonnen, wurde vor allem als Dünger genutzt und prägte die Landwirtschaft nachhaltig. Heute erinnern rund 20 Hinweisschilder an Staßfurts bergbauliche Vergangenheit und führen auf einem ausgewiesenem Stadtrundgang zu den einzelnen historischen Stationen. Wer tiefer in die Geschichte Staßfurts eintauchen möchte, wird im Stadt- und Bergbaumuseum fündig. Besucherinnen und Besucher erfahren hier alles über Salzgewinnung, Kalibergbau und deren Folgen für die Stadt. Die Sammlung umfasst unter anderem verschiedene Salzkristalle und Gesteine.  „Als Museum mit diesem Schwerpunkt verstehen wir uns als Gedächtnis der Stadt“, erklärt Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums.  „Staßfurt ist die Wiege des Kalibergbaus und ohne Salz nicht denkbar.“ Neben der spannenden Dauerausstellung zur Kalivergangenheit zeigt das Museum regelmäßig Sonderausstellungen. „Wir möchten unsere Gäste bewusst immer wieder mit neuen Präsentationen überraschen, die unterschiedliche Themen, Generationen und Perspektiven zusammenbringen“, sagt Michael Scholl.

In der Dauerausstellung erhalten Besucher tiefe Einblicke in den Salzbergbau Staßfurts.
Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Stadt- und Bergbaumuseum

Pestalozzistr. 6, 39418 Staßfurt

Eintritt Dauerausstellung: 2 €/ Erwachsene, 1 € ermäßigt.

Es können Klassen- und Gruppenführungen gebucht werden.

www.salzgrafenhaus.de

Ob Frühling, Sommer oder Herbst – die Weinberge in Jessen bieten einen atemberaubenden Anblick.
Foto: Weingut Hanke

Weinbautradition in Jessen

Auch wenn es draußen noch winterlich ist, lohnt sich schon jetzt ein Blick auf die sommerliche Jahreszeit. Wie wäre es mit sonnenbeschienenen Hügeln, einer weiten Aussicht und historischen Weinbergen, die seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägen? Dafür brauchen Sie nicht bis in die Toskana zu fahren, denn auch rund um Jessen blickt der Weinbau auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter wurden an den sonnigen Hängen rund um Jessen Weinreben angebaut, insbesondere am Gorrenberg, der als bedeutende historische Weinlage gilt. Das eher kühle Klima sowie sandig-lehmige Böden prägen den Charakter der Weine, die überwiegend als Landwein ausgebaut werden, vor allem als Weißweine.

Lage und Wetter in Jessen sorgen für die spritzige Note der regionalen Weine.


Foto: David Ludley Fotografie

Eine gute Möglichkeit, körperliche Aktivität mit malerischen Ausblicken zu verbinden und dabei Einblicke in die regionale Winzerei zu gewinnen, bietet eine Wanderung durch die Jessener Weinanlagen. In diesem Jahr findet zum ersten Mal der Weinwandertag in ­Jessen statt, ausgerichtet von den beiden regionalen Weingütern Zwicker und Hanke. Geplant ist ein Rundwanderweg, sodass Besucher und Weinwanderer an verschiedenen Punkten starten können. „Der Weg führt durch unsere Weingüter und an unseren persönlichen Lieblingsplätzen vorbei“, sagt Winzer Frank Hanke. „Es sind fünf bis sechs Stopps vorgesehen – jeweils bei den Weingütern und mitten hinein in die Weinberge, mit tollem Blick über das Elstertal.“ Johannes Zwicker von der Weinmanufaktur Zwicker ergänzt: „Wir möchten Touristen und Interessierten den Wein als regionales Kulturgut näherbringen. Dafür arbeiten wir Hand in Hand, denn wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Bewahrer eines gemeinsamen Erbes.“ Mit Blick auf den Weinwandertag fügt er noch hinzu:  „Wir freuen uns darauf und hoffen, viele Besucher an dem Tag begrüßen zu dürfen.“ 

Weinwandertag in Jessen

25.04.2026

Mehr Infos gibt es demnächst unter: www.zwicker-wein.de, www.weingut-hanke.de

Weitere Infos zur Weinregion Jessen: www.jessen.de > Tourismus und Freizeit

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Lasst uns Lebensräume schützen!

 



Mit der Natur des Jahres 2026 rücken bedrohte Tier- und Pflanzenarten ins Rampenlicht

Lasst uns Lebensräume schützen!

Die Liste des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ist auch in diesem Jahr lang. Egal ob Vogel, Fisch, Wildtier, Baum oder Alge: Insgesamt werden 29 Arten gelistet, die besonderen Schutzbedarf haben, denn durch Umwelteinflüsse ist ihr Lebensraum nicht mehr intakt.

Mit der „Natur des Jahres 2026“ möchte der NABU das Bewusstsein für konkrete Naturschutzthemen schärfen und Menschen zum Mitmachen bewegen. In den Medien, in der Politik, bei Bürgern, in Schulen und bei Veranstaltungen soll auf die zu schützenden Arten aufmerksam gemacht und der Naturschutz langfristig verbessert werden. Es geht vor allem um das Verständnis für unsere Natur, um die Rücksichtnahme bei den Entscheidern – zum Beispiel in Landwirtschaft und Umweltpolitik. Welche Tiere und Pflanzen dieses Jahr im Fokus stehen, verrät Ihnen unser kleiner Überblick.
  • Blume des Jahres: Der Feldrittersporn

    Graziler Farbtupfer sucht Lebensraum

    Foto: Hermann Timmann

    Er ist eine wahre Zierde, hat einen charakteristischen Sporn und leuchtende blau-violette Blüten: Der Feldrittersporn (lat.: Consolida regalis) war einst Ackerwildkraut, erstrahlte früher oft zwischen Getreidehalmen und bot Wildbienen und Schmetterlingen von Mai bis in den September hinein Nahrung. Doch durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln ist die Pflanze bundesweit selten geworden. Auf wilden, schonend genutzten Wiesen soll sich nun der Feldrittersporn wieder ansiedeln. Die einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse bevorzugt sonnige und kalkhaltige Böden und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Der Feldrittersporn steht 2026 stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Landwirtschaft stark zurückgedrängt worden sind.

  • Wildtier des Jahres: Der Rothirsch

    Imposanter König des Waldes

    Zeichnung: SPREE-PR/Petsch

    Der Rothirsch (lat.: Cervus elaphus) ist das größte heimische Wildtier. Männliche Tiere beeindrucken durch ihr imposantes Geweih. Rothirsche ernähren sich von Gräsern, Blättern und Rinde und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Obwohl er als „König des Waldes“ bekannt ist, leidet er stark unter Lebensraumverlust und der Zerschneidung seiner Wanderwege durch Straßen, Siedlungen und intensive Landnutzung. Diese Zerschneidung verhindert freie Bewegung und gefährdet den genetischen Austausch, es droht langfristig genetische Verarmung. Der Rothirsch braucht wieder mehr zusammenhängende Lebensräume, Wildtierkorridore und ein naturnahes Wildtiermanagement.

  • Baum des Jahres: Die Zitterpappel

    Grüner Tänzer im Wind

    Foto (Baum): R. Fenner

    In lichten Wäldern, auf Kahlschlägen oder in offenen Landschaften findet man die Zitterpappel (lat.: Populus tremula), die zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen gehört und bis zu 25 Meter hoch werden kann. Schon ein leichter Wind lässt ihre Blätter tanzen. In der Forstwirtschaft spielt die Zitterpappel, auch Espe genannt, eine wichtige Rolle, weil sie karge oder geschädigte Flächen schnell begrünt und den Boden verbessert. Singvögel finden hier ihre Nahrung, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz. Markant ist die leuchtend gelbe Herbstfärbung der Zitterpappel. Mit ihrer Wahl zum Baum des Jahres 2026 steht eine Baumart im Mittelpunkt, die uns daran erinnert, dass Bäume mehr sind als bloße Landschaftselemente – sie sind ein wichtiger Teil der Natur, den es zu bewahren gilt.

    Weitere Infos

  • Vogel des Jahres: Das Rebhuhn

    Kleiner Feldbewohner mit markanter Stimme


    Foto: NABU/Jan Piecha

    Mit seinem grau-braunen Tarngefieder führt das Rebhuhn (lat.: Perdix perdix) ein bodenständiges Leben, liebt Sand- und Staubbäder. Doch auch sein Zuhause ist durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden immer mehr in Gefahr. Seit 1980 ist der Bestand an Rebhühnern in Deutschland um 87 Prozent zurückgegangen. Was das Rebhuhn nun braucht? Mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft, vor allem aber mehr Offenland, also ungenutzte, große Flächen wie wilde Wiesen und Weiden. Das Rebhuhn gehört zur Familie der Hühnervögel und wird den Fasanenartigen zugeordnet. Seine Ernährung ist überwiegend vegetarisch – mit Vorliebe für Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide. Doch die Küken brauchen mehr: In den ersten Lebenswochen stehen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere ganz oben auf dem Speiseplan. Die Weibchen legen bis zu 20 Eier in gut versteckte Bodennester, während die Hähne in den frühen Morgen- und späten Abendstunden ihre raue Stimme erklingen lassen.

  • Fisch des Jahres: Der Europäische Wels

    Faszinierendes Schwergewicht und Räuber

    Foto: DAFV / Marcel Panne

    Im Sommer 2025 war der Wels (lat.: Silurus glanis) in den Schlagzeilen: In einem bayrischen See hatte der Raubfisch während seiner Brutzeit mehrfach Badegäste angegriffen. In den Medien wurde er daraufhin als gefährlicher Räuber dargestellt. Zugegeben, er schaut schon sehr grimmig und furchteinflößend aus, grundsätzlich ist der Waller, wie man ihn in Bayern nennt, aber ein ruhiger, nachtaktiver Zeitgenosse. Der mächtige Süßwasserfisch kann bis zu drei Meter lang und bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Er hat im Ökosystem von Flüssen und Seen eine wichtige Aufgabe, da er die Fischbestände reguliert und durch das Fressen von Aas und kranken Fischen zur Gewässergesundheit beiträgt. Er gilt als ungefährdet und als „Gewinner“ des Klimawandels. Die wärmeliebende Fischart profitiert vom Temperaturanstieg der Gewässer und vermehrt sich stärker. Der Wels steht stellvertretend für die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme.


Natur des Jahres – Wer entscheidet das?

Jedes Jahr wählen verschiedene Naturschutzorganisationen und Umweltverbände die Vertreter der Tier- und Pflanzenkategorien aus. Dazu zählen zum Beispiel: NABU, Deutsche Wildtier Stiftung, Deutscher Angelfischerverband e. V., Arbeitskreis Wildbienen-Kataster, Loki Schmidt Stiftung, Deutsche Gesellschaft für Mykologie, Stiftung Baum des Jahres.

Weitere Arten und Lebensräume 2026
Heilpflanze Gemeine Nachtkerze
Giftpflanze Gartenbohne
Moos Mecklenburgisches Schnabeldeckelmoos
Pilz Igelstachelbart
Wildbiene Glockenblumenschmalbiene
Schmetterling Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Lurch Alpensalamander
Insekt Warzenbeißer
Die komplette Liste der „Jahreswesen“ 2026 finden Sie unter: www.nabu.de/naturdesjahres

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„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

 



Über Kooperation und Austausch als Schlüssel für eine sichere Trinkwasserversorgung

„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

Unsere neue Interviewreihe „Gesichter der Wasserwirtschaft“ stellt Menschen vor, die sich besonders für die Branche engagieren. Den Auftakt macht Jörg Schulze. Der gebürtige Hallenser leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und versteht sich als Koordinator komplexer Prozesse, die in der Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalts ineinandergreifen.

Unter der Leitung von Jörg Schulze bietet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen, um gemeinsam Strategien für eine nachhaltige Wasserversorgung zu entwickeln.


Foto: Markus Scholz

Herr Schulze, Sie haben eine beeindruckende Berufslaufbahn. Wie sind Sie zur Wasserwirtschaft gekommen?

Ursprünglich komme ich aus der Kreislaufwirtschaft. Beim Bau und Betrieb ­einer abfallbasierten Biogasanlage mit einer Verarbeitungskapazität von 120.000 Tonnen jährlich habe ich viel mit Hydraulik, Pumpen und biologischen Prozessen gearbeitet. Sowohl in der Wasser- und Abwasserwirtschaft als auch in der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Abläufe zu steuern. Gemeinsamkeiten, die mich umfassend auf die Wasserwirtschaft vorbereitet haben. Der Arbeitsbereich ist vielseitig: Verfahrenstechnik,  Energieoptimierung und rechtliche Vorgaben sind nur ein Teil der Aufgaben. Wir entwickeln Prozesse kontinuierlich weiter, um effizienter zu ­arbeiten und unser wichtigstes Lebensmittel zu schützen. Das ist für mich ein großer Ansporn.

Welche aktuellen Entwicklungen setzen die Wasser­wirtschaft besonders unter Druck?

Der Strukturwandelprozess in unserem Land einerseits und Klimaveränderungen sowie neue gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung des Umweltschutzes andererseits stellen die Wasserwirtschaft aus meiner Sicht vor fünf große Herausforderungen. Erstens müssen Schadstoffeinträge im Abwasser reduziert werden. Sie entstehen insbesondere durch ­höhere ­Medikamentenabgabe infolge der älter werdenden Bevölkerung, durch intensivere Bodenbewirtschaftung mit entsprechender Düngung sowie durch weitere Spurenstoffe und müssen mithilfe innovativer Verfahren und Technologien wirkungsvoll verringert werden. Nur so können wir die hohe Trinkwasserqualität sicherstellen. Zweitens: Wasserwirtschaftsprozesse sind energieintensiv. Die Energieeffizienz  wasserwirtschaftlicher  Anlagen muss unter Wahrung eines umweltökonomischen Ansatzes weiter optimiert werden, um zu erreichen, dass Energie- und Kosteneinsparungen miteinander verbunden werden. Drittens: Durch ein zielgerichtetes Niederschlagswassermanagement und eine wassersensible Stadt­entwicklung ist zu erreichen, dass eine ­signifikante Reduzierung der Einleitung des Niederschlagswassers in das Kanalnetz gesichert wird. Zwischengespeichertes Niederschlagswasser soll für die Stadtbegrünung und die Klimaverbesserung genutzt werden. Viertens sind wirkungsvolle technische und ­finanzielle Konzepte für den Erhalt und die Entwicklung unseres sehr wertintensiven Anlagevermögens zu erarbeiten. Und zuletzt stehen wir auch bei der Trinkwasserversorgung vor einem grundlegenden Umbruch, um die Bereitstellung vom Wasser den künftigen industriellen und gewerblichen Anforderungen sowie den in den letzten Jahren drastisch zugenommenen Spitzenlasten anzupassen.

„Die Wasserwirtschaft verändert sich ständig. Wenn wir innovative Lösungen entwickeln wollen, müssen wir uns über unsere Branche hinaus austauschen.”

Jörg Schulze

Hierzu müssen wir zurückblicken…

Nach 1990 führte der Wegzug vieler Menschen aus der ehemaligen DDR – verstärkt durch den Rückgang der Industrie – zu sinkendem Trinkwasserverbrauch, sodass Leitungen verkleinert werden mussten. Im Zeitraum 2012 bis 2022 haben wir einen Anstieg des Trinkwasserverbrauchs, insbesondere aus Industrie- und Gewerbeentwicklungen, um 9 Mio. Kubikmeter bei Reduzierung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um 50.000 Einwohner zu verzeichnen. Der Transformations- und Strukturwandel mit neuen, über viele Landkreise verteilten Gewerbegebieten und zusätzlichem Bedarf an neuen Standorten ist dabei noch nicht berücksichtigt. Da die Wasserwirtschaft langfristig plant, braucht es hierfür eine strategische Versorgungskonzeption und einen vernetzten Ansatz aller Beteiligten, die an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mitwirken. Aus diesem Grund wurde 2023 das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft gegründet.

„Wir brauchen neue Konzepte, um den Trinkwasserbedarf heute und morgen zu sichern.“

Jörg Schulze

Welche Bedeutung hat das im Dezember 2025 vorgestellte Wasserversorgungskonzept?

Das Konzept für Sachsen-Anhalt wurde mit Unterstützung der zuständigen Landes­institutionen erarbeitet. Sämtliche Daten, die zur Beurteilung der Wasserversorgung dienen, wurden einbezogen. Um das Konzept praxisnah zu gestalten, wurden die vom Kompetenzzentrum erstellten Daten mit den 18 größten Wasserversorgungsunternehmen von Sachsen-Anhalt, die 93 % der Gesamtwasserversorgung repräsentieren, abgestimmt. Auf der Grundlage von Daten des Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und in Abstimmung mit den Wasserversorgungsunternehmen wurden nicht nur die Kapazitäten, sondern auch die Dargebote ermittelt. Statistisch wurden die Bedarfe, insbesondere aus industrieller und gewerblicher Entwicklung, für die nächsten 10 bis 20 Jahre bestimmt. Aus der Gegenüberstellung von Dargebot, Kapazität und Bedarf wurden 17 Maßnahmen der Entwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastruktur vorgeschlagen. Um den Wasserbedarf von Sachsen-Anhalt, der in den kommenden Jahren erheblich steigen wird, sicherzustellen, stellt das Land ca. 116 Mio. Euro Förderung bereit. Spitzen- und Grundlastkapazitäten sowie Speicher müssen erweitert oder neu gebaut werden.

Wie werden Wasser- und Abwasserverbände im ländlichen Raum in das Konzept mit eingebunden?

Damit kommen wir zum zweiten Schritt des Konzepts, an dem wir gerade arbeiten: die Verteilungsnetze. Natürlich gibt es auch eigenständige, regional arbeitende Wasserversorger, aber etwa 75 Prozent der Versorgung in Sachsen-Anhalt laufen über Fernwassernetze. Die Verbände übernehmen die lokale Verteilung. Aktuell prüfen wir gemeinsam mit ihnen, wie die Netze zukünftig dimensioniert werden müssen. Ich lade alle kommunalen Versorger ein, sich gerne an uns zu wenden und in unserem Netzwerk mitzuwirken – ein Netzwerk lebt vom Austausch. Gerade kleinere Zweckverbände können bei schwierigen Fragestellungen von unserer Zusammenarbeit mit Hochschulen, Universitäten und Ingenieurbüros profitieren. Je mehr Input wir erhalten, desto praxisnäher und wirksamer können unsere Konzepte sein. Denn unser Ziel ist klar: Wir dienen der Wasserwirtschaft, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Steckbrief Jörg Schulze

Foto: Markus Scholz

Jörg Schulze, 1957 in Halle geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er studierte Betriebswirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Über 10 Jahre war er Geschäftsführer der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH, bevor er 2022 in den Ruhestand ging. Im selben Jahr wurde er Botschafter der Umweltallianz Sachsen-Anhalt. Seit 2023 arbeitet er bei der Stadtwerke Halle GmbH, leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und engagiert sich in mehreren Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsgremien.

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Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

 



Welche Bauprojekte für den WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und den WAZV „Bode-Wipper“ für 2026 anstehen

Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

Während das Jahr vielerorts noch langsam Fahrt aufnimmt, arbeiten unsere Herausgeber, die Wasser- und Abwasserzweckverbände „Bode-Wipper“ und „Elbe-Elster-Jessen“, bereits intensiv an neuen Vorhaben. In der ersten Ausgabe der WASSERZEITUNG stellen sie ihre Großprojekte im Bereich Trinkwasser für 2026 vor.

Bald rollt der Bagger an: Im Mai soll die komplexeste Baumaßnahme in Jessen starten.

Foto: SPREE-PR/ Gückel

Gleich vier Großprojekte plant der WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ für das Jahr 2026. Das umfangreichste davon ist der Neubau einer zentralen Trinkwasserleitung zum Hochbehälter in Jessen. „Das ist die mit Abstand komplexeste Baumaßnahme, die wir in diesem Jahr umsetzen werden“, sagt WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey. Die neue Hauptleitung wird in insgesamt sieben Bauabschnitten verlegt. Der erste Abschnitt ist für den Zeitraum von Mai bis Ende November 2026 vorgesehen. „Das ist ein echter Kraftakt, der eine sehr sorgfältige Planung erfordert“, betont Thomas Giffey. „Unser Ziel ist es, die weiteren Bauabschnitte möglichst zügig umzusetzen, damit sich die Bauzeiten nicht unnötig in die Länge ziehen.“ Nach der Verlegung und Inbetriebnahme der neuen Trinkwasserleitung wird die bestehende Altleitung außer Betrieb genommen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Auch in der Weinbergsiedlung stehen Arbeiten an: Dort werden die Trinkwasserleitungen erneuert. „Für die Bauarbeiten ist vor allem der enge Bauraum auf dem Mittelweg eine Herausforderung“, erklärt der Verbandsgeschäftsführer. Zusätzlich werden im Ortsteil Leipa rund 525 Meter Trinkwasserleitung sowie 28 Hausanschlüsse neu verlegt.

Mit der Verlegung einer neuen Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin wird die Versorgungssicherheit erhöht.
Foto: SPREE-PR/ Gückel

Versorgungssicherheit stärken

Darüber hinaus ist der Neubau einer Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin geplant, insgesamt  3.900 Meter. Einschränkungen für Anwohner sind hier nicht zu erwarten. „Mit dieser Maßnahme erhöhen wir gezielt die Versorgungssicherheit“, erklärt Giffey. Denn im Falle eines Leitungsschadens können wir so schneller reagieren und die Trinkwasserversorgung stabil halten.“ Alle geplanten Baumaßnahmen dienen der langfristigen Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur. „Unser Ziel ist es, eine zuverlässige und sichere Wasserversorgung auch für die kommenden Jahre zu gewährleisten“, fasst WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey zusammen.

Für den WAZV „Bode-Wipper“ ist es ein Mammutprojekt, das bereits im vorherigen Jahr gestartet ist: die Baumaßnahme an der Ortsdurchfahrt L 72 in Neundorf. Die WASSERZEITUNG berichtete darüber in der Februar-Ausgabe 2025. Nach elf Monaten zieht WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer eine Zwischenbilanz.

Die Gemeinschaftsmaßnahme zwischen dem WAZV, der Stadt Staßfurt und der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) umfasst unter anderem die Verlegung von 2.570 Meter Trinkwasserleitungen und die Installation von rund 90 Hausanschlüssen. „Es handelt sich um eines der größten zusammenhängenden Bauprojekte der vergangenen Jahre für unseren Verband“, sagt Andreas Beyer. Eine große Herausforderung ist der eng getaktete Zeitplan.
Eine unerwartete Schwierigkeit trat im Bauabschnitt zwischen Ortseingang Neundorf und der Rathmannsdorfer Straße auf. Dort wurden beim Neubau der Straßenentwässerung mehr Straßeneinläufe realisiert als ursprünglich vorhanden waren. Dadurch würde mehr Regenwasser in den Mischwasserkanal gelangen, der für diese Wassermengen nicht ausreichend dimensioniert wäre. In der Folge mussten vier Haltungen des Kanals ausgetauscht werden. Die Kosten übernimmt der LSBB. Dadurch entstand ein Zeitverzug von rund vier Wochen. Um die Erreichbarkeit für Anwohner und Gewerbetreibende zu verbessern, wurde der aktuelle Bauabschnitt nochmals unterteilt. „Wir befinden uns hier etwa bei der Hälfte des Abschnitts“, so Beyer.

Bauprojekt erfordert Flexibilität

Trotz dieser Herausforderung fällt das Gesamtfazit positiv aus. „Gemeinschaftsmaßnahmen erfordern immer Kompromisse, aber insgesamt verlief und verläuft die Zusammenarbeit mit der LSBB wie auch mit dem Ingenieurbüro und der Baufirma sehr gut“, betont Andreas Beyer. Finanziell ist das Bauprojekt bisher wesentlich günstiger als die Kalkulation ergeben hat. „Das wirkt sich für uns leider nicht nur positiv aus“, sagt Beyer und erklärt: „Aufgrund des günstigeren Ausschreibungsergebnisses dürfen wir rund 400.000 Euro an Fördermitteln nicht abrufen. Umso unverständlicher ist es für uns, dass eine andere, bereits zugesagte Maßnahme vom Land mit dem Hinweis auf fehlende Mittel nicht gefördert wird.“

Trotz unerwarteter Schwierigkeiten konnte der WAZV den ersten Bauabschnitt in Neundorf erfolgreich abschließen.
Foto: WAZV „Bode-Wipper”

Aufgrund der Baumaßnahmen ist die Ortsdurchfahrt Neundorf weiterhin gesperrt.
Foto: SPREE-PR/Wolf

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