



Für jetzt und für die Zukunft
Der ZWA rückt den Bestandserhalt des Trink- und Abwassernetzes in den Fokus
Wir alle nutzen tagtäglich die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung. Eine Selbstverständlichkeit. Erst, wenn etwas defekt ist, wird bemerkt, was dahintersteckt: ein komplexes Netz aus Leitungen, Aufbereitungsanlagen, Pumpstationen oder umfassender Kläranlagentechnik. Nicht nur oberirdisch, sondern vor allem im Erdreich liegen Millionenwerte.

Versorgungssicherheit: Im Juli 2025 gab es umfangreiche Baumaßnahmen am Trinkwassernetz nahe Friedensdorf. In Folge eines Bauprojektes der Deutschen Bahn kam es zu einer Havarie. Über 60 Jahre alte Leitungen wurden daraufhin vom ZWA erneuert.
Foto: ZWA/Kunert
Dieses System, das bereits seit Jahrzehnten vorhanden ist, muss nicht nur gepflegt, sondern auch saniert werden. Passiert dies nicht, bricht es irgendwann zusammen. Ein Szenario, das keiner will.
Franz-Xaver Kunert, der Verbandsgeschäftsführer des ZWA, bringt es auf den Punkt: „Wir haben viel geschaffen in den letzten Jahrzehnten. Jetzt müssen wir für den Bestandserhalt Geld in die Hand nehmen.“ Dem ZWA geht es um den realistischen Blick auf das gesamte Trink- und Abwassernetz des Verbandsgebietes, denn dies soll auch für künftige Generationen erhalten werden. „Die Fördermittel sind rückläufig, wir sind immer mehr auf Eigenkapital angewiesen, um das gesamte Netz aufrechtzuerhalten“, so Kunert.
Rohre und Leitungen sind teilweise siebzig bis achtzig Jahre alt, dabei handelt es sich nicht um ein „Phänomen“ des ZWA, sondern dies betrifft alle Ver- und Entsorger in Deutschland, in kleinen sowie in großen Strukturen. Baumaßnahmen für den Erhalt werden immer teurer und das seit Jahren. „Wir müssen die Sanierung in den Fokus rücken. Wir können das nicht auf später verschieben. Diesen Spielraum haben wir nicht. Aktuelle Prognosen zeigen, dass die Gebühren bis 2050 um mindestens 350% steigen müssten, um die Infrastruktur enkelgerecht zu erhalten. Darum müssen wir jetzt aktiv vorbauen, um unsere Bürger langfristig nicht zu überlasten“, so Franz-Xaver Kunert.
Geld für die Bestandssanierung bei gleichzeitig bezahlbarer Gebühr: „In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns und müssen dies in unseren Entscheidungen bewusst abwägen“, sagt er weiter. Um für die Zukunft vorzusorgen gibt es die Möglichkeit, das Anlagevermögen nach Wiederbeschaffungszeitwerten abzuschreiben. „Dies ermöglicht es dem Verband, bilanziell Rücklagen für künftige Investitionen zu bilden“, so Kunert. Bereits in der Gebührenkalkulationsperiode 2017–2019 wurde begonnen, die Abschreibung auf Wiederbeschaffungszeitwerte einzuführen. 2020 –2022 gab es einen Gebührensprung, der für Investitionen nötig war.

Extremer Sanierungsbedarf in 20-30 Jahren: Während in Westdeutschland die Sanierungswelle im Trinkwassernetz bereits rollt, verdeutlicht die Grafik, dass die Verbände in Ostdeutschland ab den 2040er Jahren erheblichen Erneuerungsbedarf in der Infrastruktur haben werden. Das betrifft Trinkwasserleitungen, die nach der Wende errichtet wurden.
Quelle: confideon Unternehmensberatung GmbH, am-tec switzerland ag; ZWA

Das Trinkwassernetz im Visier: Der ZWA versucht extremen Erneuerungsbedarf in den nächsten Jahrzehnten zu umgehen.
Foto: ZWA/Kunert
Jedes Jahr konnte aber bis zu eine Million Euro für die anteilige Finanzierung künftiger Erneuerungsprojekte zurückgestellt werden. „Da wir aber nur aller drei Jahre kalkulieren, holt uns jetzt mit der Gebührenkalkulation 2026-2028 die Abschreibung auf die Wiederbeschaffungszeitwerte ein. Jetzt schlagen die Preissteigerungen, die wir durch Corona und den Beginn des Ukraine-Krieges hatten, deutlich durch“, erläutert Kunert. Versucht wird, finanziell einen Mittelweg zu finden.
Bestimmte Finanzaufstellungen werden genutzt, um eine Dämpfung des Gebührenanstiegs zu schaffen. Ein Beispiel aus der zentralen Schmutzwasserbeseitigung: Derzeit beträgt diese 3,44€/m³. Theoretisch müsste die Gebühr auf 6,60€/m³ steigen, der Verband will in den kommenden Jahren jedoch nur 3,98€/m³ erheben. Diese bilanzielle Anpassung liegt derzeit zur Prüfung bei der Kommunalaufsicht und dem Rechnungsprüfungsamt des Burgenlandkreises.
Ein Abfedern der Gebühren soll vor allem der Generation entgegenkommen, die schon einmal einen Beitrag für ihre Schmutzwasserinfrastruktur, nämlich den Erschließungsbeitrag, bereits bezahlt hat. Der ZWA will grundsätzlich dennoch jedes Jahr einen festen Betrag für Erneuerungsmaßnahmen zurückstellen, doch einfach wird das nicht. „Unser Appell geht an die Politik. Wir brauchen nicht nur für die Neuerschließung oder für Energieeinsparungen im Trink- und Abwasserbereich Fördermittel, sondern auch für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur“, mahnt Kunert.

Vorläufiger Entwurf der Gebühren für die Kalkulationsperiode 2026-2028. Die vorletzte Tabellenspalte zeigt die Gebühr, die eigentlich veranschlagt werden müsste. Alle Werte benötigen noch die Zustimmung durch Kommunalaufsicht und Rechnungsprüfungsamt.
Quelle: ZWA
Der Verband hofft, dass Gelder aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes fließen. „Wir haben im Trinkwasserbereich eine Erneuerungsrate von 1–1,5 Prozent, Ziel wären eigentlich zwei bis drei Prozent. Zwei Prozent bedeutet, jede Leitung wird 50 Jahre alt, 1,5% bedeutet eben nur noch 75 Jahre und da wird’s schon schwierig. Allein die 1,5% sind ein enormer Kraftakt. Wir müssen alle gemeinsam auf dem Weg bleiben, mehr zu tun“, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Der ZWA hat die Bestandssanierung im Blick, damit in naher Zukunft die Region vor einer massiven Sanierungs- und Kostenwelle verschont bleibt.
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