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„Der Status quo wird in Zukunft nicht ausreichen“

 



SACHSENS PERSÖNLICHKEITEN

„Der Status quo wird in Zukunft nicht ausreichen“

Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch über Wasserresilienz, Investitionen und weniger Bürokratie

Auch in dieser Ausgabe bittet die WASSERZEITUNG eine Persönlichkeit aus Sachsen zum Interview. Dieses Mal beantwortet der sächsische Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch die Fragen unserer beiden Herausgeber, dem AZV Parthe und dem ZV Torgau-Westelbien, zu aktuellen Themen rund ums Wasser.

Im Gespräch mit Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig
von Breitenbuch stehen Klimaanpassung, Wasserversorgung und Entlastungen
für kommunale Aufgabenträger im Mittelpunkt.

Foto: Alexander Fuhrmann

Herr von Breitenbuch, ganz spontan: Was verbinden Sie mit den Schlagwörtern Wasser und Sachsen?

Wasser ist Leben und eine der wertvollsten Ressourcen, die es gibt. Wir haben im Freistaat eine sehr gute Wasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsinfrastruktur und sind auch im Hochwasserschutz gut aufgestellt. Jedoch stehen wir künftig vor großen wasserwirtschaftlichen Herausforderungen. Dazu gehören der Umgang mit zunehmenden Niedrigwasser- und Dürrephasen sowie eine Neuordnung der Gewässerbewirtschaftung in den Braunkohleregionen. Und nicht zuletzt brauchen wir zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser ein gut durchdachtes und nachhaltiges Wasserverfügbarkeitsmanagement. Das heißt auch, dass der Status quo unserer Wasserversorgungsinfrastruktur in der Zukunft nicht ausreichen wird. Deshalb müssen wir hier investieren, die Wasserresilienz stärken und Vorsorge für Niedrigwasser und Dürre treffen.

Wasser im Fokus: Umweltminister von Breitenbuch setzt auf Austausch vor Ort. Foto: Alexander Fuhrmann

Anfang Mai fand in Leipzig die Umweltministerkonferenz (UMK) statt. Welches Signal bezogen auf Umweltpolitik und Wasserhaushalt ging von diesem Treffen aus? 

Meine Amtskollegen und ich haben uns klar zur Stärkung der Wasserresilienz und einem sorgsamen Umgang mit der Ressource Wasser bekannt. Wir brauchen ein übergreifendes Dürre- und Niedrigwasserrisikomanagement als wesentlichen Baustein der Nationalen Wasserstrategie. Der Bund wurde gebeten, einen Forschungsschwerpunkt mit dem Thema Wasserverfügbarkeit und Wasserknappheit zu etablieren. Auch die Bewältigung der wasserwirtschaftlichen Folgen des Braunkohleausstiegs ist eine gemeinsame Aufgabe der betroffenen Länder und des Bundes. Deshalb fordern wir die Gründung der im Bundeskoalitionsvertrag angekündigten Bund-Länder-AG. 

Was braucht es für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft im ländlichen Raum?

Mit der Förderrichtlinie öffentliche Trinkwasserinfrastruktur haben wir seit 2019 bereits eine wesentliche Verbesserung der Wasserversorgung in ländlichen Räumen erreicht. Mit der 2024 verabschiedeten Richtlinie Siedlungswasserwirtschaft flankieren wir zur Anpassung an den Klimawandel notwendige Investitionen in die öffentliche Wasserversorgungsinfrastruktur. Für lebenswerte ländliche Räume ist eine angemessene Wasserversorgung unabdingbar. Hier sind mit Blick auf klimatische sowie demografische Entwicklungen unter Umständen auch innovative Ansätze gefragt. Der Freistaat unterstützt in der gegenwärtigen Haushaltslage die kommunalen Aufgabenträger, die Abwasserreinigung zu verbessern, um zu einem guten ökologischen Gewässerzustand beizutragen.

Seit mehreren Jahren besteht die Problematik zur nicht ausreichenden finanziellen Beteilung der Straßenbaulastträger an den Straßenentwässerungskosten
von Bundes- und Staatsstraßen. Es geht um die Mitnutzung der Abwasseranlagen
der kommunalen Abwasserverbände. Weshalb tut sich der Freistaat als Straßenbaulastträger so schwer, hier eine ausreichende Kostenbeteiligung zu beschließen?

Aus Sicht meines Hauses als oberster Wasserbehörde ist das Bemühen um eine kostendeckende finanzielle Beteiligung der Straßenbaulastträger für die Mitbenutzung kommunaler Abwasseranlagen berechtigt. Dieses wird ausdrücklich unterstützt, um einen defizitären Betrieb der Anlagen zu Lasten der kommunalen Aufgabenträger zu vermeiden. Alle bislang diskutierten Lösungswege setzen Änderungen des Sächsischen Straßengesetzes und/oder des Sächsischen Kommunalabgabengesetzes voraus, die letztlich nur der Landtag beschließen kann. Selbstverständlich ist eine enge ressortübergreifende Abstimmung unerlässlich.

Was konnte bisher erreicht werden?

Das Sächsische Verkehrsministerium hat eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen, in der auch wir aktiv mitwirken, ebenso wie der Sächsische Städte- und Gemeindetag mit Unterstützung der Aufgabenträger der Abwasserbeseitigung. Gemeinsames Ziel sollte ein fairer finanzieller Ausgleich zwischen Straßenbaulastträgern und Abwasserentsorgungsträgern sein, der eine gesamtwirtschaftlich effiziente, umweltgerechte und nachhaltige Abwasserbeseitigung ermöglicht.

Maßnahmekonzepte, Gefährdungsbeurteilungen, Statistiken…Die kommunalen Betriebe fühlen sich im Hinblick auf die anwachsende Fülle der bürokratischen Anforderungen überfordert. Wird es einen Bürokratieabbau geben?

Das Sächsische Kabinett hat im März 2026 mit dem zweiten Bürokratieentlastungspaket auch einen umfassenden Abbau von Berichts- und Anzeigepflichten sowie Nachweispflichten beschlossen. Gegenwärtig werden alle landesrechtlichen Regelungen auf entsprechende Pflichten gesichtet, um im Anschluss den gebotenen Abbau zu prüfen. Gleichzeitig sollen bestehende Pflichten auf mögliche Bündelungen, die Vereinheitlichung von Stichtagen und die Verlängerung des Berichtsturnus überprüft werden. Damit wollen wir überflüssige Bürokratie abbauen. Da, wo wir Daten brauchen, wollen wir auf die konsequente Anwendung des Once-Only-Prinzips setzen: Daten sollen nur einmal gemeldet werden, auch wenn verschiedene Stellen sie brauchen.

Seit Anfang Dezember 2024 sind Sie Umweltminister von Sachsen. Das Handlungsprogramm „Zukunft Wasser für Sachsen“ wurde Anfang 2024 veröffentlicht, vor Ihrer Amtszeit. Wie steht es um dieses Programm? Was ist daraus geworden?

Die Inhalte des Programms leiten unser Handeln weiterhin – auch in Kombination mit der Nationalen Wasserstrategie des Bundes. Der Zugang zu sauberem Wasser und eine gesicherte Wasserver- und -entsorgung bleiben wichtige Aufgaben. Entscheidend ist, die Infrastruktur zu fördern und langfristig preisstabil und bedarfsgerecht zu gestalten. Der Erhalt von Trinkwasserschutzgebieten ist dabei eine vordringliche Aufgabe. Wir setzen die „Grundsatzkonzeption öffentliche Wasserversorgung 2030“ und die Trinkwassereinzugsgebieteverordnung und damit die Aufgaben im Handlungsprogramm „Zukunft Wasser für Sachsen“ konsequent um. Gleiches gilt für das Handlungsfeld „Anpassung der Talsperreninfrastruktur für die Wasserversorgung“ und für das Thema Niedrigwasser inklusive eines Risikomanagements bis zum Ausbau von Systemverbünden und dem verstärkten Wasserrückhalt in der Fläche zur Erhöhung der Klimaresilienz und zur Unterstützung des Landschaftswasserhaushaltes. 

Ein kurzer Ausblick: Welche wichtigsten Wasser-Themen stehen für Sachsen in den nächsten Jahren an?

Neben dem Erhalt von Trinkwasserschutzgebieten, der Anpassung bzw. dem Ausbau unserer Talsperren und Speicher ist die Umsetzung der überabeiteten EU-Kommunalabwasserrichtlinie KARL eine vordringliche Aufgabe. Sie stellt einen Meilenstein für den Gewässerschutz dar. Die erweiterte Herstellerverantwortung ist ein zentrales Instrument. Es ist wichtig, hierbei die jeweiligen Interessen der Aufgabenträger der Abwasserbeseitigung, des Gewässerschutzes, der Gebühren- und Beitragszahler und von Industrie- und Gewerbe bei der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht und den Vollzug zu berücksichtigen. Auch die Renaturierung der Oberflächengewässer, der Flussauen sowie der Wasserrückhalt in der Fläche und der Hochwasserschutz sind und bleiben eine Generationenaufgabe. Hinzu kommt die Mammutaufgabe, den Wasserhaushalt in den Bergbauregionen zu reparieren. Nicht zu vergessen die Erfüllung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Viele Termine, viele Themen…Haben Sie zum Erholen Lieblingsorte am Wasser in Sachsen? 

Meine Familie und ich leben seit langer Zeit südlich von Leipzig. Der Mausbach in Kohren-Sahlis und das Naturschutzgebiet Eschefelder Teiche bei Frohburg gefallen mir besonders gut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte WASSERZEITUNG-Redakteurin Ulrike Wolf im Mai 2026.

Georg-Ludwig von Breitenbuch

Georg-Ludwig von Breitenbuch
  • Geboren am 19. 6. 1971 in Göttingen, verheiratet, sechs Kinder
  • Gelernter Landwirt und Dipl. Volkswirt
  • Seit 1997 Mitglied der CDU, seit 1999 Stadtrat in Kohren-Sahlis und Frohburg
  • 2009 Mitglied des Sächsischen Landtags
  • 10 Jahre stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Landtagspräsidium
  • Mitglied in verschiedenen Ausschüssen des Landtags, u. a. Ausschuss für Energie, Klima, Umwelt und Landwirtschaft
  • Seit 2024 Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft

Kurzinfo Straßengesetz

  • Das Straßengesetz des Freistaates Sachsen steuert den Bau, die Nutzung und die Verwaltung öffentlicher Straßen im Bundesland.
  • § 23 Abs. 5 regelt die Kosten bei der Straßenentwässerung. Wenn Regenwasser von Straßen über eine Abwasseranlage abgeleitet wird, die nicht dem Straßenbaulastträger selbst gehört, z. B. eine kommunale Kanalisation, muss sich der Straßenbaulastträger an den Kosten für Bau oder Erneuerung dieser Anlage beteiligen.
  • Die Kritik der kommunalen Abwasserverbände: Die einmalige finanzielle Beteiligung der Straßenbaulastträger ist zu gering, denn nicht berücksichtigt werden die Instandhaltungskosten z.B. der Entwässerungsgräben, Kanäle, Schachtabdeckungen und Pumpen über die gesamte Lebensdauer hinweg.

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„Der Status quo wird in Zukunft nicht ausreichen“

 



SACHSENS PERSÖNLICHKEITEN

„Der Status quo wird in Zukunft nicht ausreichen“

Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch über Wasserresilienz, Investitionen und weniger Bürokratie

Auch in dieser Ausgabe bittet die WASSERZEITUNG eine Persönlichkeit aus Sachsen zum Interview. Dieses Mal beantwortet der sächsische Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch die Fragen unserer beiden Herausgeber, dem AZV Parthe und dem ZV Torgau-Westelbien, zu aktuellen Themen rund ums Wasser.

Im Gespräch mit Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig
von Breitenbuch stehen Klimaanpassung, Wasserversorgung und Entlastungen
für kommunale Aufgabenträger im Mittelpunkt.

Foto: Alexander Fuhrmann

Wasser im Fokus: Umweltminister von Breitenbuch setzt auf Austausch vor Ort. Foto: Alexander Fuhrmann

Herr von Breitenbuch, ganz spontan: Was verbinden Sie mit den Schlagwörtern Wasser und Sachsen?

Wasser ist Leben und eine der wertvollsten Ressourcen, die es gibt. Wir haben im Freistaat eine sehr gute Wasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsinfrastruktur und sind auch im Hochwasserschutz gut aufgestellt. Jedoch stehen wir künftig vor großen wasserwirtschaftlichen Herausforderungen. Dazu gehören der Umgang mit zunehmenden Niedrigwasser- und Dürrephasen sowie eine abschließende Neuordnung der Gewässerbewirtschaftung in den Braunkohleregionen. Und nicht zuletzt brauchen wir zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser ein gut durchdachtes und nachhaltiges Wasserverfügbarkeitsmanagement. Das heißt auch, dass der Status quo unserer Wasserversorgungsinfrastruktur in der Zukunft nicht ausreichen wird. Deshalb müssen wir hier investieren, die Wasserversorgungsresilienz stärken und Vorsorge für Niedrigwasser und Dürre treffen.

Anfang Mai fand in Leipzig die Umweltministerkonferenz (UMK) statt. Welches Signal geht von diesem Treffen aus?

Meine Amtskollegen und ich haben uns klar zur Stärkung der Wasserresilienz und einem sorgsamen Umgang mit der Ressource Wasser bekannt. Dieses Thema haben wir aus Sachsen klar setzen können. Wir brauchen ein übergreifendes Dürre- und Niedrigwasserrisikomanagement als wesentlichen Baustein der Nationalen Wasserstrategie. Der Bund wurde gebeten, einen Forschungsschwerpunkt mit dem Thema Wasserverfügbarkeit und Wasserknappheit zu etablieren. Auch die Bewältigung der wasserwirtschaftlichen Folgen des Braunkohleausstiegs ist eine gemeinsame Aufgabe der betroffenen Länder und des Bundes. Deshalb fordern wir die Gründung der im Bundeskoalitionsvertrag angekündigten Bund-Länder-AG.

Was braucht es für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft im ländlichen Raum?

Mit der sächsischen Förderrichtlinie öffentliche Trinkwasserinfrastruktur haben wir seit 2019 bereits eine wesentliche Verbesserung der Wasserversorgung in ländlichen Räumen erreicht. Mit unserer 2024 verabschiedeten Richtlinie Siedlungswasserwirtschaft flankieren wir zur Anpassung an den Klimawandel notwendige Investitionen in die öffentliche Wasserversorgungsinfrastruktur. Für lebenswerte ländliche Räume ist eine angemessene Wasserversorgung unabdingbar. Hier sind mit Blick auf klimatische sowie demografische Entwicklungen unter Umständen auch innovative Ansätze gefragt. Der Freistaat unterstützt in der gegenwärtigen Haushaltslage die kommunalen Aufgabenträger, die Abwasserreinigung zu verbessern, um zu einem guten ökologischen Gewässerzustand beizutragen.

Seit mehreren Jahren besteht die Problematik zur nicht ausreichenden finanziellen Beteilung der Straßenbaulastträger an den Straßenentwässerungskosten
von Bundes- und Staatsstraßen. Es geht um die Mitnutzung der Abwasseranlagen
der kommunalen Abwasserverbände. Weshalb tut sich der Freistaat als Straßenbaulastträger so schwer, hier eine ausreichende Kostenbeteiligung zu beschließen?

Aus Sicht meines Hauses als oberster Wasserbehörde ist das Bemühen um eine kostendeckende finanzielle Beteiligung der Straßenbaulastträger für die Mitbenutzung
kommunaler Abwasseranlagen berechtigt. Dieses wird ausdrücklich unterstützt, um
einen defizitären Betrieb der Anlagen zu Lasten der kommunalen Aufgabenträger
zu vermeiden. Alle bislang diskutierten Lösungswege setzen Änderungen des Sächsischen Straßengesetzes und/oder des Sächsischen Kommunalabgabengesetzes voraus,
die letztlich nur der Landtag beschließen kann. Selbstverständlich ist eine enge ressortübergreifende Abstimmung unerlässlich.

Was konnte bisher erreicht werden?

Das Sächsische Verkehrsministerium hat eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen, in der auch wir aktiv mitwirken, ebenso wie der Sächsische Städte- und Gemeindetag mit Unterstützung der Aufgabenträger der Abwasserbeseitigung. Gemeinsames
Ziel sollte ein fairer finanzieller Ausgleich zwischen Straßenbaulastträgern und Abwasserentsorgungsträgern sein, der eine gesamtwirtschaftlich effiziente, umweltgerechte und nachhaltige Abwasserbeseitigung ermöglicht.

Maßnahmekonzepte, Gefährdungsbeurteilungen, Statistiken…Die kommunalen Betriebe fühlen sich im Hinblick auf die anwachsende Fülle der bürokratischen Anforderungen überfordert. Wird es einen Bürokratieabbau geben?

Das Sächsische Kabinett hat im März 2026 mit dem zweiten Bürokratieentlastungspaket auch einen umfassenden Abbau von Berichts- und Anzeigepflichten sowie Nachweispflichten beschlossen. Gegenwärtig werden alle landesrechtlichen Regelungen auf entsprechende Pflichten gesichtet, um im Anschluss den gebotenen Abbau zu prüfen. Gleichzeitig sollen bestehende Pflichten auf mögliche Bündelungen, die Vereinheitlichung von Stichtagen und die Verlängerung des Berichtsturnus überprüft werden. Damit wollen wir überflüssige Bürokratie abbauen. Da, wo wir Daten brauchen, wollen wir auf die konsequente Anwendung des Once-Only-Prinzips setzen: Daten sollen nur einmal gemeldet werden, auch wenn verschiedene Stellen sie brauchen.

Seit Anfang Dezember 2024 sind Sie Umweltminister von Sachsen. Das Handlungsprogramm „Zukunft Wasser für Sachsen“ wurde Anfang 2024 veröffentlicht, vor Ihrer Amtszeit. Wie steht es um dieses Programm? Was ist daraus geworden?

Die Inhalte des Programms stehen in einer langen Reihe sachlicher Entscheidungen zum Thema Wasser in Sachsen seit eigentlich 100 Jahren und leiten unser Handeln weiterhin – auch in Kombination mit der Nationalen Wasserstrategie des Bundes. Der Zugang zu sauberem Wasser und eine gesicherte Wasserver- und -entsorgung bleiben wichtige Aufgaben. Entscheidend ist, die Infrastruktur zu fördern und langfristig preisstabil und bedarfsgerecht zu gestalten. Der Erhalt von Trinkwasserschutzgebieten ist dabei eine vordringliche Aufgabe. Wir setzen die „Grundsatzkonzeption öffentliche Wasserversorgung 2030“ und die Trinkwassereinzugsgebieteverordnung und damit die Aufgaben im Handlungsprogramm „Zukunft Wasser für Sachsen“ konsequent um. Gleiches gilt für das Handlungsfeld „Anpassung der Talsperreninfrastruktur für die Wasserversorgung“ und für das Thema Niedrigwasser inklusive eines Risikomanagements bis zum Ausbau von Systemverbünden und dem verstärkten Wasserrückhalt in der Fläche zur Erhöhung der Klimaresilienz und zur Unterstützung des Landschaftswasserhaushaltes.

Ein kurzer Ausblick: Welche wichtigsten Wasser-Themen stehen für Sachsen in den nächsten Jahren an?

Neben dem Erhalt von Trinkwasserschutzgebieten, der Anpassung bzw. dem Ausbau unserer Talsperren und Speicher ist die Umsetzung der überabeiteten EU-Kommunalabwasserrichtlinie KARL eine Herausforderung. Sie stellt einen zusätzlichen Standard für den Gewässerschutz dar. Die erweiterte Herstellerverantwortung ist ein zentrales Instrument. Es ist wichtig, hierbei die jeweiligen Interessen der Aufgabenträger der Abwasserbeseitigung, des Gewässerschutzes, der Gebühren- und Beitragszahler und von Industrie- und Gewerbe bei der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht und den Vollzug zu berücksichtigen. Auch die Renaturierung der Oberflächengewässer, der Flussauen sowie der Wasserrückhalt in der Fläche und der Hochwasserschutz sind und bleiben eine Generationenaufgabe. Hinzu kommt die Mammutaufgabe, den Wasserhaushalt in den Bergbauregionen zu reparieren. Die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie sehe ich beim realen Klimawandel in Sachsen kritisch, hier sind wir in die Diskussion mit der EU getreten.

Viele Termine, viele Themen…Haben Sie zum Erholen Lieblingsorte am Wasser in Sachsen?

Meine Familie und ich leben seit langer Zeit südlich von Leipzig. Der Mausbach in Kohren-Sahlis und das Naturschutzgebiet Eschefelder Teiche bei Frohburg gefallen mir besonders gut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte WASSERZEITUNG-Redakteurin Ulrike Wolf im Mai 2026.

Georg-Ludwig von Breitenbuch

Georg-Ludwig von Breitenbuch
  • Geboren am 19. 6. 1971 in Göttingen, verheiratet, sechs Kinder
  • Gelernter Landwirt und Dipl. Volkswirt
  • Seit 1997 Mitglied der CDU, seit 1999 Stadtrat in Kohren-Sahlis und Frohburg
  • 2009 Mitglied des Sächsischen Landtags
  • 10 Jahre stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Landtagspräsidium
  • Mitglied in verschiedenen Ausschüssen des Landtags, u. a. Ausschuss für Energie, Klima, Umwelt und Landwirtschaft
  • Seit 2024 Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft

Kurzinfo Straßengesetz

  • Das Straßengesetz des Freistaates Sachsen steuert den Bau, die Nutzung und die Verwaltung öffentlicher Straßen im Bundesland.
  • § 23 Abs. 5 regelt die Kosten bei der Straßenentwässerung. Wenn Regenwasser von Straßen über eine Abwasseranlage abgeleitet wird, die nicht dem Straßenbaulastträger selbst gehört, z. B. eine kommunale Kanalisation, muss sich der Straßenbaulastträger an den Kosten für Bau oder Erneuerung dieser Anlage beteiligen.
  • Die Kritik der kommunalen Abwasserverbände: Die einmalige finanzielle Beteiligung der Straßenbaulastträger ist zu gering, denn nicht berücksichtigt werden die Instandhaltungskosten z.B. der Entwässerungsgräben, Kanäle, Schachtabdeckungen und Pumpen über die gesamte Lebensdauer hinweg.

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„Heute handeln, um morgen geschützt zu sein“

 



Thüringen

„Heute handeln, um morgen geschützt zu sein“

Seit über drei Jahrzehnten ist das Thüringer Wasserkolloquium in Erfurt ein fester Treffpunkt für Fachleute aus Praxis, Forschung und Lehre der Wasserwirtschaft. Am 5. März 2026 knackte die Tagung mit 225 Teilnehmenden und 43 Ausstellern einen neuen Besucherrekord.

Teilnehmer des 31. Thüringer Wasserkolloquiums erhielten aktuelle Einblicke in Innovationen der Wasserwirtschaft.
Foto: SPREE-PR/Swoboda

Das vielfältige Programm bot verschiedene Themenschwerpunkte und lud zum fachlichen Austausch und intensiven Diskussionen ein. Ein zentrales Thema ist nach wie vor die Trinkwasserkapazität in Thüringen in den Sommermonaten. „Spätestens seit dem extremen Trockensommer 2018 in Thüringen arbeitet die Branche intensiv daran die Versorgung auch in längeren Dürrephasen sicherzustellen“, erklärt Uwe Weiß, Vorsitzender Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) Landesgruppe Mitteldeutschland. Und fügt hinzu: „Gemeinsam mit dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUENF) entwickeln die Trinkwasserversorger gezielte Maßnahmen, um die Versorgungssysteme stabil zu halten.“

Die Vortragspausen nutzten Aussteller und Besucher für intensive Fachgespräche.
Foto: SPREE-PR/Swoboda

Frühzeitig und flexibel reagieren

Wie das konkret aussehen kann, schilderte Thomas Dierkes, Geschäftsführer der Thüringer Fernwasserversorgung am Beispiel der Niedrigwassersituation 2025 an der Oda-Thal-Sperre. Durch Flexibilisierung der Hochwasserrückhalteräume und Anpassung der Versorgungsstufen blieb die Trinkwasserversorgung stabil. „Aber wir haben unsere Grenzen erkannt und sind damit besser vorbereitet“, fasst Thomas Dierkes zusammen und verweist zudem auf die guten Ausgangsbedingungen Thüringens als Talsperrenland.

Digitale Sicherheit stärken

Die Grenzen seines Versorgungssystems kennen, um gezielt gegenzusteuern – das war auch das Fazit von André Jäger, jedoch mit Blick auf die digitale Sicherheit. Der Werkleiter vom Zweckverband Wasser Abwasser Suhl „Mittlerer Rennsteig” erläuterte in seinem Vortrag, die aktuellen Anforderungen an die Cybersicherheit der Zweckverbände. „Wir müssen uns heute dem Thema digitale Sicherheit zuwenden, um morgen ausreichend geschützt zu sein vor Hackerangriffen“, fasst André Jäger zusammen.

Konkret geht es um die NIS-2-Richtlinie (Netz- und Informationssicherheit): eine EU-weite Regelung, die speziell Unternehmen in kritischen Infrastrukturen wie die Wasserwirtschaft betrifft und im Dezember 2025 in Deutschland in Kraft getreten ist. Neu ist, dass Cybersicherheit ausdrücklich zur Pflicht der Unternehmensleitung wird und bereits für Betriebe ab 50 Mitarbeitenden gelten.

Großes Interesse fand auch das Thema digitale Wasserzählertechnologie. Susanne Kaiser, Geschäftsführerin der Thüringen Wasser GmbH, berichtete über den Umstieg von analogen auf digitale Wasserzähler. Die neue Technologie punktet mit einer längeren Nutzungsdauer und vereinfachten Ableseprozessen: Statt Vor-Ort-Terminen werden die Zähler per Drive-by-Verfahren – also vom fahrenden Fahrzeug aus – ausgelesen. Darüber hinaus ermöglichen präzisere Messmethoden eine schnellere Erkennung und Behebung von Leckagen, indem gelieferte und gemessene Verbrauchsmengen automatisch abgeglichen und Verluste frühzeitig sichtbar gemacht werden.

Einige Themen des 31. Thüringer Wasserkolloquiums: Einordnung der Niedrigwassersituation 2025 an der Ohratalsperre PFAS: Risiken, Bewertungen und Vorkommen im Trinkwasser  Umsetzung des Wassersicherstellungsgesetzes in Thüringen Umsetzung der NIS-2-Richtlinie am Beispiel eines Zweckverbands Aktuelle Einblicke in Forschung und Weiterbildung  Erfahrungswerte zum Zählertechnologiewechsel und Water Loss Management Generalinstandsetzung Talsperre Weida – aktueller Stand und Ausblick

Die Trinkwasserversorgung steht vor vielfältigen Herausforderungen. Konkret bedeutet das: Wir müssen Systeme flexibler vernetzen, Speicher strategisch bewirtschaften und Entnahmen noch stärker an hydrologische Entwicklungen anpassen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Wassereffizienz, Digitalisierung und die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur weiter an Bedeutung. Das Thüringer Wasserkolloquium ist ein besonders wichtiges Forum, weil hier Versorger, Behörden und Fachleute gemeinsam praxisnahe Lösungen entwickeln und Erfahrungen austauschen, um die Versorgung auch langfristig zuverlässig und nachhaltig zu gestalten.

Prof. Dr. Martin Feustel

Prof. Dr. Martin Feustel
Abteilungsleiter Technischer Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Bergbau am Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Kommentar der Herausgeber der WASSERZEITUNG

Die Lage ist ernst?

Wenn Thüringer Wasserversorger, die Fachhochschule Erfurt, Ministerien, Behörden und Fachaussteller zum Wasserkolloquium in Erfurt zusammenkommen, dann geht es um einen fachlichen Austausch zu aktuellen und relevanten Themen: Wie viel Wasser steht für die Grundwasserneubildung zur Verfügung? Wie geht man künftig mit Wasserinhaltsstoffen um? Welche Vorteile bietet der flächendeckende Einsatz digitaler Wasserzähler? Wie schützen sich Wasserversorger wirksam vor Cyber-Angriffen?

Diese und viele andere Themen wurden beim 31. Wasserkolloquium im März 2026 diskutiert. Dass das Angela Merkel zugeschriebene Zitat „Es ist ernst, nehmen Sie es auch ernst” aus der Coronazeit dabei immer wieder sinngemäß aufgegriffen wurde, wird der Situation der Trinkwasserversorgung in Thüringen eigentlich nicht gerecht und klingt pessimistischer als die Lage ist.

Die Wasserversorgung war in den letzten Jahren zu jedem Zeitpunkt gesichert. Es gibt natürlich viele neue Themen und viele Herausforderungen, mit denen die Wasserversorger umgehen müssen. Aber auf dem Wasserkolloquium wird eines klar: Man hilft sich gegenseitig und findet gemeinsam zu neuen Ideen. Das eint die Wasserwirtschaftsfamilie seit jeher.

Die Wasserversorgung funktioniert in Thüringen gut, doch es wäre wichtig, dass sich die Versorger wieder mehr auf ihre Kernthemen konzentrieren können, als die nächste Berichtspflicht zu erfüllen oder die nächste behördliche Statistik und Risikomanagementmaßnahme abzuspulen.

Besser wäre es zu sagen: „Die Lage der Thüringer Wasserversorgung ist stabil. Sorgen wir dafür, dass das so bleibt”.


Gerd Hauschild

Gerd Hauschild

Geschäftsleiter des ZV Mittleres Elstertal

Steffen Rothe

Steffen Rothe

Werkleiter des ZWA „Thüringer Holzland”

Andreas Stausberg

Andreas Stausberg

Geschäftsleiter des ZWA Saalfeld-Rudolstadt

Ralf Engelmann

Ralf Engelmann

Geschäftsleiter des ZWA „Obere Saale”

Fotos (4): SPREE-PR/Archiv

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Ab ans Wasser!

 



Thüringen

Ab ans Wasser!

Sie sind gern am Wasser und radeln gern? Sie lieben die Natur und suchen Tipps für einen Kurzurlaub in Ihrer Region? In Ostthüringen prägen Stauseen und Flüsse die Landschaft und bieten wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Für uns Menschen bedeutet dies Erholung vor der Haustür.

  • Foto: somengo, Thüringer Tourismus GmbH
  • Foto: Naherholung Portenschmiede
  • Foto: Naherholung Portenschmiede
  • Foto: Naherholung Portenschmiede

Der Hohenwarte-Stausee, auch Thüringer Meer genannt, gehört zu den beliebtesten Naherholungszielen Ostthüringens und bietet Seenlandschaft, Camping und Natur pur. Ein Geheimtipp ist der Campingplatz Portenschmiede in Wilhelmsdorf, mit Stellplätzen für Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte. Außerdem gibt es kuschelige Familien-Pods für zwei bis vier Personen. Der neu errichtete Abenteuerspielplatz verspricht Spaß und Bewegung für die kleinen Gäste. 

Ein großes Meer, eine Wanderhilfe und ein echtes Abenteuer

  • Wanderbus Hohenwarte-Stausee

    Sie möchten den Hohenwarte-Stausee in Etappen oder Tagestouren erkunden? Der Wanderbus Thüringer Meer bringt Sie bequem zu den Startpunkten und danach wieder zurück, täglich ab Saalfeld. Aufgrund aktueller Straßensperrungen gilt eine geänderte Linienführung.

    Weitere Infos

  • Historische Flöße

    Auf historisch nachgebauten Flößen die Saale entlangschippern: Das geht von Kirchhasel nach Uhlstädt, vorbei am Schloss Weißenburg hoch oben auf dem Felssporn. In Weißen ist ein Stopp zur Verpflegung möglich. Am Ziel wartet das Flößereimuseum Uhlstädt direkt an der Anlegestelle. Kontakt: Saaleflößerei Philip und Oliver Thön. Telefon: 0176-47060166.

  • Saaleradweg

    Vorbei an romantischen Burgen und viel Natur: Der Saaleradweg ist rund 409 Kilometer lang. Auf neun Etappen geht es vom bayerischen Fichtelgebirge nach Thüringen, vorbei an Europas größtem zusammenhängenden Stauseegebiet, durch idyllische Naturparks sowie durch die Weinregion Saale-Unstrut. Nirgendwo anders thronen so viele Schlösser und Burgen auf den Hängen und Hügeln wie entlang der Saale. Nahe Schleiz verläuft die Etappe 3 von Blankenstein nach Ziegenrück. An der Bleilochtalsperre finden sich Campingplätze, Badestellen und Wanderwege.

    Weitere Infos

  • Campingplatz:

    Am Strandbad 1, ­Saalburg-Ebersdorf,
    Wohnmobil-Stellplatz: Saalburg­ Beach, Wetteraweg 2, Saalburg-Ebersdorf

  • Elster-Radweg

    Am besten geht’s mit Rückenwind! Frische Luft, weite Ausblicke und abwechslungsreiche Wege: Der Elster-Radweg begleitet die Weiße Elster von ihrer Quelle in Böhmen bis zur Mündung in die Saale südlich von Halle in Sachsen-Anhalt und ist rund 250 km lang. Der Fluss durchquert das thüringische Vogtland mit den Städten Greiz und Gera. Ab Greiz beginnt einer der schönsten Streckenabschnitte mit beeindruckenden Ausblicken. Die malerischen Routen entlang der Ufer der Flüsse Gera und Weiße Elster führen durch idyllische Auenlandschaften. Lange Rundwege können auch als kleine Teilstrecken befahren werden.

    • Malerisches Mühltal: Rundweg Eisenberger Mühltal – Meuschkensmühle ab Gera Hauptbahnhof
    • Runde von Gera-Zwötzen: Gute Kondition erforderlich: Ufer der Weißen Elster – Elsterwehr Neumühle, Runde von Gera-Zwötzen
    • Wildromantisches Flusstal: Greiz bis Neumühle/Elster
    • Waldgebiet und Tiergehege Greiz: Der Werdauer-Greizer Wald, auch Werdauer Wald genannt, ist eines der größten geschlossenen Waldgebiete in Westsachsen und Ostthüringen. Empfehlenswert: Das Tiergehege Greiz in Mohlsdorf-Teichwolframsdorf.

    Tipps und Strecken unter:
    www.vogtland-tourismus.de → Radfahren
    www.greiz.de → Tourismus & Kultur / Tourismus / Aktiv / Radwandern


Zwei Tipps fürs Fahrradmieten

Bitte mit vorheriger Anmeldung!

City- und Tourenfahrräder, Mountainbikes und Kinderfahrräder

Die Fabrik Werk II – Jürgen Hohlbein

Lange Straße 52, 07551 Gera

Tel.: 0365 5523588 oder 0173 / 354 79 25

info@diefabrik-gera.de

E-Bikes

Tourist-Information Greiz

Burgplatz 12 / Unteres Schloss, 07973 Greiz

Tel.: 03661 703293

tourismus@greiz.de

E-Bike-Vermietung

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Regen kann man riechen!

 



Gewusst?

Kann man Regen riechen?

Hatten Sie ihn auch schon einmal in der Nase: diesen besonderen Geruch von Regen? Er entsteht vor allem dann, wenn es längere Zeit nicht geregnet hat und die Böden gut ausgetrocknet sind. „Ideal für einen intensiven Geruch sind Lehmböden“, heißt es auf der Internetseite des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Und so entsteht der besondere Duft: Bei Trockenheit produzieren Pflanzen ein bestimmtes Öl. Das lagert sich im Boden ab. Bei Regen verbindet sich das Öl mit Geosmin. Dieser Stoff verursacht den typischen Erdgeruch. Wie sehr es duftet, hängt neben der Bodenart auch von der Regenstärke ab. Ideal sei leichter Regen, so der DWD. Mit einer feinen Nase lässt sich Regen auch riechen, bevor er überhaupt da ist: Nähert sich ein Regengebiet, steigt in der Regel die Luftfeuchtigkeit. Das kann ebenfalls schon kleine Mengen des Duftstoffs freisetzen.

Der typische Geruch von Regen heißt fachsprachlich Petrichor – und ist sogar als Parfüm erhältlich.

Foto: SPREE-PR/Galda

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Von Salz und Reben

 



Von Salz und Reben

Zwei Orte in den Verbands­gebieten zeigen, wie sie ihr historisches Kulturgut noch heute bewahren

Ob der Dom in Magdeburg, das Weltkulturerbe Quedlinburg oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz – Sachsen-Anhalt ist reich an kulturellen Schätzen und zieht zahlreiche Besucher an. Das Ergebnis sind oft überfüllte Plätze und lange Warteschlangen. Wer den Trubel lieber meidet, findet auch abseits der bekannten Routen spannende Orte. Die WASSERZEITUNG stellt zwei davon im Verbandsgebiet der Herausgeber, des WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und des WAZV „Bode-Wipper“, vor.

Für Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums Staßfurt, ist sein Museum ein Ort, der lokale Geschichte, zeitgenössische Kreativität und regionales Engagement miteinander verknüpft.


Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Salzstadt Staßfurt

Die Stadt an der Bode gilt als Geburtsort des weltweiten Kaliberg­baus und blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit dem 1. Januar 2026 trägt die Stadt den Beinamen „Salzstadt“, der auf ihre historische Verbindung zu Salz- und Bergbau verweist. Bereits 1852 wurden hier die ersten Kalischächte der Welt erschlossen und damit der Grundstein für die moderne Kaliindustrie gelegt. Das ­Kaliumchlorid, unter Tage gewonnen, wurde vor allem als Dünger genutzt und prägte die Landwirtschaft nachhaltig. Heute erinnern rund 20 Hinweisschilder an Staßfurts bergbauliche Vergangenheit und führen auf einem ausgewiesenem Stadtrundgang zu den einzelnen historischen Stationen. Wer tiefer in die Geschichte Staßfurts eintauchen möchte, wird im Stadt- und Bergbaumuseum fündig. Besucherinnen und Besucher erfahren hier alles über Salzgewinnung, Kalibergbau und deren Folgen für die Stadt. Die Sammlung umfasst unter anderem verschiedene Salzkristalle und Gesteine.  „Als Museum mit diesem Schwerpunkt verstehen wir uns als Gedächtnis der Stadt“, erklärt Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums.  „Staßfurt ist die Wiege des Kalibergbaus und ohne Salz nicht denkbar.“ Neben der spannenden Dauerausstellung zur Kalivergangenheit zeigt das Museum regelmäßig Sonderausstellungen. „Wir möchten unsere Gäste bewusst immer wieder mit neuen Präsentationen überraschen, die unterschiedliche Themen, Generationen und Perspektiven zusammenbringen“, sagt Michael Scholl.

In der Dauerausstellung erhalten Besucher tiefe Einblicke in den Salzbergbau Staßfurts.
Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Stadt- und Bergbaumuseum

Pestalozzistr. 6, 39418 Staßfurt

Eintritt Dauerausstellung: 2 €/ Erwachsene, 1 € ermäßigt.

Es können Klassen- und Gruppenführungen gebucht werden.

www.salzgrafenhaus.de

Ob Frühling, Sommer oder Herbst – die Weinberge in Jessen bieten einen atemberaubenden Anblick.
Foto: Weingut Hanke

Weinbautradition in Jessen

Auch wenn es draußen noch winterlich ist, lohnt sich schon jetzt ein Blick auf die sommerliche Jahreszeit. Wie wäre es mit sonnenbeschienenen Hügeln, einer weiten Aussicht und historischen Weinbergen, die seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägen? Dafür brauchen Sie nicht bis in die Toskana zu fahren, denn auch rund um Jessen blickt der Weinbau auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter wurden an den sonnigen Hängen rund um Jessen Weinreben angebaut, insbesondere am Gorrenberg, der als bedeutende historische Weinlage gilt. Das eher kühle Klima sowie sandig-lehmige Böden prägen den Charakter der Weine, die überwiegend als Landwein ausgebaut werden, vor allem als Weißweine.

Lage und Wetter in Jessen sorgen für die spritzige Note der regionalen Weine.


Foto: David Ludley Fotografie

Eine gute Möglichkeit, körperliche Aktivität mit malerischen Ausblicken zu verbinden und dabei Einblicke in die regionale Winzerei zu gewinnen, bietet eine Wanderung durch die Jessener Weinanlagen. In diesem Jahr findet zum ersten Mal der Weinwandertag in ­Jessen statt, ausgerichtet von den beiden regionalen Weingütern Zwicker und Hanke. Geplant ist ein Rundwanderweg, sodass Besucher und Weinwanderer an verschiedenen Punkten starten können. „Der Weg führt durch unsere Weingüter und an unseren persönlichen Lieblingsplätzen vorbei“, sagt Winzer Frank Hanke. „Es sind fünf bis sechs Stopps vorgesehen – jeweils bei den Weingütern und mitten hinein in die Weinberge, mit tollem Blick über das Elstertal.“ Johannes Zwicker von der Weinmanufaktur Zwicker ergänzt: „Wir möchten Touristen und Interessierten den Wein als regionales Kulturgut näherbringen. Dafür arbeiten wir Hand in Hand, denn wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Bewahrer eines gemeinsamen Erbes.“ Mit Blick auf den Weinwandertag fügt er noch hinzu:  „Wir freuen uns darauf und hoffen, viele Besucher an dem Tag begrüßen zu dürfen.“ 

Weinwandertag in Jessen

25.04.2026

Mehr Infos gibt es demnächst unter: www.zwicker-wein.de, www.weingut-hanke.de

Weitere Infos zur Weinregion Jessen: www.jessen.de > Tourismus und Freizeit

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Lasst uns Lebensräume schützen!

 



Mit der Natur des Jahres 2026 rücken bedrohte Tier- und Pflanzenarten ins Rampenlicht

Lasst uns Lebensräume schützen!

Die Liste des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ist auch in diesem Jahr lang. Egal ob Vogel, Fisch, Wildtier, Baum oder Alge: Insgesamt werden 29 Arten gelistet, die besonderen Schutzbedarf haben, denn durch Umwelteinflüsse ist ihr Lebensraum nicht mehr intakt.

Mit der „Natur des Jahres 2026“ möchte der NABU das Bewusstsein für konkrete Naturschutzthemen schärfen und Menschen zum Mitmachen bewegen. In den Medien, in der Politik, bei Bürgern, in Schulen und bei Veranstaltungen soll auf die zu schützenden Arten aufmerksam gemacht und der Naturschutz langfristig verbessert werden. Es geht vor allem um das Verständnis für unsere Natur, um die Rücksichtnahme bei den Entscheidern – zum Beispiel in Landwirtschaft und Umweltpolitik. Welche Tiere und Pflanzen dieses Jahr im Fokus stehen, verrät Ihnen unser kleiner Überblick.
  • Blume des Jahres: Der Feldrittersporn

    Graziler Farbtupfer sucht Lebensraum

    Foto: Hermann Timmann

    Er ist eine wahre Zierde, hat einen charakteristischen Sporn und leuchtende blau-violette Blüten: Der Feldrittersporn (lat.: Consolida regalis) war einst Ackerwildkraut, erstrahlte früher oft zwischen Getreidehalmen und bot Wildbienen und Schmetterlingen von Mai bis in den September hinein Nahrung. Doch durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln ist die Pflanze bundesweit selten geworden. Auf wilden, schonend genutzten Wiesen soll sich nun der Feldrittersporn wieder ansiedeln. Die einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse bevorzugt sonnige und kalkhaltige Böden und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Der Feldrittersporn steht 2026 stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Landwirtschaft stark zurückgedrängt worden sind.

  • Wildtier des Jahres: Der Rothirsch

    Imposanter König des Waldes

    Zeichnung: SPREE-PR/Petsch

    Der Rothirsch (lat.: Cervus elaphus) ist das größte heimische Wildtier. Männliche Tiere beeindrucken durch ihr imposantes Geweih. Rothirsche ernähren sich von Gräsern, Blättern und Rinde und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Obwohl er als „König des Waldes“ bekannt ist, leidet er stark unter Lebensraumverlust und der Zerschneidung seiner Wanderwege durch Straßen, Siedlungen und intensive Landnutzung. Diese Zerschneidung verhindert freie Bewegung und gefährdet den genetischen Austausch, es droht langfristig genetische Verarmung. Der Rothirsch braucht wieder mehr zusammenhängende Lebensräume, Wildtierkorridore und ein naturnahes Wildtiermanagement.

  • Baum des Jahres: Die Zitterpappel

    Grüner Tänzer im Wind

    Foto (Baum): R. Fenner

    In lichten Wäldern, auf Kahlschlägen oder in offenen Landschaften findet man die Zitterpappel (lat.: Populus tremula), die zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen gehört und bis zu 25 Meter hoch werden kann. Schon ein leichter Wind lässt ihre Blätter tanzen. In der Forstwirtschaft spielt die Zitterpappel, auch Espe genannt, eine wichtige Rolle, weil sie karge oder geschädigte Flächen schnell begrünt und den Boden verbessert. Singvögel finden hier ihre Nahrung, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz. Markant ist die leuchtend gelbe Herbstfärbung der Zitterpappel. Mit ihrer Wahl zum Baum des Jahres 2026 steht eine Baumart im Mittelpunkt, die uns daran erinnert, dass Bäume mehr sind als bloße Landschaftselemente – sie sind ein wichtiger Teil der Natur, den es zu bewahren gilt.

    Weitere Infos

  • Vogel des Jahres: Das Rebhuhn

    Kleiner Feldbewohner mit markanter Stimme


    Foto: NABU/Jan Piecha

    Mit seinem grau-braunen Tarngefieder führt das Rebhuhn (lat.: Perdix perdix) ein bodenständiges Leben, liebt Sand- und Staubbäder. Doch auch sein Zuhause ist durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden immer mehr in Gefahr. Seit 1980 ist der Bestand an Rebhühnern in Deutschland um 87 Prozent zurückgegangen. Was das Rebhuhn nun braucht? Mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft, vor allem aber mehr Offenland, also ungenutzte, große Flächen wie wilde Wiesen und Weiden. Das Rebhuhn gehört zur Familie der Hühnervögel und wird den Fasanenartigen zugeordnet. Seine Ernährung ist überwiegend vegetarisch – mit Vorliebe für Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide. Doch die Küken brauchen mehr: In den ersten Lebenswochen stehen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere ganz oben auf dem Speiseplan. Die Weibchen legen bis zu 20 Eier in gut versteckte Bodennester, während die Hähne in den frühen Morgen- und späten Abendstunden ihre raue Stimme erklingen lassen.

  • Fisch des Jahres: Der Europäische Wels

    Faszinierendes Schwergewicht und Räuber

    Foto: DAFV / Marcel Panne

    Im Sommer 2025 war der Wels (lat.: Silurus glanis) in den Schlagzeilen: In einem bayrischen See hatte der Raubfisch während seiner Brutzeit mehrfach Badegäste angegriffen. In den Medien wurde er daraufhin als gefährlicher Räuber dargestellt. Zugegeben, er schaut schon sehr grimmig und furchteinflößend aus, grundsätzlich ist der Waller, wie man ihn in Bayern nennt, aber ein ruhiger, nachtaktiver Zeitgenosse. Der mächtige Süßwasserfisch kann bis zu drei Meter lang und bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Er hat im Ökosystem von Flüssen und Seen eine wichtige Aufgabe, da er die Fischbestände reguliert und durch das Fressen von Aas und kranken Fischen zur Gewässergesundheit beiträgt. Er gilt als ungefährdet und als „Gewinner“ des Klimawandels. Die wärmeliebende Fischart profitiert vom Temperaturanstieg der Gewässer und vermehrt sich stärker. Der Wels steht stellvertretend für die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme.


Natur des Jahres – Wer entscheidet das?

Jedes Jahr wählen verschiedene Naturschutzorganisationen und Umweltverbände die Vertreter der Tier- und Pflanzenkategorien aus. Dazu zählen zum Beispiel: NABU, Deutsche Wildtier Stiftung, Deutscher Angelfischerverband e. V., Arbeitskreis Wildbienen-Kataster, Loki Schmidt Stiftung, Deutsche Gesellschaft für Mykologie, Stiftung Baum des Jahres.

Weitere Arten und Lebensräume 2026
Heilpflanze Gemeine Nachtkerze
Giftpflanze Gartenbohne
Moos Mecklenburgisches Schnabeldeckelmoos
Pilz Igelstachelbart
Wildbiene Glockenblumenschmalbiene
Schmetterling Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Lurch Alpensalamander
Insekt Warzenbeißer
Die komplette Liste der „Jahreswesen“ 2026 finden Sie unter: www.nabu.de/naturdesjahres

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„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

 



Über Kooperation und Austausch als Schlüssel für eine sichere Trinkwasserversorgung

„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

Unsere neue Interviewreihe „Gesichter der Wasserwirtschaft“ stellt Menschen vor, die sich besonders für die Branche engagieren. Den Auftakt macht Jörg Schulze. Der gebürtige Hallenser leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und versteht sich als Koordinator komplexer Prozesse, die in der Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalts ineinandergreifen.

Unter der Leitung von Jörg Schulze bietet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen, um gemeinsam Strategien für eine nachhaltige Wasserversorgung zu entwickeln.


Foto: Markus Scholz

Herr Schulze, Sie haben eine beeindruckende Berufslaufbahn. Wie sind Sie zur Wasserwirtschaft gekommen?

Ursprünglich komme ich aus der Kreislaufwirtschaft. Beim Bau und Betrieb ­einer abfallbasierten Biogasanlage mit einer Verarbeitungskapazität von 120.000 Tonnen jährlich habe ich viel mit Hydraulik, Pumpen und biologischen Prozessen gearbeitet. Sowohl in der Wasser- und Abwasserwirtschaft als auch in der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Abläufe zu steuern. Gemeinsamkeiten, die mich umfassend auf die Wasserwirtschaft vorbereitet haben. Der Arbeitsbereich ist vielseitig: Verfahrenstechnik,  Energieoptimierung und rechtliche Vorgaben sind nur ein Teil der Aufgaben. Wir entwickeln Prozesse kontinuierlich weiter, um effizienter zu ­arbeiten und unser wichtigstes Lebensmittel zu schützen. Das ist für mich ein großer Ansporn.

Welche aktuellen Entwicklungen setzen die Wasser­wirtschaft besonders unter Druck?

Der Strukturwandelprozess in unserem Land einerseits und Klimaveränderungen sowie neue gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung des Umweltschutzes andererseits stellen die Wasserwirtschaft aus meiner Sicht vor fünf große Herausforderungen. Erstens müssen Schadstoffeinträge im Abwasser reduziert werden. Sie entstehen insbesondere durch ­höhere ­Medikamentenabgabe infolge der älter werdenden Bevölkerung, durch intensivere Bodenbewirtschaftung mit entsprechender Düngung sowie durch weitere Spurenstoffe und müssen mithilfe innovativer Verfahren und Technologien wirkungsvoll verringert werden. Nur so können wir die hohe Trinkwasserqualität sicherstellen. Zweitens: Wasserwirtschaftsprozesse sind energieintensiv. Die Energieeffizienz  wasserwirtschaftlicher  Anlagen muss unter Wahrung eines umweltökonomischen Ansatzes weiter optimiert werden, um zu erreichen, dass Energie- und Kosteneinsparungen miteinander verbunden werden. Drittens: Durch ein zielgerichtetes Niederschlagswassermanagement und eine wassersensible Stadt­entwicklung ist zu erreichen, dass eine ­signifikante Reduzierung der Einleitung des Niederschlagswassers in das Kanalnetz gesichert wird. Zwischengespeichertes Niederschlagswasser soll für die Stadtbegrünung und die Klimaverbesserung genutzt werden. Viertens sind wirkungsvolle technische und ­finanzielle Konzepte für den Erhalt und die Entwicklung unseres sehr wertintensiven Anlagevermögens zu erarbeiten. Und zuletzt stehen wir auch bei der Trinkwasserversorgung vor einem grundlegenden Umbruch, um die Bereitstellung vom Wasser den künftigen industriellen und gewerblichen Anforderungen sowie den in den letzten Jahren drastisch zugenommenen Spitzenlasten anzupassen.

„Die Wasserwirtschaft verändert sich ständig. Wenn wir innovative Lösungen entwickeln wollen, müssen wir uns über unsere Branche hinaus austauschen.”

Jörg Schulze

Hierzu müssen wir zurückblicken…

Nach 1990 führte der Wegzug vieler Menschen aus der ehemaligen DDR – verstärkt durch den Rückgang der Industrie – zu sinkendem Trinkwasserverbrauch, sodass Leitungen verkleinert werden mussten. Im Zeitraum 2012 bis 2022 haben wir einen Anstieg des Trinkwasserverbrauchs, insbesondere aus Industrie- und Gewerbeentwicklungen, um 9 Mio. Kubikmeter bei Reduzierung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um 50.000 Einwohner zu verzeichnen. Der Transformations- und Strukturwandel mit neuen, über viele Landkreise verteilten Gewerbegebieten und zusätzlichem Bedarf an neuen Standorten ist dabei noch nicht berücksichtigt. Da die Wasserwirtschaft langfristig plant, braucht es hierfür eine strategische Versorgungskonzeption und einen vernetzten Ansatz aller Beteiligten, die an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mitwirken. Aus diesem Grund wurde 2023 das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft gegründet.

„Wir brauchen neue Konzepte, um den Trinkwasserbedarf heute und morgen zu sichern.“

Jörg Schulze

Welche Bedeutung hat das im Dezember 2025 vorgestellte Wasserversorgungskonzept?

Das Konzept für Sachsen-Anhalt wurde mit Unterstützung der zuständigen Landes­institutionen erarbeitet. Sämtliche Daten, die zur Beurteilung der Wasserversorgung dienen, wurden einbezogen. Um das Konzept praxisnah zu gestalten, wurden die vom Kompetenzzentrum erstellten Daten mit den 18 größten Wasserversorgungsunternehmen von Sachsen-Anhalt, die 93 % der Gesamtwasserversorgung repräsentieren, abgestimmt. Auf der Grundlage von Daten des Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und in Abstimmung mit den Wasserversorgungsunternehmen wurden nicht nur die Kapazitäten, sondern auch die Dargebote ermittelt. Statistisch wurden die Bedarfe, insbesondere aus industrieller und gewerblicher Entwicklung, für die nächsten 10 bis 20 Jahre bestimmt. Aus der Gegenüberstellung von Dargebot, Kapazität und Bedarf wurden 17 Maßnahmen der Entwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastruktur vorgeschlagen. Um den Wasserbedarf von Sachsen-Anhalt, der in den kommenden Jahren erheblich steigen wird, sicherzustellen, stellt das Land ca. 116 Mio. Euro Förderung bereit. Spitzen- und Grundlastkapazitäten sowie Speicher müssen erweitert oder neu gebaut werden.

Wie werden Wasser- und Abwasserverbände im ländlichen Raum in das Konzept mit eingebunden?

Damit kommen wir zum zweiten Schritt des Konzepts, an dem wir gerade arbeiten: die Verteilungsnetze. Natürlich gibt es auch eigenständige, regional arbeitende Wasserversorger, aber etwa 75 Prozent der Versorgung in Sachsen-Anhalt laufen über Fernwassernetze. Die Verbände übernehmen die lokale Verteilung. Aktuell prüfen wir gemeinsam mit ihnen, wie die Netze zukünftig dimensioniert werden müssen. Ich lade alle kommunalen Versorger ein, sich gerne an uns zu wenden und in unserem Netzwerk mitzuwirken – ein Netzwerk lebt vom Austausch. Gerade kleinere Zweckverbände können bei schwierigen Fragestellungen von unserer Zusammenarbeit mit Hochschulen, Universitäten und Ingenieurbüros profitieren. Je mehr Input wir erhalten, desto praxisnäher und wirksamer können unsere Konzepte sein. Denn unser Ziel ist klar: Wir dienen der Wasserwirtschaft, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Steckbrief Jörg Schulze

Foto: Markus Scholz

Jörg Schulze, 1957 in Halle geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er studierte Betriebswirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Über 10 Jahre war er Geschäftsführer der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH, bevor er 2022 in den Ruhestand ging. Im selben Jahr wurde er Botschafter der Umweltallianz Sachsen-Anhalt. Seit 2023 arbeitet er bei der Stadtwerke Halle GmbH, leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und engagiert sich in mehreren Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsgremien.

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Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

 



Welche Bauprojekte für den WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und den WAZV „Bode-Wipper“ für 2026 anstehen

Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

Während das Jahr vielerorts noch langsam Fahrt aufnimmt, arbeiten unsere Herausgeber, die Wasser- und Abwasserzweckverbände „Bode-Wipper“ und „Elbe-Elster-Jessen“, bereits intensiv an neuen Vorhaben. In der ersten Ausgabe der WASSERZEITUNG stellen sie ihre Großprojekte im Bereich Trinkwasser für 2026 vor.

Bald rollt der Bagger an: Im Mai soll die komplexeste Baumaßnahme in Jessen starten.

Foto: SPREE-PR/ Gückel

Gleich vier Großprojekte plant der WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ für das Jahr 2026. Das umfangreichste davon ist der Neubau einer zentralen Trinkwasserleitung zum Hochbehälter in Jessen. „Das ist die mit Abstand komplexeste Baumaßnahme, die wir in diesem Jahr umsetzen werden“, sagt WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey. Die neue Hauptleitung wird in insgesamt sieben Bauabschnitten verlegt. Der erste Abschnitt ist für den Zeitraum von Mai bis Ende November 2026 vorgesehen. „Das ist ein echter Kraftakt, der eine sehr sorgfältige Planung erfordert“, betont Thomas Giffey. „Unser Ziel ist es, die weiteren Bauabschnitte möglichst zügig umzusetzen, damit sich die Bauzeiten nicht unnötig in die Länge ziehen.“ Nach der Verlegung und Inbetriebnahme der neuen Trinkwasserleitung wird die bestehende Altleitung außer Betrieb genommen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Auch in der Weinbergsiedlung stehen Arbeiten an: Dort werden die Trinkwasserleitungen erneuert. „Für die Bauarbeiten ist vor allem der enge Bauraum auf dem Mittelweg eine Herausforderung“, erklärt der Verbandsgeschäftsführer. Zusätzlich werden im Ortsteil Leipa rund 525 Meter Trinkwasserleitung sowie 28 Hausanschlüsse neu verlegt.

Mit der Verlegung einer neuen Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin wird die Versorgungssicherheit erhöht.
Foto: SPREE-PR/ Gückel

Versorgungssicherheit stärken

Darüber hinaus ist der Neubau einer Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin geplant, insgesamt  3.900 Meter. Einschränkungen für Anwohner sind hier nicht zu erwarten. „Mit dieser Maßnahme erhöhen wir gezielt die Versorgungssicherheit“, erklärt Giffey. Denn im Falle eines Leitungsschadens können wir so schneller reagieren und die Trinkwasserversorgung stabil halten.“ Alle geplanten Baumaßnahmen dienen der langfristigen Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur. „Unser Ziel ist es, eine zuverlässige und sichere Wasserversorgung auch für die kommenden Jahre zu gewährleisten“, fasst WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey zusammen.

Für den WAZV „Bode-Wipper“ ist es ein Mammutprojekt, das bereits im vorherigen Jahr gestartet ist: die Baumaßnahme an der Ortsdurchfahrt L 72 in Neundorf. Die WASSERZEITUNG berichtete darüber in der Februar-Ausgabe 2025. Nach elf Monaten zieht WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer eine Zwischenbilanz.

Die Gemeinschaftsmaßnahme zwischen dem WAZV, der Stadt Staßfurt und der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) umfasst unter anderem die Verlegung von 2.570 Meter Trinkwasserleitungen und die Installation von rund 90 Hausanschlüssen. „Es handelt sich um eines der größten zusammenhängenden Bauprojekte der vergangenen Jahre für unseren Verband“, sagt Andreas Beyer. Eine große Herausforderung ist der eng getaktete Zeitplan.
Eine unerwartete Schwierigkeit trat im Bauabschnitt zwischen Ortseingang Neundorf und der Rathmannsdorfer Straße auf. Dort wurden beim Neubau der Straßenentwässerung mehr Straßeneinläufe realisiert als ursprünglich vorhanden waren. Dadurch würde mehr Regenwasser in den Mischwasserkanal gelangen, der für diese Wassermengen nicht ausreichend dimensioniert wäre. In der Folge mussten vier Haltungen des Kanals ausgetauscht werden. Die Kosten übernimmt der LSBB. Dadurch entstand ein Zeitverzug von rund vier Wochen. Um die Erreichbarkeit für Anwohner und Gewerbetreibende zu verbessern, wurde der aktuelle Bauabschnitt nochmals unterteilt. „Wir befinden uns hier etwa bei der Hälfte des Abschnitts“, so Beyer.

Bauprojekt erfordert Flexibilität

Trotz dieser Herausforderung fällt das Gesamtfazit positiv aus. „Gemeinschaftsmaßnahmen erfordern immer Kompromisse, aber insgesamt verlief und verläuft die Zusammenarbeit mit der LSBB wie auch mit dem Ingenieurbüro und der Baufirma sehr gut“, betont Andreas Beyer. Finanziell ist das Bauprojekt bisher wesentlich günstiger als die Kalkulation ergeben hat. „Das wirkt sich für uns leider nicht nur positiv aus“, sagt Beyer und erklärt: „Aufgrund des günstigeren Ausschreibungsergebnisses dürfen wir rund 400.000 Euro an Fördermitteln nicht abrufen. Umso unverständlicher ist es für uns, dass eine andere, bereits zugesagte Maßnahme vom Land mit dem Hinweis auf fehlende Mittel nicht gefördert wird.“

Trotz unerwarteter Schwierigkeiten konnte der WAZV den ersten Bauabschnitt in Neundorf erfolgreich abschließen.
Foto: WAZV „Bode-Wipper”

Aufgrund der Baumaßnahmen ist die Ortsdurchfahrt Neundorf weiterhin gesperrt.
Foto: SPREE-PR/Wolf

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Wasser Zeitung Online – Klartext-Interview mit OWA-Geschäftsführer Christian Becker

Wasser Aktuell

Wasser Aktuell

Foto: SPREE-PR/Petsch

Klartext-Interview mit OWA-Geschäftsführer Christian Becker

Die Osthavelländische WASSER ZEITUNG fragte den OWA-Geschäftsführer Christian Becker über die Perspektiven der Versorgung mit Trinkwasser in der Region. Christian Becker ist seit 2021 Geschäftsführer der OWA (Falkensee) und Sprecher der Initiative Trinkwasserversorgung Metropolregion (ITM).

Herr Becker, immer wieder ist zu lesen, dass die Grundwasserreserven in Brandenburg perspektivisch nicht ausreichen. Könnte das Wasser knapp werden?

Für das Land Brandenburg lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Zu unterschiedlich sind die lokalen Grundwasserreserven und Nachfragen. Seit 2017 befasst sich die „Initiative Trinkwasserversorgung Metropolregion“ (ITM) mit der langfristigen Wasserversorgung. Ihr gehören die Berliner Wasserbetriebe und 19 an Berlin grenzende Wasserversorger an. Wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Zuzug, Ansiedlung von Unternehmen, teilweise wenig Wasser. Um Lösungen zu finden, müssen wir folgende Fragen beantworten: 1. Wie viel Wasser wird benötigt? 2. Was ist vorhanden? 3. Wieviel fehlt? 4. Wo fehlt es? Im ersten Schritt betrachteten wir die Bevölkerungsprognosen und errechneten den Wasserbedarf. Bis 2050 könnten bis zu 700.000 Menschen nach Berlin und ins Umland ziehen, einwohnermäßig würde die Metropolregion um mehr als die Stadt Leipzig wachsen. Unter Berücksichtigung der absehbaren wirtschaftlichen Entwicklung ermittelte die ITM den Trinkwasserbedarf. In Brandenburg steigt er um 10 bis 20 Mio. m3, in Berlin um 20 bis 30 Mio. m3. Diesem Mehrbedarf müssen wir das sogenannte Dargebot gegenüberstellen, also die potenziell nutzbare Menge an Grund- und Oberflächenwasser.

Wasser nimmt keine Rücksicht auf Versorger- und Landesgrenzen. Hier beginnen die Probleme, denn leider kennen wir die Wasservorräte nicht. Es gibt keine überregionale Erfassung des Dargebots. Hier sind die Länder in der Pflicht. Mittlerweile wird – auch durch Einwirken der ITM – eine entsprechende Modellierung bearbeitet, die voraussichtlich drei Jahre dauert. Aktuell ist Punkt 2 also die drängende Hausaufgabe. Abzusehen ist, dass in einigen Regionen um Berlin das Wasser knapp werden könnte. Möglicherweise muss es irgendwann auch „importiert“ werden. Durch die Ansiedlung von Tesla rückten die begrenzten Wasservorräte in den Fokus der Öffentlichkeit, nicht nur östlich von Berlin.

Ich möchte die zeitliche Dimension erläutern: Allein die Erkundung neuer nutzbarer Grundwasservorkommen dauert fünf Jahre. Es folgt eine ähnlich lange Genehmigungs- und Planungsphase. Bis neue Wasserwerke und Leitungen gebaut und am Netz sind, sind etwa zehn Jahre vergangen. Deshalb ist es so wichtig, in die Gänge zu kommen. Die Diskussion um Tesla gibt uns hoffentlich etwas Rückenwind. Von Spekulationen, aus welcher Wasserader von Elbe über Oder bis hin zur Ostsee die Metropolregion zukünftig versorgt werden muss, halte ich heute wenig.

Wie wirken sich das Klima beziehungsweise die Trockenheit der letzten Jahre auf das
Grundwasser aus?

In den Wasserwerken der OWA fördern wir ausschließlich Grundwasser. In unserer Region gibt es mehrere Grundwasserleiter, die durch Bodenschichten voneinander getrennt sind. Der oberste Grundwasserleiter hat dabei in der Regel „direkte Verbindungen“ zu den Oberflächengewässern. Er ist oft erheblichen Schwankungen unterworfen, wie man in den letzten Jahren an den Wasserständen der Flüsse und Seen erkennen konnte.

Wir fördern unser Wasser aus tieferliegenden Schichten zwischen 30 und 120 m Tiefe, dem sogenannten zweiten oder dritten Grundwasserleiter. Hier bildet sich das Grundwasser nicht direkt nach einem Regen neu, sondern es dauert sehr viel länger, bis das Wasser in tiefere Lagen sickert. Tieferliegende Grundwasserleiter sind deshalb mehr von der langfristigen Entwicklung beeinflusst als von einem einzelnen Hitzesommer.

Wenn es allerdings fünf Jahre in Folge unterdurchschnittlich regnet, wirkt sich das auch hier aus. Andererseits registrieren wir in den letzten Jahren eine Verlagerung von Niederschlägen in die Wintermonate. Über die langfristigen Auswirkungen dieser Verschiebung auf tiefere Grundwasserleiter gibt es noch keine verlässlichen Datengrundlagen.

Was bedeutet das konkret für die OWA und die Wasserversorgung im Havelland und Oberhavel?

Bei der Betrachtung unterscheide ich, welche Aspekte wir als Wasserversorger selbst gestalten können und welche nicht. In unserer Hand liegen die Kapazitäten der Wasseraufbereitung und -verteilung. Hier hat die OWA unter meinem Vorgänger Günter
Fredrich ihre Hausaufgaben bestens gemeistert. Wir unterhalten ein Verbundnetz zwischen den Hauptwasserwerken in Staaken und Hennigsdorf, in das außerdem die kleineren
Wasserwerke Pausin und Flatow einspeisen. Im Wasserwerk Staaken wurde die Aufbereitung 2010 erneuert. Das Wasserwerk Hennigsdorf erhielt in den vergangenen zehn Jahren zwei große Trinkwasserspeicher. Dank der grundsanierten Trinkwasseraufbereitung stieg die Trinkwasserqualität noch einmal deutlich, vor allem in den Paramatern Eisen und Mangan. Das Verteilnetz wurde sukzessive erneuert bzw. höher dimensioniert. Nicht beeinflussen können wir die für uns nutzbaren Grundwasservorkommen. Langfristig gesicherte Entnahmemengen gibt es für das Wasserwerk in Hennigsdorf.

Für das Wasserwerk in Staaken befinden wir uns seit 2016 in einem noch laufenden Bewilligungsverfahren. Dort werden wir weniger fördern dürfen, das ist bereits sicher; wieviel ist jedoch ungewiss. Wir ermittelten in Staaken Vorkommen, die auch bei wachsendem Bedarf eine sichere Versorgung mit einer angemessenen Kapazitätsreserve ermöglichen. Insofern gehe ich auch zukünftig von einer sicheren Wasserversorgung aus.
Dennoch: Käme in unserem Versorgungsgebiet ein Wasserverbraucher der Größenordnung Tesla hinzu, wäre die Kapazitätsreserve mit einem Schlag verbraucht. Wir stünden vor den gleichen Problemen wie das östliche Umland. Ebenfalls nicht beeinflussen können wir die behördlichen Auflagen zum Wassersparen. In den vergangenen Sommern verfügten einige Landkreise zeitlich befristete Sprengverbote. Angesichts der aktuellen Diskussion und ähnlichen Sommern wie in den vergangenen fünf Jahren dürfte sich das wiederholen.

Viele Grundstücksbesitzer bewässern ihre Gärten aus eigenen Brunnen. Wie wirkt sich das auf den Wasserhaushalt aus?

Die Gartenbrunnen ziehen ihr Wasser aus oberflächennahen Grundwasserleitern in maximal 10 Meter Tiefe. In unseren Wasserwerken entnehmen wir Grundwasser aus Tiefen zwischen 30 und 120 Metern. Die Grundwasserschichten sind untereinander nicht direkt verbunden. Sie beeinflussen sich aber indirekt, weil das entnommene Wasser nicht für eine Grundwasserneubildung in tieferen Schichten zur Verfügung steht. Prinzipiell macht ein Gartenbrunnen das vorhandene Grundwasser für Pflanzen nutzbar. Es wird quasi an der gleichen Stelle entnommen und wieder eingeleitet, abzüglich dem, was die Pflanze braucht.

Was hat es mit der hiesigen Wasserhärte und dem Eisengehalt des Trinkwassers auf sich?

Das Wasser von unseren großen Wasserwerken Staaken und Hennigsdorf ist „hart“. Hartes Wasser steht für einen hohen Gehalt an Calcium und Magnesium. Die Härte bezeichnet eine Eigenschaft des Wassers, sie ist kein Qualitätsproblem. Eine Reduzierung der Wasserhärte im Werk würde nicht nur hohe Kosten verursachen, man müsste auch gravierend in die Wasserchemie eingreifen. Kaum ein deutscher Wasserversorger entcarbonisiert hartes Wasser im Werk. Die unliebsamen Auswirkungen wie Kalkflecken und Verkalkung treten mehrheitlich mit warmem Wasser auf. Hauptsächlich wird Leitungswasser aber kalt genutzt.

Die vermeintlich hohen Eisengehalte, die übrigens immer unter den Grenzwerten lagen, gehören seit den sanierten Wasseraufbereitungen in den Wasserwerken Staaken und Hennigsdorf der Vergangenheit an. Jedoch kann es bei hohen oder stoßartigen Wasserabnahmen – etwa bei Feuerwehreinsätzen oder wenn gleichzeitig Pools gefüllt oder Gärten gewässert werden – zu leichten Druckstößen im Netz kommen. Dabei können sich Teile der Inkrustationen lösen und mitgeschwemmt werden, die das Wasser leicht verfärben.

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