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„Es geht uns um Fairness.“

 



Foto: SPREE-PR/Archiv

Was Sachsen-Anhalts Wasserwirtschaft bei der Novellierung des Straßengesetzes fordert

„Es geht uns um Fairness.“

Noch ist nichts beschlossen. Und noch hoffen die Wasserverbände darauf, dass ihre Belange gehört werden. Das Straßengesetz von Sachsen-Anhalt, gültig seit Juli 1993, soll verändert werden.

Der Gesetzentwurf zur Novellierung des Straßengesetzes befindet sich derzeit im Mitzeichnungsverfahren der Ministerien, danach wird dieser dem Kabinett vorgelegt. Wann die Gesetzesänderung beschlossen wird und in Kraft tritt, wird noch etwas dauern. „Nach hiesiger Schätzung sollte mit einer Verkündung der Gesetzesnovelle spätestens im ersten Quartal 2026 zu rechnen sein“, heißt es aus dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales auf Anfrage der WASSERZEITUNG.

Mit den Änderungen im Gesetz sollen laut Ministerium vor allem Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infra­strukturmaßnahmen im Bereich Straße beschleunigt werden. Eine positive Sache, doch die Aufgabenträger der Abwasserentsorgung und deren Interessenverbände sind im Hinblick auf einen ganz bestimmten Para­graphen seit langem verärgert.

Wenn Regen auf die Straßen prasselt

Egal ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger, für uns alle ist es selbstverständlich: Wenn Regen auf die Straßen fällt, fließt er ab: In Entwässerungsgräben, durch Kanäle, hin zu Niederschlagswassereinleitstellen, zur Kläranlage oder direkt zu den Flüssen. Wer kümmert sich darum, dass Straßen nicht volllaufen, das Wasser nicht in Grundstücke läuft?

Die Kommunen sind grundsätzlich für die Niederschlagswasserbeseitigung innerorts zuständig, übertragen diese Pflichtaufgabe häufig an die Abwasserverbände der Region. Dort sitzen die Experten. Mit Wissen, Erfahrung und dem Einsatz von Technik wird das Regenwasser gelenkt und somit Hochwasser und Schäden verhindert.

Wenn zu hohe Kosten entstehen

Doch den Vertretern der Abwasserverbände geht es beim Straßengesetz um den Paragrafen 23 Absatz 5. Danach müssen sich Straßenbaulastträger, also Stadt, Land und Bund, die Straßen, Geh- und Radwege bauen und damit in die Anlage des Aufgabenträgers ihr Niederschlagswasser einleiten, an den Investitionskosten für Regenwasserkanäle beteiligen. Einmalig zum Zeitpunkt des Baus.

Schon dies ist angesichts leerer Kassen in vielen Gemeinden ein großes Problem und führt zur Verschiebung oder dem Ausbleiben von Investitionen. Auch beinhaltet dieser Investitionskostenanteil nur einen geringen Anteil an den Instandhaltungskosten, konsumtiver Anteil genannt, über lange Zeiträume hinweg. Denn Entwässerungsgräben, Kanäle, Schachtabdeckungen und Pumpen müssen immer wieder gereinigt, repariert oder erneuert werden. Wasser kann keine Umleitung nehmen.

Um das Abflusssystem intakt zu halten, braucht es Geld. Geld, das oft in Städten, Gemeinden und letztendlich beim Abwasserzweckverband der Region fehlt, wenn der konsumtive Anteil aus der Kostenbeteiligung des Straßenbaulastträgers aufgebraucht ist. Bereits mehrfach haben der Städte- und Gemeindebund sowie der Wasserverbandstag e. V. ihren Appell an das Ministerium für Infrastruktur und Digitales in Magdeburg gerichtet.

Wenn Verbände Alarm schlagen

„Der Ansatz, dass die Beteiligung der Straßenbaulastträger noch vor der Umsetzung der Baumaßnahme festgelegt wird, ist systembedingt ungeeignet und nicht akzeptabel. Zudem fehlen regelmäßig die Betriebskostenanteile über die gesamte Nutzungsdauer der Anlagen. Die Beteiligungen sind ‚Schätzungen‘ über einen Betrachtungszeitraum von etwa 60 bis 80 Jahren! Das ist weder seriös, noch fair, noch transparent“, sagt Frank Hellmann vom Wasserverbandstag e. V. „Das resultierende Kostendefizit müssen die Mitgliedskommunen aufbringen, obwohl es oftmals den Landkreisen oder dem Land zuzuordnen ist. Gefordert wird daher seit langem eine Änderung im Straßengesetz, bislang ohne Erfolg. Die Kassen sind überall stark strapaziert, aber darf deswegen der Schwarze Peter nach ganz unten durchgereicht werden? – Nein“, erklärt Hellmann.

Wenn die Wasserwirtschaft warten muss

Aus der Abwasserwirtschaft heißt es weiter, die Gesetzesänderung werde still und heimlich vollzogen. Auf welche Neuregelung können die Aufgabenträger hoffen? „Eine konkrete Aussage zu einzelnen Änderungsvorschlägen ist derzeit nicht möglich, zumal es sich noch nicht um einen beschlossenen Entwurf einer Gesetzesänderung handelt“, hieß es aus dem Ministerium für Infrastruktur in Magdeburg. Bis es ein neues Straßengesetz gibt, wird noch so einiger Regen auf die Straßen von Sachsen-Anhalt fallen.

„Die Straßenbaulastträger beteiligen sich an den Investitionskosten für Regenwasserkanäle, uns Wasserwirtschaftlern geht es aber um die Instandhaltungskosten bei Zeiträumen von rund 70-80 Jahren. Die Kosten dafür tragen letztendlich die Bürger. Wir fordern ein Gebührenmodell!“
— Achim Grossmann, Verbandsgeschäftsführer des AVH „Untere Ohre“
Foto: SPREE-PR/Petsch

„§ 23 Abs. 5 ist veraltet. Die ­Kosten für Investitionen u. Unterhaltung der Kanäle haben sich drastisch erhöht. Die Beteiligung der Straßenbaulastträger ist nicht aus­reichend, um die realen Kosten zu decken. Das Gesetz muss aktualisiert werden, die Straßenbaulastträger müssen sich kostendeckend langfristig beteiligen.“
— Mario Pöschmann, Vorstand der Abwasserbeseitigung Weißenfels-AöR
Foto: SPREE-PR/Wolf

„§ 23 Abs. 5 des Straßengesetzes von Sachsen-Anhalt ist nicht nur ein ­Investitionsverhinderer, er verursacht auch bei den Aufgabenträgern erhebliche Kostendefizite. Die Straßen­baulastträger sollten sich über Benutzungsgebühren langfristig und angemessen an den Unterhaltungskosten beteiligen.“
— Andreas Beyer, Verbandsgeschäfts­führer des WAZV „Bode-Wipper“
Foto: SPREE-PR/Archiv

„Es wird keine Unterscheidung zwischen Investitions- u. Unterhaltungskosten betrieben. Die Kostenbeteiligung über § 23 Abs. 5 ist für die gesamte Nutzungsdauer eines Kanals nicht ausreichend. Die Lösung wäre ein Gebührenmodell, wie bereits bei Bundesstraßen und Altstraßen. Die finanziellen Belastungen müssen besser verteilt werden.“

— Stephan Sterzik, Verbandsgeschäftsführer des AZV Wipper-Schlenze
Foto: SPREE-PR/Gückel

„Die aktuelle einmalige Kosten­beteiligung der Straßenbaulastträger ist eine Schätzung vor ­Baubeginn, hat null Transparenz und es mangelt an betriebswirtschaftlicher Herangehensweise – ist aber wunderbar bequem – und zwar für die Baulastträger. Das ­System Kostenbeteiligung muss neu ­geregelt werden.”


— Frank Hellmann, Geschäftsstellenleiter Wasserverbandstag e. V. Sachsen-Anhalt
Foto: SPREE-PR/Wolf

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Das Grüne Band

 



Das Grüne Band bietet einzigartige Erlebnisse. Eine interaktive Karte des Nationalen Naturmonuments Sachsen-Anhalt zeigt Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten entlang des Grenzverlaufs.
Foto: Otmar Fugmanne

Vom Grenzstreifen zum Naturjuwel

Das Grüne Band

40 Jahre, 480 Monate, 14.610 Tage – so lange prägte die innerdeutsche Grenze das Leben der Menschen. Diese Zeit der Teilung war von Verlusten und gefährlichen Hürden gekennzeichnet, gleichzeitig bot sie der Natur jedoch einen unerwarteten Raum der Erholung. Aus dem sogenannten Todesstreifen entstand ein einzigartiges Naturparadies: das Grüne Band.

Von Priwall bei Lübeck an der Ostsee über Marienborn in Sachsen-Anhalt bis zum Dreiländer­eck Bayern, Thüringen und Sachsen verlief die innerdeutsche Grenze, rund 1.400 Kilometer. Nach dem Fall der Mauer rief der BUND am 9. Dezember 1989 das Naturschutzprojekt das Grüne Band ins Leben. Über viele Jahre schuf der Umweltverband aus dem verlassenen Grenzgebiet den größten, zusammenhängenden Biotopverbund Deutschlands. Sümpfe, Heiden, Busch- und Waldlandschaften schlängeln sich in einem Geländestreifen auf einer Breite von 50 bis 200 Metern entlang des Grenzverlaufs. Über 1.200 seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wird hier ein Lebensraum geboten.

Aus Biotopverbund wird Nationales Naturerbe

Seit 2005 ist das Grüne Band offiziell als Nationales Naturerbe anerkannt. Viele Jahre verhandelten die Bundesregierung und die betroffenen Bundesländer darüber, dass Bundesflächen, die im Gebiet des Grünen Bands liegen, kostenfrei als Teil des Nationalen Naturerbes an die Länder übertragen werden.

Auch störungsempfindliche Tierarten wie der Schwarzstorch siedeln sich aufgrund der Abgeschiedenheit im Grünen Band an.
Foto: BUND/Damschen

Stacheldraht, Stahl und Beton: Nach 1952 war Hötensleben stark bewacht. Dennoch gelang 146 Personen der Grenzdurchbruch.

Foto: Grenzdenkmalverein Hötensleben e. V.

Heute umfasst das Areal im ehemaligen Grenzstreifen rund 17.712 Hektar, was etwa der zehnfachen Fläche des Geiseltalsees entspricht.   Doch damit ist das Projekt noch nicht am Ziel, wie Dieter Leupold, Leiter der Koordinierungsstelle Grünes Band in Sachsen-Anhalt erklärt:

„Nach wie vor sind rund 12 Prozent der Fläche des Grünen Bands durch Landwirtschaft, Aufforstung, Straßen- und Siedlungsflächen stark beeinflusst. Das sind etwa 170 Kilometer.“ Rund 30 Prozent der Fläche des Grünen Bands befinden sich laut BUND in Privatbesitz. Häufig stehen dabei Nutzungsinteressen Naturschutzanliegen gegenüber.

„Unser Ziel ist es einerseits, die naturnahe Nutzung durch Privatbesitzer zu fördern, andererseits Flächen durch Spenden und Fördermittel von privater Hand zu erwerben und Lücken zu schließen. Manche der Lücken sind bis zu 20 Kilometer lang“, sagt Leupold.

Ausflugsziel Grünes Band: Geschichte trifft Natur

Obwohl noch nicht alle Flächen des Grünen Bands naturschutzgerecht genutzt werden, ist der Fortschritt bereits deutlich erkennbar. Heute ist das Grüne Band ein beliebtes Ziel für abwechslungsreiche Ausflüge. Gut ausgeschilderte Wander- und Radwege führen entlang des Grenzstreifens durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Streckenlängen ist für viele etwas dabei.

Alleinstellungsmerkmal Hötensleben: Von 1949–1952 war die Grenze wegen der Kohleindustrie offen – inoffiziell, aber bekannt. Trubel, Kriminalität und über 30 Todesopfer prägten diese Zeit.

Foto: Grenzdenkmalverein Hötensleben e. V.

Und nicht nur die Naturschönheiten sind einen Besuch wert. Zahlreiche Stationen wie die Gedenkstätte Marienborn oder das Grenzdenkmal in Hötensleben lassen die bewegende Geschichte der innerdeutschen Grenze lebendig werden. „Es ist wichtig, in Erinnerung zu behalten, was diese Grenze für die Menschen bedeutete“, sagt René Müller, Vereinsvorsitzender des Grenzdenkmalvereins Hötensleben e. V. „Allein im Grenzabschnitt Hötensleben gab es in der Zeit zwischen 1952 bis zur Grenzöffnung 322 Festnahmen von Flüchtenden.“

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Jahreswesen

 



Sachsen-Anhalt

Jahreswesen

Jedes Jahr werden von Naturschutzorganisationen, Gesellschaften und Verbänden in unterschiedlichen Kategorien Arten von Tieren und Pflanzen sowie Lebensräume als Aushängeschilder für mehr Naturschutz gekürt. Neben dem prominenten Wildtier und Vogel des Jahres gibt es zahlreiche weitere Kategorien wie Bäume, Fische, Giftpflanzen, Einzeller, Pilze, Amphibien oder Zootiere. Hier eine kleine Auswahl der Vertreter der Jahreswesen 2025.


Der Hausrotschwanz (lat. Phoenicurus ochruros) ist ein lautstarker frühmorgendlicher Begleiter nicht nur in der Natur, sondern auch in Wohngebieten.
Foto: NABU/Frank Derer

Vogel des Jahres

Der Hausrotschwanz

Bereits vor Sonnenaufgang ist dieser Frühaufsteher in Wohngebieten laut und deutlich zu hören. Besonders hübsch klingt das nicht immer. Was er an gesanglicher Schönheit vermissen lässt, macht der Vogel wett durch Ausdauer und Lautstärke. Schließlich hatte er ursprünglich in Gebirgen weite Reviere klanglich zu verteidigen. Inzwischen ist der in Mittel- und Nordeuropa sowie Asien verbreitete Singvogel aber nicht nur in Naturgebieten zu hören.

Seine Nester baut der anspruchslose Hausrotschwanz auch gerne in Löchern an Häuserfassaden, Schuppen oder unter Dachvorsprüngen und begleitet lauthals das frühmorgendliche Erwachen seiner menschlichen Mitbewohner. Im Gegensatz zu vielen anderen Jahreswesen gilt der Hausrotschwanz aktuell nicht als gefährdet.


Wildtier des Jahres

Der Alpenschneehase

Im Sommer braun, im Winter weiß. Der farbenwechselnde Hase ist äußerst selten geworden und gilt als vom Aussterben bedroht. Eine Gefahr für den Alpenschneehasen (lat. Lepus timidus varronis) ist in Deutschland vor allem der Klimawandel. Denn: Im Winter färbt sich der Hase weiß, was als perfekte Tarnung im Schnee fungieren soll.

Doch ohne den Schnee, der selbst in den Alpen nicht jedes Jahr mehr sicher fällt, wird dem Verwandlungskünstler dieser Trick zum Verhängnis. Für Fressfeinde, wie Greifvögel, ist er dann wie auf dem Präsentierteller gut sichtbar. Auch Skigebiete machen dem Alpentier das Leben schwer.


Amphibie des Jahres

Der Moorfrosch

Selbst unter exotischen Fröschen in den Tropen ist eine blaue Färbung selten zu finden. Um so spektakulärer ist das himmelblaue Balzkleid des einheimischen Moorfrosches, wenn er Frühlingsgefühle entwickelt. Den Rest des Jahres verbringen die Männchen dieser Spezies etwas bedeckter im gut getarnten Braunton.

Obwohl dieser Frosch ein ungewöhnlich weites Verbreitungsgebiet hat, das von Nordfrankreich bis weit nach Russland, Finnland und die Ukraine reicht, gilt er als vom Aussterben bedroht. Grund der Bedrohung wie bei vielen anderen Amphibien: das zu frühe Austrocknen von Laichgewässern durch den Klimawandel, aber auch das Verschwinden von Mooren und Feuchtwiesen durch die Land- und Forstwirtschaft.

Wahre Liebe ist himmelblau. Das Balzkleid des Moorfrosches (lat. Rana arvalis) ist hierzulande ungewöhnlich.
Foto: DGHT/Andreas Nöllert


Zweimal in seinem Leben durchquert der Aal (lat. Anguilla anguilla) den Atlantik. Den Rest der Zeit kann es sich der Generalist fast überall in Europa gemütlich machen.

Foto: DAFV

Fisch des Jahres

Der Aal

Während früher der europäische Aal etwa die Hälfte des gesamten Fischbestandes europäischer Binnengewässer ausmachte, sodass Bauern Jungaale in Massen auf ihren Feldern als Dünger untergruben, hat es der Aal inzwischen schwer. Zwar kann der Generalist es sich überall heimisch einrichten. Doch zur Paarung wandert der Aal Richtung Meer, durchquert den Atlantik und pflanzt sich in der Sargassosee nördlich der Karibik fort.

Anschließend geht es für die neue Generation wieder zurück nach Europa und Nordafrika in die Binnengewässer. Dieser aufwändige Lebenszyklus macht ihn empfindlich gegenüber Störungen. Und diese gibt es für diese schlangenförmige Fischart zuhauf. In Form von Wanderhindernissen, Klimawandel, Lebensraumverlust und illegalem Handel nach Asien.


Blume des Jahres

Das Sumpfblutauge

Der Schutz für Moore und das Klima steht für die Loki Schmidt Stiftung bei der Wahl des Sumpfblutauges (lat. Comarum palustre) zur Blume des Jahres im Fokus. Bereits 95 Prozent aller Moorflächen in Deutschland gelten als zerstört. Die sonst so artenreichen Naturgebiete werden durch Abtorfung, Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung zurückgedrängt.

Das wunderschöne Sumpfblutauge wächst mit Vorliebe im Randbereich von Hochmooren, aber auch an Ufern von stehenden oder sehr langsam fließenden Gewässern. Die zu den Rosengewächsen gehörende Blume lockt eine Vielzahl von Insekten an. In den meisten Bundesländern steht sie auf der roten Liste.

Das wunderschöne Sumpfblutauge gehört zu den Rosengewächsen.


Foto: Loki Schmidt Stiftung

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Diese Drei wissen, wofür sie kämpfen

 



Danke für Ihr Engagement!

Diese Drei wissen, wofür sie kämpfen

Die Abwasserzweckverbände in Sachsen-Anhalt sorgen dafür, dass Abwasser gereinigt den Fließgewässern wieder zugeführt wird. Das ist aktiver Umweltschutz. Neben den Profis gibt es überall Menschen, die sich privat oder in Vereinen engagieren und Arbeitskraft, Wissen und kostbare Zeit mit Herzblut in den Schutz der Gewässer stecken. Ohne sie würde es nicht gehen. Wir möchten drei dieser Menschen vorstellen und ihnen herzlich danken!

Heimo Reilein, 55 Jahre alt, ist der Vorsitzende der IG-Bode-Lachs e.V.

Heimo Reilein schaut Politik und Wirtschaft in Sachen Gewässerschutz genau auf die Finger und kämpft für gesunde Gewässer.
Foto: privat

Der Verein beschäftigt sich unter anderem mit gesetzlichen Vorgaben des Gewässerschutzes und kämpft dort, wo dieser augenscheinlich nicht eingehalten wird. Etwa bei Bauvorhaben oder beim Rückbau von Wehren. Der Linienbus-Fahrer aus dem Harzkreis veranstaltet mit seinen Mitstreitern unter anderem Fachtagungen, steht Anglervereinen zur Seite und fährt zu Fortbildungen. Seine Motivation: Es habe noch nie so strenge Gesetze zum Schutz der Umwelt gegeben und dennoch werde es immer schlimmer.

Herr Reilein, wann hat Ihre Leidenschaft für Gewässerschutz begonnen?

Heimo Reilein: Seit ich laufen konnte, hatte ich eine Angel in der Hand. Ich bin sozusagen familiär vorbelastet. Mein Vater, mein Großvater – jeder in der Familie war Angler. Ich hatte somit einen Bezug zu Fischen und damit zu den Gewässern. Ich habe gesehen, dass viele Gesetzgebungen nicht eingehalten werden, was die Gewässer verschlechtert. Irgendwann hatten meine Mitstreiter und ich die Schnauze voll. Alle reden vom Artensterben, Verlust von Lebensräumen und dennoch, anstatt Flüsse zu renaturieren, werden Gifte eingeleitet oder Wasserkraftanlagen gebaut.

Was gibt Ihnen bei Ihrer Arbeit Kraft?

Wenn unsere Darlegungen bei einem Bauvorhaben zu Verbesserungen führen, ohne dass unser Anwalt aktiv werden muss, ist das bereits ein großer Erfolg. Oder wenn Außenstehende bei Tagungen sagen, dass sie etwas gelernt haben, dass ihnen so gar nicht bewusst war. Oder wenn ich eine wunderschöne Natur-Forelle fange, der ich ansehe, was ich da für ein hochwertiges Lebensmittel in der Hand halte, weil das Gewässer intakt ist. Dann weiß ich, wofür ich täglich kämpfe.

Was wünschen Sie sich von Ihren Mitmenschen?

Die breite Öffentlichkeit sollte sich vertieft mit der Bedeutung von Flüssen beschäftigen. Sie haben eine solch essentielle Wichtigkeit für uns alle. Das ist unbequem. Fische sind sensible Indikatoren für den Gewässerzustand. Die Angelfischerei ist nicht das Problem, sondern kann dazu dienen, negative Entwicklungen schnell zu erkennen. Mein großer Appell ist: Informiert euch und fragt!


Hagen Hepach ist 58 Jahre alt und bewirtschaftet die vier Teiche in Walbeck in der Nähe von Hettstedt.

Hagen Hepach füttert lediglich bei seinen Fischen, die er für seine Räucherei fängt, etwas zu. Den Rest überlässt er der Natur.
Foto: privat

Der erste wurde vor über eintausend Jahren neben dem Kloster angelegt, um in der Fastenzeit an Fisch zu kommen. Der jüngste kam in den 1950ern dazu. Hepach kümmert sich um die Gesundheit der Teiche, die über einen kleinen Bach, die Wipper, die Saale und die Elbe mit den Weltmeeren im Wasserkreislauf verbunden sind. Der ehemalige Dachdecker füttert bei den Fischen etwas zu und betreibt eine ­Fischräucherei. Sein Motto: Möglichst wenig eingreifen und die Natur machen lassen.

Herr Hepach, wie sind Sie zum Wasser gekommen?

Hagen Hepach: Ich hatte immer eine große Liebe zum Wasser, sehr zum Leidwesen meiner Eltern. Ich habe sie durch gefährliche Aktionen viele Nerven gekostet. 1988 bin ich nach Walbeck gezogen und habe über den Angelverband die Teiche kennengelernt. Als ich meinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, kannte ich bereits die Leute, die die Teiche gekauft hatten und habe gefragt, ob ich sie pachten könnte. Heute bin ich Eigentümer.

Wie engagieren Sie sich für den Wasserschutz?

Ich habe anfangs versucht, die Teiche touristisch attraktiv zu machen. Mit meiner Fischräucherei für Angler und Spaziergänger. Inzwischen habe ich die Teiche eingezäunt. Es muss nicht jeder zu allem Zutritt haben. Ich versuche so viel wie möglich der Natur zu überlassen. Im Herbst machen wir eine Woche lang Biounterricht vor Ort mit allen siebten Klassen der Sekundarschule „Anne Frank“.

Was würden Sie sich von Ihren Mitmenschen wünschen?

Dass sie achtsamer mit Wasser umgehen. Es tut gar nicht weh, wenn man etwas mitdenkt, was man ins Abwasser kippt, bei Düngemitteln aufpasst oder Produkte ohne Mikroplastik benutzt. Wir bestehen zum Großteil aus Wasser und würden doch gerne aus sauberem Wasser bestehen.


Wolfgang Weise, ehemaliger Ortsbürgermeister der Ortschaft Kötzschau bei Bad Dürrenberg.

Wolfgang Weise setzt seine Hoffnung beim Gewässerschutz auf die nächste ­Generation und bringt Drittklässlern den Elsterfloßgraben und seine Bedeutung näher.
Foto: SPREE-PR/Schlager

Wolfgang Weise arbeitet seit Jahren eng mit dem Förderverein Elsterfloßgraben e.V. zusammen, obwohl er selbst kein Mitglied ist. So hat sich der 74-Jährige dafür eingesetzt, dass die Stadt Leuna Mitglied des Fördervereins geworden ist. Auch veranstaltet er jedes Jahr mit dem ZWA Bad Dürrenberg mit Drittklässlern am „Tag des Wassers“ ein Schauflößen.

Herr Weise, was bewegt Sie dazu, sich für den Elsterfloßgraben zu engagieren?

Wolfgang Weise: Mir tut es persönlich weh, wenn ich sehe, wie die Elsterfloßgrabenaue stirbt, wenn nach Trockenheit im Graben kein Wasser mehr fließt. Ich bin hier aufgewachsen und die schönsten Kindheitserinnerungen sind Picknicke an dieser Aue, als noch Wasser da war. Ich möchte, dass erhalten bleibt, was noch vorhanden ist.

Was ist für Sie von größter Bedeutung in Ihrem Engagement?

Ich möchte etwas für die nächste Generation tun. Das Wasser des Grabens geht über einen Bach in ein Staubecken, das von der Landwirtschaft genutzt wird, um vertrocknete Ernten zu verhindern. Wenn die Kinder das lernen, erkennen sie, wie wichtig der Elsterfloßgraben ist. Wir erzählen ihnen von der Bedeutung in der Vergangenheit und dass die Ausschachtung des Grabens von Zeitz bis hierher durch Menschenhand entstanden ist. Es gab noch keine Maschinen. Das ist beeindruckend und spannend für die Kinder. Sie reden dann mit ihren Eltern darüber und wollen mit ihnen dorthin.

Was würden Sie sich von Ihren Mitmenschen wünschen?

Es herrscht in der Bevölkerung eine gewisse Gleichgültigkeit, die ich beseitigen möchte. Vieles wird resigniert hingenommen. Der Förderverein steht oft alleine da. Dabei müsste so viel angepackt werden und die Mittel fehlen. Ich habe das Gefühl, dass über die Kinder die Wichtigkeit des Wassers angenommen wird. Ich habe oft Anfragen von Elterngruppen für begleitete Rundgänge am Graben. Die Gefahr ist riesengroß, dass der Graben austrocknet. Besonders, wenn das Wasser aus dem Tagebau irgendwann wegbleibt.

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Steigende Meeresspiegel: Küstenschutz ist existenziell

 



Küstenschutzminister Christian Meyer (rechts) stellte in der NLWKN-Direktion in Norden gemeinsam mit NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer und Rainer Carstens, Leiter des Geschäftsbereichs Planung und Bau, die Planungen für 2025 vor.
Foto: Lippe / NLWKN

Niedersachsen

Steigende Meeresspiegel: Küstenschutz ist existenziell

Der Küstenschutz steht angesichts der Klimakrise und des prognostizierten Meeresspiegelanstiegs weiterhin vor enormen Herausforderungen. 14 Prozent der Landesfläche Niedersachsens und 1,1 Millionen Menschen sind unmittelbar auf eine funktionierende Küstenschutzlinie angewiesen und bei einem erwarteten Anstieg des Meeresspiegels direkt betroffen.

Experten des Weltklimarates IPCC gehen von einem Anstieg zwischen 60 und 110 Zentimetern bis zum Ende dieses Jahrhunderts aus. Hunderte Kilometer Deich allein an der niedersächsischen Küste müssen daher in den kommenden Jahrzehnten entsprechend erhöht werden, in die Jahre gekommene Sperrwerke und andere Bauwerke modernisiert werden. Küstenschutz wird deshalb eine Daueraufgabe bleiben, so Klimaschutzminister Christian Meyer: „Wir lassen beim Küstenschutz nicht nach und stärken ihn weiter, denn die Meeresspiegel steigen weiter an – und wir müssen die Menschen bestmöglich schützen, die hinter den Deichen leben und arbeiten.“

Dafür stehen in diesem Jahr mehr als 81 Millionen Euro für Küstenschutzmaßnahmen zur Verfügung. Zusätzlich sind für die Folgejahre bereits weitere Mittel in Höhe von 45,9 Millionen Euro per Verpflichtungsermächtigung verteilt. Insgesamt finanziert Niedersachsen gemeinsam mit dem Bund damit eine Rekordsumme von 126,9 Millionen Euro in 156 Maßnahmen an der niedersächsischen Küste, auf den ostfriesischen Inseln, sowie den Mündungen von Ems, Weser und Elbe. Damit konnten weitestgehend alle vom Bund und vom Land Niedersachsen bereitgestellten Haushaltsmittel aus der sogenannten „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) und aus dem „Sonderrahmenplan Küstenschutz“ an Vorhaben des Insel- und Küstenschutzes gebunden werden. „Ich bin der gesamten Landesregierung sehr dankbar, dass sie dem Hochwasser- und Küstenschutz personell und finanziell oberste Priorität einräumt“, so der Minister, „denn wir alle haben noch das flächendeckende Weihnachtshochwasser 2023/2024 aber auch massive Sturmfluten und Schäden an den ostfriesischen Inseln vor Augen.“

Zusammen mit der Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Anne Rickmeyer, hat der Minister am (heutigen) Mittwoch das „Bau- und Finanzierungsprogramm Küstenschutz“ für das laufende Jahr vorgestellt. „Hochwasser- und Küstenschutz ist und bleibt eine Daueraufgabe“, so NLWKN-Direktorin Rickmeyer. „Im Namen des NLWKN möchte ich mich nochmals bedanken, dass für dieses wichtige Aufgabenfeld zusätzliche Stellen bei uns im Landesbetrieb geschaffen wurden. Im Küstenschutzprogramm sind künftig große Projekte mit zum Teil erheblichem Finanzvolumen anzuschieben. Dafür braucht es neben den bereitgestellten Geldern auch entsprechende Fachkräfte. Engagierte Menschen für diese wichtigen und sinnstiftenden Aufgaben zu gewinnen, wird zunehmend schwierig. Die zusätzlichen, unbefristeten Stellen könnten hier ein wichtiger Anreiz sein.“

Der Großteil der Mittel geht an die Deichverbände, sie bekommen rund 59,1 Millionen Euro für die Umsetzung ihrer Maßnahmen – 15 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Das restliche Geld fließt in staatliche Küstenschutzmaßnahmen: Rund neun Millionen Euro werden zur Sicherung der Ostfriesischen Inseln (hier: Sandaufspülungen auf Langeoog und Norderney) verwendet. Außerdem fließt Geld in planerische Vorhaben wie beispielsweise die Überarbeitung des Generalplans Küstenschutz für den Bereich Festland. „Und wir blicken schon heute auf morgen und legen den finanziellen Grundstein für künftige Maßnahmen“, so Küstenschutzminister Meyer. So sind beispielsweise die Deichnacherhöhungen an der Elbe auf Krautsand bzw. in Hinterbrack oder im Bereich des Klosters Blankenburg an der Hunte bis zum Jahr 2027 abgesichert.

Auch ist das Mitdenken des Naturschutzes am sensiblen Lebensraum Wattenmeer und den Ästuaren selbstverständlich. Mit einem ökologischen Sedimentmanagement und der Herstellung von zusätzlichen Salzwiesen kann umweltfreundlich und klimaschonend wertvolles Material für die Deichverstärkungen mit kurzen Transportwegen erzeugt werden. Auch sind grüne Deiche mit Schafbeweidung und möglichst wenig Einbauten aus Stahl oder Beton vorzugswürdig und Standard im Küstenschutz.

Mit Blick auf zusätzlich beim NLWKN geschaffene Stellen warben Minister Meyer und NLWKN-Direktorin Rickmeyer um Fachkräfte im Küstenschutz: „Für die Menschen an der Küste zu arbeiten und deren Leben, Hab und Gut zu schützen ist eine wichtige Daueraufgabe. Wir suchen engagierte Menschen für den Klimaschutz und die Anpassung an die Klimakrise. Der NLWKN bietet bereits heute zum Beispiel mit Stipendien für die Studiengänge Bau- und Umweltingenieurwesen entsprechende Anreize“, so Rickmeyer.

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Neue Anlage zum Wasser-Monitoring installiert

 



Im Bild (v.l.): Fabian Suarez (e.Ray), Toni Hauck (LK MSE), Karen Wegener (Landgesellschaft M-V), Toni Goldacker (IKT-Ost), Thomas Müller, Sebastian Lemke (e.Ray), von der Stadt Penzlin Daniela Melz, Mirko Meinhart und Uwe Brandt, Cindy Dobberstein (LK MSE) und Torsten Fritz, Dezernent für Bau-, Kataster- und Umwelt LK MSE.


Foto: LK MSE

Mecklenburg-Vorpommern

Neue Anlage zum Wasser-Monitoring installiert

Am Großen Stadtsee in Penzlin wurde eine neue Anlage zum Wasser-Monitoring (Wamo) eingeweiht. An der Badestelle wurde die Sonde zu Wasser gelassen und später an ihrem Standort verankert. Die Anlage überprüft zukünftig dauerhaft die Badewasserqualität des Großen Stadtsees.

„Unser Landkreis punktet mit Natur und wir möchten, dass unsere Einheimischen und Besucher in sauberen Seen baden können“, so Thomas Müller, 2. Stellvertreter des Landrates. „Dazu sind Kontrollen notwendig. Mit dem Wasser-Monitoring gehen wir einen neuen Weg. Statt mikrobiologischer Untersuchungen der Proben im Labor erfolgen durch das Wasser-Monitoring stündlich physikalische Messungen direkt im See.“

Die Gewässergüte-Messstation ist mit insgesamt fünf Sensoren und einem Lufttemperaturfühler ausgestattet. Jede Stunde nehmen die Sensoren physikalische Messungen vor und übertragen die erhobenen Daten mittels Mobilfunk an einen Server, wo sie beispielsweise von Fachämtern abgerufen werden können. Gemessen werden unter anderem die Temperatur, der Sauerstoffgehalt und die Nitratbelastung des Wassers.

Bereits im vergangenen Jahr wurden auf dem Tollensesee und dem Reitbahnsee in Neubrandenburg Mess-Bojen in Betrieb genommen. Über den Winter konnten sie beweisen, dass sie Frost und Eis standhalten.

Die Installation des Wassermonitorings ist Teil des Smart City-Projektes „26 meer.zukunft.seen“ und wird durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gefördert. Gemeinsam mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald sollen insgesamt 20 Messstationen, zehn in jedem Landkreis, installiert werden und so kontinuierlich Daten liefern. Ihr Einsatz trägt unter anderem einen Teil zur Frühwarnerkennung von (Blau-)Algenblüte bei und liefert eine genaue Dokumentation der Entwicklung der Gewässerqualität in Zeiten des Klimawandels.

Um das Projekt zu realisieren, waren zahlreiche Absprachen und Kooperationen notwendig. Beteiligt waren die Stadt Penzlin als Betreiberin der Badestelle, die Landgesellschaft M-V, die das Land M-V als Eigentümer des Großen Stadtsees vertritt, der Landkreis MSE als Eigentümer und Betreiber des Wamo und die IKT-Ost, verantwortlich für die Durchführung des Projektes „26 meer.zukunft.seen“. Gebaut werden die Messstationen von der e.Ray Europa GmbH.

In der Mecklenburgischen Seenplatte werden in diesem Jahr unter anderem der Useriner See, der Breite Luzin und der Plather See mit einer Wamo ausgestattet.

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Wieso sind die Meere salzig?

 



In die Meere schüttet natürlich niemand Salz. Hauptakteure sind der Wasserkreislauf (und hier besonders die Verdunstung) sowie die Beschaffenheit des Meeresgrundes.


Montage: SPREE-PR/Galda (Foto); canva

Mecklenburg-Vorpommern | Schleswig-Holstein

Wieso sind die Meere salzig?

Etwa zwei Drittel der Erdoberfläche bestehen aus Wasser. Von dieser riesigen Menge sind nur vier Prozent kein Salzwasser. In engem Zusammenhang hiermit steht der Wasserkreislauf.

Von vorn: Das Wasser ist die ganze Zeit sozusagen auf Reisen. Es fließt über und unter der Erde, es verdunstet durch Wärme und regnet als Regen wieder herab. Während es fließt, sammeln sich aus dem Gestein der Erde viele Mineralien im Wasser. Dazu gehören Natrium, Magnesium, Kalzium oder Chlorid. Die Verbindung Natriumchlorid kennen wir zum Beispiel als Kochsalz aus der Küche. Schließlich fließt das Wasser in die großen Ozeane der Erde – und mit ihm alle auf seinem Weg „eingesammelten“ Salze. Millionen Tonnen gelangen so ins Meer.

Salz rein, Wasser wieder raus

Gestein und Vulkane aus der Frühzeit der Erde auf dem Meeresgrund steuern ebenfalls einen großen Teil bei. Wissenschaftler gehen von durchschnittlich 35 Gramm Salz (also etwa 3 Esslöffel) in jedem Liter Meerwasser aus, macht 3,5 Prozent. In der Ostsee sind es etwas weniger als 2 Prozent, weil hier in ein recht kleines Meer viele Flüsse münden.

Wenn nun durch die Sonne noch zusätzlich Wasser verdunstet, wird der Salzanteil umso größer. Das verdunstete Wasser wiederum regnet salzfrei aus Wolken zurück auf die Erde. Dort beginnt das Wasser seine Reise durch das Gestein von Neuem.

Und das Wasser im See oder im Fluss? Das heißt zwar Süßwasser, ist aber genaugenommen nicht süß, sondern auch salzig. Nur sind Flüsse und Seen ständig in Bewegung, sodass sich hier kaum Salz ablagern kann, und es verdunstet weniger Wasser als aus den Meeren. Deshalb ist der Salzgehalt in „Süßwasser“ so gering, dass wir ihn nicht herausschmecken.

Ein Seifenexperiment zur Bestimmung der Härte.

Viel Calcium – wenig Schaum: Wasserhärte beeinflusst Seifenlöslichkeit

Die Wasserhärte drückt aus, wie viel an Mineralien enthalten ist. Je mehr, desto höher der Härtegrad. Ein Blick auf die Homepages der hiesigen Verbände gibt jederzeit Aufschluss. Will man die Härte selbst einschätzen, hilft ein kleines Experiment. Benötigt werden dazu ein etwas höheres Glas, Leitungswasser und Seifenlauge. Dafür löst man zum Beispiel einen Teelöffel Kernseife in 0,5 l Wasser auf. Das Glas wird nun etwa zur Hälfte mit Leitungswasser gefüllt. Dort hinein langsam ein wenig Seifenlauge geben und das Ganze leicht bewegen. Schäumt das Wasser sofort, muss es sich um recht weiches Wasser handeln, denn die Seife kann ungehindert schäumen. Im harten Wasser dagegen entsteht Schaum nur zeitverzögert. Dort reagieren die Tenside aus der Seife zunächst mit dem im Wasser vielfach gelösten Calcium zu Calciumsalz. Erst wenn diese Reaktion abgeschlossen ist, bildet sich Schaum.

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Ich sag beim Abschied leise servus

 



Kontinuität und Wandel: Der scheidende Geschäftsführer des WV Nord Ernst Kern (r.) mit seinem Nachfolger Michael Eickmann (l.) und dem ehrenamtlichen Verbandsvorsteher Martin Ellermann.

Foto: SPREE-PR/Galda

Schleswig-Holstein

Ich sag beim Abschied leise servus

KOWA SH. Das steht für Kooperation kommunaler Wasser- und Abwasserverbände Schleswig-Holsteins. Hier wird sich ausgetauscht über Fachthemen in den kommunalen Unternehmen. Gemeinsam will man noch stärker werden – für die Kundinnen und Kunden in der Region. Ende Februar verabschiedeten die Mitglieder einen von ihnen in den Ruhestand. Ernst Kern, Geschäftsführer des Wasserverbandes Nord in Oeversee und Gründungsmitglied, sagte servus.

Servus, weil der langjährige Geschäftsführer des großen Nord-Verbandes in den 1980er-Jahren ursprünglich mal aus Bayern in den Norden gekommen war, bevor er 1994 seinen Posten in Oeversee antrat. Hier erlebten ihn Mitarbeiter, Kollegen und Partner mehr als 30 Jahre mit einem freundlichen „moin“ auf den Lippen. Ernst Kern war angekommen, in einer Region, in seiner Berufung. In der Branche ist der WV Nord ein angesehener Verband, der die Aufgaben der Trinkwasserversorgung – und nach großem Engagement des Geschäftsführers und seiner Gremien – seit 2001 auch die der Abwasserreinigung erstklassig erfüllt.

Ernst Kern zeigte sich überzeugt von der Kraft der Verbände. „Wenn es sie nicht schon gäbe, müsste man sie erfinden“, sagte er nur halb im Scherz. Gebündeltes Know-how mit ausgebildeten Fachleiten und Spezialisten, weg vom Kirchturmdenken hin zu gemeinsamen Lösungen, kurze Entscheidungswege, günstigere Kostenstrukturen – und der Clou: alles in kommunaler Hand. Hier geht es nicht um kurzfristige hohe Rendite, sondern wird mittel- und langfristig gedacht und kostendeckend gearbeitet.

2011 schlossen sich zehn Verbände an der Westküste, von der dänischen Grenze an bis vor die Tore Hamburgs zusammen zur Interessengemeinschaft KOWA SH. Gemeinsam wollen die heute zwölf Mitglieder der kommunalen Wasserwirtschaft eine starke Stimme geben, sich austauschen, fortbilden und vergleichen – alles mit dem Ziel, noch besser zu werden.

Der aktuelle Vorsitzende Michael Schoop ist von Anfang an dabei und sagt über Ernst Kern: „Er ist ein Schwergewicht der deutschen Wasserversorgung, bekannt über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus. Er hat die KOWA mit seinen Erfahrungen, Ideen und Ratschlägen immer bereichert und war ein vertrauensvoller Ratgeber.“ Etwas Wehmut schwang daher bei der Verabschiedung mit: „Wir werden Ernst Kern als Menschen und Leitfigur in der KOWA vermissen, gönnen ihm aber von Herzen seinen Ruhestand!“

Oliver Lochstet, Geschäftsführer Wasserverband Nordangeln

“Besonders hervorzuheben sind das außergewöhnliche Engagement für die Wasserwirtschaft und seine Aufklärarbeit gegen die Kohlendioxidverpressung insbesondere hier im Norden Schleswig-Holsteins. In einer Zeit, in der diese Themen immer drängender werden, hat er sich mit viel Fachwissen und Leidenschaft für eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Lösung eingesetzt.“

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Wo einst Karl der Große Heere zusammenrief – der Verband zwischen Bode und Wipper

 



Alte Postkarten wie diese zeigen das Stadtbild – hier Alt-Staßfurt – an der Bodebrücke im Jahr 1910.

Sachsen-Anhalt

Wo einst Karl der Große Heere zusammenrief – der Verband zwischen Bode und Wipper

Das Verbandsgebiet des WAZV „Bode-Wipper“ ist geprägt durch seine Flüsse: Bode und Wipper. In einer zweiteiligen Serie geht die WASSERZEITUNG den beiden historischen Wasserwegen näher auf den Grund. Teil 1: die Bode.

Beim Blick in die Geschichte ist klar, dass Staßfurt in seiner Identität eng verstrickt ist mit seinem Fließgewässer. „Das zeigt ja schon der Name der Stadt“, sagt Rico Schäfer, Vorsitzender vom Staßfurter Geschichtsverein. Wie bei vielen Siedlungen, die an Flüssen ihren Ursprung haben, war es eine Furt, die den Übergang über das Fließgewässer ermöglicht hat und den Ort für Handel oder Kriegszüge interessant gemacht hat. Somit war es sinnvoll, sich dort anzusiedeln. „Staßfurt wurde erstmals urkundlich im Jahr 806 erwähnt“, berichtet Schäfer. Damals habe Kaiser Karl der Große zu einer Heeresversammlung zur Furt von „Starasfurt“ gerufen.

Erst Furt, dann Brücke

Etwa 50 Meter von der heutigen zentralen Bodebrücke aus entfernt habe die ehemalige Furt gelegen, sagt der Staßfurter. Eine Brücke zum Ausbau der Handelswege habe auch nicht lange auf sich warten lassen. „Die wurde über die Jahrhunderte immer wieder durch Hochwasser zerstört und wieder aufgebaut, wieder zerstört und wieder aufgebaut.“

Inzwischen hat Staßfurt natürlich mehrere Brücken, die das Stadtzentrum mit dem historischen Ursprung des Ortes, dem Stadtteil Alt-Staßfurt, verbinden. „Von hier aus hätte man vor rund 100 Jahren noch tolle Fotos machen können“, sagt Schäfer mit Bedauern in der Stimme und zeigt auf die Gebäude rund um die Bodebrücke an der Lehrter Straße. Ein paar historische Überbleibsel, wie etwa das schwarze Pferd auf dem ehemaligen Gasthaus „Schwarzes Ross“ oder das Staßfurter Landhaus sowie der derzeit in Sanierung befindliche Turm der St. Marienkirche, gibt es natürlich immer noch. Aber andere historische Gebäude sind inzwischen verfallen. Die ehemalige „Engländer-Fabrik“ ist 1902 sogar abgebrannt.

Zwischen den beiden Bodebrücken lag einst die Furt, die Staßfurt ihren Namen gab.

Fotos und Telefonbücher

Schäfer und seine historisch interessierten Mitstreiter des Staßfurter Geschichtsvereins ziehen für ihre Recherchen nicht nur alte Fotos, sondern auch Dokumente wie etwa alte Telefonbücher hinzu. „Da muss man dann ab und zu das überdenken, was man als historischen Fakt angenommen hatte“, sagt Schäfer. Früher sei die Bode für ihren Fischreichtum bekannt gewesen. Über 24 Fischarten wurden 1781 noch in Höhe Staßfurts in dem Fließgewässer dokumentiert. „Das wäre heute ein Traum“, sagt Schäfer. Denn die Industrie, die für die Einwohner von Staßfurt rund um den Salineabbau sowie später die Kalisalzförderung und andere Industrien so wichtig war, hat natürlich negative Auswirkungen auf die Ökologie ihres Flusses genommen. Schließlich sei Staßfurt lange eine reine Industriestadt gewesen.

Tödliche Bootsfahrt

Neben dem Blick zurück in die Vergangenheit der Stadt, schaut Schäfer auch in die Zukunft und hofft, dass die Bode irgendwann besser für die Freizeit der Bürger und eventuell auch den Tourismus genutzt werden kann. Etwa mit einem Radwanderweg und hübschen Rastplätzen am Wasser. Wie damals, als der ortsansässige Fischhändler Paul Lindenberg von 1928 bis 1932 auf dem ehemaligen Mühlgraben, einem künstlichen Nebenlauf der Bode, Bootsfahrten veranstaltete. Diese Freizeitbelustigung nahm jedoch ein tragisches Ende, als Lindenberg sich am 17. Juli 1932 bei einer solchen Fahrt an einer Brücke den Kopf stieß und zu Tode kam. Die Bootsfahrten wurden daraufhin eingestellt und der Mühlgraben in den 1970er-Jahren wieder zugeschüttet.

Wer sich für die Historie der Bode-Stadt Staßfurt interessiert, kann sich auf der umfangreichen Webseite des Geschichtsvereins kundig machen oder mit den Mitgliedern Kontakt aufnehmen.

Mehr Infos

Die Bode zwischen Sage und Fakten

Die Bode hat ihren Ursprung im Harz und wird aus zwei Quellflüssen gespeist: Die Kalte und die Warme Bode. Die Namen tragen die Bäche aufgrund eines Temperaturunterschiedes von zwei Grad. Sie vereinen sich bei Königshütte auf einer Höhe von 424 Metern. Nach ihrer 176 Kilometer langen Reise durch ein Einzugsgebiet von 3.000 Quadratkilometern mit zahlreichen Nebenflüssen mündet die Bode bei Nienburg in die Saale. Sie überwindet einen Höhenunterschied von 368 Metern. Der Zuflusspunkt liegt bei 56 Metern über dem Meeresspiegel. Trotz des Höhenunterschieds hat die Bode keine Wasserfälle zu verzeichnen. Es gibt lediglich kleine natürliche Fallstufen von bis zu einem Meter im oberen Verlauf.

An Weihnachten 1925 kam es im Bodetal zu einem derart starken Hochwasser, dass die Bode im Vergleich zum Sommer ein tausendfaches an Wassermenge führte, die das Tal hinunter rauschte und die noch aus Holz bestehende Jungfernbrücke bei Thale mit sich riss. Sie wurde aus Naturstein wieder aufgebaut. Das Hochwasserrisiko wurde in den folgenden Jahrzehnten durch Talsperren wie die Rappbodetalsperre, die 1959 entstand, entschärft. Dennoch kam es in den vergangenen Jahren verstärkt durch den Klimawandel immer wieder zu prekären Situationen im Verlauf der Bode.

Seinen Namen verdankt der Fluss der Sage um den Riesen Bodo, der bei der Verfolgung der Königstochter Brunhilde bei der heutigen Roßtrappe in die Schlucht stürzte, während das Pferd Brunhildes über den Abgrund sprang.

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„Wir investieren heute, um morgen Kosten zu sparen“

 



Auf der Kläranlage Hecklingen verschaffen sich der Technische Leiter Ralf Methner und WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer (v. l.) einen Überblick über die Potenzialstudie zur Energieoptimierung.

Sachsen-Anhalt

„Wir investieren heute, um morgen Kosten zu sparen“

Erneuerung, Instandhaltung, Erweiterung: Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind mit immensen Kosten verbunden. Die einzelnen Verbände müssen daher langfristig und umsichtig planen – so auch der WAZV „Bode-Wipper“. Verbandsgeschäftsführer Andreas Beyer erklärt im Interview, wie es im Staßfurter Verband läuft.

Herr Beyer, welche Investitionen sind für dieses Jahr im Trink- und Abwasserbereich geplant?

Unser Wirtschaftsplan 2025 sieht im Trinkwasserbereich die Erneuerung von rund 9,15 km Trinkwasserversorgungsleitungen und etwa 300 Hausanschlüssen vor. Davon sind etwa drei Kilometer noch ein Überhang aus dem vorherigen Wirtschaftsjahr. Im Abwasserbereich I steht die Erneuerung der Anlagenteile der Pumpwerke und Kläranlage ganz oben auf dem Plan sowie die Energieoptimierung. Für das Abwasser Gebiet II ist die Mischwasser­entlastung Hecklingen in der Staßfurter Straße das wichtigste Projekt. Dort steht die Errichtung eines Abschlagsbauwerks in den Beek an. Das Vorhaben ist allerdings nur mit Fördermitteln umsetzbar, auf die wir noch warten.

Wie hoch sind die Kosten?

Insgesamt ist ein Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro angesetzt, eine Rekordhöhe! Dazu zählen bereits bewilligte Fördermittel. Im Trinkwasserbereich fließen rund 7,5 Millionen Euro in die Verteileranlagen. Die Fördermittel-Zusage liegt hier bei 957.000 Euro. Für das Abwasser Gebiet I sind es 3,2 Millionen Euro, davon werden 1,7 Millionen für die Erneuerung von Anlagenteilen der Pumpwerke und Kläranlage sowie die energetische Sanierung verwendet. In die Verteileranlagen fließen 640.000 Euro. Für Fahrzeuge, Grundstücke und bauliche Anlagen müssen insgesamt 550.000 Euro verwendet werden.

Erfolgreicher Abschluss 2024: die Versorgungsleitung in der Gollnowstraße in Staßfurt.

Und im Abwasser Gebiet II?

Dort sind es insgesamt 3,1 Millionen Euro. Für technische Anlagen und Maschinen werden 840.000 Euro verwendet, 720.000 Euro für das Kanalnetz. 490.000 Euro werden für Fahrzeuge benötigt. Für Grundstücke, Bauten und bauliche Anlagen sind es 260.000 Euro. Auch im IT-Bereich sind Investitionen erforderlich, beispielsweise für Sicherheitssoftware, die vor Hackerangriffen schützt. Für Software und Lizenzen müssen 250.000 Euro aufgewendet werden.

Was ist besonders herausfordernd?

Die Baupreise steigen weiter an, daher sind wir vom WAZV ständig auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten.

Zum Beispiel?

Wir gucken genau hin. Wenn wir feststellen, dass im Ergebnis einer Ausschreibung die Kostenberechnung überschritten wird, heben wir die Ausschreibung auf. Zudem hat der Verband eine Datenbank mit vielen Baufirmen angelegt. Durch eine größere Beteiligung entsteht ein größerer Wettbewerb. Und wo es machbar ist, führt der WAZV Baumaßnahmen mit eigenem Personal durch.

Welche Bauvorhaben werden konkret umgesetzt?

Wir planen die Durchführung von drei Großmaßnahmen: Die Ortsdurchfahrt Neundorf, Schneidlingen Komplex Cochstedter Straße, Friedhofstraße, Poststraße, Oberstraße, Ritterstraße, Graue, Küstergrube und Stieg. Das sind 1,7 km, die verlegt werden müssen. Dazu kommt noch Staßfurt Komplex Dr.-Frank-Straße, Buchenweg und Lindenweg, insgesamt 1,5 km. Für die beiden Maßnahmen sind Fördermittel beantragt, die nur bei Bewilligung umgesetzt werden können. Das Bauvorhaben soll in zwei Jahresscheiben realisiert werden. Zudem plant der WAZV noch 15 kleinere Maßnahmen im Straßenbau, die nach Möglichkeit mit den Mitgliedsgemeinden durchgeführt werden.

Stichwort Mitgliedsgemeinden – wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie setzen wir uns mit den Gemeinden ein halbes Jahr vor Beginn des neuen Wirtschaftsjahres an einen Tisch, planen und besprechen die Maßnahmen, die wir gemeinsam durchführen wollen. Dies ist eine sehr konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Praxis sieht jedoch anders aus: Seit dem Wegfall der Straßenausbaubeiträge zum 01. 01. 2019 ist die Zusammenarbeit eine absolute Katastrophe.

Woran liegt das?

Den Gemeinden fehlen die finanziellen Mittel. Oftmals müssen deshalb Maßnahmen gestückelt oder ganz verschoben werden, was zu einer Schieflage im Investitionsplan des Verbandes führt. Allerdings kam es auch schon mehrfach vor, dass es umgekehrt war: Die Gemeinde erhält plötzlich Fördergelder und der Verband wird vom Straßenausbau überrascht. Dennoch ist es uns bisher immer gelungen, unsere Interessen auf einen Nenner zu bringen, denn bei Gemeinschaftsmaßnahmen halbieren sich in etwa die Kosten für die Leitungsverlegung. Unabhängig davon ist es jedoch immens wichtig, dass die Gemeinden eine ausreichende Finanzausstattung erhalten, um ihre Infrastruktur zu unterhalten. Es muss ja nicht immer erst eine Brücke einstürzen.

Auch bei der Erneuerung des Abwasserschachts in der Teichstraße in Westeregeln 2024 war Tiefbau nötig.

Welche Gesetzesvorlagen sind für den Verband schwer umzusetzen?

Eindeutig die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie, kurz KARL. Sie fordert bis 2045 eine vollständige Energieneutralität. Es soll jedoch Zwischenziele geben: 20 Prozent bis 2030, 40 Prozent bis 2035, 70 Prozent bis 2040 und 100 Prozent bis 2045. Aber schon 70 Prozent Energieneutralität zu erreichen, wird wirtschaftlich nicht sinnvoll sein.

Was ist Ihr erster Schritt in diese Richtung?

Auf dem Weg zum Zwischenziel 2030 planen wir für beide Kläranlagen die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage. Damit sollten wir jährlich zwischen 30.000 und 35.000 Euro Stromkosten einsparen. In vier bis fünf Jahren sollten sich die Anlagen bereits rechnen.

Danke für das Gespräch!

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