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Von Salz und Reben

 



Von Salz und Reben

Zwei Orte in den Verbands­gebieten zeigen, wie sie ihr historisches Kulturgut noch heute bewahren

Ob der Dom in Magdeburg, das Weltkulturerbe Quedlinburg oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz – Sachsen-Anhalt ist reich an kulturellen Schätzen und zieht zahlreiche Besucher an. Das Ergebnis sind oft überfüllte Plätze und lange Warteschlangen. Wer den Trubel lieber meidet, findet auch abseits der bekannten Routen spannende Orte. Die WASSERZEITUNG stellt zwei davon im Verbandsgebiet der Herausgeber, des WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und des WAZV „Bode-Wipper“, vor.

Für Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums Staßfurt, ist sein Museum ein Ort, der lokale Geschichte, zeitgenössische Kreativität und regionales Engagement miteinander verknüpft.


Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Salzstadt Staßfurt

Die Stadt an der Bode gilt als Geburtsort des weltweiten Kaliberg­baus und blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit dem 1. Januar 2026 trägt die Stadt den Beinamen „Salzstadt“, der auf ihre historische Verbindung zu Salz- und Bergbau verweist. Bereits 1852 wurden hier die ersten Kalischächte der Welt erschlossen und damit der Grundstein für die moderne Kaliindustrie gelegt. Das ­Kaliumchlorid, unter Tage gewonnen, wurde vor allem als Dünger genutzt und prägte die Landwirtschaft nachhaltig. Heute erinnern rund 20 Hinweisschilder an Staßfurts bergbauliche Vergangenheit und führen auf einem ausgewiesenem Stadtrundgang zu den einzelnen historischen Stationen. Wer tiefer in die Geschichte Staßfurts eintauchen möchte, wird im Stadt- und Bergbaumuseum fündig. Besucherinnen und Besucher erfahren hier alles über Salzgewinnung, Kalibergbau und deren Folgen für die Stadt. Die Sammlung umfasst unter anderem verschiedene Salzkristalle und Gesteine.  „Als Museum mit diesem Schwerpunkt verstehen wir uns als Gedächtnis der Stadt“, erklärt Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums.  „Staßfurt ist die Wiege des Kalibergbaus und ohne Salz nicht denkbar.“ Neben der spannenden Dauerausstellung zur Kalivergangenheit zeigt das Museum regelmäßig Sonderausstellungen. „Wir möchten unsere Gäste bewusst immer wieder mit neuen Präsentationen überraschen, die unterschiedliche Themen, Generationen und Perspektiven zusammenbringen“, sagt Michael Scholl.

In der Dauerausstellung erhalten Besucher tiefe Einblicke in den Salzbergbau Staßfurts.
Foto: Staßfurter Bergbaumuseum

Stadt- und Bergbaumuseum

Pestalozzistr. 6, 39418 Staßfurt

Eintritt Dauerausstellung: 2 €/ Erwachsene, 1 € ermäßigt.

Es können Klassen- und Gruppenführungen gebucht werden.

www.salzgrafenhaus.de

Ob Frühling, Sommer oder Herbst – die Weinberge in Jessen bieten einen atemberaubenden Anblick.
Foto: Weingut Hanke

Weinbautradition in Jessen

Auch wenn es draußen noch winterlich ist, lohnt sich schon jetzt ein Blick auf die sommerliche Jahreszeit. Wie wäre es mit sonnenbeschienenen Hügeln, einer weiten Aussicht und historischen Weinbergen, die seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägen? Dafür brauchen Sie nicht bis in die Toskana zu fahren, denn auch rund um Jessen blickt der Weinbau auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter wurden an den sonnigen Hängen rund um Jessen Weinreben angebaut, insbesondere am Gorrenberg, der als bedeutende historische Weinlage gilt. Das eher kühle Klima sowie sandig-lehmige Böden prägen den Charakter der Weine, die überwiegend als Landwein ausgebaut werden, vor allem als Weißweine.

Lage und Wetter in Jessen sorgen für die spritzige Note der regionalen Weine.


Foto: David Ludley Fotografie

Eine gute Möglichkeit, körperliche Aktivität mit malerischen Ausblicken zu verbinden und dabei Einblicke in die regionale Winzerei zu gewinnen, bietet eine Wanderung durch die Jessener Weinanlagen. In diesem Jahr findet zum ersten Mal der Weinwandertag in ­Jessen statt, ausgerichtet von den beiden regionalen Weingütern Zwicker und Hanke. Geplant ist ein Rundwanderweg, sodass Besucher und Weinwanderer an verschiedenen Punkten starten können. „Der Weg führt durch unsere Weingüter und an unseren persönlichen Lieblingsplätzen vorbei“, sagt Winzer Frank Hanke. „Es sind fünf bis sechs Stopps vorgesehen – jeweils bei den Weingütern und mitten hinein in die Weinberge, mit tollem Blick über das Elstertal.“ Johannes Zwicker von der Weinmanufaktur Zwicker ergänzt: „Wir möchten Touristen und Interessierten den Wein als regionales Kulturgut näherbringen. Dafür arbeiten wir Hand in Hand, denn wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Bewahrer eines gemeinsamen Erbes.“ Mit Blick auf den Weinwandertag fügt er noch hinzu:  „Wir freuen uns darauf und hoffen, viele Besucher an dem Tag begrüßen zu dürfen.“ 

Weinwandertag in Jessen

25.04.2026

Mehr Infos gibt es demnächst unter: www.zwicker-wein.de, www.weingut-hanke.de

Weitere Infos zur Weinregion Jessen: www.jessen.de > Tourismus und Freizeit

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Lasst uns Lebensräume schützen!

 



Mit der Natur des Jahres 2026 rücken bedrohte Tier- und Pflanzenarten ins Rampenlicht

Lasst uns Lebensräume schützen!

Die Liste des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ist auch in diesem Jahr lang. Egal ob Vogel, Fisch, Wildtier, Baum oder Alge: Insgesamt werden 29 Arten gelistet, die besonderen Schutzbedarf haben, denn durch Umwelteinflüsse ist ihr Lebensraum nicht mehr intakt.

Mit der „Natur des Jahres 2026“ möchte der NABU das Bewusstsein für konkrete Naturschutzthemen schärfen und Menschen zum Mitmachen bewegen. In den Medien, in der Politik, bei Bürgern, in Schulen und bei Veranstaltungen soll auf die zu schützenden Arten aufmerksam gemacht und der Naturschutz langfristig verbessert werden. Es geht vor allem um das Verständnis für unsere Natur, um die Rücksichtnahme bei den Entscheidern – zum Beispiel in Landwirtschaft und Umweltpolitik. Welche Tiere und Pflanzen dieses Jahr im Fokus stehen, verrät Ihnen unser kleiner Überblick.
  • Blume des Jahres: Der Feldrittersporn

    Graziler Farbtupfer sucht Lebensraum

    Foto: Hermann Timmann

    Er ist eine wahre Zierde, hat einen charakteristischen Sporn und leuchtende blau-violette Blüten: Der Feldrittersporn (lat.: Consolida regalis) war einst Ackerwildkraut, erstrahlte früher oft zwischen Getreidehalmen und bot Wildbienen und Schmetterlingen von Mai bis in den September hinein Nahrung. Doch durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln ist die Pflanze bundesweit selten geworden. Auf wilden, schonend genutzten Wiesen soll sich nun der Feldrittersporn wieder ansiedeln. Die einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse bevorzugt sonnige und kalkhaltige Böden und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Der Feldrittersporn steht 2026 stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Landwirtschaft stark zurückgedrängt worden sind.

  • Wildtier des Jahres: Der Rothirsch

    Imposanter König des Waldes

    Zeichnung: SPREE-PR/Petsch

    Der Rothirsch (lat.: Cervus elaphus) ist das größte heimische Wildtier. Männliche Tiere beeindrucken durch ihr imposantes Geweih. Rothirsche ernähren sich von Gräsern, Blättern und Rinde und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Obwohl er als „König des Waldes“ bekannt ist, leidet er stark unter Lebensraumverlust und der Zerschneidung seiner Wanderwege durch Straßen, Siedlungen und intensive Landnutzung. Diese Zerschneidung verhindert freie Bewegung und gefährdet den genetischen Austausch, es droht langfristig genetische Verarmung. Der Rothirsch braucht wieder mehr zusammenhängende Lebensräume, Wildtierkorridore und ein naturnahes Wildtiermanagement.

  • Baum des Jahres: Die Zitterpappel

    Grüner Tänzer im Wind

    Foto (Baum): R. Fenner

    In lichten Wäldern, auf Kahlschlägen oder in offenen Landschaften findet man die Zitterpappel (lat.: Populus tremula), die zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen gehört und bis zu 25 Meter hoch werden kann. Schon ein leichter Wind lässt ihre Blätter tanzen. In der Forstwirtschaft spielt die Zitterpappel, auch Espe genannt, eine wichtige Rolle, weil sie karge oder geschädigte Flächen schnell begrünt und den Boden verbessert. Singvögel finden hier ihre Nahrung, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz. Markant ist die leuchtend gelbe Herbstfärbung der Zitterpappel. Mit ihrer Wahl zum Baum des Jahres 2026 steht eine Baumart im Mittelpunkt, die uns daran erinnert, dass Bäume mehr sind als bloße Landschaftselemente – sie sind ein wichtiger Teil der Natur, den es zu bewahren gilt.

    Weitere Infos

  • Vogel des Jahres: Das Rebhuhn

    Kleiner Feldbewohner mit markanter Stimme


    Foto: NABU/Jan Piecha

    Mit seinem grau-braunen Tarngefieder führt das Rebhuhn (lat.: Perdix perdix) ein bodenständiges Leben, liebt Sand- und Staubbäder. Doch auch sein Zuhause ist durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden immer mehr in Gefahr. Seit 1980 ist der Bestand an Rebhühnern in Deutschland um 87 Prozent zurückgegangen. Was das Rebhuhn nun braucht? Mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft, vor allem aber mehr Offenland, also ungenutzte, große Flächen wie wilde Wiesen und Weiden. Das Rebhuhn gehört zur Familie der Hühnervögel und wird den Fasanenartigen zugeordnet. Seine Ernährung ist überwiegend vegetarisch – mit Vorliebe für Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide. Doch die Küken brauchen mehr: In den ersten Lebenswochen stehen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere ganz oben auf dem Speiseplan. Die Weibchen legen bis zu 20 Eier in gut versteckte Bodennester, während die Hähne in den frühen Morgen- und späten Abendstunden ihre raue Stimme erklingen lassen.

  • Fisch des Jahres: Der Europäische Wels

    Faszinierendes Schwergewicht und Räuber

    Foto: DAFV / Marcel Panne

    Im Sommer 2025 war der Wels (lat.: Silurus glanis) in den Schlagzeilen: In einem bayrischen See hatte der Raubfisch während seiner Brutzeit mehrfach Badegäste angegriffen. In den Medien wurde er daraufhin als gefährlicher Räuber dargestellt. Zugegeben, er schaut schon sehr grimmig und furchteinflößend aus, grundsätzlich ist der Waller, wie man ihn in Bayern nennt, aber ein ruhiger, nachtaktiver Zeitgenosse. Der mächtige Süßwasserfisch kann bis zu drei Meter lang und bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Er hat im Ökosystem von Flüssen und Seen eine wichtige Aufgabe, da er die Fischbestände reguliert und durch das Fressen von Aas und kranken Fischen zur Gewässergesundheit beiträgt. Er gilt als ungefährdet und als „Gewinner“ des Klimawandels. Die wärmeliebende Fischart profitiert vom Temperaturanstieg der Gewässer und vermehrt sich stärker. Der Wels steht stellvertretend für die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme.


Natur des Jahres – Wer entscheidet das?

Jedes Jahr wählen verschiedene Naturschutzorganisationen und Umweltverbände die Vertreter der Tier- und Pflanzenkategorien aus. Dazu zählen zum Beispiel: NABU, Deutsche Wildtier Stiftung, Deutscher Angelfischerverband e. V., Arbeitskreis Wildbienen-Kataster, Loki Schmidt Stiftung, Deutsche Gesellschaft für Mykologie, Stiftung Baum des Jahres.

Weitere Arten und Lebensräume 2026
Heilpflanze Gemeine Nachtkerze
Giftpflanze Gartenbohne
Moos Mecklenburgisches Schnabeldeckelmoos
Pilz Igelstachelbart
Wildbiene Glockenblumenschmalbiene
Schmetterling Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Lurch Alpensalamander
Insekt Warzenbeißer
Die komplette Liste der „Jahreswesen“ 2026 finden Sie unter: www.nabu.de/naturdesjahres

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„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

 



Über Kooperation und Austausch als Schlüssel für eine sichere Trinkwasserversorgung

„Gemeinsam für zukunftsfähige Lösungen“

Unsere neue Interviewreihe „Gesichter der Wasserwirtschaft“ stellt Menschen vor, die sich besonders für die Branche engagieren. Den Auftakt macht Jörg Schulze. Der gebürtige Hallenser leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und versteht sich als Koordinator komplexer Prozesse, die in der Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalts ineinandergreifen.

Unter der Leitung von Jörg Schulze bietet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen, um gemeinsam Strategien für eine nachhaltige Wasserversorgung zu entwickeln.


Foto: Markus Scholz

Herr Schulze, Sie haben eine beeindruckende Berufslaufbahn. Wie sind Sie zur Wasserwirtschaft gekommen?

Ursprünglich komme ich aus der Kreislaufwirtschaft. Beim Bau und Betrieb ­einer abfallbasierten Biogasanlage mit einer Verarbeitungskapazität von 120.000 Tonnen jährlich habe ich viel mit Hydraulik, Pumpen und biologischen Prozessen gearbeitet. Sowohl in der Wasser- und Abwasserwirtschaft als auch in der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Abläufe zu steuern. Gemeinsamkeiten, die mich umfassend auf die Wasserwirtschaft vorbereitet haben. Der Arbeitsbereich ist vielseitig: Verfahrenstechnik,  Energieoptimierung und rechtliche Vorgaben sind nur ein Teil der Aufgaben. Wir entwickeln Prozesse kontinuierlich weiter, um effizienter zu ­arbeiten und unser wichtigstes Lebensmittel zu schützen. Das ist für mich ein großer Ansporn.

Welche aktuellen Entwicklungen setzen die Wasser­wirtschaft besonders unter Druck?

Der Strukturwandelprozess in unserem Land einerseits und Klimaveränderungen sowie neue gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung des Umweltschutzes andererseits stellen die Wasserwirtschaft aus meiner Sicht vor fünf große Herausforderungen. Erstens müssen Schadstoffeinträge im Abwasser reduziert werden. Sie entstehen insbesondere durch ­höhere ­Medikamentenabgabe infolge der älter werdenden Bevölkerung, durch intensivere Bodenbewirtschaftung mit entsprechender Düngung sowie durch weitere Spurenstoffe und müssen mithilfe innovativer Verfahren und Technologien wirkungsvoll verringert werden. Nur so können wir die hohe Trinkwasserqualität sicherstellen. Zweitens: Wasserwirtschaftsprozesse sind energieintensiv. Die Energieeffizienz  wasserwirtschaftlicher  Anlagen muss unter Wahrung eines umweltökonomischen Ansatzes weiter optimiert werden, um zu erreichen, dass Energie- und Kosteneinsparungen miteinander verbunden werden. Drittens: Durch ein zielgerichtetes Niederschlagswassermanagement und eine wassersensible Stadt­entwicklung ist zu erreichen, dass eine ­signifikante Reduzierung der Einleitung des Niederschlagswassers in das Kanalnetz gesichert wird. Zwischengespeichertes Niederschlagswasser soll für die Stadtbegrünung und die Klimaverbesserung genutzt werden. Viertens sind wirkungsvolle technische und ­finanzielle Konzepte für den Erhalt und die Entwicklung unseres sehr wertintensiven Anlagevermögens zu erarbeiten. Und zuletzt stehen wir auch bei der Trinkwasserversorgung vor einem grundlegenden Umbruch, um die Bereitstellung vom Wasser den künftigen industriellen und gewerblichen Anforderungen sowie den in den letzten Jahren drastisch zugenommenen Spitzenlasten anzupassen.

„Die Wasserwirtschaft verändert sich ständig. Wenn wir innovative Lösungen entwickeln wollen, müssen wir uns über unsere Branche hinaus austauschen.”

Jörg Schulze

Hierzu müssen wir zurückblicken…

Nach 1990 führte der Wegzug vieler Menschen aus der ehemaligen DDR – verstärkt durch den Rückgang der Industrie – zu sinkendem Trinkwasserverbrauch, sodass Leitungen verkleinert werden mussten. Im Zeitraum 2012 bis 2022 haben wir einen Anstieg des Trinkwasserverbrauchs, insbesondere aus Industrie- und Gewerbeentwicklungen, um 9 Mio. Kubikmeter bei Reduzierung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um 50.000 Einwohner zu verzeichnen. Der Transformations- und Strukturwandel mit neuen, über viele Landkreise verteilten Gewerbegebieten und zusätzlichem Bedarf an neuen Standorten ist dabei noch nicht berücksichtigt. Da die Wasserwirtschaft langfristig plant, braucht es hierfür eine strategische Versorgungskonzeption und einen vernetzten Ansatz aller Beteiligten, die an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mitwirken. Aus diesem Grund wurde 2023 das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft gegründet.

„Wir brauchen neue Konzepte, um den Trinkwasserbedarf heute und morgen zu sichern.“

Jörg Schulze

Welche Bedeutung hat das im Dezember 2025 vorgestellte Wasserversorgungskonzept?

Das Konzept für Sachsen-Anhalt wurde mit Unterstützung der zuständigen Landes­institutionen erarbeitet. Sämtliche Daten, die zur Beurteilung der Wasserversorgung dienen, wurden einbezogen. Um das Konzept praxisnah zu gestalten, wurden die vom Kompetenzzentrum erstellten Daten mit den 18 größten Wasserversorgungsunternehmen von Sachsen-Anhalt, die 93 % der Gesamtwasserversorgung repräsentieren, abgestimmt. Auf der Grundlage von Daten des Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und in Abstimmung mit den Wasserversorgungsunternehmen wurden nicht nur die Kapazitäten, sondern auch die Dargebote ermittelt. Statistisch wurden die Bedarfe, insbesondere aus industrieller und gewerblicher Entwicklung, für die nächsten 10 bis 20 Jahre bestimmt. Aus der Gegenüberstellung von Dargebot, Kapazität und Bedarf wurden 17 Maßnahmen der Entwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastruktur vorgeschlagen. Um den Wasserbedarf von Sachsen-Anhalt, der in den kommenden Jahren erheblich steigen wird, sicherzustellen, stellt das Land ca. 116 Mio. Euro Förderung bereit. Spitzen- und Grundlastkapazitäten sowie Speicher müssen erweitert oder neu gebaut werden.

Wie werden Wasser- und Abwasserverbände im ländlichen Raum in das Konzept mit eingebunden?

Damit kommen wir zum zweiten Schritt des Konzepts, an dem wir gerade arbeiten: die Verteilungsnetze. Natürlich gibt es auch eigenständige, regional arbeitende Wasserversorger, aber etwa 75 Prozent der Versorgung in Sachsen-Anhalt laufen über Fernwassernetze. Die Verbände übernehmen die lokale Verteilung. Aktuell prüfen wir gemeinsam mit ihnen, wie die Netze zukünftig dimensioniert werden müssen. Ich lade alle kommunalen Versorger ein, sich gerne an uns zu wenden und in unserem Netzwerk mitzuwirken – ein Netzwerk lebt vom Austausch. Gerade kleinere Zweckverbände können bei schwierigen Fragestellungen von unserer Zusammenarbeit mit Hochschulen, Universitäten und Ingenieurbüros profitieren. Je mehr Input wir erhalten, desto praxisnäher und wirksamer können unsere Konzepte sein. Denn unser Ziel ist klar: Wir dienen der Wasserwirtschaft, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Steckbrief Jörg Schulze

Foto: Markus Scholz

Jörg Schulze, 1957 in Halle geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er studierte Betriebswirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Über 10 Jahre war er Geschäftsführer der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH, bevor er 2022 in den Ruhestand ging. Im selben Jahr wurde er Botschafter der Umweltallianz Sachsen-Anhalt. Seit 2023 arbeitet er bei der Stadtwerke Halle GmbH, leitet das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und engagiert sich in mehreren Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsgremien.

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Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

 



Welche Bauprojekte für den WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ und den WAZV „Bode-Wipper“ für 2026 anstehen

Investitionen für eine sichere Trinkwasserversorgung

Während das Jahr vielerorts noch langsam Fahrt aufnimmt, arbeiten unsere Herausgeber, die Wasser- und Abwasserzweckverbände „Bode-Wipper“ und „Elbe-Elster-Jessen“, bereits intensiv an neuen Vorhaben. In der ersten Ausgabe der WASSERZEITUNG stellen sie ihre Großprojekte im Bereich Trinkwasser für 2026 vor.

Bald rollt der Bagger an: Im Mai soll die komplexeste Baumaßnahme in Jessen starten.

Foto: SPREE-PR/ Gückel

Gleich vier Großprojekte plant der WAZV „Elbe-Elster-Jessen“ für das Jahr 2026. Das umfangreichste davon ist der Neubau einer zentralen Trinkwasserleitung zum Hochbehälter in Jessen. „Das ist die mit Abstand komplexeste Baumaßnahme, die wir in diesem Jahr umsetzen werden“, sagt WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey. Die neue Hauptleitung wird in insgesamt sieben Bauabschnitten verlegt. Der erste Abschnitt ist für den Zeitraum von Mai bis Ende November 2026 vorgesehen. „Das ist ein echter Kraftakt, der eine sehr sorgfältige Planung erfordert“, betont Thomas Giffey. „Unser Ziel ist es, die weiteren Bauabschnitte möglichst zügig umzusetzen, damit sich die Bauzeiten nicht unnötig in die Länge ziehen.“ Nach der Verlegung und Inbetriebnahme der neuen Trinkwasserleitung wird die bestehende Altleitung außer Betrieb genommen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Auch in der Weinbergsiedlung stehen Arbeiten an: Dort werden die Trinkwasserleitungen erneuert. „Für die Bauarbeiten ist vor allem der enge Bauraum auf dem Mittelweg eine Herausforderung“, erklärt der Verbandsgeschäftsführer. Zusätzlich werden im Ortsteil Leipa rund 525 Meter Trinkwasserleitung sowie 28 Hausanschlüsse neu verlegt.

Mit der Verlegung einer neuen Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin wird die Versorgungssicherheit erhöht.
Foto: SPREE-PR/ Gückel

Versorgungssicherheit stärken

Darüber hinaus ist der Neubau einer Verbindungsleitung zwischen Axien und Prettin geplant, insgesamt  3.900 Meter. Einschränkungen für Anwohner sind hier nicht zu erwarten. „Mit dieser Maßnahme erhöhen wir gezielt die Versorgungssicherheit“, erklärt Giffey. Denn im Falle eines Leitungsschadens können wir so schneller reagieren und die Trinkwasserversorgung stabil halten.“ Alle geplanten Baumaßnahmen dienen der langfristigen Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur. „Unser Ziel ist es, eine zuverlässige und sichere Wasserversorgung auch für die kommenden Jahre zu gewährleisten“, fasst WAZV-Geschäftsführer Thomas Giffey zusammen.

Für den WAZV „Bode-Wipper“ ist es ein Mammutprojekt, das bereits im vorherigen Jahr gestartet ist: die Baumaßnahme an der Ortsdurchfahrt L 72 in Neundorf. Die WASSERZEITUNG berichtete darüber in der Februar-Ausgabe 2025. Nach elf Monaten zieht WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer eine Zwischenbilanz.

Die Gemeinschaftsmaßnahme zwischen dem WAZV, der Stadt Staßfurt und der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) umfasst unter anderem die Verlegung von 2.570 Meter Trinkwasserleitungen und die Installation von rund 90 Hausanschlüssen. „Es handelt sich um eines der größten zusammenhängenden Bauprojekte der vergangenen Jahre für unseren Verband“, sagt Andreas Beyer. Eine große Herausforderung ist der eng getaktete Zeitplan.
Eine unerwartete Schwierigkeit trat im Bauabschnitt zwischen Ortseingang Neundorf und der Rathmannsdorfer Straße auf. Dort wurden beim Neubau der Straßenentwässerung mehr Straßeneinläufe realisiert als ursprünglich vorhanden waren. Dadurch würde mehr Regenwasser in den Mischwasserkanal gelangen, der für diese Wassermengen nicht ausreichend dimensioniert wäre. In der Folge mussten vier Haltungen des Kanals ausgetauscht werden. Die Kosten übernimmt der LSBB. Dadurch entstand ein Zeitverzug von rund vier Wochen. Um die Erreichbarkeit für Anwohner und Gewerbetreibende zu verbessern, wurde der aktuelle Bauabschnitt nochmals unterteilt. „Wir befinden uns hier etwa bei der Hälfte des Abschnitts“, so Beyer.

Bauprojekt erfordert Flexibilität

Trotz dieser Herausforderung fällt das Gesamtfazit positiv aus. „Gemeinschaftsmaßnahmen erfordern immer Kompromisse, aber insgesamt verlief und verläuft die Zusammenarbeit mit der LSBB wie auch mit dem Ingenieurbüro und der Baufirma sehr gut“, betont Andreas Beyer. Finanziell ist das Bauprojekt bisher wesentlich günstiger als die Kalkulation ergeben hat. „Das wirkt sich für uns leider nicht nur positiv aus“, sagt Beyer und erklärt: „Aufgrund des günstigeren Ausschreibungsergebnisses dürfen wir rund 400.000 Euro an Fördermitteln nicht abrufen. Umso unverständlicher ist es für uns, dass eine andere, bereits zugesagte Maßnahme vom Land mit dem Hinweis auf fehlende Mittel nicht gefördert wird.“

Trotz unerwarteter Schwierigkeiten konnte der WAZV den ersten Bauabschnitt in Neundorf erfolgreich abschließen.
Foto: WAZV „Bode-Wipper”

Aufgrund der Baumaßnahmen ist die Ortsdurchfahrt Neundorf weiterhin gesperrt.
Foto: SPREE-PR/Wolf

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Wasser Zeitung Online – Klartext-Interview mit OWA-Geschäftsführer Christian Becker

Wasser Aktuell

Wasser Aktuell

Foto: SPREE-PR/Petsch

Klartext-Interview mit OWA-Geschäftsführer Christian Becker

Die Osthavelländische WASSER ZEITUNG fragte den OWA-Geschäftsführer Christian Becker über die Perspektiven der Versorgung mit Trinkwasser in der Region. Christian Becker ist seit 2021 Geschäftsführer der OWA (Falkensee) und Sprecher der Initiative Trinkwasserversorgung Metropolregion (ITM).

Herr Becker, immer wieder ist zu lesen, dass die Grundwasserreserven in Brandenburg perspektivisch nicht ausreichen. Könnte das Wasser knapp werden?

Für das Land Brandenburg lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Zu unterschiedlich sind die lokalen Grundwasserreserven und Nachfragen. Seit 2017 befasst sich die „Initiative Trinkwasserversorgung Metropolregion“ (ITM) mit der langfristigen Wasserversorgung. Ihr gehören die Berliner Wasserbetriebe und 19 an Berlin grenzende Wasserversorger an. Wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Zuzug, Ansiedlung von Unternehmen, teilweise wenig Wasser. Um Lösungen zu finden, müssen wir folgende Fragen beantworten: 1. Wie viel Wasser wird benötigt? 2. Was ist vorhanden? 3. Wieviel fehlt? 4. Wo fehlt es? Im ersten Schritt betrachteten wir die Bevölkerungsprognosen und errechneten den Wasserbedarf. Bis 2050 könnten bis zu 700.000 Menschen nach Berlin und ins Umland ziehen, einwohnermäßig würde die Metropolregion um mehr als die Stadt Leipzig wachsen. Unter Berücksichtigung der absehbaren wirtschaftlichen Entwicklung ermittelte die ITM den Trinkwasserbedarf. In Brandenburg steigt er um 10 bis 20 Mio. m3, in Berlin um 20 bis 30 Mio. m3. Diesem Mehrbedarf müssen wir das sogenannte Dargebot gegenüberstellen, also die potenziell nutzbare Menge an Grund- und Oberflächenwasser.

Wasser nimmt keine Rücksicht auf Versorger- und Landesgrenzen. Hier beginnen die Probleme, denn leider kennen wir die Wasservorräte nicht. Es gibt keine überregionale Erfassung des Dargebots. Hier sind die Länder in der Pflicht. Mittlerweile wird – auch durch Einwirken der ITM – eine entsprechende Modellierung bearbeitet, die voraussichtlich drei Jahre dauert. Aktuell ist Punkt 2 also die drängende Hausaufgabe. Abzusehen ist, dass in einigen Regionen um Berlin das Wasser knapp werden könnte. Möglicherweise muss es irgendwann auch „importiert“ werden. Durch die Ansiedlung von Tesla rückten die begrenzten Wasservorräte in den Fokus der Öffentlichkeit, nicht nur östlich von Berlin.

Ich möchte die zeitliche Dimension erläutern: Allein die Erkundung neuer nutzbarer Grundwasservorkommen dauert fünf Jahre. Es folgt eine ähnlich lange Genehmigungs- und Planungsphase. Bis neue Wasserwerke und Leitungen gebaut und am Netz sind, sind etwa zehn Jahre vergangen. Deshalb ist es so wichtig, in die Gänge zu kommen. Die Diskussion um Tesla gibt uns hoffentlich etwas Rückenwind. Von Spekulationen, aus welcher Wasserader von Elbe über Oder bis hin zur Ostsee die Metropolregion zukünftig versorgt werden muss, halte ich heute wenig.

Wie wirken sich das Klima beziehungsweise die Trockenheit der letzten Jahre auf das
Grundwasser aus?

In den Wasserwerken der OWA fördern wir ausschließlich Grundwasser. In unserer Region gibt es mehrere Grundwasserleiter, die durch Bodenschichten voneinander getrennt sind. Der oberste Grundwasserleiter hat dabei in der Regel „direkte Verbindungen“ zu den Oberflächengewässern. Er ist oft erheblichen Schwankungen unterworfen, wie man in den letzten Jahren an den Wasserständen der Flüsse und Seen erkennen konnte.

Wir fördern unser Wasser aus tieferliegenden Schichten zwischen 30 und 120 m Tiefe, dem sogenannten zweiten oder dritten Grundwasserleiter. Hier bildet sich das Grundwasser nicht direkt nach einem Regen neu, sondern es dauert sehr viel länger, bis das Wasser in tiefere Lagen sickert. Tieferliegende Grundwasserleiter sind deshalb mehr von der langfristigen Entwicklung beeinflusst als von einem einzelnen Hitzesommer.

Wenn es allerdings fünf Jahre in Folge unterdurchschnittlich regnet, wirkt sich das auch hier aus. Andererseits registrieren wir in den letzten Jahren eine Verlagerung von Niederschlägen in die Wintermonate. Über die langfristigen Auswirkungen dieser Verschiebung auf tiefere Grundwasserleiter gibt es noch keine verlässlichen Datengrundlagen.

Was bedeutet das konkret für die OWA und die Wasserversorgung im Havelland und Oberhavel?

Bei der Betrachtung unterscheide ich, welche Aspekte wir als Wasserversorger selbst gestalten können und welche nicht. In unserer Hand liegen die Kapazitäten der Wasseraufbereitung und -verteilung. Hier hat die OWA unter meinem Vorgänger Günter
Fredrich ihre Hausaufgaben bestens gemeistert. Wir unterhalten ein Verbundnetz zwischen den Hauptwasserwerken in Staaken und Hennigsdorf, in das außerdem die kleineren
Wasserwerke Pausin und Flatow einspeisen. Im Wasserwerk Staaken wurde die Aufbereitung 2010 erneuert. Das Wasserwerk Hennigsdorf erhielt in den vergangenen zehn Jahren zwei große Trinkwasserspeicher. Dank der grundsanierten Trinkwasseraufbereitung stieg die Trinkwasserqualität noch einmal deutlich, vor allem in den Paramatern Eisen und Mangan. Das Verteilnetz wurde sukzessive erneuert bzw. höher dimensioniert. Nicht beeinflussen können wir die für uns nutzbaren Grundwasservorkommen. Langfristig gesicherte Entnahmemengen gibt es für das Wasserwerk in Hennigsdorf.

Für das Wasserwerk in Staaken befinden wir uns seit 2016 in einem noch laufenden Bewilligungsverfahren. Dort werden wir weniger fördern dürfen, das ist bereits sicher; wieviel ist jedoch ungewiss. Wir ermittelten in Staaken Vorkommen, die auch bei wachsendem Bedarf eine sichere Versorgung mit einer angemessenen Kapazitätsreserve ermöglichen. Insofern gehe ich auch zukünftig von einer sicheren Wasserversorgung aus.
Dennoch: Käme in unserem Versorgungsgebiet ein Wasserverbraucher der Größenordnung Tesla hinzu, wäre die Kapazitätsreserve mit einem Schlag verbraucht. Wir stünden vor den gleichen Problemen wie das östliche Umland. Ebenfalls nicht beeinflussen können wir die behördlichen Auflagen zum Wassersparen. In den vergangenen Sommern verfügten einige Landkreise zeitlich befristete Sprengverbote. Angesichts der aktuellen Diskussion und ähnlichen Sommern wie in den vergangenen fünf Jahren dürfte sich das wiederholen.

Viele Grundstücksbesitzer bewässern ihre Gärten aus eigenen Brunnen. Wie wirkt sich das auf den Wasserhaushalt aus?

Die Gartenbrunnen ziehen ihr Wasser aus oberflächennahen Grundwasserleitern in maximal 10 Meter Tiefe. In unseren Wasserwerken entnehmen wir Grundwasser aus Tiefen zwischen 30 und 120 Metern. Die Grundwasserschichten sind untereinander nicht direkt verbunden. Sie beeinflussen sich aber indirekt, weil das entnommene Wasser nicht für eine Grundwasserneubildung in tieferen Schichten zur Verfügung steht. Prinzipiell macht ein Gartenbrunnen das vorhandene Grundwasser für Pflanzen nutzbar. Es wird quasi an der gleichen Stelle entnommen und wieder eingeleitet, abzüglich dem, was die Pflanze braucht.

Was hat es mit der hiesigen Wasserhärte und dem Eisengehalt des Trinkwassers auf sich?

Das Wasser von unseren großen Wasserwerken Staaken und Hennigsdorf ist „hart“. Hartes Wasser steht für einen hohen Gehalt an Calcium und Magnesium. Die Härte bezeichnet eine Eigenschaft des Wassers, sie ist kein Qualitätsproblem. Eine Reduzierung der Wasserhärte im Werk würde nicht nur hohe Kosten verursachen, man müsste auch gravierend in die Wasserchemie eingreifen. Kaum ein deutscher Wasserversorger entcarbonisiert hartes Wasser im Werk. Die unliebsamen Auswirkungen wie Kalkflecken und Verkalkung treten mehrheitlich mit warmem Wasser auf. Hauptsächlich wird Leitungswasser aber kalt genutzt.

Die vermeintlich hohen Eisengehalte, die übrigens immer unter den Grenzwerten lagen, gehören seit den sanierten Wasseraufbereitungen in den Wasserwerken Staaken und Hennigsdorf der Vergangenheit an. Jedoch kann es bei hohen oder stoßartigen Wasserabnahmen – etwa bei Feuerwehreinsätzen oder wenn gleichzeitig Pools gefüllt oder Gärten gewässert werden – zu leichten Druckstößen im Netz kommen. Dabei können sich Teile der Inkrustationen lösen und mitgeschwemmt werden, die das Wasser leicht verfärben.

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Wasser Zeitung Online – Novellierung der Kommunalabwasserrichtlinie: Wie weit muss das Verursacherprinzip reichen?

Wasser Aktuell

Wasser Aktuell

Novellierung der Kommunal­abwasser­richtlinie: 
Wie weit muss das Verursacher­prinzip reichen?

Ein Beitrag von Klaus Arbeit, Projektleiter der WASSER ZEITUNG

Menschliches Handeln zieht Konsequenzen nach sich. Eine simple Wahrheit. Dass wir uns dieser Gesetzmäßigkeit nicht entziehen können, beweist uns das Klima in zunehmender Dramatik. Leugnen ist zwecklos. Bleibt die Frage, wie wir den unangenehmen Konsequenzen begegnen. Je nach Parteifarbe werden verschiedene Optionen in die Diskussion eingebracht: Verzicht, sparen, neue Technologien. Einig sind sich wohl alle vernünftigen Stimmen darin, dass nur eine Option auszuschließen ist – nichts zu tun.

Dass durch den Klimawandel Missstände ins Bewusstsein rücken, kann die Siedlungswasserwirtschaft nur begrüßen. Seit vielen Jahren mahnen ihre Branchenverbände, die mehr als 10.000 Kläranlagen in Deutschland nicht als Reparaturbetrieb der Gesellschaft zu missbrauchen. Ihrem Auftrag gerecht zu werden – die gefahrlose Einleitung des umweltgerecht geklärten Abwassers in die Vorfluter – erfordert wachsenden Aufwand. Denn in der Kanalisation landet weit mehr, als es im „Sinne des Erfinders“ ist. Nutzen Sie gerne einen „Tag der offenen Tür“ auf Kläranlagen, Sie werden über die immense Reichweite des Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn ins Staunen geraten. Die mechanische Reinigungsstufe (Rechen) entfernt auch „groben Unfug“. Und nach biologischer (Sauerstoffzufuhr) und chemischer Abwasserreinigung (Stickstoff und Phosphor eliminieren) erfüllt das Klärergebnis die gesetzlichen Vorgaben.

Weg vom „Status quo“

Und wenn für Inhaltsstoffe noch gar keine Vorgaben existieren? Wie steht es denn um Arzneimittel, Kosmetikreste oder Mikroplastik auf den Kläranlagen? Das von der WASSER ZEITUNG um Infos gebetene Labor winkt ab: „Diese Parameter sind derzeit noch nicht gesetzlich geregelt.“ Es ist jedoch unbestritten, dass viele Arzneimittelwirk- und andere Spurenstoffe durch die vorhandene Klärtechnik nicht vollständig aus dem Abwasser entfernt werden. Das Umweltbundesamt berichtet seit Jahren von einer zunehmenden Belastung der Gewässer mit Arzneimittelrückständen.

Kein Wunder: Die meisten Wirkstoffe werden vom Körper zumindest teilweise unverändert ausgeschieden. Also, was tun? Verzicht – unmöglich. Neue Technologien – denkbar. Die sogenannte vierte Reinigungsstufe entfernt Spurenstoffe per Ozonierung oder Aktivkohle-Filtration. Doch das hieße ein Festhalten am Status quo: Die Kläranlagen „biegen gerade“, was andere verursachen. Warum nicht die Verursacher haftbar machen?

Arzneiverbrauch steigt

Genau das will die laufende Novellierung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie erreichen: eine „erweiterte Herstellerverantwortung“, also die Probleme ab der Quelle schädlicher Einträge anpacken. Im Archiv der WASSER ZEITUNG können wir weit zurückblättern, um diese Forderung der Branche zu finden. Eine Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aus dem Jahr 2017 besagte, dass die Überalterung der Gesellschaft und der steigende Pro-Kopf-Verbrauch zu einem Anstieg des Medikamentenbedarfs um bis zu 70 Prozent bis 2045 führen. Die Hersteller seien deshalb gefordert, umweltschädliche Wirkstoffe nach Möglichkeit zu ersetzen. Dazu könnten sie nun von Brüssel gezwungen werden. Und mehr noch. Die Pharmaindustrie soll sich finanziell am Bau vierter Reinigungsstufen – zur Entfernung sogenannter Spurenstoffe – beteiligen, abhängig von der „Quantität und Toxizität“ der angebotenen Produkte.

Zustimmung und Kritik

Das trifft unter anderem beim Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) auf Zustimmung. „Nicht zuletzt wird dadurch auch ein Anreiz gesetzt, eine möglichst nachhaltige Produktentwicklung und Produktion zu priorisieren“, erläutert Dr. Verena Riedl, Teamleitung Biodiversität, wie die Einträge deutlich reduziert werden müssten, um Ökosystem sowie das Trinkwasser zu schützen. „Der Gesetzgeber sollte daher auch Maßnahmen ergreifen, um das Verbraucherbewusstsein für Umweltwirkungen zu schärfen sowie diese Auswirkungen schon bei der Zulassung von Arzneimitteln stärker zu berücksichtigen.“ Auf Anfrage teilt uns der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) mit, die Bemühungen zur Verminderung des Spurenstoffeintrags in die Umwelt bereits seit Jahren zu unterstützen. Den aktuellen Plänen zur Überarbeitung der Kommunalabwasserrichtlinie trete man allerdings „entschieden entgegen“. Begründung: Der Eintrag von Spurenstoffen in Gewässern unterliege unterschiedlichen Kausalketten, es kämen verschiedene Verursacher in Betracht.

Was von der Novellierung am Ende übrig bleiben wird?
Wir berichten!

Prof. Uli Paetzel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA)
Foto: David Ausserhofer

PRO
Nicht auf Pharma und Kosmetik beschränken

„Die in der Novellierung der Kommunalabwasserrichtlinie vorgesehene erweiterte Herstellerverantwortung nimmt eine seit Jahren bestehende Forderung der Wasserwirtschaft auf und findet die vollumfängliche Zustimmung der DWA. Sie nimmt die Pharma- und Kosmetikindustrie in die Pflicht, setzt das Verursacherprinzip um und beinhaltet eine Lenkungsfunktion in Richtung umwelt- und wasserfreundlicherer Arzneimittel und Kosmetika. Allerdings sollten sich die Regelungen nicht auf die Pharma- und Kosmetikindustrie beschränken, sondern auf weitere chemische Stoffe ausgeweitet werden. Die DWA wird sich daher in den kommenden Monaten in Berlin und Brüssel intensiv dafür einsetzen, dass die erweiterte Herstellerverantwortung vollumfänglich in die finale Fassung der Novellierung eingeht und der Entwurf hier nicht auf Druck der Pharma- und Kosmetikindustrie entscheidend aufgeweicht wird.“

BU: Im Podcast der WASSER ZEITUNG (deezer, spotify uam.) erklärt Marten Eger, technischer Geschäftsführer der LWG Cottbus, wofür eine vierte Reinigungsstufe wichtig ist.
Foto: SPREE-PR / Petsch

KONTRA
Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

„Eine einseitige finanzielle Belastung pharmazeutischer Unternehmen zur Umsetzung des Verursacherprinzips ist aus unserer Sicht nicht sachgerecht. Grundsätzlich machen Arzneimittelwirkstoffe nur einen geringen Anteil aller registrierten chemischen Stoffe aus und werden auch nur in geringeren Mengen eingesetzt. Obwohl Mikroverunreinigungen nachweisbar durch viele unterschiedliche Stoffgruppen hervorgerufen werden, ist nicht nachvollziehbar, warum die pharmazeutische Industrie einseitig zusätzliche Kosten tragen soll. Im Rahmen des Verursacherprinzips müssen alle verantwortlichen Verursacher einer Umweltbelastung die Kosten für deren Vermeidung oder Beseitigung tragen. Gesundheitsschutz ist folglich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein ebenso gesamtgesellschaftlicher Ansatz zur Finanzierung einer 4. Reinigungsstufe ist daher zielführender, so wie ihn etwa die Schweiz verfolgt.“

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