Skip to main content

Blick in ein verborgenes Kraftwerk

Fleißarbeit in den Faultürmen

Wer schon einmal an einem Tag der offenen Tür auf die Faultürme gestiegen ist, kennt die tolle Aussicht über die Kläranlage. Doch das wirklich Spektakuläre spielt sich im Inneren ab: In den Behältern entsteht aus Klärschlamm Biogas – der Treibstoff für unsere Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme für die Anlage liefern. Jetzt steht ein seltenes Ereignis an: Zum ersten Mal seit 35 Jahren wird einer der beiden Türme komplett geleert und von innen inspiziert – eine Operation am offenen Herzen unserer Anlage.

Andreas Korrenz, Leiter Werke, kennt alle Details.
Foto: LWG

Was macht diese Inspektion so besonders?

Andreas Korrenz: Ein Faulturm ist ein geschlossenes Ökosystem: Sauerstoff bleibt draußen, Mikroorganismen arbeiten drinnen – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Korrosion ist dadurch in den unteren Bereichen kaum möglich. Spannend wird es oben, im „Kopf“ des Turms, wo der Pegel schwankt – die sogenannte Wechselzone. Genau hier untersuchen wir mit Messungen und Spezialkamera den Zustand des Behälters. Das Ergebnis fließt dann in eine langfristige Instandhaltungsplanung ein.

Wie leert man einen Faulturm?

Ein Faulturm fasst 8.000 Kubikmeter Schlamm. Zunächst wird der Schlamm über Rohrleitungen aus dem Turm abgelassen, anschließend entwässert und zur thermischen Verwertung abtransportiert. Klingt unspektakulär, ist in dieser Dimension aber eine Herausforderung: Normalerweise entsorgen wir 50 bis 100 Tonnen Klärschlamm pro Woche – hier muss in kurzer Zeit ein Vielfaches bewegt werden. Ist der Turm leer, geht es ins Innere: Mit Drohnen‑ und Messtechnik wird der Behälter sorgfältig untersucht. Während der gesamten Maßnahme läuft der zweite Faulturm weiter und sichert die Gasproduktion.

Warum lohnt sich der Aufwand?

Weil Klärschlamm Energie ist. Das Biogas aus der Vergärung versorgt unsere energieintensive Anlage nahezu vollständig – ein echter Hebel und Schutzschild gegen schwankende Energiepreise.

Jede vorbeugende Instandhaltung der Faultürme zahlt direkt auf Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit ein.