STRESSTEST FÜRS ROHRNETZ
MAWV-Trinkwassernetz funktioniert auch unter Extrembedingungen zuverlässig
Wenn im Winter tagelang Temperaturen weit unter null herrschen, steht das Trinkwassernetz unter Stress. Für den Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverband (MAWV) sind solche Extremsituationen jedoch gut beherrschbar: „Unser Netz ist so ausgelegt, dass es auch unter schwierigen Witterungsbedingungen stabil funktioniert. Die Störanfälligkeit hält sich insgesamt in Grenzen“, sagt MAWV-Technikchef Falko Börnecke.

Bei tagelangem Frost können Rohre im Erdreich Schaden nehmen. Folge: vereiste Straßen wie hier in Bestensee.



Besonders stark investiert wurde in Verbundleitungen sowie größere Transport- und Hauptleitungen. Groß dimensionierte Stahlleitungen beispielsweise konnten in grabenlosen Verfahren saniert werden – mit einer prognostizierten Lebensdauer von 50 bis 70 Jahren. Zusätzlich wurden Knotenpunkte gezielt erneuert und kritische Anlagen mit Notstromaggregaten ausgestattet, um auch bei Stromausfällen handlungsfähig zu bleiben.
Aktuell setzt der MAWV seine Erneuerungsprogramme unter anderem in Schulzendorf fort. Für 2026 ist dort ein Sanierungsprogramm für alte Stahl- und Graugussleitungen – etwa im Ulmenweg, in der Jahnstraße, Waldstraße, im Kastanienweg und in der Paarmannstraße – mit einem Investitionsvolumen von rund einer Million Euro vorgesehen. Zudem ist für Alt-Schulzendorf ein Inliner-Programm ab 2026/2027 geplant.
Messbare Erfolge – und realistische Einschätzung
Die Investitionen zeigen Wirkung: Die durchschnittliche Sanierungsrate lag zwischen 2014 und 2024 bei 0,67 Prozent pro Jahr. Die Wasserverluste betrugen im selben Zeitraum durchschnittlich fünf Prozent – ein Wert im deutschen Mittelfeld (Vergleich 2024: 6,1 Prozent). „In modernisierten Netzabschnitten sehen wir einen deutlichen Rückgang von Wasserverlusten und Havarien“, betont Börnecke. Dennoch gibt es sensible Bereiche: oberflächennahe Leitungsabschnitte, ältere Hausanschlüsse oder Übergabestellen zwischen Verbundleitungen mit Druckwechseln. Auch längere Stromausfälle können Risiken bergen – etwa durch Einfrieren oder hydraulische Veränderungen. „Deshalb setzen wir konsequent auf Notstrom- und Spülkonzepte“, so Börnecke.
Frost als operativer Stresstest
Hauptleitungen liegen in der Regel in 0,8 bis 1,2 Metern Tiefe und sind damit gut vor Frost geschützt. Kritisch wird es bei flach verlegten Abschnitten, Bauwerksquerungen, Hydranten oder Hausanschlüssen in der Nähe von Außenwänden. „Mehrere Tage Dauerfrost unter minus fünf Grad gelten als technischer Schwellenwert“, erklärt Börnecke. Schäden zeigten sich dann aber häufig erst beim Tauwetter.
Der MAWV reagiert mit erhöhter Netzbeobachtung, einer Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft und Erstreaktionszeit von unter 60 Minuten im Störungsfall. Durch das weitverzweigte Trinkwassernetz, Verbundleitungen zu Nachbarverbänden sowie mobile Ersatzlieferung mit Wasserwagen und Behältern ist die Versorgung auch in Ausnahmesituationen gesichert. „Unser Rohrnetz ist kein starres System, sondern wird kontinuierlich weiterentwickelt“, fasst Börnecke zusammen. „Gerade in Zeiten extremer Wetterlagen zahlt sich diese vorausschauende Investitionsstrategie aus.“