WAL klotzt ran – während der Amtsschimmel kräftig wiehert
Wie das „Lausitzer Revier“ gegen Bürokratie kämpft
Niedrige Wasserpegel, dürstende Natur, Hitzestress für alle: „Wasser wird zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.“ – So formulierte es die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. Ende August in einer Pressemitteilung. Doch wie der WAL bei seinen kräftigen Investitionen für den Trinkwasserverbund „Lausitzer Revier“ feststellen muss, ist diese Erkenntnis noch nicht überall angekommen – zum Beispiel in Genehmigungsbehörden.

Foto: WAL; KI generiert (Pferd)
Dass dem Lausitzer Revier das Lebenselixier nicht ausgeht, dafür arbeiten der WAL und fünf benachbarte sächsische Partner in ihrem einmaligen, länderübergreifenden Trinkwasserverbund eng zusammen. Die neue bzw. erweiterte Infrastruktur für höchste langfristige Versorgungssicherheit in der gesamten Region fügt sich Stück um Stück zusammen. „Unsere beiden aktuellen Projekte liegen punktgenau im Zeitplan“, schaut Verbandsvorsteher Christoph Maschek auf die Terminpläne für die neu zu bauenden Druckerhöhungsstationen von Lauchhammer und Allmosen. „Ich müsste wahrscheinlich sagen, dass wir ‚noch‘ im Zeitplan liegen, denn im Herbst nehmen uns die behördlichen Vorgaben ordentlich in den Schwitzkasten.“
Ein Zaun für den Zaun
Die neue Druckerhöhungsstation Lauchhammer entsteht gleich neben der bisherigen, zu Füßen des historischen Wasserturmes am Stadtwald. Durch die Bauarbeiten ist eine zeitlich begrenzte Störung der heimischen Tierwelt unvermeidlich. Dafür hat der Gesetzgeber vorgesorgt. Demgemäß wurden notwendige Maßnahmen auf einer Orts-Begehung besprochen. Doch wo liegen die Grenzen des „Notwendigen“?
„Wir wurden also zum Beispiel aufgefordert, um den Amphibienschutzzaun am Waldrand einen weiteren Bauzaun aufzustellen, damit die Baufirmen den Amphibienschutzzaun nicht beschädigen!“, atmet Christoph Maschek tief durch. „Vielleicht weil doppelt besser hält? Das kostet alles Geld und Zeit!“ Und damit nicht genug. „Außerdem darf im Prinzip erst eine Stunde nach Sonnenaufgang mit Bauaktivitäten begonnen werden, die spätesten eine Stunde vor Sonnenuntergang aufzuhören haben – um die Vögel nicht zu stören.“ Das hieße, im Herbst bliebe den Arbeitern wenig Tageslicht übrig. „Als Konsequenz hat die bauausführende Firma ein Beleuchtungskonzept erstellt.“ Was das am Ende bedeutet, liegt für Christoph Maschek auf der Hand: „Nämlich auch, dass ich den Gesamtzeitraum, in dem ich die Vogelwelt hier störe, unnötig verlängere. Ich finde, an dieser Stelle müssen Entscheidungen mit gesundem Menschenverstand her – auch in den zuständigen Naturschutzbehörden.“ Ein kurzer Anruf bei Unklarheiten könnte vieles „auf kurzem Dienstweg“ entschärfen.
Schema F auf DIN A 4
Mit Fragestellungen, die mit dem eigentlichen Bauprojekt nichts zu tun haben, kämpfen die Projektverantwortlichen beim Wasserverband Lausitz Tag für Tag. Ein auf Vergaberecht spezialisierter Rechtsanwalt begleitet die Investitionen fürs „Lausitzer Revier“, um mit allen Verpflichtungen bis auf die letzte Kommastelle konform zu gehen und späteren behördlichen Prüfungen standhalten zu können. „Angesichts der Größe unserer Investitionen suchen wir meist schon vorab das Gespräch mit den Mitarbeitern der zuständigen Genehmigungsbehörden, aber dort muss man erstmal offene Ohren finden“, beklagt der Verbandsvorsteher seine limitierten Möglichkeiten, drohende Zusatzaufgaben klein zu halten. „Es gibt immer wieder Verwaltungsvorgaben, die ohne jede Ortskenntnis vom Schreibtisch aus nach Schema F formuliert werden. Das wird in aller Regel unseren Bedürfnissen nicht gerecht. Und ich betone: Wir erwarten keine Sonderbehandlung. Aber wir reden in unserem Fall über unverzichtbare Daseinsvorsorge, also die Versorgung mit dem Lebensmittel Nr. 1, dem Trinkwasser.“
20 % Bürokratiekosten
Flora-Fauna-Kartierung, Entwässerungskonzepte für Photovoltaikanlagen, Ersatzpflanzungen auf Ausgleichsflächen. – Derartige Kosten, die neben der Bauleistung selbst aufzubringen sind, summieren sich beim Wasserverband Lausitz mittlerweile auf rund 20 Prozent einer Investition. „Auch das muss ja jemand bezahlen, und zwar der WAL-Kunde“, fasst es Christoph Maschek mal in konkrete Zahlen: „Wenn ich also für die erwähnten Druckerhöhungsstationen in Allmosen und Lauchhammer rund 1,1 Millionen Euro Eigenmittel aufwende, gehen allein mehr als 200.000 Euro für sogenannte Baunebenkosten drauf.“
Es sei unabdingbar, den Turbo in Sachen Entbürokratisierung zu zünden, so der Verbandsvorsteher. Die „luxuriösen Zeiten“, in denen Bürokratie zähneknirschend aber ohne wirtschaftlichen Schaden bewältigt werden konnte, seien längst vorbei. „Die Wasserwirtschaft als Teil der kritischen Infrastruktur investiert ja nicht zum Spaß, sondern um den Alltag aller Menschen und Unternehmen unter immer schwierigeren weltpolitischen und klimatischen Bedingungen am Laufen zu halten.“ Notwendig – ja, notwendig! – seien pragmatische Lösungen, die der Bedeutung der Daseinsvorsorge – auch als Voraussetzung für neue wirtschaftliche Ansiedlungen! – gerecht werden.
Reges Bautreiben im Trinkwasserverbund Lausitzer Revier
Die einzelnen Mitglieder im Trinkwasserverbund „Lausitzer Revier“ setzen derzeit zahlreiche Projekte aus dem technischen Gesamtkonzept um. Als Vorstand der ewag kamenz bin ich dem Wasserverband Lausitz sehr dankbar, dass wir in enger kooperativer Zusammenarbeit die Baumaßnahmen sowohl beim WAL in Brandenburg als auch im Gebiet der ewag kamenz in Sachsen top vorbereiten und somit gut baulich umsetzen können. So machen wir gemeinsam die Trinkwasserversorgung fit für die Zeit nach dem Braunkohlebergbau!


