Ein sehr altes Dorf und doch so jung
Wer nach Nitzahn kommt, landet in einem Dorf, das auf den ersten Blick unspektakulär wirkt. Äcker, Kiefernwälder, Wiesen und Weiden prägen die Landschaft. Doch Nitzahn hat etwas, worauf die Einwohner stolz sind: Bereits 992 wurde das Dorf als „Neziuni“ urkundlich erwähnt, so früh wie kein anderes in der Region.

Reinhard Zander und Ortsvorsteher Frank Tschöpe vorm alten Mühlenstein. Nitzahn ist über tausend Jahre alt und freut sich an seinem Ruhm als ältestes Dorf des Havellandes. Foto: SPREE-PR/Leue
Ortsvorsteher Frank Tschöpe und Reinhard Zander, einer der ältesten Einwohner und engagierter Nitzahner, kennen die Geschichte ihres Dorfes genau. Zanders Familie lässt sich nachweislich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Die entscheidende Dorfurkunde wurde vor vielen Jahren jedoch vom früheren Ortschronisten Hermann Jäger im Kloster Memleben im Harz entdeckt. Eine Schenkungsurkunde, auf der „Neziuni“ erstmals Erwähnung fand. Nitzahn wurde damals zwischen kirchlichen Besitzern weitergegeben. „Wir sind früher von einer Kirche zur anderen verschenkt worden“, erzählt Reinhard Zander. Aus heutiger Sicht klingt das kurios. In der damaligen Zeit war es nicht ungewöhnlich. Und im nächsten Jahr ist das wieder ein Grund zum Feiern: 1035 Jahre Nitzahn.
Spuren aus Jahrtausenden
Die Geschichte reicht sogar noch weiter zurück. Auf dem erhöht liegenden Gelände wurden Urnengräber entdeckt, die auf eine mehrere Jahrtausende alte Besiedlung hinweisen. Bis ins 16. Jahrhundert verfügte Nitzahn über ein Mühlen- und Fischereirecht. Eine Wassermühle stand einst in der Nähe, später gab es eine Windmühle. Deren Ende kam 1972, als sie bei einem Sturm umkippte. Ein alter Mühlenstein an der Dorfstraße erinnert heute daran.
Viele junge Menschen und ein aktives Dorfleben
Doch wichtiger als die lange Geschichte ist den Nitzahnern die Gegenwart. Im Dorf wohnen rund 280 Menschen. „Das Schöne ist, dass eigentlich alle Häuser belegt sind und hier ein Haufen junge Leute leben“, sagt Frank Tschöpe. 18 Kinder unter 16 Jahren gibt es derzeit. Nicht nur ihretwegen hat Nitzahn ein lebendiges Gemeinschaftsleben. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Freiwillige Feuerwehr. Sie unterhält eine Jugendfeuerwehr und nutzt den Sportplatz für Training und Veranstaltungen. Höhepunkt ist jedes Jahr der „Nachtlauf“ am Abend des 2. Oktober. Rund 15 Feuerwehren aus dem Havelland und Sachsen-Anhalt treten dabei gegeneinander an. Im Dunkeln muss die Technik möglichst schnell aufgebaut werden. Bei Bockwurst und Bier wird das Zuschauen für die Besucher zur geselligen Veranstaltung.
Überhaupt wissen die Nitzahner zu feiern, gern auch mit ihren Gästen. Ein absolutes Highlight ist die „Gartenweihnacht“. Auf einem etwa 200 Meter langen Weg stehen vor den Häusern Stände, der Weihnachtsmann kommt mit dem Trabi und Kinder können basteln. „Dafür brauchen wir echt keine Werbung zu machen. Es ist auch so voll genug“, erzählt Frank Tschöpe lachend.
Kneipe, Kirche und Zusammenhalt
Stolz ist der Ortsvorsteher auch auf seine Rentnergruppe. Jeden Mittwoch treffen sich die Senioren, bei größeren Veranstaltungen kommen 25 bis 30 Menschen zusammen. Sogar eine Gaststätte gibt es noch, wovon viele Brandenburger Dörfer nur noch träumen. Dort treffen sich die Einwohner zum Fußballschauen, besonders zur Bundesliga. Einige sind sogar leidenschaftliche Fans des nicht gerade um die Ecke liegenden FC Hansa Rostock. Sie fahren sogar regelmäßig ins Stadion.
Ein etwas seltenerer, aber doch wichtiger Treffpunkt ist die Dorfkirche. Am stärksten natürlich zu Weihnachten. Jüngst gab es dort jedoch auch ein Musical-Projekt mit Kindern aus Nitzahn und den umliegenden Dörfern. Das benachbarte Knoblauch mag zwar mit seiner Maiparty oder dem Oktoberfest als „Partydorf“ der Umgebung gelten, aber diese kleine Rivalität nehmen die Nitzahner gelassen. Sie sind immerhin das Dorf mit der längsten Geschichte. Viel wichtiger jedoch: Die Geschichte ist alt, das Dorf selbst aber alles andere als ausgestorben.
Wassersteckbrief
Trinkwasser:
- Versorgung durch Wasserwerk Rhinow
- Trinkwasseranschlüsse: 95
- versorgte Einwohner: 336
- TW-Hauptleitungen: 2,2 km
- TW-Hausanschlussleitungen:1,2 km
- Anschlussgrad: 98,2 %
Schmutzwasser:
Die Schmutzwasserentsorgung erfolgt zu 100 % dezentral über abflusslose Sammelgruben und Kleinkläranlagen.