DREI VOLLTREFFER
Mit „frühlingsfrischem Personal“ in die Verbands-Zukunft
Die Wasserwirtschaft braucht in den kommenden Jahren Nachwuchs. Vor allem gut ausgebildeten. Zwar hat die Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen eine deutlich ältere Mitarbeiterschaft, aber beim WAV Elsterwerda ist man seit Längerem darauf eingestellt – und hat entsprechend gehandelt.

Fabio Claudius und Verbandsvorsteher Maik Hauptvogel (oben), Til Küster (li.) und Ricci Timm (re.).
Fotos (3): LWG; SPREE-PR/Krickau; SPREE-PR/Petsch
„Die Verjüngung der Belegschaft erfordert strategisches Handeln“, bringt es Maik Hauptvogel auf den Punkt. „Wann genau die älteren Fachkräfte in den Ruhestand gehen werden, ob wir rechtzeitig ausreichend qualifizierten Ersatz finden, der die steigenden Anforderungen durch Digitalisierung und Klimawandel bewältigen kann, ist nicht planbar. Die Betriebssicherheitsstandards aber müssen wir jederzeit gewährleisten.“
Gar nicht graue Theorie
Über ein entsprechendes Personalentwicklungskonzept hat sich der Verbandsvorsteher schon vor Längerem Gedanken gemacht.
Die wichtigsten Punkte:
- Oberste Priorität: Sicherung der Arbeitsfähigkeit des Verbandes
- Technologischer Wandel und strenge EU-Umweltanforderungen brauchen Personal mit entsprechenden Qualifikationen
- Optimierung von Produktivität und Arbeitsqualität durch gezielte Mitarbeiter-Fortbildung
- Fachpersonal und Führungskräfte aus den eigenen Reihen gewinnen
- Förderung von Talenten
Erfreuliche Praxis
„Mit der regelmäßigen Ausbildung seit 2014 sowohl im Trinkwasser- als auch im Abwasserbereich und der anschließenden Übernahme als Jung-Facharbeiter hat der WAV frühzeitig mit der Verjüngung des Personals begonnen. So konnte sich der Nachwuchs bereits vieles vom Wissens- und Erfahrungsschatz der langjährigen Mitarbeiter aneignen“, berichtet Maik Hauptvogel. Er denkt hier insbesondere an Tom Engelmann oder Paul Lehmann. Hinzu kamen fähige Bewerber „von außen“: Lebensmitteltechnikerin und Abwasserfachfrau Sabrina Münch vom damaligen Betriebsführer oder Elektrotechniker Felix George und im mehr und mehr digitalisierten Verwaltungsbereich des Verbandes unter anderen Nancy Engelmann und Judith Weser.
Entgegen allgemeinem Trend
Dass es vor allem in technischen Berufen in der Energie- und Wasserwirtschaft schwierig ist, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren, ergab die Fachkräfteengpassanalyse der Agentur für Arbeit von 2024. „Das können wir glücklicherweise nicht bestätigen“, freut sich Maik Hauptvogel über drei „Volltreffer“ beim WAVE: Ricci Timm, Fabio Claudius und Til Küster.
„Herr Timm war schon als Azubi auffallend gut“, sagt der Verbandsvorsteher. „Er hat in Dresden bei einer renommierten Bildungsgesellschaft gelernt. Danach bekam er ein Stipendium von der IHK für eine weitergehende Qualifizierung.“ Gemeinsam haben sich Ricci Timm und der Verband für die Meisterschule entschieden. „Sein fachliches und menschliches Potenzial wollen wir fördern und langfristig auch mit Führungsverantwortung für den Abwasserbereich nutzen.“
Lobeshymnen stimmt er auch über seinen Jung-Facharbeiter an: „Herr Claudius zeigte schon als Azubi im Trinkwasserbereich überdurchschnittliche fachliche Eignung in Theorie und Praxis und nutzte die Doppelqualifizierung in der Berufsschule. Jetzt gilt es, all das im Interesse unserer Kunden zu nutzen und Erfahrungen zu sammeln, die ihn mittelfristig fit machen für Führungsverantwortung.“
Für Til Küster schmiss der Verband sogar kurzerhand den Personalplan um: „Eigentlich war 2025 noch kein Azubi vorgesehen. Da er aber bei einem Praktikum mit Herzblut, Interesse und seiner freundlichen Art auffiel, konnten mich die Kollegen im Abwasserbereich und Herr Küster im Bewerbungsgespräch davon überzeugen, dass wir genau solche Mitarbeiter für die Bewältigung der Herausforderungen in der Wasserwirtschaft brauchen.“
Danke schön, LWG-Lehrwerkstatt!
„Diese tollen Leistungen wären ohne die hervorragende Verbundausbildung in der LWG-Lehrwerkstatt Cottbus nicht möglich“, hebt Maik Hauptvogel hervor.
Ricci Timm – auf dem Weg zum Meister
Alter: 24
Wohnort: Massen (Niederlausitz)
beim WAVE seit: 2019
Meisterschule seit: Oktober 2024

Die morgendliche Probenahme im Belebungsbecken ist für Ricci Timm mittlerweile Routine.
Foto: SPREE-PR/Petsch
Herr Timm, ganz allgemein: Wie waren die zurückliegenden anderthalb Jahre?
Anstrengend, aber auch erfolgreich. Die Basisqualifikation und den Ausbilderschein habe ich bereits in der Tasche. Die Ausbildereignungsprüfung gilt laut Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) als Nachweis der berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikation. Damit bin ich jetzt berechtigt, Ausbildungen in nach dem Berufsbildungsgesetz geregelten Ausbildungsberufen durchzuführen.
Oh, Glückwunsch! Vielen Dank.

Auch in den Pausen wird viel gefachsimpelt, damit das umfangreiche Erfahrungswissen nicht verloren geht.
Foto: SPREE-PR/Petsch
Man hört immer wieder, die Meisterschule sei ein hartes Stück Arbeit. Wie oft wollten Sie schon hinwerfen?
Gar nicht! Die Chance, eine durch die IHK geförderte Weiterbildung machen zu können, gibt es nicht so oft. Und in meinem Alter sollte man das auf alle Fälle nutzen. Außerdem ist es eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag auf der Kläranlage.
Wenn Sie die Meisterschule hinter sich haben, sehen Sie sich dann gerüstet für eine spätere Leitungsfunktion – oder gehört das nicht zu Ihrem Lebensplan?
Doch, das möchte ich sehr gern, Verantwortung im Verband übernehmen. Ich denke, dass mich nicht nur die Meisterschule dafür rüstet. Das betriebliche Zusammenspiel beim WAVE gehört auch dazu. Hier mache ich wichtige Erfahrungen und lerne genauso viel Neues.
Wann war Ihnen klar, dass Sie perspektivisch „führen“ möchten?
Das wusste ich von Anfang an. Deshalb habe ich bereits im Vorstellungsgespräch erfragt, wie es beim WAV Elsterwerda mit Fortbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten aussieht.
Wie erleben Sie den Generationswechsel ganz konkret im Arbeitsalltag?
Ältere und sehr erfahrene Kollegen gehen in Rente oder stehen kurz davor. Es ist schwierig, dieses Wissen zu ersetzen. Die Ausbildung und Förderung von eigenen Fachkräften, wie es beim WAVE funktioniert, ist da ein guter Weg, denke ich.
In welchen Situationen wird Ihnen bewusst, wie wertvoll das Wissen der „alten Hasen“ ist?
Jedes Mal, wenn sie Tricks verraten und Tipps geben, die für mich neu sind. Dann merke ich, dass die Wasserwirtschaft stark von Erfahrungen lebt. Diesen Wissensschatz versuche ich mir anzueignen und zu speichern. Ich frage viel, denn nur so kann meiner Meinung nach der Wissenstransfer gelingen und man von den langjährigen Erfahrungen auch profitieren.
Welche Werte oder Arbeitsweisen der älteren Generation sollten unbedingt bewahrt werden?
Das hört sich vielleicht altmodisch an, aber Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit gehören für mich unbedingt dazu.
Wo braucht es Ihrer Meinung nach neue Denkweisen oder Strukturen?
Ich finde, in allen Lebensbereichen ist es wichtig, sich nicht nur auf ein Ziel oder einen Weg zu versteifen, sondern offen für viele Möglichkeiten zu sein. Das fällt der jüngeren Generation vielleicht etwas leichter.
Welche Rolle spielen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität in Ihren Vorstellungen von moderner Führung?
Nachhaltigkeit sollte in einem umwelttechnologischen Betrieb in der Wasserwirtschaft immer höchste Priorität haben. Digitalisierung und Arbeitgeberattraktivität sind aus meiner Sicht ein Zusammenspiel, um ein zukunftsfähiges, motiviertes Team zu haben bzw. aufbauen zu können und seine Mitarbeiter langfristig im Unternehmen halten zu können.
Welche Rolle kann Ihre Generation bei der Bewältigung der Herausforderungen für die Wasserwirtschaft der Zukunft spielen?
Frischen Wind, neue Sichtweisen und Leichtigkeit in ein Unternehmen zu bringen, ist immer gut. Damit entsteht auch Mut zu Veränderungen bzw. Weiterentwicklung.
Was hat Sie ursprünglich in die Wasserwirtschaft „getrieben“?
Ich wollte einen Beruf, der auch zukünftig relevant ist. Berufe in der Trink- und Abwassertechnik sind es. Im Abwasserbereich hat mir vor allem die Vielseitigkeit im Arbeitsalltag gefallen und dass ich aktiv zum Umwelt- und Gewässerschutz beitragen kann. Denn ich bin auch in meiner Freizeit viel in der Natur und am Wasser.
Wenn Sie in 15 Jahren zurückblicken – worauf möchten Sie stolz sein?
Auf den kommenden Industriemeister-Abschluss und weitere Fortbildungen, die mich immer wieder in die Lage versetzen, alle Herausforderungen meistern zu können. Auch darauf, dass man durchgezogen und auch in stressigen Phasen nicht gezweifelt hat.
Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die überlegen, in die Wasserwirtschaft einzusteigen?
Wer sich in der Region wohlfühlt, aktiv etwas für die Umwelt leisten möchte und einen abwechslungsreichen, zukunftsfähigen Beruf sucht, sollte zumindest über ein Praktikum nachdenken, um ein Gespür für unseren Wirtschaftszweig zu bekommen.
Fabio Claudius – Berufsstart mit Bestnoten
Alter: 19
Wohnort: Hohenleipisch
Ausbildung: 2022 bis 2026
beim WAVE seit: 31. Januar 2026

Jörg Lange, Ausbildungsleiter der LWG (li.), gratuliert seinem nun ehemaligen Schützling zum hervorragenden Ausbildungsabschluss.
Foto: LWG

Der junge, neue Mitarbeiter im Trinkwasserbereich wurde am 31. Januar von Verbandsvorsteher Maik Hauptvogel (re.) und Wassermeister Heiko Pirschel (li.) herzlich willkommen geheißen.
Foto: SPREE-PR/Krickau
Herausragende Leistungen
Schon in den Zwischenprüfungen zeigt sich, dass Fabio Claudius vom WAV Elsterwerda zu den besten Azubis des Jahrgangs gehört. Am 30. Januar 2026 schließlich steht er bei der Freisprechung stolz zwischen seinen Mit-Auszubildenden: Bessere Zeugnisse als er bekommt keiner: Fachabi mit Durchschnitt von 1,1 – Facharbeiter-Theorie 97 von 100 Punkten – Facharbeiter-Praxis volle Punktzahl!
Berufsnachwuchs, den sich der Verband nicht entgehen lässt. Einen Tag nach der Freisprechung, am 31. Januar 2026, beginnt der erste Tag im Berufsleben von Fabio Claudius im Wasserwerk Oschätzchen.

Die Freisprechung seines motivierten Auszubildenden Fabio Claudius (re.) ließ sich WAVE-Wassermeister Heiko Pirschel nicht entgehen.
Foto: LWG
In der Praxis weiterlernen
Und damit das reibungslos klappt mit dem Generationswechsel, sind im Trinkwasserbereich die Teams immer altersgemischt unterwegs. „So kann ich mir von den erfahrenen Kollegen eine Menge abschauen oder immer wieder erfragen, was ich aufgrund fehlender Erfahrungen nicht wissen kann“, sagt der begeisterte „Schwalbe“-Fahrer. „Das reicht von Kniffen bei der Hausinstallation bis zu Praxistipps, wie man am besten in engen Kellern klarkommt.“
Digitalisierung aktiver gestalten
Fabio Claudius ist klar, dass seine Generation diejenige ist, die beim Thema Digitalisierung vorangehen und alle anderen mitziehen sollte: „Ich denke, Zettelwirtschaft ist nicht mehr zeitgemäß. Beispielsweise sind ausreichend Tablets auch in der Wasserwirtschaft nötig, um effektiv, schnell und kundenorientiert zu arbeiten. Digitalisierung ist ein Stück Zukunft, das wir heute schon haben können und auch sollten.“
Seine ganz persönliche Berufs-Zukunft sieht der Jung-Facharbeiter beim kommunalen Wasser-Abwasser-Dienstleister in Elsterwerda. „Ich möchte jetzt in der Praxis noch vieles von den älteren Kollegen lernen und auch gern meinen Meister machen. Alles Weitere werden wir sehen“, sagt der sympathische junge Mann lachend.
Til Küster – Azubi außer der Reihe
Alter: 17
Ausbildung: 2025 bis 2029 zum Anlagenmechaniker für Instandhaltung

Für Til Küster (2. v. l.) begann im September 2025 ein neuer Lebensabschnitt: seine Ausbildung. In der LWG-Lehrwerkstatt wurden er und seine Mitstreiter von Sebastian Lindner, LWG-Geschäftsführer (li.), dem Technischen Leiter des WAV Elsterwerda Sylvio Graf und LWG-Ausbildungsleiter Jörg Lange (re.) begrüßt.
Foto: LWG
Auch mit Til soll der Generationswechsel beim WAVE gelingen. „Interessierte, fleißige und aufgeschlossene junge Leute wie Herrn Küster zu erkennen und unbürokratisch beim Verband zu halten, gehört zu unserer Personalplanung für einen geräuschlosen Generationswechsel“, betont Verbandsvorsteher Maik Hauptvogel.
Und da Til bei seinem Praktikum „Abwasser geleckt“ hat, nahm ihn der Verband als neuen Azubi. „Die Verbundausbildung bei der LWG ist richtig mega. Erstmal kann ich hier Zusatzqualifikationen wie den Schweißerlehrgang oder die Ausbildung zur Elektrofachkraft absolvieren – was sinnvoll für den Bereich Instandhaltung ist. Und ich mache wie Fabio die Doppelqualifizierung, also Abitur neben der Ausbildung.“
Nach ersten Gesprächen in der Lehrwerkstatt in Cottbus wächst mit Til Küster eine weitere passable Säule an Mitarbeiter-Nachwuchs beim WAVE heran.

