Wenn Regen zum Problem wird
Der Sommer 2026 war einer der wärmsten seit 1881. Neben großer Trockenheit brachte er auch lokalen Starkregen mit sich. Zwei Wettereigenschaften, die sich nicht nur im Sommer zeigen, sondern auch in anderen Jahreszeiten Böden, Landschaft und Wassersysteme vor große Herausforderungen stellen.
Auch bei Hitze und Trockenheit sorgt der ZV dafür, dass ausreichend Trinkwasser vorhanden ist. Die Herausforderungen dafür werden mit zunehmenden Extremwetterlagen jedoch größer. Foto: SPREE-PR; KI-generiert
Bleibt der Regen über längere Zeit aus, geraten Böden unter Stress. „Besonders die sandigen Böden – und davon haben wir auf der Insel Usedom sehr viele – verlieren dann schnell ihre Feuchtigkeit“, sagt Thomas Schnaak, Leiter der Wasserversorgung beim Zweckverband. Ohne Feuchtigkeit trocknet die obere Schicht aus, wird hart und kann späteren Regen schlechter aufnehmen. „Das Wasser läuft dann oberflächlich ab, anstatt im Boden gespeichert zu werden.“
Auch die Landwirtschaft spürt diese Veränderungen. Pflanzen benötigen Wasser nicht nur zum Wachsen, sondern auch, um Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen. Längere Trockenperioden können nicht nur Erträge oder Anbauformen beeinflussen, sondern erfordern häufig auch eine zusätzliche Bewässerung. „Das wiederum verschärft zusätzlich den Druck auf die Ressource Wasser.“
Grundwasser braucht Zeit
Wiesen, Bäume und Gewässer reagieren sensibel auf beide Extreme. In sehr trockenen Perioden sinken Wasserstände in Gräben und Teichen – Pflanzen geraten unter Druck. In sehr nassen Phasen wiederum kommt es auf intakte Böden und natürliche Rückhalteräume an, damit Regen langsam versickern kann. „Starkregen füllt dabei die natürlichen Grundwasserspeicher viel weniger auf als langanhaltender Landregen.“ Thomas Schnaak betont außerdem, dass Regen, der heute fällt, nicht morgen schon im Grundwasser ankommt. „Je nach Beschaffenheit des Bodens und Tiefe der Grundwasser führenden Schichten kann das auch 30 bis 50 Jahre dauern.“
Gut überwacht
Einen hohen Stellenwert im Verband hat deshalb das Grundwassermonitoring. Dahinter verbirgt sich, vereinfacht gesagt, eine systematische und langfristige Überwachung des Grundwassers. Sowohl hinsichtlich seiner Menge als auch seiner Qualität. Dabei werden an speziellen Messstellen regelmäßig Daten erhoben, um Veränderungen im unterirdischen Wasserkreislauf frühzeitig zu erkennen. Die Daten werden zweimal im Jahr – im Frühjahr und Herbst – mit Fachleuten der Umweltplan GmbH Stralsund ausgewertet. Alle Parameter werden dabei wie ein Puzzle zusammengesetzt. „Im Ergebnis entstehen daraus Prognosen und Modelle für die künftige Grundwasserbewirtschaftung.“
Jeder kann etwas tun
Thomas Schnaak betont aber auch: Bewusst und verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Hier ist jeder einzelne gefragt.“ Beispielhaft verweist er auf die Bewässerung von Gärten oder Außenanlagen. „Tagsüber den Gartensprenger laufen zu lassen, macht keinen Sinn: Die Verdunstung ist viel größer als der Nutzen für Rasen, Pflanzen oder Boden.“ Eine andere Stellschraube sieht er im Wassermanagement von Hotels. Aus Gesprächen mit Hoteliers weiß er, dass sich in diesem Punkt auch schon einiges tue. Zum Beispiel durch den Einsatz wassersparender Duschköpfe. Durch Spa-Öffnungszeiten, die dem Bedarf angepasst werden. Oder Zimmerreinigungen, die nicht mehr automatisch täglich erfolgen. „Wer Wasser im Alltag achtsam nutzt, hilft dabei, die Grundwasserneubildung zu unterstützen und die Versorgung auch in Zukunft stabil zu halten.“


