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35 JAHRE IM DIENST DES WASSERS

„Wasser ist Lebensgrundlage“

Seit 35 Jahren ist Kerstin Wittmann beim Zweckverband, heute als Kaufmännische Geschäftsführerin. Im Gespräch blickt sie zurück auf die Wendezeit, spricht über schwierige Entscheidungen, steigende Gebühren, Bürokratie und die Aufgaben der nächsten Jahre.

Kerstin Wittmann, Kaufmännische Geschäftsführerin, im Gespräch mit dem Verbandsvorsteher Manfred Studier. Foto: ZV Festland Wolgast

Herzlichen Glückwunsch zum 35. Dienstjubiläum. Blicken Sie kurz auf die Zeit zurück!?

Kerstin Wittmann: Ich bin zum Zweckverband gekommen, weil es mich gereizt hat, etwas Neues aufzubauen. Die Wendezeit war geprägt von Aufbruch, Unsicherheit und Gestaltungswillen. Vieles musste gleichzeitig gedacht, geplant und umgesetzt werden. Es gab keine Blaupausen, nur die Überzeugung, dass eine stabile Wasserversorgung und Abwasserentsorgung die Grundlage aller Entwicklungen ist. Diese Mischung aus Verantwortung und Freiheit motivierte mich.

Was waren Ihr freudigster und Ihr schwierigster Moment?

Der schwierigste Moment war, dass manche Investitionen schneller notwendig wurden, als wir sie geplant hatten, besonders in Zeiten steigender Kosten. Entscheidungen zu treffen, die wirtschaftlich anspruchsvoll und technisch unverzichtbar sind, ist nie leicht. Die größte Freude: Wenn aus einer Idee ein funktionierendes System wird. Wenn Anlagen laufen, Menschen zuverlässig versorgt und entsorgt werden und sich die Arbeit gelohnt hat. Und die Kolleginnen und Kollegen, die mich begleiten.

Der ZV versorgt über 15.000 Menschen mit Trinkwasser. Wird das nach vielen Jahren zur Routine?

Routine gibt es in der Wasserver- und Abwasserentsorgung nicht. Die Verantwortung wächst sogar, weil die Rahmenbedingungen komplexer werden: Klimawandel, steigende Kosten, strengere Vorgaben. Mit der Erfahrung kommt eine Ruhe, aber nie Gleichgültigkeit. Ich weiß, worauf es ankommt und dass ich mich auf mein Team verlassen kann.

Sie haben früh auf einjährige Kalkulationsperioden gesetzt. Wie erklären Sie Ihren Kundinnen und Kunden höhere Gebühren?

Niemand freut sich über steigende Gebühren, ich auch nicht. Aber das Wasser und Abwasser muss bezahlbar bleiben. Wer heute zu niedrige Gebühren erhebt, verschiebt Investitionen und belastet die nächste Generation. Eine einjährige Kalkulation sorgt dafür, dass wir flexibel bleiben und Kostensteigerungen nicht jahrelang auflaufen. Das ist ein Transparenz und Verantwortung.

Auf Seite 1 benennen Sie Bürokratie klar als Problem.
Mich ärgert, dass Bürokratie oft gut gemeint, aber selten gut gemacht ist und in der Praxis oft an der Realität vorbeigeht. Viele Vorgaben, von der Taxonomie-Verordnung bis zu neuen Berichtspflichten, kosten Zeit, Personal und Geld, ohne die Ver- und Entsorgungssicherheit zu erhöhen. Wir brauchen praktikable Regeln, die uns nicht lähmen.

Was sind die größten Aufgaben für die Zukunft und bleiben sie finanzierbar?

Anpassung an den Klimawandel, neue Quellen, Modernisierung der Infrastruktur und die Fachkräftesicherung. Wir müssen klug investieren. Für mich heißt das: langfristig denken, Prioritäten setzen, ehrlich kalkulieren.

Was treibt Sie nach 35 Jahren noch an?

Unsere Arbeit macht jeden Tag einen Unterschied. Wasser ist Lebensgrundlage und wer dafür sorgt, dass es zuverlässig fließt, hat eine Aufgabe, die nie an Bedeutung verliert. Außerdem macht es mir Freude, wie sich der Verband entwickelt und wie engagiert die Menschen hier arbeiten. Solange ich das Gefühl habe, etwas beitragen zu können, bleibe ich gern dabei.