Ausbildung
Hier startet die Zukunft
Fachkräfte – sie werden auch in der Wasserwirtschaft händeringend gesucht. Viele Zweckverbände bilden deshalb selbst Nachwuchs aus. Ein wichtiger Partner dabei ist das Bildungsinstitut für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg e. V.

Am liebsten arbeitet Lowis Lindemann im Bereich Rohrnetz. „Die Arbeit an den Anlagen – so wie hier, an einem Hydranten – macht mir großen Spaß.“ Wenn er seine Prüfung besteht, wird er das Team des Zweckverbands dort als Fachkraft verstärken. Foto: SPREE PR/Kuska
Ein Mittwochmorgen, Anfang Juni beim Zweckverband der Insel Usedom. Die erste Aufgabe des Tages führt Lowis Lindemann in eine Seitenstraße von Ückeritz. Seine Arbeit wartet hinter einer rot-weißen Absperrung. „Hier muss der Unterflurhydrant zurückgebaut werden.“ Den Schacht haben er und sein Kollege Felix Modaleck schon am Tag zuvor ausgehoben. Nun löst Lowis Lindemann die Verbindungen. Dann entfernt er den Hydranten. Felix Modaleck reicht ihm von oben die nötigen Werkzeuge an.
Lowis Lindemann ist 20 Jahre alt und macht beim Zweckverband eine Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. Das Rüstzeug dafür lernt er an der Berufsschule in Ribnitz-Damgarten, beim Zweckverband und am Bildungsinstitut für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg, kurz: BUW. „Das BUW ist unser überbetriebliches Ausbildungszentrum“, sagt Verbandschef Mirko Saathoff. „Hier verzahnen sich Theorie und Praxis auf besondere Weise.“
Individuelle Stundenpläne
Grundlage jeder Ausbildung sind Verordnungen. Sie regeln, wie die Ausbildung aufgebaut ist, welche Kenntnisse und Fertigkeiten Auszubildende erwerben müssen und welche Anforderungen für Prüfungen gelten. Nicht jeder Zweckverband hat aber zum Beispiel ein eigenes Labor oder alle technischen Voraussetzungen, die die Jugendlichen für ihre praktische Ausbildung und die Prüfung brauchen. „An dieser Stelle setzen wir an“, sagt BUW-Geschäftsführerin Antje Grundmann. „Wir begleiten die Jugendlichen vom ersten Lehrjahr bis zur Abschlussprüfung.“ Ein Angebot, auf das viele Verbände und Unternehmen in MV, Brandenburg und Berlin zurückgreifen.
Die Schwerpunkte in der Wasserwirtschaft liegen auf den Bereichen Elektrotechnik, Metalltechnik und Analytik/Labor. Die Module und ihr zeitlicher Umfang richten sich nach den Anforderungen der Verbände. „Jeder Ausbildungsplan wird individuell auf einen Verband und seine Azubis abgestimmt. Damit stellen wir sicher, dass Inhalte zielgerichtet vermittelt werden“, erläutert Antje Grundmann. Ein Ansatz, den Lowis Lindemann vor allem in den vergangenen Wochen besonders schätzte. Seine Ausbildung endet im Sommer. „Das BUW hat uns in vielen praktischen Übungen intensiv auf die Prüfungen vorbereitet.“
Ausbildung im Wandel
Das Besondere an seinem Abschlussjahrgang: Nach ihm werden keine Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik oder Abwassertechnik mehr ausgebildet. Grund: 2024 wurde der Ausbildungsberuf neu geordnet. Das brachte zum einen neue Berufsbezeichnungen mit sich: Aus den Fachkräften für Wasserversorgungstechnik bzw. Abwassertechnik wurden Umwelttechnologen für Wasserversorgung bzw. Abwasserbewirtschaftung. Zum anderen verschoben sich auch inhaltliche Schwerpunkte. „Neue Berufsbildpositionen – wie Digitalisierung, Elektrotechnik, Klima und Nachhaltigkeit – spielen auch in der Wasserwirtschaft eine immer stärkere Rolle. Ihnen mehr Raum als bisher zu geben, hat die Ausbildung moderner und praxisorientierter gemacht“, resümiert Antje Grundmann.

Von 24 auf 220
Seine Wurzeln hat das BUW in der Betriebsschule Erwin Hoernle des VEB WAB Neubrandenburg, der größten zentralen Bildungseinrichtung der Wasserwirtschaft in der DDR. Im September 1991 erwuchs daraus der Bildungsverein für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg e. V. Die ersten 24 Azubis im Bereich Wasserwirtschaft kamen 1992. Inzwischen kooperiert das BUW mit vielen Verbänden in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg.
„Aktuell haben wir 220 Auszubildende in den Bereichen Umwelttechnologe/in für Wasserversorgung, für Abwasserbewirtschaftung, für Kreislauf- und Abfallwirtschaft sowie für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen“, sagt BUW-Leiterin Antje Grundmann. Darüber hinaus bietet das BUW, verteilt auf die Standorte Neubrandenburg, Demmin und Neustrelitz, noch acht weitere Ausbildungen sowie diverse Fort- und Weiterbildungen an.
Alles bestanden!
Bei den Prüfungsergebnissen für MV sind die Auszubildenden überdurchschnittlich gut! „Bei den Fachkräften für Wasserversorgungstechnik und Abwassertechnik liegt die Bestehensquote bei 100 Prozent“, sagt Antje Grundmann. Zum Vergleich: „Der Bundesdurchschnitt liegt bei 91 Prozent.“
