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„Vom Wasser aus bekommt man einen anderen Blick“

Olympiasieger Ronald Rauhe empfiehlt: Kanufahren

Es sei eine ursprüngliche Art, mit dem Element Wasser in Kontakt zu treten und die Natur weniger flüchtig zu erleben. Das empfindet der fünffache olympische Medaillengewinner (2 ✕ Gold, 1 ✕ Silber, 2 ✕ Bronze) Ronald Rauhe. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere zog es ihn ins Havelland. Hier traf ihn WASSERZEITUNGs-Redakteur Gunnar Leue zum Interview.

Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe ist mit dem Element Wasser aufs Engste und Erfolgreichste verbunden. Er findet, dass man die Natur vom Boot aus auf sehr spezielle Weise hautnah erlebt. Foto: Ronald Rauhe

Herr Rauhe, wie erklären Sie einem unsportlichen Menschen den Reiz des Kanufahrens?

Auf Havel, Spree oder den zahlreichen Seen erlebt man Wasser nicht nur als Oberfläche, sondern als verbindendes Element zwischen Landschaft, Stadt und Natur. Selbst in stadtnahen Bereichen verändert sich der Blick vom Wasser aus auf die Umgebung. Er ist konzentrierter, nicht so flüchtig. Die Natur erschließt sich einem quasi ganz nebenbei und auf eine sehr ursprüngliche Art. Schon deshalb lohnt es sich, mit dem Kanu unterwegs zu sein.

Sie sind viele Jahre in Brandenburg gepaddelt, auch leistungsorientiert. Ist diese Nähe zum Wasser geblieben?

Ja, unbedingt. Auch im Leistungssport verliert Wasser für mich nie seine beruhigende Wirkung. Im Gegenteil: Gerade lange Trainingsfahrten haben mir gezeigt, wie gleichmäßig, verlässlich und zugleich sensibel dieses Element ist. Das spürt man im Kanu sehr direkt. Brandenburg bietet dafür ideale Bedingungen, weil die Gewässer überwiegend ruhig sind und Raum lassen – für Technik ebenso wie für Wahrnehmung.

Oft wird Kanufahren als Sport für Aktive gesehen. Trifft das Ihrer Erfahrung nach zu?

Nur teilweise. Natürlich kann man Kanusport leistungsorientiert betreiben. Aber das Entscheidende ist: Man muss es nicht. Für nahezu jede Voraussetzung gibt es geeignetes Material. Stabile Tourenboote ermöglichen auch Menschen ohne sportlichen Hintergrund einen sicheren Zugang. Gerade auf Brandenburger Gewässern, die wenig Strömung und große Wasserflächen bieten, steht nicht Geschwindigkeit, sondern das Erleben im Vordergrund.

Welche Rolle spielt dabei die Infrastruktur in Brandenburg?

Eine sehr große. Das Netz an Verleihstationen entlang von Flüssen und Seen ist gut ausgebaut. Man kann niedrigschwellig anfangen, ohne eigenes Boot, ohne logistischen Aufwand. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor. Wer tiefer einsteigen möchte, findet zudem zahlreiche Vereine, die nicht nur Material, sondern auch Wissen über Gewässer, Befahrungsregeln und Naturschutz vermitteln.

Stichwort Material: Wie stehen Sie zu aufblasbaren Kanus, sind die als Einstieg ausreichend?

Absolut. Moderne aufblasbare Kanus sind deutlich besser als ihr Ruf. Sie eignen sich nicht nur für Einsteiger, sondern werden teilweise sogar von fortgeschrittenen Paddlern genutzt, etwa auf Reisen. Entscheidend ist nicht, ob ein Material „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern ob es zu den eigenen Plänen und Fähigkeiten passt.

Ist die gute Wasserqualität der Gewässer in Brandenburg oder Mecklenburg ein zusätzlicher Pluspunkt fürs Kanufahren?

Unsere Seen und Flüsse sind sehr sauber, teilweise kann man meterweit ins Wasser schauen. Gerade im Sommer schafft das zusätzlich ein gutes Gefühl, ohne Bedenken auf dem Wasser zu sein. Wer regelmäßig paddelt, merkt sehr schnell, wie wichtig sauberes Wasser für die eigene Wahrnehmung und das Vertrauen in einem intakten Naturraum ist.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen Flüssen und Seen, die man beachten sollte?

Grundsätzlich ja, vor allem in Bezug auf Strömung, Wind und Orientierung. In Brandenburg sind die meisten Gewässer jedoch so moderat, dass auch Anfänger sicher unterwegs sein können. Das macht die Region besonders geeignet für längere Touren, auch mehrtägig – etwa von Zeltplatz zu Zeltplatz.

Wie lang sollten erste Fahrten sein?

Eine Stunde ist ein guter Richtwert. Das hängt aber stark vom Einzelnen ab, da manche Anfänger körperlich sehr fit sind, andere weniger. Viele Tourenboote sind sehr komfortabel, sodass man sich langsam steigern kann. Mit entsprechender Vorbereitung lassen sich problemlos ganze Tage auf dem Wasser verbringen.

Eine Frage, die sich Paare vielleicht stellen: Lieber allein paddeln oder zu zweit im Boot?

Das ist reine Geschmackssache. Zwei Einer bieten mehr Stauraum, ein Zweier ist schneller. Wichtig ist die Frage: Was habe ich vor und warum gehe ich aufs Wasser? Am besten probiert man einfach beides aus.

Und wie stehen Sie zu Gruppenfahrten?

Die gehören zum Vereinsleben dazu und sind etwas Schönes. Kanuten sind in der Regel naturbewusste, rücksichtsvolle Menschen. Auch in größeren Gruppen bleibt es respektvoll gegenüber Natur und Mitmenschen.

Wie oft sind Sie selbst noch auf dem Wasser?

Im Sommer ein- bis zweimal pro Woche. In ganz unterschiedlichen Booten: im Rennboot, aber auch beim Kanu-Polo, einer leider wenig bekannten, aber sehr spannenden Kanusportart.

Vielen Dank für das Interview – und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!