Warum der wasserreichste Zufluss der Weser mehr ist als ein Nebenfluss
Mehr Wasser als gedacht – die Aller
Die Aller ist der wasserreichste Zufluss der Weser. An ihrer Mündung bei Verden führt sie im Schnitt 120 Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit sich. Das macht sie zum größten Fluss Norddeutschlands, der nicht selbst ins Meer mündet. Wo die Aller in die Weser fließt, liegt das Verbandsgebiet des Trinkwasserverbandes Verden.

Die Aller fließt an der Stadt Verden vorbei. Nach der Schneeschmelze im Harz steigt der Pegel innerhalb von Stunden. Foto: pixabay/bernswaelz
Auf ihren rund 260 Kilometern von der Magdeburger Börde durch Sachsen-Anhalt bis nach Niedersachsen schlängelt sich die Aller durch eine weite, flache Landschaft, die sie selbst geprägt hat. Ihren Ursprung hat sie nahe Seehausen in der Magdeburger Börde – nicht als sprühende Quelle im Gebirge, sondern als stiller Beginn in einer sanften Tiefebene. Dann zieht sie westwärts vorbei an Wolfsburg, Gifhorn und Celle, nimmt unterwegs die wasserreichen Nebenflüsse Oker und Leine auf und wird mit jedem Kilometer breiter und mächtiger. Das Einzugsgebiet der Aller umfasst rund 15.600 Quadratkilometer – gut ein Drittel des gesamten Wesereinzugsgebiets.
Charakteristisch ist ihr träger, fast sanfter Verlauf: Auf der gesamten Strecke überwindet die Aller nur etwa 40 Höhenmeter. Das ist es, was sie so eigentümlich schön macht – breit, beschaulich, mäandernd. Und doch kann sie im Winter nach der Schneeschmelze im Harz blitzschnell anschwellen. Oker und Leine bringen dann das Schmelzwasser vom Harz mit und treiben die Aller ans Limit: Bis zu 1.400 Kubikmeter pro Sekunde wurden bei extremen Hochwasserereignissen gemessen.
Von der Verkehrsader zum Erholungsfluss
Die Unteraller zwischen Celle und der Mündung bei Verden ist heute als Bundeswasserstraße ausgewiesen. Früher wurde hier reger Güterverkehr betrieben. Kali, Erdöl und Getreide wurden per Schiff transportiert. Heute bestimmen Ausflugsdampfer und Kanufahrer das Bild. Die Aller ist zu einem Ort der Entschleunigung geworden.
Naturliebhaber haben besonders in den jüngsten Jahren allen Grund zur Freude: Im Landkreis Verden läuft seit 2022 eines der größten Flussrenaturierungsprojekte Niedersachsens. Unter dem Namen „AllerVielfalt Verden” arbeiten NABU, Landkreis Verden und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung daran, auf rund 30 Flusskilometern und einer Fläche von 2.350 Hektar naturnahe Strukturen zurückzubringen. Altarme werden wieder angeschlossen, Deiche zurückverlegt, Auenbiotope entwickelt. Bis 2031 stehen dafür knapp 17 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist ein Biotopverbund von nationaler Bedeutung – und ein Stück Fluss, das sich seiner eigenen Natur wieder annähert. Die „Alte Aller”, ein früherer Seitenarm direkt vor der Verdener Altstadt, soll dabei als verbindendes Element zwischen Vergangenheit und Zukunft dienen.
Wer die Aller erkunden möchte, hat viele Möglichkeiten: per Fahrrad auf dem gut ausgeschilderten Aller-Radweg, per Paddelboot durch stille Abschnitte mit Schilfgürtel und Libellen, per Ausflugsschiff ab Verden oder ganz einfach zu Fuß auf den Uferpromenaden der Stadt, die sich idyllisch zwischen Altstadt und Fluss entlangziehen.
Die Aller ist kein Vorzeigeobjekt aus dem Reiseführer. Sie ist ein Fluss zum Erleben – ruhig, eigenwillig und vielfältig.
Verden – Dom, Pferde und mehr
Direkt an der Allermündung liegt die über 1.000 Jahre alte Dom- und Reiterstadt Verden. Wahrzeichen ist der gotische Dom St. Maria und Cäcilia, der die Stadtsilhouette weithin überragt. Wer mehr über die jahrhundertelange Verbindung zwischen Mensch und Pferd erfahren möchte, ist im Deutschen Pferdemuseum genau richtig.

