Skip to main content

Brandenburg

Vom „lost place“ zum lebendigen Denkmal

Zwischen alten Bäumen dreht sich am Tegeler Fließ in Mühlenbeck das Rad der Geschichte wieder: Die Historische Mönchmühle gilt als älteste Wassermühle Brandenburgs – und ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement.

Foto & Logo: Mönchmühle Mühlenbeck

Um 1234 von den Zisterziensermönchen des Klosters Lehnin erbaut, diente die Mühle jahrhundertelang dem Mahlen von Getreide. Die Mönche nutzten das Tegeler Fließ als Energiequelle, stauten Teiche und errichteten einen Damm, um das Wasserrad ihrer Roggenmühle zu betreiben – eine technische Pionierleistung des Mittelalters. Geblieben ist aus dieser Zeit der Geist der Gemeinschaft: Denn ohne engagierte Bürger gäbe es die Mönchmühle heute wohl nicht mehr.

Mit Pinsel und Skalpell

Nach fast 800 Jahren wurde die Mönchmühle 1973 – zuletzt volkseigener DDR-Betrieb – stillgelegt und nur die ehemalige Müllerwohnung weiterhin als Wohnraum genutzt. Vieles wurde in dieser Zeit zerstört, umgebaut, zweckentfremdet. Von der ursprünglichen Wassermühle blieb kaum etwas übrig. Nach 1990 verkaufte die Treuhand das Gebäude an eine Investorin, die das technische Denkmal erhalten und rekonstruieren sollte, sich damit aber völlig übernahm und Insolvenz anmeldete. Einwohner von Mühlenbeck-Mönchmühle wollten den weiteren Verfall ihres Wahrzeichens nicht hinnehmen und gründeten eine Bürgerinitiative zur Rettung der Mühle, aus dem 2004 der „Förderverein Historische Mönchmühle e. V.“ hervorging.

Initiiert von Ingenieur Reinhard Wittig und Jürgen Busch, der als Vertriebsleiter in der Aufzugsbranche sowohl technisches als auch kaufmännisches Know-how mitbrachte. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit, technischer Kompetenz und Fördermitteln wurde das Gebäude denkmalgerecht Schritt für Schritt saniert. „Wir hatten dabei natürlich immer den Kostenfaktor im Hinterkopf“, erinnert sich Jürgen Busch, „aber heute sind wir dankbar für die Konsequenz des Denkmalschutzes.“ Mit Pinsel und Skalpell hatten sich Mitarbeiter Schicht um Schicht zu den Originalfarben von 1820 durchgearbeitet. In diesem Jahr war die Mühle das letzte Mal in ihrer wechselvollen Geschichte durch einen Brand fast zerstört und wieder neu aufgebaut worden. „Deshalb sind die Räume jetzt, nach Beendigung der Sanierungsarbeiten, so schön farbenfroh. Wir hätten wahrscheinlich sonst alles grau gestrichen“, gibt Busch unumwunden zu.

Ein reges Förderteam

Finanziert wurde das Projekt durch Fördermittel von Gemeinde, Land, Bund und EU – insgesamt rund zwei Millionen Euro in anderthalb Jahrzehnten. „Spenden sind natürlich immer willkommen und hilfreich, aber entscheidend war da eher die bürokratische Kleinarbeit bei den Förderanträgen“, betont Busch. Heute zeugt die Mühle nicht nur von der Handwerkskunst vergangener Jahrhunderte, sondern auch vom sozialen Zusammenhalt eines ganzen Ortes. Etwa 140 Mitglieder zählt der Verein, rund 40 engagieren sich aktiv, viele seit Jahren. Jeden Dienstag treffen sie sich, um neue Projekte zu planen, Führungen zu organisieren oder Veranstaltungen vorzubereiten. Und die Vereinsmitglieder haben große Pläne. Neben einer Ausstellung zur Mühlentechnik, die es schon seit geraumer Zeit Besuchern ermöglicht, die beeindruckende, mittelalterliche Technik zu bestaunen, soll jetzt noch ein zweites Museum entstehen, das die Geschichte des Mühlenbecker Landes dokumentiert. Die Mönchmühle verbindet dann Vergangenheit und Gegenwart miteinander. „Wir sehen die Mühle nicht nur als Denkmal, sondern auch als lebendigen Treffpunkt für alle“, sagt Busch.

Neue Ära, alte Leidenschaft

Nach Jahren des Wiederaufbaus beginnt 2026 endlich eine neue Phase, ohne Baustellen und Gerüste. Sowohl innen als auch außen erstrahlt die Mühle wortwörtlich in historisch-neuem Glanz. Und nicht nur das. Beim Jahresempfang des Museumsverbands Brandenburg in Potsdam war die Mönchmühle in diesem Jahr erstmals offiziell als Teil der brandenburgischen Museumslandschaft vertreten. Zudem konnte sich der Verein auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren, im Rahmen des „Forums Ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg“.

Im Sommer ist die Mühle zurzeit sonntags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Perspektivisch hofft der Verein auf einen gastronomischen Betreiber, der die Öffnungszeiten erweitert. Im Winter sind Führungen nach Vereinbarung möglich – auf ehrenamtlicher Basis. „Wir haben gezeigt, dass Engagement Geschichte lebendig machen kann“, sagt Busch und verweist auf die Möglichkeit, am Pfingstmontag – dem Deutschen Mühlentag – ein vielfältiges Programm in der Mönchmühle zu genießen. Ganz im Sinne des alten Müllergrußes: „Glück zu!“.