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„Ein Brauer ist eigentlich eine Putzkraft, die gerne Bier trinkt.“

Vom guten Wasser zum guten Bier

Bier ist weit mehr als nur das klassische Pils. Das beweisen Hobby-Bierbrauer aus Wismar und Nordwestmecklenburg regelmäßig. Sie haben sogar einen gemeinnützigen Verein gegründet, um die alte Handwerkstradition weiterzugeben. Prost!

Die Hobbybrauer aus Nordwestmecklenburg mit dem ungewöhnlichen Sudkessel, einer umgebauten Waschmaschine aus DDR-Zeiten: Rainer Fichtner, Heiner Busche, Tim Steinort (hinten stehend von links) sowie Marcel Schröder und Mathias Born (vorne von links). Fotos (5): SPREE-PR / Hollatz

„Der Hopfen muss nun runter“, sagt Heiner Busche, verteilt große blaue Säcke und zeigt auf die über drei Meter hohen Pflanzen in seinem Garten. Der Wismarer Hobbybrauer baut verschiedene Aroma-Hopfensorten an. „Der Cascade schmeckt eher zitrusartig, der Magnum da vorne links eher feinwürzig.“

Eigenen Hopfen ernten

Nur die weiblichen Pflanzen bilden Hopfendolden. „Uns interessiert nicht das ganze Grüne drumherum, uns interessiert nur der Feenstaub“, sagt Heiner Busche lachend. Gemeint ist das leuchtend gelbe, klebrige Lupulin zwischen den Dolden-Blättchen. Es gibt dem Bier sein Aroma und trägt zur Haltbarkeit bei. Für die Erntehelfer heißt es nun stundenlang Dolden zupfen. Zum Glück gibt’s dazu ein selbstgebrautes Bier.
Bierbrauen hat in Wismar Tradition. Heute hält die Brau-Compagnie die Tradition lebendig. Der gemeinnützige Verein verfügt dank einer Leader-Förderung über eine große Brauanlage, mit der pro Sud 200 Liter Bier gebraut werden können. Handwerkliches Bierbrauen ist übrigens seit dem Jahr 2020 immaterielles Kulturerbe!

Brauen in der alten Waschmaschine

Heiner Busche nutzt zum Brauen seit Jahren eine alte „WM 66“ des VEB Kombinates Schwarzenberg. „Die Geheimwaffe des Sozialismus“, scherzt er. „In der konnte man auch Bockwürste aufwärmen, Federvieh abbrühen oder 45 Liter Soljanka kochen.“ Ein preiswerter Maischekessel, leicht zu reparieren und nahezu unverwüstlich. „Vor Inbetriebnahme sollte aber geprüft werden, dass keine alten Socken mehr drin sind.“

Braukollege und Vereinschef

Rainer Fichtner erklärt das Prinzip des Brauens: „Man nimmt vermälztes Getreide, schrotet es, gibt es in heißes Wasser, lässt dies gut 75 Minuten ziehen, trennt dann Festes und Flüssiges, kocht das Flüssige mit Hopfen, kühlt es runter, gibt die Hefe dazu für die alkoholische Gärung und wartet fünf bis zehn Tage.“ Der Rest seien Details. „Aber die machen die Sache so spannend“, ergänzt Heiner Busche.

Wasser beeinflusst den Geschmack erheblich

Eine entscheidende Zutat wird dabei oft unterschätzt: das Wasser. Seine Zusammensetzung beeinflusst den Geschmack. Ein Bier, das mit demselben Rezept in Parchim, Wismar oder Wolgast gebraut wird, kann deshalb ganz unterschiedlich schmecken.

Der Reiz des Selberbrauens liegt für die Hobbybrauer vor allem in der Vielfalt. Biere können nach Obst, Kaffee oder sogar Schokolade schmecken, ohne dass diese Zutaten enthalten sind. Manche Eigenkreationen seien so hochwertig – und wegen der Zutaten auch teuer –, dass man sie andächtig aus kleinen Gläsern genießt.

Putzen gehört dazu

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Braufehler können dazu führen, dass 40 oder 50 Liter Bier ungenießbar werden. Besonders wichtig ist penible Hygiene. Rainer Fichtner bringt es auf eine einfache Formel: „Ein Brauer ist eigentlich eine Putzkraft, die gerne Bier trinkt.“ Auch beim Kochen des Sudes ist Genauigkeit gefragt – sonst drohen Kopfschmerzen oder ein Geschmack, der beispielsweise an Dosengemüse erinnert. Das ist aber zum Glück die Ausnahme.

Eine Hopfendolde, frisch geerntet. Das gelbe Pulver ist für das Bier der „Feenstaub“.

Hier kommt der Aromahopfen in den 85 Grad heißen Sud am Ende des Kochvorgangs.

Das gemälzte Getreide wird geschrotet, bevor es in den Braukessel kommt.

Das Typenschild der DDR-Waschmaschine.

Wer selbst brauen möchte, sollte am besten zunächst bei erfahrenen Hobbybrauern mitmachen.

Kontakt

Brau-Compagnie e. V.

info@braucompagnie.de