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Abschieds-Interview mit MWA-Geschäftsführer Felix von Streit

„Wir sind ein Unternehmen, das seine Aufgaben mit absoluter Verlässlichkeit ausführt.“

Runde 14 Jahre stand Felix von Streit als Geschäftsführer an der Spitze der Mittelmärkischen Wasser- und Abwasser GmbH. In seiner Verantwortung lag die zuverlässige Betriebsführung für die beiden Wasser- und Abwasserzweckverbände „Der Teltow“ und „Mittelgraben“. Zum Jahresende übergibt er die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger. Zeit für eine Bilanz.

Stolz auf das Vorzeigeprojekt in Kleinmachnow: der scheidende MWA-Geschäftsführer Felix von Streit.
Foto: SPREE-PR/Arbeit

WZ: Herr von Streit, wir treffen uns an einem ganz besonderen Ort, dem frisch übergebenen Erweiterungsneubau des Wasserwerkes Kleinmachnow. Ist das zum Abschied der physische Beweis für das Geschaffte?

Ja, das ist so das Projekt, mit dem ich gehe, und für das ich noch verantwortlich war. Es ist ein tolles Gefühl, so ein schönes Wasserwerk mit fertiggestellt zu haben – unter meiner Verantwortung – und dann das Unternehmen mit einem guten Gefühl an meinen Nachfolger zu übergeben.

WZ: Was waren beim Bau die größten Herausforderungen?

Das war tatsächlich die Koordination der vielen Gewerke: vom Betonbau über den Anlagenbau bis zum Dachdecker und Maler. Es gab eine ganz hervorragende Koordination durch unsere Ingenieurbüros und unsere Mitarbeiter. Das war schon bemerkenswert.

WZ: Bauen war ohnehin ein großes Thema Ihrer Amtszeit, u. a. wegen der Entscheidung für eine eigene Leitungsbau-Firma unter dem Dach der MWA.

Unsere MWA Leitungsbau GmbH – kurz MLB – haben wir eher für kleinere Aufträge gegründet, weil dafür intern im Hause eine bessere Koordination möglich ist. Für größere externe Bauunternehmen sind diese kleinen Aufträge teilweise organisatorisch schwierig zu realisieren.

WZ: Können Sie sich noch an Ihre Erwartungen erinnern, als Sie die Geschäftsführung der MWA 2012 übernommen haben?

Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, was mich erwartet. Ich wusste, wie man eine Organisationseinheit führt. Ich konnte und kann mit Personal ganz gut umgehen. Aber was mich hier inhaltlich erwartete, das wusste ich gar nicht. Und dass mich in den ersten Jahren die gesamte Altanschließer-Thematik derartig binden würde. Es war für mich die totale Überraschung, mit welch harten Bandagen da teilweise „gekämpft“ wurde.

WZ: Ist wieder Ruhe eingekehrt?

Ich denke, ja. Natürlich gibt es immer Kunden, die einen kritisieren. Aber es ist ja nicht verkehrt, wenn man uns auf Dinge hinweist, die wir verbessern können. Solange die Kritik sachlich bleibt.

WZ: Als Sie 2012 die Geschäftsführung übernahmen waren wesentliche Investitionen in beiden Verbänden bereits gelaufen. Wo steht der Betriebsführer der beiden Verbände heute?

Wir sind ein Unternehmen, das seine Aufgaben mit absoluter Verlässlichkeit ausführt. Wir haben uns in den letzten 14 Jahren an vielen Stellen deutlich verbessert. Wir haben unsere Investitionstätigkeit professionalisiert und verfügen heute über eine langfristige Investitions- und Instandhaltungsplanung für die Verbände. Das schafft Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Auch in der Digitalisierung haben wir schon einen guten Schritt nach vorne gemacht.

WZ: Heute geht es in der Branche immer häufiger auch um den Wert des Wassers. Wie sehr war auch der Chef da eingebunden, dies gebührend zu vermitteln?

Das ist schon eine ganz wichtige Aufgabe. Die Wichtigkeit der Bewirtschaftung der Ressource Wasser müssen wir über Kommunikation – und dafür haben wir eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit – in der Bevölkerung bekannt machen und auch in den Köpfen der Menschen verankern.

WZ: Sie haben ihre Expertise auch in Verbänden, etwa beim Landeswasserverbandstag, eingebracht. Warum war Ihnen das wichtig?

Das Wasser ist in Brandenburg kleinteilig organisiert. Deshalb müssen die kleinen Wasserversorger immer wieder miteinander kommunizieren, um auch gegenüber Aufsichtsbehörden und Ministerien mit einer starken gemeinsamen Stimme aufzutreten. Nur so können wir unsere Interessen auch durchsetzen. Es geht nur, wenn man sich mit denjenigen abstimmt oder organisiert, die genau dieselben Aufgabenstellungen und auch Herausforderungen haben wie wir.

WZ: Und da geht es in Brandenburg im kommenden Jahr zum Beispiel auch darum, ein neues Wassergesetz durchs Landesparlament zu bringen. Bekommt Trinkwasser darin noch deutliche Priorität als Lebensmittel Nummer eins – vor allen anderen Nutzungen?

Wenn dieses Gesetz mit Verstand angegangen wird, geht es gar nicht anders. Ich wage allerdings keine Prognose, wie es am Ende ausgeht. Ich hoffe, dass wir uns mit unseren Forderungen, dass Trinkwasserversorgung hohe Priorität besitzt, durchsetzen können und auch Argumenten aus den Interessenverbänden und von Produzenten von zum Beispiel Sprudelwasser nicht Folge geleistet wird. Daseinsvorsorge mit Trinkwasser – das sagt das Wort ja schon! – Daseinsvorsorge muss absolute Priorität haben und alles andere hintenanstehen. Ich hoffe, dass es so reingeschrieben wird.

WZ: Wir sprechen darüber in der Form natürlich auch, weil es eine Klimakrise gibt, die immer sichtbarer wird. Oder müssen wir unterscheiden zwischen dem Wasser über und unter der Erde?

Nein, das ist ein System. Die Entwicklungen in unseren Flüssen zeigen deutlich, dass wir die Folgen des Klimawandels bereits spüren. Und die Pegelstände unter der Erde zeigen uns, dass es sich dort fortsetzt. Wir haben immer noch niedrigere Pegelstände als vor ein paar Jahren. Und das ist auch der Grund, warum wir sehr stark an die Bevölkerung herangehen und selber daran arbeiten, Wasser zu bewirtschaften und die Ressource mit Verstand und Wirtschaftlichkeit einzusetzen.

WZ: Was hat Felix von Streit ganz persönlich in zwölf Jahren übers Wasser gelernt? Wie hat sich sein Umgang mit dem Trinkwasser möglicherweise verändert?

Für mich kam am Anfang Wasser aus der Wand und einmal im Jahr habe ich die Rechnung gekriegt, über die ich mich geärgert habe – und das war’s. In den letzten 14 Jahren habe ich gelernt, was an Arbeit, an Planung, an Feinplanung dahintersteht, mit welcher Akribie sich ein Wasserversorger um die Trinkwasserversorgung kümmern muss. Wir haben hunderte Kilometer Rohr, die alle keimfrei sind, die wir keimfrei halten. Das ist ein Riesenerfolg, finde ich. Und man darf nie die andere Seite vergessen: die Entsorgung des Abwassers, die wir ebenso im Griff haben, die wir auch mit Partnern – soweit es die dezentrale Entsorgung sowie die Abwasserreinigung betrifft – wahrnehmen.

WZ: Die Wasserwirtschaft plant weit im Voraus, um ihre Struktur so gut zu erhalten. Haben Sie auch Ihren Renteneintritt schon gut vorausgeplant?

Ich habe mir vorgenommen, zunächst mal einen gewissen Zeitraum nichts zu tun. Verschiedene Dinge müssen im Haus gemacht werden. Und wenn ich mich daran gewöhnt habe, nicht mehr morgens aufstehen zu müssen, kann ich mir Gedanken darüber machen, womit ich meine Zeit künftig verbringen möchte. Ich habe hinreichend Hobbys und auch meine Frau wird dafür sorgen, dass ich nicht versande sozusagen. Ich habe davor keine Angst. (lacht)

WZ: Bei all dem wünschen wir Ihnen beste Gesundheit. Das steht über allem. Und dass auch der nächste Lebensabschnitt von Erfüllung, Glück und Freude geprägt sein möge.

Das Original-Interview von WASSERZEITUNG-Redakteur Klaus Arbeit mit MWA-Geschäftsführer Felix von Streit hören Sie hier: