Skip to main content

Brandenburg

Haushohe Heimatkunde: „Wassertürme in Brandenburg“

Als im 19. Jahrhundert die Brandenburger Städte wuchsen, musste die Versorgung mit Trinkwasser neu organisiert werden. Es fiel der Startschuss zur leitungsgebundenen Lieferung „frei Haus“. Für den nötigen Druck im System sorgte die schlichte Nutzung von Physik: durch einen Wasserturm! Wer mehr über deren Historie erfahren möchte, dem sei das Buch „Wassertürme in Brandenburg“ empfohlen. Den Autor Jens U. Schmidt haben wir für unseren neuen Podcast „WZ – das Gespräch“ (deezer, spotify u. a. m.) in Fürstenwalde getroffen. Hier Auszüge aus dem Gespräch.

Jens U. Schmidt (geb. 1952 in Leipzig) betreibt ein umfangreiches Archiv über Wassertürme und ist der Vorsitzende der Deutsch Internationalen Wasserturm Gesellschaft 2002 e. V. (DIWTG). Er lebt und arbeitet in Fürstenwalde.   Fotos: SPREE-PR/Arbeit

Als im 19. Jahrhundert die Brandenburger Städte wuchsen, musste die Versorgung mit Trinkwasser neu organisiert werden. Es fiel der Startschuss zur leitungsgebundenen Lieferung „frei Haus“. Für den nötigen Druck im System sorgte die schlichte Nutzung von Physik: durch einen Wasserturm! Wer mehr über deren Historie erfahren möchte, dem sei das Buch „Wassertürme in Brandenburg“ empfohlen. Den Autor Jens U. Schmidt haben wir für unseren neuen Podcast „WZ – das Gespräch“ (deezer, spotify u. a. m.) in Fürstenwalde getroffen. Hier Auszüge aus dem Gespräch.

WZ: Was ist es genau, dass Sie an Wassertürmen fasziniert?

Jens U. Schmidt: Das sind ja ganz ungewöhnliche Bauwerke, die man nur in der Zeit zwischen 1870 und 1920 gebaut hat. In vielen Städten sind die Wassertürme wunderschön! Man hat sie wie alte Burgtürme gebaut oder im Stil des Klassizismus. Es gibt Jugendstil-Wassertürme, aber auch die „neue Sachlichkeit“, bis hin zu den modernen, die im Grunde nur einfache Betonzylinder sind.

WZ: Die Wassertürme sind ja stadtbildprägend, vielleicht sogar identitätsstiftend, und waren für manche Städte auch ein Statussymbol!

Mit Sicherheit. Also wenn man sich den Mönchengladbacher Jugendstil-Wasserturm anguckt oder den Mannheimer, der das Wahrzeichen der Stadt ist. Man hat die Wassertürme an die Architektur der Städte angepasst – in Lübeck etwa im Hanse-Stil – und sich wirklich Mühe gegeben, die so schön zu machen.

Wann begann die Geschichte der Wassertürme im Land Brandenburg?

Man muss unterscheiden zwischen Wassertürmen und sogenannten Wasserkünsten. Letztere waren Einrichtungen zur Förderung von Wasser. Davon gab es damals nur eine in Guben. Im Grunde war das technisch gesehen aber auch ein Wasserturm. Allerdings konnte man damals noch keine großen Behälter bauen. Das heißt, da war obendrauf ein Holzbottich – teilweise mit Kupfer ausgeschlagen – und aus dem lief das Wasser in offene Brunnen innerhalb der Stadt.

Welche Brandenburger Wassertürme haben sich in den Recherchen als besonders herausgestellt?

Es gibt einen ganz ungewöhnlichen Wasserturm, wie wir ihn nirgends in Deutschland haben, in Eberswalde-Finow. Der steht quasi auf vier Beinen und ist aus Beton. Der Wasserturm in Wittenberge ist natürlich sehr bekannt, vor allem wegen seiner großen Uhr. Und historisch wichtig ist der sehr alte Wasserturm im Schloss­park Sanssouci, von Schinkel quasi beeinflusst, der nur der Versorgung der Springbrunnen diente.

Einer der bekanntesten Wassertürme dürfte der von Niederlehme sein, weil er direkt an der Autobahn A10 steht.

Und der ist sehr interessant! Er wurde von der ehemaligen örtlichen Kalksandsteinfabrik gebaut, die hauptsächlich für Wohnhäuser produzierte. Man dachte, das Material sei für andere Verwendungen nicht stark genug. Der Wasserturm sollte das Gegenteil beweisen. Und ist nun wahrscheinlich weltweit der einzige aus Kalk­sandstein.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihrem neuen Buch viel Erfolg!

Jens U. Schmidt

„Wassertürme in Brandenburg“
context verlag
ISBN 978-3-946917-52-6