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Ein Ortsbesuch bei Familie Dähn zwischen 2.600 Reben

Wein aus dem Herzen Mecklenburgs

Sieben Prozent Steigung zeigt das Straßenschild am Ortsausgang von Dorf Mecklenburg. Hier ist’s also hügelig. Perfekt für einen Weinberg dachten sich Juliane und Wolfgang Dähn und pflanzten 2019 die ersten Reben an diesem Ort zwischen Ostsee und Schwerin. Wein aus dem Herzen Mecklenburgs gibt es seit 2022. Die WASSERZEITUNG besuchte das mutige junge Paar.

Juliane und Wolfgang Dähn mit Hofhund Dackeldame Frieda. Die zweifachen Eltern sind echte und begeisterte Mecklenburger Weinbauern. Foto: SPREE-PR/Galda

Idyllisch ist es hier bei Dorf Mecklenburg. Insekten surren durch die Reben, Rosen blühen farbenfroh am Reihenende. Bergrunter sind die Flügel der Mühle im Ort zu sehen. Wein also. In Mecklenburg. Klingt verrückt? Ist aber durchaus eine Erfolgsgeschichte. Weiß, Rosé, Rot. Hier gepflanzt, gepflegt, gewachsen, geerntet, produziert, in Flaschen gefüllt. Alles lokal. „Wenn der Wein vom Hof rollt, tritt er seine erste Reise an“, lacht Wolfgang Dähn. Zu kaufen gibt es ihn direkt auf dem Berg in Dorf Mecklenburg, in einigen Hofläden und Gastronomiebetrieben in der Region. Auf der Mole in Hohen Wieschendorf (Wismarer Bucht) sind sie regelmäßig zu Besuch mit Weinverkostungen.

Die helle Solaris-Traube. Foto: privat

Kleiner Weinberg bringt guten Ertrag

„Bis zu 6.000 Flaschen im Jahr füllen wir ab“, erzählen sie. Damit sind sie ein kleiner Player im Weinland MV. „16 Betriebe gibt es, auf etwa 70 Hektar“, weiß Wolfgang Dähn. Das mit Abstand größte Weingut befindet sich in Rattey, dort wachsen auf 35 Hektar 175.000 Reben. In ihrer Heimat Dorf Mecklenburg, hier sind beide schon zur Schule gegangen, bewirtschaften die Dähns 0,6 Hektar. Und das kam so: Vor etwa zehn Jahren reifte bei dem jungen Paar der Gedanke, was Eigenes zu machen. Er, Wolfgang, ist gelernter und studierter Landwirt. Sie, Juliane, hat Soziale Arbeit studiert. Beide arbeiten hauptberuflich in ihren Fächern, die Landwirtschaft ist ein Nebenerwerb. 2018 gründeten die damals Endzwanziger ihren Betrieb, pachteten das Land und legten 2019 mit dem Pflanzen der ersten 2.000 von heute 2.600 Reben los. „Ausrichtung am Hang südwestlich, mit Bedacht gewählt“, betont Juliane Dähn.

Kontakt und weitere Infos			Weinberg Dähn GbR Feldweg 5a 23972 Dorf Mecklenburg https://www.wein-mv.de

Wein bedeutet Handarbeit, hier die Lese der Cabernet-Cortis-Traube.Foto: privat

Kleine Weinkunde Der Saft der Früchte ist farblos. Weißwein entsteht aus Mostgärung der weißen Trauben, Rosé aus roten. Rotwein erhält man aus der mehrere Wochen dauernden Maischegärung, bei der Alkohol die Farbstoffe aus der Schaale löst.
Nordisches Klima passt

Wieso Wein? „Wir wollten was Neues machen, Diversität in die Landwirtschaft bringen. Wein war eine gute Option.“ Passt das ins nordische Klima? „Hier wird‘s etwas später warm, rund um Eisheiligen Mitte Mai sind unsere Pflanzen noch nicht so weit ausgetrieben und darum nicht so gefährdet“, erklären sie. „Und wir haben tolle pilzwiderständige Neuzüchtungen gewählt für unseren Standort. Die Reben müssen zwar trotzdem vor Pilzbefall geschützt werden, aber wir arbeiten ohne Herbizide und Insektizide. Nachhaltig, bodenschonend und mit möglichst geringem Einfluss auf unsere Umwelt.“

Die Ressource Wasser setzen sie ebenfalls schonend ein. Einen Wasseranschluss hatte der lokale Zweckverband schnell gesetzt. Die Tröpfchenbewässerung ist aber hauptsächlich in den ersten drei Jahren für die Jungpflanzen eine Unterstützung. Später holen die Pfahlwurzler ihren Bedarf aus der Erde. „In der Kellerei muss für die Reinigung der Gerätschaften Wasser in Trinkwasserqualität vorhanden sein.“ Im Herbst geht es hier mit der Lese des 2026er-Weins und dessen Verarbeitung wieder hoch her.

Übrigens: Wer Lust hat, bei der Weinlese in Mecklenburg, die von Anfang September bis Ende Oktober läuft, mitzuhelfen, kann sich gern melden. „Wein ist Handarbeit“, unterstreichen die auch deshalb begeisterten Weinbauern.