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Reizvolle Führungen an der Küste

Ostseestrand einmal anders

Wer an den Strand denkt, hat meistens Urlaub, Sonne, Badespaß im Kopf. Doch wer mit Biologin Pauline Damer vom BUND MV eine Strandführung macht, entdeckt eine geheimnisvolle Welt mit cleveren Überlebenskünstlern, spannenden Naturgeschichten und unterschätzten Klimaschützern.

Einfach nur Sand? Von wegen! Bei Strandführungen erklären Experten, welche Überlebenskünstler es dort gibt.

Ein spannendes Projekt des BUND: Strandinseln geben heimischen Pflanzen und Tieren die Chance, sich zu entwickeln. Meersenf siedelt sich als erstes an.

Pauline Damer (links) erklärt einer Teilnehmerin die Muscheln.
Fotos (3): SPREE-PR/Krone; OSTSEESTIFTUNG

„Das ist eine Braunalge!“ – Pauline Damer zeigt den sechs Teilnehmenden der Strandführung in Zingst einen Blasentang. „Es gibt aber auch rote und grüne Algen“, erklärt sie weiter. „Warum haben sie verschiedene Farben?“, fragt eine Teilnehmerin. Die Antwort ist einfach: „Algen haben sich an die unterschiedlichen Lichtverhältnisse und Tiefen im Wasser angepasst. Die Grünalgen im flachen Wasser können noch das volle Licht für die Photosynthese nutzen. Je tiefer im Wasser, desto weniger Lichtfarben kommen dort an. Daran sind Braun- und vor allem Rotalgen mit zusätzlichen Farbstoffen angepasst.“ Ein unscheinbares Büschel Tang wird zu einem kleinen Wunder der Evolution.

Die Strandexpertin

Pauline Damer kennt sich aus mit den Tieren und Pflanzen, die im puren Strandsand überleben können. Sie hat Biowissenschaften und Meeresbiologie an der Universität Rostock studiert, ist seit Mai 2022 Projektmitarbeiterin beim BUND Mecklenburg-Vorpommern im Verbundprojekt „Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste“. „Wir haben so eine wunderschöne Küste“, schwärmt sie. „Hier wachsen spezialisierte Pflanzen, rasten Tiere, greifen Wind, Wasser und Vegetation ineinander.“ Da sind die Miesmuscheln, die sich mit Proteinfäden an Buhnen kletten und literweise Wasser filtern. Seegras stabilisiert den Meeresboden, produziert Sauerstoff, nimmt CO₂ auf und bietet Tieren Schutz.

Kleine Inseln mit großer Wirkung

„Der größte Feind dieser herrlichen Strandwelt sind paradoxerweise wir selbst“, erklärt sie. „Wir räumen auf, harken den Strand, betreten ihn ständig. Da kann sich nur wenig Natur entwickeln.“

An diesem Punkt kommen Strandinseln ins Spiel. In den vergangenen sechs Jahren wurden an sechs Orten wie Zingst, Graal-Müritz und Ahrenshoop immer wieder kleine Strandbereiche eingezäunt. Auf diesen Inseln konnten sich Meersenf, Kalisalzkraut und Stranddistel ungestört entwickeln.

Mitten im touristischen Trubel beweisen diese Strandinseln, dass Artenschutz am Badestrand funktionieren kann. Die Inseln wurden als „Vernetzte Vielfalt an der Ostseeküste“ angelegt. Seit 2020 wurden so Lebensräume geschützt und besser miteinander verbunden.