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Wasserwissen

Ein Blick hinter die Kulissen: Hier klärt sich was

Was passiert eigentlich mit unserem Wasser, wenn es über Toilette, Badewanne oder Geschirrspüler das Haus verlässt? Die WASSERZEITUNG ist auf der Kläranlage Ückeritz seinem Weg gefolgt.
Die Kläranlage in Ückeritz ist eine von sechs Kläranlagen im Verbandsgebiet. Das Besondere an ihr: Sie ist eine SBR-Kläranlage. SBR steht für „Sequenzielle Biologische Reinigung“. Das bedeutet: Die einzelnen Reinigungsschritte erfolgen nicht in verschiedenen Becken, sondern zeitlich gestaffelt in einem. Die Kläranlage in Ückeritz hat fünf Reinigungsbecken und ist eine von drei SBR-Anlagen im Verbandsgebiet. Die anderen befinden sich in Mellenthin und Pudagla.
Foto: ZV Usedom
Die Reinigung von Abwasser ist eine Mischung aus mechanischen und biologischen Abläufen. Die Kläranlage Ückeritz ist in ihrer Kapazität auf 27.000 Einwohnerwerte ausgelegt.
Foto: SPREE PR/Kuska
1. Das Tor zur Kläranlage ist der Zulaufschacht. Hier kommt das Abwasser aus den Pumpwerken Loddin, Koserow, Stubbenfelde Ückeritz/Sportplatz und Ückeritz/Hafen an. Die tägliche Menge schwankt zwischen 800 und 2000 Kubikmetern – je nach Jahres- und Tourismuszeit. Von hier aus fließt das Abwasser über zwei unterirdische Leitungen zu den Siebrechen.
Foto: SPREE PR/Kuska
2. Der Siebrechen ist der mechanische Türsteher. Er ist zuständig für alles Grobe – filtert also zum Beispiel Steine, Tampons, Putzlappen, Wattestäbchen und Essensreste aus dem Abwasser. Der Abfall wird entwässert, in Containern gesammelt und entsorgt. Das Abwasser macht sich unterdessen weiter auf den Weg in den Sand- und Fettfang.
Foto: SPREE PR/Kuska
3. Im Sand- und Fettfang übernimmt Physik die Arbeit. Die Fließgeschwindigkeit im Becken ist so eingestellt, dass schwere Stoffe wie Sand nach unten sinken. Leichte Stoffe wie Fette und Öle setzen sich dagegen an der Wasseroberfläche ab. Der Sand wird gereinigt, entwässert und wiederverwendet. Die Fette werden entsorgt. Dem Wasser wird hier außerdem Eisen-3-Chlorid beigefügt. Diese sogenannte Vorfällung bindet Gerüche, entfernt gelöste Phosphate und entlastet die anstehende biologische Reinigung.
Foto: SPREE PR/Kuska
4. Aus dem Sand- und Fettfang wandert das Abwasser in einen Vorlagebehälter. Aus diesem Zwischenspeicher wird es in computergesteuerten Intervallen und Mengen in eines der fünf SBR-Becken eingeleitet.
Foto: SPREE PR/Kuska
5. In den SBR-Becken beginnt nun die biologische Reinigung. Die wichtigsten Helfer dabei: Milliarden Bakterien, Einzeller und andere Mikroorganismen. Sie „verspeisen“ die organischen Inhaltsstoffe und entfernen Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Dazu brauchen sie ein Wechselbad mit und ohne Sauerstoff. Wenn die Kompressoren Sauerstoff ins Becken drücken, kommt sprudelnde Bewegung ins Wasser. Nach den „Turbulenzen“ braucht es Ruhe. Die gibt’s in der Nachklärphase. Dabei sinken die Bakterienflocken zu Boden, oben setzt sich klares Wasser ab. „Alle Prozesse laufen automatisch und messwertgesteuert ab“, sagt Peter Beitz, Fachkraft für Abwassertechnik. Auf dem Display sieht er, wie weit die Reinigung fortgeschritten ist. Und was passiert mit dem Klärschlamm, der während der Reinigung entsteht? „Er wird entwässert, behandelt und an die Landwirtschaft abgegeben.“
Foto: SPREE PR/Kuska
6. Während draußen das Wasser fließt, herrscht in der Leitzentrale digitale Kontrolle. Füllstände, Sauerstoffwerte, Pumpenleistungen, pH-Werte: Auf Monitoren und Schalttafeln laufen alle Daten zusammen. Hier haben Abwassermeister Andreas Ring und seine Kollegen den gesamten Reinigungsprozess, aber auch etwaige Störungen im Blick.
Foto: SPREE PR/Kuska
7. Nach ungefähr acht Stunden auf der Kläranlage erreicht das gereinigte Abwasser die letzte Station: den Ablauf. Olaf Tessmer, Fachkraft für Abwassertechnik, nimmt zur Kontrolle eine Probe. Die Qualität des Wassers ist nun so hoch, dass es in den natürlichen Kreislauf zurückkehren – oder wie der Fachmann sagt: in den Vorfluter eingeleitet werden kann. Das geschieht ebenfalls in automatisierten Intervallen.
Foto: SPREE PR/Kuska
8. Im Probenanalyseraum wird die Metamorphose des Abwassers noch einmal deutlich. Links: Abwasser, wie es auf der Kläranlage ankommt. In der Mitte hat sich der Belebtschlamm abgesetzt und über sich eine Klarwasserschicht gebildet. Rechts: Abwasser, wie es am Ende der Reinigung der Natur zurückgegeben wird.