Kommentar
So darf es nicht laufen!
Ihre besten Zeiten erreichen Marathonläufer, wenn die Strecke von 42,195 km über plattes Land verläuft. Am besten bei Windstille und milden 18 Grad. Nachvollziehbar. Nun stellen Sie sich vor, die Strecke führe schnurstracks die Zugspitze hinauf. Ein Knochenjob. Sisyphos lässt grüßen. Die Wasserwirtschaft steht vor einer ähnlich gelagerten Herausforderung: dieselben Ziele erreichen – jederzeit einwandfreies Trinkwasser und umweltgerechte Abwasserreinigung – unter immer schwierigeren Rahmenbedingungen. Gestresste Grundwasserpegel aufgrund der Klimakrise und Rekordverbräuche in immer häufigeren Dürrephasen belasten die Trinkwasserproduktion. Aber es läuft ja …
Mit Phosphor-Recycling, Mikroplastik-Belastung, PFAS, wachsenden Arzneimittelrückständen, einer vierten Reinigungsstufe zur Eliminierung u. a. von Mikroschadstoffen muss sich die Abwasserbehandlung rumschlagen. Aber es läuft ja …
Die Wasserwirtschaft ist und bleibt der „Reparaturbetrieb der Gesellschaft”. Dabei vermisst sie eine klare Priorisierung des Trinkwassers als Lebensmittel – über wohlfeile Sonntagsreden hinaus. Die Wasserwirtschaft vermisst das konsequente Tragen von Verantwortung gemäß dem Verursacherprinzip, also das Vermeiden schadhafter Einträge an der Quelle. Sie vermisst straffe Genehmigungsprozesse, die Entscheidungen in angemessener Zeit hervorbringen.
So darf es nicht laufen!

