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Thüringen

„Heute handeln, um morgen geschützt zu sein“

Seit über drei Jahrzehnten ist das Thüringer Wasserkolloquium in Erfurt ein fester Treffpunkt für Fachleute aus Praxis, Forschung und Lehre der Wasserwirtschaft. Am 5. März 2026 knackte die Tagung mit 225 Teilnehmenden und 43 Ausstellern einen neuen Besucherrekord.

Teilnehmer des 31. Thüringer Wasserkolloquiums erhielten aktuelle Einblicke in Innovationen der Wasserwirtschaft.
Foto: SPREE-PR/Swoboda

Das vielfältige Programm bot verschiedene Themenschwerpunkte und lud zum fachlichen Austausch und intensiven Diskussionen ein. Ein zentrales Thema ist nach wie vor die Trinkwasserkapazität in Thüringen in den Sommermonaten. „Spätestens seit dem extremen Trockensommer 2018 in Thüringen arbeitet die Branche intensiv daran die Versorgung auch in längeren Dürrephasen sicherzustellen“, erklärt Uwe Weiß, Vorsitzender Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) Landesgruppe Mitteldeutschland. Und fügt hinzu: „Gemeinsam mit dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUENF) entwickeln die Trinkwasserversorger gezielte Maßnahmen, um die Versorgungssysteme stabil zu halten.“

Die Vortragspausen nutzten Aussteller und Besucher für intensive Fachgespräche.
Foto: SPREE-PR/Swoboda

Frühzeitig und flexibel reagieren

Wie das konkret aussehen kann, schilderte Thomas Dierkes, Geschäftsführer der Thüringer Fernwasserversorgung am Beispiel der Niedrigwassersituation 2025 an der Oda-Thal-Sperre. Durch Flexibilisierung der Hochwasserrückhalteräume und Anpassung der Versorgungsstufen blieb die Trinkwasserversorgung stabil. „Aber wir haben unsere Grenzen erkannt und sind damit besser vorbereitet“, fasst Thomas Dierkes zusammen und verweist zudem auf die guten Ausgangsbedingungen Thüringens als Talsperrenland.

Digitale Sicherheit stärken

Die Grenzen seines Versorgungssystems kennen, um gezielt gegenzusteuern – das war auch das Fazit von André Jäger, jedoch mit Blick auf die digitale Sicherheit. Der Werkleiter vom Zweckverband Wasser Abwasser Suhl „Mittlerer Rennsteig” erläuterte in seinem Vortrag, die aktuellen Anforderungen an die Cybersicherheit der Zweckverbände. „Wir müssen uns heute dem Thema digitale Sicherheit zuwenden, um morgen ausreichend geschützt zu sein vor Hackerangriffen“, fasst André Jäger zusammen.

Konkret geht es um die NIS-2-Richtlinie (Netz- und Informationssicherheit): eine EU-weite Regelung, die speziell Unternehmen in kritischen Infrastrukturen wie die Wasserwirtschaft betrifft und im Dezember 2025 in Deutschland in Kraft getreten ist. Neu ist, dass Cybersicherheit ausdrücklich zur Pflicht der Unternehmensleitung wird und bereits für Betriebe ab 50 Mitarbeitenden gelten.

Großes Interesse fand auch das Thema digitale Wasserzählertechnologie. Susanne Kaiser, Geschäftsführerin der Thüringen Wasser GmbH, berichtete über den Umstieg von analogen auf digitale Wasserzähler. Die neue Technologie punktet mit einer längeren Nutzungsdauer und vereinfachten Ableseprozessen: Statt Vor-Ort-Terminen werden die Zähler per Drive-by-Verfahren – also vom fahrenden Fahrzeug aus – ausgelesen. Darüber hinaus ermöglichen präzisere Messmethoden eine schnellere Erkennung und Behebung von Leckagen, indem gelieferte und gemessene Verbrauchsmengen automatisch abgeglichen und Verluste frühzeitig sichtbar gemacht werden.

Einige Themen des 31. Thüringer Wasserkolloquiums: Einordnung der Niedrigwassersituation 2025 an der Ohratalsperre PFAS: Risiken, Bewertungen und Vorkommen im Trinkwasser  Umsetzung des Wassersicherstellungsgesetzes in Thüringen Umsetzung der NIS-2-Richtlinie am Beispiel eines Zweckverbands Aktuelle Einblicke in Forschung und Weiterbildung  Erfahrungswerte zum Zählertechnologiewechsel und Water Loss Management Generalinstandsetzung Talsperre Weida – aktueller Stand und Ausblick

Die Trinkwasserversorgung steht vor vielfältigen Herausforderungen. Konkret bedeutet das: Wir müssen Systeme flexibler vernetzen, Speicher strategisch bewirtschaften und Entnahmen noch stärker an hydrologische Entwicklungen anpassen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Wassereffizienz, Digitalisierung und die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur weiter an Bedeutung. Das Thüringer Wasserkolloquium ist ein besonders wichtiges Forum, weil hier Versorger, Behörden und Fachleute gemeinsam praxisnahe Lösungen entwickeln und Erfahrungen austauschen, um die Versorgung auch langfristig zuverlässig und nachhaltig zu gestalten.

Prof. Dr. Martin Feustel
Prof. Dr. Martin Feustel Abteilungsleiter Technischer Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Bergbau am Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Kommentar der Herausgeber der WASSERZEITUNG

Die Lage ist ernst?

Wenn Thüringer Wasserversorger, die Fachhochschule Erfurt, Ministerien, Behörden und Fachaussteller zum Wasserkolloquium in Erfurt zusammenkommen, dann geht es um einen fachlichen Austausch zu aktuellen und relevanten Themen: Wie viel Wasser steht für die Grundwasserneubildung zur Verfügung? Wie geht man künftig mit Wasserinhaltsstoffen um? Welche Vorteile bietet der flächendeckende Einsatz digitaler Wasserzähler? Wie schützen sich Wasserversorger wirksam vor Cyber-Angriffen?

Diese und viele andere Themen wurden beim 31. Wasserkolloquium im März 2026 diskutiert. Dass das Angela Merkel zugeschriebene Zitat „Es ist ernst, nehmen Sie es auch ernst” aus der Coronazeit dabei immer wieder sinngemäß aufgegriffen wurde, wird der Situation der Trinkwasserversorgung in Thüringen eigentlich nicht gerecht und klingt pessimistischer als die Lage ist.

Die Wasserversorgung war in den letzten Jahren zu jedem Zeitpunkt gesichert. Es gibt natürlich viele neue Themen und viele Herausforderungen, mit denen die Wasserversorger umgehen müssen. Aber auf dem Wasserkolloquium wird eines klar: Man hilft sich gegenseitig und findet gemeinsam zu neuen Ideen. Das eint die Wasserwirtschaftsfamilie seit jeher.

Die Wasserversorgung funktioniert in Thüringen gut, doch es wäre wichtig, dass sich die Versorger wieder mehr auf ihre Kernthemen konzentrieren können, als die nächste Berichtspflicht zu erfüllen oder die nächste behördliche Statistik und Risikomanagementmaßnahme abzuspulen.

Besser wäre es zu sagen: „Die Lage der Thüringer Wasserversorgung ist stabil. Sorgen wir dafür, dass das so bleibt”.


Gerd Hauschild

Gerd Hauschild

Geschäftsleiter des ZV Mittleres Elstertal

Steffen Rothe

Steffen Rothe

Werkleiter des ZWA „Thüringer Holzland”

Andreas Stausberg

Andreas Stausberg

Geschäftsleiter des ZWA Saalfeld-Rudolstadt

Ralf Engelmann

Ralf Engelmann

Geschäftsleiter des ZWA „Obere Saale”

Fotos (4): SPREE-PR/Archiv