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Vorkommen direkt verknüpft mit Gewässerqualität / Fisch als Bio- und Klima-Indikator

Wie geht es der Meerforelle?

Zwar heißt sie Meerforelle, doch einen Großteil ihres Lebens verbringt sie in kleinen, oftmals unscheinbaren Fließgewässern im Hinterland. Das Vorkommen der zwar wandlungsfähigen, aber sensiblen Fische gibt Aufschluss über den ökologischen Zustand ihres Lebensraumes. Das Institut für Fischerei betreibt im Poischower Mühlenbach bei Grevesmühlen eine von insgesamt zehn Fischzähleinrichtungen zur Erfassung von Meerforellen.

Am Poischower Mühlenbach hat Armin Steibli weitere Laichplätze entdeckt und direkt ins digitale System eingepflegt. Foto: SPREE–PR/Galda

Die Fischzähleinrichtung im Grevesmühlener Ortsteil Wotenitz ist die jüngste und startet in ihre zweite Saison. „In diesem Abschnitt des Stepenitz-Maurine-Systems wollten wir eine bessere Datengrundlage. In der Wismarer Bucht sowie im Warnow-Einzugsgebiet erfolgt in MV ein maßgeblicher Teil der Reproduktion der Meerforelle. Hier spielt die Musik“, erklärt Armin Steibli die Standortwahl.

„Die videooptische Zähleinrichtung am Poischower Mühlenbach liegt günstig vor den Laichgebieten im teils kiesigen Oberlauf, sodass wir die Tiere auf dem Weg dorthin gut erfassen können.“ Dass sich in unmittelbarer Nähe ein Abwasserpumpwerk befindet, war ein günstiger Zufall. „Der Zweckverband Grevesmühlen hat uns schnell mit dem benötigten Stromzugang geholfen, eine tolle Zusammenarbeit“, richtet der Fachmann einen Dank an den Partner vor Ort.

Der Lebenszyklus der Meerforelle startet im Bach, hier halten sich die Jungfische auf, bevor ein Teil von ihnen ins Meer zieht. Zum Laichen kommen sie zurück in ihre Kinderstube. Abb. KI-generiert und A. Steibli

Kleine Nebenflüsse wichtig als Kinderstube

Der Poischower Mühlenbach, ein kleiner Zufluss der mecklenburgischen Stepenitz, hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Nach der Entfernung von Staustufen und aufgrund einiger Renaturierungsmaßnahmen ähnelt der Bach wieder mehr einem natürlichen Gewässer – und eignet sich auch wieder besser als Kinderstube für Meerforellen. Bis zu 50 Kilometer legen die fleißigen Wanderfische von der Ostsee über Trave und Dassower See bis zu ihren Laichplätzen im Poischower Mühlenbach zurück. In anderen Teilen des Landes sind es gerne mal über 100 Kilometer. Armin Steibli kartiert die Laichplätze und gleicht diese Daten mit den Kamerazählungen ab. So ergibt sich ein gutes Bild über die Nutzung des Bachs als Laichgebiet. Bei seinen Kartierungen beobachtet er auch, an welchen Stellen Gefahren lauern.

Zehn Zähleinrichtungen helfen in MV, die Vorkommen der Meerforelle zu messen. Grafik: A. Steibli

Natürliche Feinde sind u. a.

Fischotter, Kormorane und Reiher, das gehört dazu. Den größten Einfluss hat allerdings der Mensch. „Nur etwa 5 Prozent der Fließgewässer in MV sind in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand“, berichtet Armin Steibli. Viele Bäche sind begradigt und oft fehlt die ehemals vorhandene schattenspendende Ufervegetation, die im Sommer Temperatur und Pflanzenwachstum regulieren würde. Ein Mähen mit möglichen Eingriffen in die Bachsohle und somit die Laichplätze wäre dann nicht mehr nötig.

„Die Meerforelle ist Bio- und Klimaindikator unserer Fließgewässer, ihr Schutz eine Gemeinschaftsaufgabe von Behörden, Gewässerunterhaltern, Wissenschaft, Naturschutzverbänden, Vereinen und Ehrenamtlichen“, so der Experte. Armin Steibli zog übrigens 2011 aus Süddeutschland nach Rostock, weil er „irgendwas mit Fisch“ machen wollte, diese Richtung verfolgte er mit einem Studium an der Uni Rostock beharrlich und ist heute im Institut für Fischerei, das zum Landwirtschaftsministerium gehört, für die Meerforelle zuständig.

Begeistert erzählt der 40-Jährige von dem Verwandlungskünstler. „Die Meerforelle startet im Süßwasser und stellt sich automatisch auf Salzwasser um.“ Durchschnittlich misst der torpedoförmige Fisch 60 Zentimeter, kann aber auch bis zu 130 Zentimeter groß und bis zu 20 Kilogramm schwer werden. Silbern glänzt der Lachsfisch unterjährig, braunrot ist sein Gewand zur Laichzeit. Diese startet meist Ende September und zieht sich bis in den Januar. „Hier sind die Meerforellen am verwundbarsten. Lassen Sie die Fische beim Aufstieg und in den Laichgebieten bitte in Ruhe“, so sein Appell an den Menschenverstand, dem Umweltschutz nicht gleichgültig sein sollte.