Löschwasser für alle?
Trinkwasserversorgung und Löschwasserbereitstellung sind zwei verschiedene Aufgaben mit verschiedenen Zuständigkeiten. Wenn in einem Ort der Hydrant nicht genügend Wasser liefert, ist der erste Gedanke oft: Das müsste der Wasserversorger richten. Doch das stimmt so nicht.
Die Löschwasserbereitstellung gehört nicht zu den Aufgaben des Zweckverbandes. Das ist Aufgabe der Städte und Gemeinden. Was der Zweckverband liefert, ist sauberes Trinkwasser. Und das hat seine Grenzen – aus gutem Grund.
Löschwasser bereitstellen
Der Zweckverband Festland Wolgast unterhält das Trinkwassernetz: Er sorgt dafür, dass das Wasser sicher, sauber und in ausreichender Menge und zu einem fairen Preis beim Kunden ankommt. Die Bereitstellung von Löschwasser hingegen ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Städte und Gemeinden im Verbandsgebiet sind dafür verantwortlich, ausreichend Löschwasser vorzuhalten – zum Beispiel über Brunnen, Löschteiche, Behälter oder gezielte Maßnahmen an der Infrastruktur.

Ein Hydrant am Wegesrand: Wo das Trinkwassernetz endet, endet auch die Zuständigkeit des Zweckverbands – Löschwasser ist Aufgabe der Gemeinden. Foto: Pixabay
Natürlich können die Hydranten im Trinkwassernetz bei Brandfall oder anderen Notfällen für die Erstbrandbekämpfung genutzt werden. Wo das Trinkwassernetz für Löschwasserzwecke angezapft wird, setzt das voraus, dass die Leitungen, Druckstationen und Behälter dafür ausgelegt sind. In weiten Bereichen von Wolgast und Teilen von Lassan ist das Netz ausreichend dimensioniert. Die Hydranten sind entsprechend gekennzeichnet.
An vielen anderen Stellen im Netz ist das so nicht möglich.
Ein physikalisches Problem
Kleine Orte wie Klotzow, Wrangelsburg oder Gladrow, liegen am Ende des Versorgungsnetzes. Das Verteilungsnetz dorthin ist so dimensioniert, dass eine zuverlässige Trinkwasserversorgung mit gleichbleibenden Druckverhältnissen sicher gewährt wird. Für die im Brandfall benötigten Mengen an Löschwasser ist das Netz schlichtweg zu klein. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern dem Umstand geschuldet, dass wenige Haushalte versorgt werden müssen: Eine größere Leitung wäre technisch und aus hygienischen Gründen unsinnig und wirtschaftlich nicht vertretbar.
Versorgung nicht gefährden
Wenn hier durch die Feuerwehren zur unmittelbaren ersten Gefahrenabwehr aus dem Netz Trinkwasser zu Löschzwecken entnommen wird, kann dies zu erheblichen Problemen in der Versorgungsstabilität und der Trinkwasserqualität führen. Schlimmstenfalls bricht der Druck im Netz zusammen und damit die Versorgung. Ein zu schnelles Öffnen und Schließen der Schieber führt zu Druckstößen im Netz, die Rohrbrüche nach sich ziehen können. Die Versorgung mit reinem Trinkwasser sicherzustellen hat für den Zweckverband daher stets Vorrang.

