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Moderner Bolzenschuss statt Gift / Schutz der Kanalisation

Ratten im Kanal: Der Zweckverband handelt

Sie leben dort, wo es warm ist, Wasser fließt und Nahrung nicht weit ist: in unserer Kanalisation. Ratten sind ein bundesweites Problem. Der Zweckverband Festland Wolgast begegnet ihnen mit modernen Bolzenschussfallen: präzise, umweltfreundlich und ohne das Risiko von Resistenzbildung. Doch die beste Technik hilft kaum, wenn Ratten weiterhin reichlich Futter finden. Und das liegt auch in Ihrer Hand.

Karikatur: Muzeniek

Die Wanderratte lässt sich gern dort nieder, wo gute Bedingungen herrschen. Die warme Kanalisation bietet ihr genau das – und wir Menschen liefern oft unbewusst noch die Mahlzeiten dazu. Essensreste, die über Toilette oder Spülbecken entsorgt werden, landen direkt im Abwasserkanal und werden zur Nahrungsquelle. Kartoffeln, Fleisch, Speisereste: Was für uns Abfall ist, ist für Ratten ein gedeckter Tisch.

Auch Komposthäufen in Haus- und Kleingärten sind ein Problem, wenn Küchenabfälle offen eingebracht werden. Ratten erreichen sie oft direkt über Kanalverbindungen.

Die Botschaft ist klar: Lebensmittelreste gehören in die Biotonne – nicht in den Abfluss und nicht auf den offenen Kompost.

Der Zweckverband Festland Wolgast setzt seit 2021 auf zertifizierte Bolzenschussfallen des Herstellers Anticimex – und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Chemische Rattengiftstoffe, sogenannte Rodentizide, sind nicht nur problematisch für Greifvögel und andere Tiere, die vergiftete Ratten fressen. Ratten entwickeln auch über Generationen Resistenzen gegen diese Wirkstoffe. Was heute tötet, zeigt morgen keine Wirkung mehr. Die Bolzenschussfallen umgehen dieses Problem vollständig: kein Gift, kein Risiko für andere Tiere, keine Resistenzbildung.

Die Technik ist ebenso intelligent wie tierschutzkonform: Ein Sensor in jeder Falle misst Bewegung und Körperwärme. Spricht er an, löst die Falle sofort aus. Das Tier stirbt ohne Leid, die Falle setzt sich selbst zurück. Zusätzlich zählt jedes Gerät automatisch die Abschüsse und sendet die Daten zur wöchentlichen Auswertung. So weiß der Zweckverband genau, wo der Befall besonders hoch ist und wo nachbestellt werden muss.

Foto: ZV Festland Wolgast

Ratten frühzeitig entdecken

Seit 2025 sind acht Geräte an 34 Standorten im Einsatz – vor allem in Wolgast und Lassan. Insgesamt wurden im Jahr 2025 bereits 1.625 Abschüsse registriert. 2026 sind bisher 16 Schächte besetzt, 513 Abschüsse wurden schon gezählt. Aktueller Schwerpunkt ist die Heberleinstraße in Wolgast mit 213 Abschüssen. Zusätzlich setzt der Zweckverband vier Infrarotkameras ein, um Rattenaktivität in Kanälen frühzeitig zu erkennen – eine Methode, die sich in der Praxis als zuverlässiger erwiesen hat als klassische Köder.

Was können Sie tun?

Der Zweckverband darf Ratten nur in der Kanalisation bekämpfen, nicht auf privaten Grundstücken oder an der Oberfläche. Wer eine Rattenbeobachtung meldet, hilft dabei, Schwerpunkte frühzeitig zu erkennen. Die wichtigste Vorbeugung aber liegt im Alltag:

  • Keine Speisereste über Toilette oder Spülbecken entsorgen.
  • Kompost geschlossen halten – Küchenabfälle in den Behälter, nicht offen aufschütten.
  • Tiernahrung und Vogelfutter in verschließbaren Behältern lagern.
  • Rattenbeobachtungen dem Zweckverband Festland Wolgast melden.