Brandenburg
Damit Goldalge & Co. keine Chance haben
Bis zum Start der Badesaison müssen sich Wasserratten noch gedulden. Dass sie in einwandfreie Gewässer tauchen können, kontrollieren die Gesundheitsämter gewohnt regelmäßig. Doch das behördliche „Wasser-Monitoring“ geht weiter über deren Tests hinaus.

Bild/Grafik: Landesamt für Umwelt
Als „Meilenstein für den Gewässerschutz“ gilt die vor mittlerweile 25 Jahren verabschiedete EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sämtliche Gewässer Europas – Flüsse, Seen und Grundwasser – sollen bis spätestens Ende 2027 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen. Aus Sicht der Wasserwirtschaft ein unverzichtbares Ziel: Gesunde Oberflächengewässer sichern schließlich (direkt wie indirekt) unsere Trinkwasserversorgung.
Die Flüsse im Blick
„Zwar haben der Ausbau und die Qualitätssteigerung der Kläranlagen zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität in den Fließgewässern in den vergangenen drei Jahrzehnten geführt. Doch die zunehmenden und bisweilen extremen Niedrigwasserverhältnisse können zu einer Konzentration von Stoffen führen, die sich negativ auf die Gewässerqualität auswirkt“, so Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt (LfU) in Potsdam. Für sein Gewässer-Monitoring greift das LfU auf ein eigenes Wassergütemessnetz (WGMN) mit festen automatischen Stationen zurück. Diese sind unter anderem an der Oder, Spree, Neiße, Havel, Elbe und am Teltowkanal installiert.
Sensible Gewässer
Die Messstationen sind Bestandteil langfristiger Untersuchungsprogramme. Auswirkungen von Störfällen, z. B. in Industriebetrieben oder bei Schiffsunglücken, fallen schneller auf. Die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen kann besser verfolgt werden. Aber auch bei kleineren Verunreinigungen, etwa durch illegal entsorgtes Altöl, schlagen die Messstationen schnell Alarm. Denn die erhobenen Daten sind stundenaktuell. „2023 wurde in der ersten deutschen Automatischen Messstation an der Oder nach Grenzübertritt in Frankfurt (Oder) ein zusätzliches Daphnientoximeter* in Betrieb genommen“, berichtet Thomas Frey von einer Maßnahme nach dem Fischsterben 2022. „Durch das zusätzliche Gerät können toxische Stoffe im Fließgewässer bereits in Frankfurt (Oder) unmittelbar erkannt werden. Seitdem sind sensible Gewässer im Oderbruch und im Nationalpark Unteres Odertal im Ernstfall früher und somit effizienter geschützt.“
Wo gibt’s Auskunft?
Verursacher des Fischsterbens war die Goldalge, Prymnesium parvum. Das Gewässer-Monitoring wurde derart verfeinert und um ein Warnsystem ergänzt, dass ihr Vorkommen an neun ausgesuchten Messstellen in der Oder sowie einigen Nebengewässern nun direkt bewertet werden kann. Steigt die Konzentration der Goldalge, wird die Probennahme verschärft.
Wer sich über Qualität und Quantität der märkischen Fließgewässer informieren möchte, findet hier die Daten.
Ein noch umfangreicheres Daten-Angebot für Gewässer vor der Haustür genauso wie das Grundwasser unterhalb der Haustür präsentiert die „Auskunftsplattform Wasser“. Aus Kapazitätsgründen werden hier jedoch nicht alle 3.000 Brandenburger Seen, sondern nur diejenigen mit einer Fläche von mehr als 50 Hektar berücksichtigt. Dank der engen Vernetzung mit dem LfU sowie den Fischereibehörden und den Wasser- und Bodenverbänden können die Unteren Wasserbehörden zu kleineren Gewässern Auskunft geben: https://apw.brandenburg.de (Hinweis – auf Zoom-Button klicken)
* Gerät, das auf Basis des Verhaltens von Wasserflöhen (Daphnien) arbeitet, um die Giftigkeit (Toxizität) von Wasserproben zu messen.