Herausgeber: LWG Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG   • Ausgabe Cottbus

Den größten Wiederverwendungsbedarf ­für geklärte Abwässer ermittelte eine deutschlandweite Befragung für die  Landwirtschaft sowie die Bewässerung von städtischen Grünflächen – Tendenz steigend! Foto: SPREE-PR/Archiv

EU-Verordnung zur Wasserwiederverwendung tritt 2023 in Kraft 

Künftig geklärte Abwässer auf den Feldern?

Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Die landwirtschaftliche Nutzung der geklärten Abwässer ist hier, wie in vielen anderen Ländern der südlichen Hemisphäre, für Produzenten unverzichtbar. Meist befinden sich die Anbaufelder für Obst und Gemüse direkt im Umfeld von Kläranlagen. Im Sommer werden nahezu 100 Prozent des gereinigten Wassers zum Bewässern genutzt. Im Winter fließt in Jordanien ein Teil des geklärten Abwassers über Flüsse ins Tote Meer oder den See von Genezareth. 

Ob sich eine solche Wasserwiederverwendung wohl auch für Brandenburg lohnt? Oder sogar unverzichtbar werden könnte? Immerhin beklagte die Landesregierung in Potsdam im August „die schlimmste Dürre in der Geschichte des Landes“.

Welchen Bedarf gibt es?

Für die konkrete Wiederverwendung von Abwasser gibt es kaum praktische Erfahrungen in Deutschland. Um seine Wirtschaftlichkeit einzuschätzen, entwickelte das Institut für Ressourcenmanagement „inter3“ im FLEXITILITY-Projekt ein Geschäftsmodell ­ gemeinsam mit dem Herzberger Wasser- und Abwasserzweckverband HWAZ. „Zuerst wurden den Flächen im Umkreis von 2 Kilometern um die Kläranlagen des HWAZ mithilfe von Geodaten bestimmte räumliche Funktionen zugewiesen“, erläutert Helke Wendt-Schwarzburg von inter3. „Anschließend wurden diejenigen Flächen ausgewählt, auf denen landwirtschaftliche Produkte angebaut werden, deren Bewässerung sich wirtschaftlich lohnen würde.“ Der Wasserbedarf wurde mithilfe eines institutseigenen Tools errechnet.

HWAZ wird zum Vorreiter 

Es folgt eine Kosten-Nutzen-Analyse, um die Wirtschaftlichkeit zu beurteilen. Das Ergebnis ist eindeutig, berichtet Helke Wendt-Schwarzburg: „Den Ausgaben einer umweltgerechten Wiederverwendung stehen als Einnahmen die landwirtschaftlichen Mehrerträge gegenüber, die im Fallbeispiel Herzberg höher ausfallen als die Ausgaben.“ Um die Potenziale zu nutzen, wird nun auf der HWAZ-Kläranlage Uebigau eine Pilotanlage installiert. In dieser wird das Klarwasser aus der letzten Reinigungsstufe mit UV-Licht desinfiziert. Danach können mit ihm Tierfutter und Energiepflanzen produziert sowie umliegende Grünflächen als Modell für städtische Grünflächen ­ bewässert werden. Der HWAZ nimmt damit eine Vorreiterrolle nicht nur in Brandenburg, sondern für ganz Deutschland ein.

Positive Effekte für die Natur

Der Wiederverwendung von geklärten Abwässern dürfte die Zukunft gehören, unter strengen Auflagen, die auch die 2023 in Kraft tretende EU-Verordnung zur Wasserwiederverwendung beschreibt. Eine deutschlandweite Befragung von Abwasserentsorgern durch inter3  und die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) zeigt: Die Betriebe sehen heute einen eher geringen Bedarf an Wiederverwendung, prognostizieren aber für die Zukunft einen starken Bedarf. „Damit würden unter anderem regionaler Wasserrückhalt und Wertschöpfung gesichert, die Verschlechterung der Böden vermieden und Potenziale für landwirtschaftliche Produkte gehoben“, sagt Helke Wendt-Schwarzburg.

Nur ohne Keime und Viren

Den Versuch der EU, die Wiederverwendung von Abwasser europaweit zu harmonisieren, begrüßt Dr. Friedrich Hetzel von der DWA im neuen Podcast der WASSER ZEITUNG ausdrücklich. „Wir sprechen ja nicht davon, den heutigen Ablauf der Kläranlage direkt zu verwenden. Die EU-Verordnung macht hinsichtlich der Wasserqualität klare Vorgaben. Es geht vor allem darum, Keime und Viren zu eliminieren.“ Mit Vehemenz wirbt der DWA-Abteilungsleiter Wasser und Abfallwirtschaft dafür, unser Wasser in seinem Kreislauf zu belassen: „Deswegen ist eine Wasseraufbereitung des Klarwassers zur Wiederverwendung durchaus sinnvoll.“ Und das muss nach Auffassung von Dr. Hetzel keine ferne Zukunftsmusik sein. „Es ist immer die Frage, was für ein Wasser ich brauche. Zur Bewässerung eines Parks brauche ich ja nicht die gleichen hohen Anforderungen, wie wenn ich roh verzehrbares Gemüse wässern will.“ 

Die EU-Verordnung zur Wasserwiederverwendung beschreibt Mindestanforderungen an die Wasserwiederverwendung und ist auf die landwirtschaftliche Bewässerung beschränkt, weil diese in einigen Mitgliedstaaten wirtschaftlich sehr relevant ist und dafür ein großer Teil des Wassers verwendet wird.